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Full text of "Geschichte der Universität zu Kiel"

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GESCHICHTE 



DER 



UNIVERSITÄT ZU KIEL 



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VON 



H. RATJEN, 



DOCTOR DER RECHTE UND DER PHILOSOPHIE, PROFESSOR UND BIBLIOTHEKAR, 

CORRESPONDIRENDEM MITGLIEDE DES VEREINS FÜR HAMBURGISCHE GESCHICHTE, 

MITGLIED DER K. K. GEOLOGISCHEN REICHSANSTALT, CONFERENZRATH. 

RITTER^etc. 



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KIEL 1870. 

VERLAG DER SCBWEKS'SCHEN BUCHHANDLUNG. 



SCHLESWIG. 

DR. HEIBERG'S BUCHHANDLUNG. 



HADERSLEBEN. 

SCHWERS'SCHE BUCHHANDLUNG, 




Y 



DEC 14 1938 



fv"?^/**^ 



Dem Förderer meiner Studien) 



dem treuen Freunde 



August Twesten, 

Doctor der Philosophie und der Theologie, ordentlichem Professor 

der Theologie, Ober-Consistorial-Rath, Mitglied des Ober- 
Kirchenraths und der Prüfungs-Commission für die Candidaten 
des evangelischen Pfarramts in Berlin, Bitter des Danebrog- und 

des Bothen Adler-Ordens etc. 



dankbarst gewidmet 



▼on 



JH. JRai^en, 




a 



4 



1 



i 



Vorwort. 



Mein ursprllnglicher Plan bei der vorliegenden Arbeit war, 
die von mir in den Chroniken der Kieler Universität von 1856 
bis 1860 gegebenen Nachrichten über die Kieler Juristen-Fakultät 
und deren einzelne Mitglieder mit einer allgemeinen Einleitung 
verbessert drucken zu lassen. Die letztere ist ausführlicher ge- 
worden, als ich anfangs beabsichtigte, und ich sende sie jetzt 
allein in die Welt, indem ich das Weitere der Zeit vorbehalte. 
Der Name: ^Geschichte der Universität zu Kiel'' mag Manchen 
für diese Arbeit nicht entsprechend scheinen, weil sie sich vor- 
zugsweise mit den einzelnen Einrichtungen beschäftige. Mag sie 
denn eine Codification oder Repertorium sein. Die Thätigkeit 
einzelner hervorragender Professoren lässt sich leichter bei der 
Darstellung der einzelnen Fakultäten geben, als bei einer histo- 
rischen Darlegung des ganzen in vier Corporationen getheilten 
Instituts. Die Arbeit wäre bei einer näheren Berücksichtigung 
der Einzelnen zu umfangreich geworden. 

Ich will in diesem Vorwort oder dieser Einleitung, unter 
Hinweisung auf die folgende Geschichte der Universität, versuchen, 
eine Uebersicht des Ganzen mit Rücksichtnahme auf die Staats- 
verhältnisse zu geben und 

I. 

die Zeit von 1665, der Stiftung der Universität, bis zum Jahre 
1773, dem Austausch des grossfürstlichen Theils von Holstein 
gegen Oldenburg, kurz darlegen. 



VI 

Christian Albrecht, der Stifter der Universität, regierte bis 
1694. Unter ihm war die Lage des herzoglichen Landes nicht 
erfreulich. Dänemark und Schweden standen sich feindlich gegen- 
über, der Herzog neigte sich zu Schweden. Am 30. Juni 1675 
musste er bei einer Zusammenkunft mit dem Könige einen Ver- 
trag eingehen, in dem er auf die 1658 gewonnene Unabhängigkeit 
Schleswigs von der Lehnsherrlichkeit Dänemarks und andere 
Vortheile verzichtete. Der herzogliche Minister J. A. Kielmann 
und seine Söhne wurden nach Kopenhagen geführt, der Herzog 
verliess sein Land, war bis 1689 in Hamburg, erklärte den 
Rendsburger Vertrag für erzwungen und ungültig. Der herzog- 
liche Antheil Schleswigs ward von Dänemark occupirt, der Friede 
zu Fontainebleau im Jahre 1679 brachte keine vollkommene Ruhe, 
das herzogliche Schleswig ward 1684 wieder von Dänemark ein- 
genommen und die Beeidigung der Beamten verlangt. Durch 
den Altonaer Vergleich von 1689 wurden die Uneinigkeiten einst- 
weilen geschlichtet und der Herzog restituirt. *) 

Der Nachfolger Christian Albrechts, Herzog Friedrich IV., 
Schwager Karls XII., verpachtete sein Land, ging mit dem König 
von Schweden nach Polen und fiel 1702. Sein Sohn Carl Friedrich 
war bei des Vaters Tode zwei Jahre alt. Während der Vor- 
mimdschaft der Mutter, die leider 1708 starb, und des Onkels 
Christian August, Bischofs zu Lübeck, ward der herzogliche 
Antheil Schleswig- Holsteins von Dänemark occupirt. Holsteins 
herzoglicher Antheil ward 1720 dem Herzoge, wie der König 
erklären liess, aus königlicher Clemence und eigener Bewegung 
restituirt. ") Im herzoglichen Schleswig ward 1721 am 4. Septbn 
dem Könige als nunmehr alleinigen souverainen Landesherrm 
gehuldigt. ') Die Versuche, den Schleswigschen Antheil wieder 
zu erhalten, gelangen dem frommen, festen Herzoge nicht. Er 
weigerte sich, auf sein Recht zu verzichten, starb 1739. Die 
Regierung unter seinem Minister Görz, der den Präsidenten 
Wedderkopp beseitigte, war waghalsig und kostbar, nicht viel 



') Eine Uebersicht der Verhältnisse von 1658 bis 1689 geben die Nordal- 
bingischen Stadien 'B. 4 S. 139—200. 

*) Verzeichniss der Handschriften B. 1 S. 250. 

*) Verzeichniss der Handschriften B. 8 Abth. 1 S. 260 — 262. 



vn 

anders war sie unter Bassewitz. ') Auf Carl Friedrich folgte 
sein 1728 gebomer Sohn Carl Peter Ulrich, welcher sich mit 
der Prinzessin von Anhalt-Zerbst vermählte. Er starb 1762 mit 
Hinterlassung eines 1754 gebomen Sohnes Paul. Der Plan, den 
herzoglichen Theil Holsteins hinzugeben gegen die beiden Graf- 
schaften Oldenburg und Delmenhorst, ward 1750 und spö-ter von 
Dänemark in Petersburg eifrig betrieben. Die geheimen ßäthe 
des jungen Herzogs Carl Peter Ulrich schienen, wie die Kaiserin 
Elisabeth, dem Austausche geneigt, aber der Herzog weigerte 
sich, dem Vertrage seine Zustimmung zu geben. ') Das hundert- 
jährige Jubiläum der Kieler Universität ward nicht feierlich 
begangen (vergl. unten S. 25), Phil. Friedrich Haue, Professor 
der Theologie und Geschichte, hielt am 5. October 1765 seine 
Bectoratsrede, gedruckt in seinen sermanes de tempore, KiUae 
1766, in welcher er die Nichtfeier des Jubiläums durdi den 
Verfall der akademischen Gebäude, den Tod des Prokanzlers 
ßom, die Vacanz der Professur der Eloquenz, das hohe Alter 
mehrerer Lehrer und die . geringe Zahl der Studirenden ent- 
schuldigte. Die Universität hatte im Winter 17 J| vier ordent- 
liche Professoren der Theologie, zwei der Jurisprudenz, drei der 
Medicin, drei der Philosophie, einen ausserordentlichen Professor 
der französischen Sprache und einen der Philosophie, nämlich 
Milow, der über das alte Testament und orientalische Sprachen 
las. Der ausserordentliche Professor der Philosophie und Ge- 
schichte J. B. Koehler ward erwartet, Professor Christiani über- 
nahm im Sommer 1766 zu seinen andern Aemtem auch das der 
Eloquenz und Poesie« Die Universität erhielt 1765 zu dem 



') Die gewissenlose Haushaltung des Freiherrn von Görtz ist gedruckt in 
Falck*s Sammlungen zur näheren Kunde des Vaterlandes B. 1 S. 1 — ISO. Aas 
der Handschrift: Das verwirrte Cimbrien in der Lebensbeschreibung Henning Fr. 
Grafen von Bassewitz, welches man dem 1724 entlassenen Professor Arpe zuschreibt, 
ist in Falck 1. c. S. 317—325 ein Auszug gedruckt. Die 1774 gedruckte Ge- 
schichte des Scbl.-Hol8t.-Gottorf. Hofes ist ein Auszug des verwirrten Cimbriens. 

*) R. Fr. Lynar Staatsschrifien ß. 1 $. 307. L. l&sst die Kuserin sagen : 
Comment viendrons nous k bout d'arracher du coeur de mon neveu ce miserable 
Holstein et Kiel, qu'il Charit plus que nous tous ensemble? und p. 452: Eh bien, 
que ce pajs s'en ailie k tous les diables, je voudrais, que les Danois l'eossent deja, 
afin que je n'en entendisse plus parier. 



vni 

Jubiläum eine Gratulationsschrift des Stettiner Professors Johann 
Carl Conrad Oelrichs: de Friderico Wilhelme Borussiae rege 
S. R. J* archicamerario et' elect. Brandenburg, cet. doctore juris 
ex numo* Oelrichs erzählt, dass 1706 bei dem Jubiläum der 
Universität Frankfurt der Prinz Friedrich Wilhelm, der nach- 
herige König Friedrich Wilhelm I., von der Universität Oxford 
zum doctor juris creirt wurde. 

Am 22. April 1767 ward der provisorische Austauschvertrag 
und, alß der Grossflirst Paul die Volljährigkeit erreicht hatte, 

l773 f j^p! der Definitivtractat geschlossen, der die lange Streitzeit 

endigte. Bei der feierlichen Uebergabe des bisher grossflirstlichen 
und gemeinschaftlichen Antheils von Holstein an den Grafen 
Reventlow, den Principal - Commissar Sr. Majestät des Königs 
von Dänemark, wurde (vergl. 8. 26 unten) die Versicherung 
ertheilt, dass die Kieler Universität bei ihren Privilegien, Ge- 
rechtsamen, Immunitäten und Freiheiten kräftigst geschützt werden 
solle* Die Occupationen und Restitutionen hörten auf. Während 
der Occupation des herzoglichen Antheils von Schleswig wurden 
die Beiträge mehrerer Schleswiger Landschaften zu dem herzog- 
lichen Convikt auf der Kieler Universität nicht bezahlt (vergl. 
S. 117unten)* Dies ward 1768 nach dem provisorischen Tractat 
gebessert. Der König verpflichtete am 1. Februar 1768 seine 
Unterthanen in „Unserm Herzogthum Schleswig, im Herzogthum 
Holstein Unsers Antheils, in Unserer Herrschaft Pinneberg, 
Grafschaft Bantzau und in Unserer Stadt Altena, welche sich 
den studiis widmen und zu solchem Ende auf Akademien begeben 
wollen, zwei volle Jahre auf der Christian - Albrechts Akademie 
zu Kiel zu studiren schuldig und gehalten sein sollen — oder 
gewärtigen sollen, dass sie zu keiner Beförderung in Unsem 
Herzogthümem weder in civilibus noch ecclesiasticis Hoffnung 
haben sollen.'' Die Besoldungen der Professoren wurden in den 
traurigen Jahren des verschuldeten herzoglichen Landes nicht 
regelmässig gezahlt. Die Kaiserin Catharina liess während ihrer 
Vormundschaft ein neues akademisches Gebäude aufführen und 
sorgte mehrfach für Besserung der Kieler Universität. 

Dass auf der kleinen Universität zu Kiel lange Zeit mehrere 
Fächer combinirt waren, darf uns nicht wundem. Die Wissen- 



IX 

Schäften waren früher nicht so specialisirt, wie später, und die 
finanzielle Lage gestattete nicht, so viele Lehrer anzustellen, um 
jeder besonders ausgebildeten Abtheilung einen eignen Lehrer 
zu geben. Die Profan- und die Kirchengeschichte hatten lange 
einen Lehrer, anfangs Watson, dann Tribbechovius. Cäso Gramm 
war Professor der Physik imd der griechischen Sprache, was sich 
wohl etwas durch die Herrschaft der aristotelischen Physik erklärt. 
Manche Professoren gehörten zwei Fakultäten an: Sam. Keyher 
war von 1674 — 1714 Professor der Mathematik und Jurisprudenz. 
Die Professur der Geschichte war zeitweise mit der Eloquenz 
verbunden, so bei D. G. Morhof 1673 — 1691, H. Muhlius war 
Professor der Thealogie, der sacrarum linguarum, der Homiletik 
und Poesie, 1695—1698, Dassov von 1698—1709 Professor der 
Theologie und der orientalischen Sprachen, Albert zum Felde 
Professor der Theologie so wie der Logik und Metaphysik von 
1709 — 1712. Manche Professoren hatten neben der Professur 
andere Aemter: Muhlius war eine Zeitlang Prediger in Kiel, 
dann Generalsuperintendent; Albert zum Felde war von 1712 an 
neben seiner Professur Prediger in Kiel. Die verschiedenen 
Aemter, welche dem Namen nach Job. Fr. Mayer bekleidete, 
hinderten ihn, sich der Kieler Universität zu widmen, sein Name 
steht von 1699 — 1703 in den Verzeichnissen der Kieler Vor- 
lesungen, er war aber zugleich Prediger an der Jakobikirche in 
Hamburg und hatte nominell andere Aemter. Seine Stellung 
war eine exceptioneUe. Die juristischen Professoren Eachel und 
Wedderkopp gingen 1676 in den Staatsdienst über, sie wurden 
von dem Herzoge zu mehreren Verhandlungen über des Landes 
Geschick gesandt. Amthor, der der philosophischen und juristischen 
Fakultät angehörte, ging 1714 in Königliche Dienste» Die medi- 
cinische Fakultät hatte lange Zeit nur zwei Professoren, theils 
nur einen Professor. Aus dem Iteglepjp^t und der Verordnung 
des Administrators Christian August vom 27. Januar 1707 § XI 
sieht man, dass damals in Kiel wenige Juristen imd Mediciner 
studirten. Es sollen nach diesem Reglement „alle und jede ein- 
heimische Studiosi theologiae, die Beförderung in hiesigen Landen 
hoffen, insonderheit die Conviktoristen von der ganzen theologischen 
Fakultät (unten S. 116) und deren membris mit Zuziehung der 
philosophischen (und falls einige juris oder medicinae studiosi 



vorhanden, auch der decanorum übriger Fakultäten) durch ein pro- 
gramma ad consistorium vorgeladen und ratione laborum et morum 
mit Fleiss daselbst examiniret — ♦"') Dass Kiel im Jahre 1707 
wenige Studirende der Medicin hatte, zeigt auch § IV desselben 
Reglements, in dem es heisst : „und werden übrigens wegen Selten- 
heit der studiosorum medicinae deren Professores so viel möglich 
daran sein, umb ihre lectiones ördinarias solcher Gestalt einzu- 
richten, dass auch der andern Fakultäten studiosi Nutzen davon 
haben können." 

Trotz aller Hindemisse wirkte dennoch die Universität 
Kiel günstig, namentlich, wie Köster in seiner Geschichte des 
Studiums der praktischen Theologie auf der Universität Kiel 1825 
und Lüdemann in der Chronik der Universität nachgewiesen haben, 
für den homiletischen Unterricht der Studirenden, Wir dürfen 
unter den theologischen Professoren der ersten Periode Christian 
Kortholt, Professor von 1665 — 1694, wegen seiner Verdienste um 
die Kirchengeschiohte hervorheben, femer Heinrich Muhlius, 
Professor von 1691 — 1733, der freilich, wie schon erwähnt ist, 
durch seine Generalsuperintendur in der Thätigkeit für die Uni- 
versität gestört wurde. Muhlius hatte viele Streitigkeiten über 
Chiliasmus und Pietismus mit dem Königlichen Generalsuperin- 
tenden Schwarz und mit dessen Nachfolger Dassov, der längere 
Zeit Professor in Kiel war und 1709 in Königliche Dienste trat. 
Bei dem Streit mit dem Juristen Franz Ernst Vogt, Professor 
von 1712—1724, über die symbolischen Bücher war wohl Vogt, 
ein Schützling des eine Zeitlang allmächtigen Görz, der angreifende 
Theil. (Thiess, Gel. Geschichte der Universität zu Kiel Th. 1 
S. 123 und Chronik der Kieler Universität 1858 S. 48—51.) 
Durch das auf Wedderkops und Muhlius Antrag am 27. Januar 
1707 erlassene Reglement ward das Studium auf der Kieler 
Universität gefördert. Muhlius hat dasselbe als Anlage zu seiner 
1713 gehaltenen Eede de libertate academica in seinen disser- 
tationes wieder drucj^n lassen. Diese Sammlung ist auch für 



*) Das Examen, um zomConvikt dagelassen zu werden, hatte damals nach 
} 12 dieses .Reglements der Generalsuperintendent abzuhalten. Zur Aufnahme war 
ein hochfUrstliches Rescript erforderlich. Seit 1775 hat die philosophische Fakultät 
die Prüfung der Bewerber um das Convikt, 



XI 

die Schleswig - Bklsteinische Gesdrichte nicht unwichtig, es ist 
darin die Geschichte des Bordesholmer Klosters enthalten. Dass 
trotz der theologischen Streitigkeiten die Universität Kiel durch 
seine Lehrer in der Theologie und Philosophie einige Anziehungs- 
kraft hatte, dürfte sich darin zeigen, dass Joh. Lor. Mosheim oder 
Mosheimb, wie er sich anfangs nannte, 1716 seine Studien in 
Kiel begann und nicht nach Halle ging, wo, wie Lücke in seiner 
1837 erschienenen narratio de Joanne Laurentio Moshemio p. 16 
sagt, Streitigkeiten störend einwirkten. Ausser Muhlius hatten 
Albert zum Felde und die Mitglieder der philosophischen Fakultät 
Nicol. Möller und Sebastian Kortholt besondem Einfluss auf ihn. 
Ein Freund von Muhlius, G. G. Richter, seit 1735 Professor der 
Medicin in Göttingen, sagt in einem Gedichte, welches er 1755 
bei Mosheim's Tode drucken Hess: 

„Muhlius excoluit, sed plus Feldenius hospes Ingenium — .'^ 
Es gelang nicht, Mosheim in Kiel zeitig eine Anstellung zu ver- 
sohaflfen, er war hier von 1718 — 1723 Privatdocent und Assessor 
der philosophischen F^akultät imd folgte dann einem Kufe nach 
Helmstädt. 

Praemia, quae patriae languens attentio terrae 
distulit, haud titubans extera terra dedit. 
Einige der juristischen Professoren der ersten Periode habe 
ich schon S. IX erwähnt. Die Oivilisten folgten in ihren Vor- 
trägen der legalen Ordnung, theils den Texten, wie Heinrich 
Michaelis, von 1666 — 1668 Professor in Kiel, theils legalen Oom- 
pendien, wie Sam» Reyher, Professor von 1665 — 1714, Bernhard 
Schultz, von 1674—1687, Elias August Stryk, von 1689—1697 
Professor in Eael, die Struves Compendium jurisprudentia Romano- 
german. forensis und J. J. Schoepffers Synopsis juris privati 
Bomani et forensis bei ihren Vorlesungen zum Grande legten. 
ScL war kurze Zeit, von 1^12 — 1714, Professor in Kiel, er war 
von Rostock für Kiel durch ein ungewöhnliches Salar gewonnen, 
ging wieder nach Rostock, soll hier und dort im Sinne der Re- 
gierung gewirkt haben. G. ßrökel, der hier von 1772 — 1788 
Professor war, las Pandekten nach Böhmer und Hellfeld, seine 
principia juris Romani vollendete er nicht. Die von dem gebomen 
Schleswiger G. Calixt oder Callisen, Professor in Helmstädt (f 1656), 



XII 



aufgestellte Behauptung *), Kaiser Lothar habe sieht das RöiQische 
Recht in Deutschland eingeführt, welche H. Conring und Kulpis 
unter dem Namen Sincerus und Thomasius ausführten und be- 
gründeten, konnte nicht ohne Einfluss auf das E/Ochtsstudium 
bleiben. Die Frage, wie das Römische Recht, wie das Deutsche 
Recht auf der Universität gelehrt werden solle, ward von Kieler 
Professoren mehrfach verhandelt. Professor Harpprecht schrieb 
in Kiel 1728 eine Schrift über den non usus des Schwaben- 
spiegels, des Alemannischen Land- und Lehnrechts, das jus 
commune bestehe nicht in den alten verlegenen teutschen Rechten, 
die Jugend werde verwirrt, wenn man die gemeinen geschriebenen 
Kaiserlichen und Lehnrechte als altverlegenes ohnnutzes Grezeug 
beschreibe. Sein Gegner Vogt, der in Kiel von 1712—1724 und 
wieder von 1730 -1736 Professor war, meinte, Harpprechts Mittel- 
strasse führe zum Holzweg, wo nicht zum düstem Brook der 
Glossatoren. Amthor, Professor des vaterländischen Rechts, ver- 
liess Kiel 1714, er las hier das Recht der manierlichen Sitten, 
über das Römische Recht nach eigner Ordnung, mit dem er die 
Abweichungen des Landesrechts verbinden wollte. Auf Amthor 
und dessen Nachfolger Arpe, der 1724 entlassen wurde, so wie 
auf Heubel geht wohl zunächst der Tadel Harpprechts. Heubel 
hatte 1722 in einer Rede de pedantismo juridico gegen den irra- 
tionabilem usum des Justinianischen Rechts geeifert. 

Das deutsche und vaterländische Recht ward auf der Kieler 
Universität gefördert durch den Curator Westphalen und dessen 
Nefifen Dreyer, die beide gegen das Römische Recht eingenommen 
waren (Ratjen, Dreyer und Westphalen, Kiel 1801 S. 160 u. f.). 
Arpes themis Cimbrica, die 1737 erschien, ist eine Vorarbeit zur 
Rechtsgeschichte, Dreyer vollendete seine Arbeit über das Schles- 
wig- Holsteinische Recht nicht, eben so wenig sein Nachfolger 
Winckler, dessen handschriftlich erhaltene historia juris patrii ist 
dürftig, wie Gadendams historia juris Cimbrici, die 1770 erschien. 

Die medicinische Fakultät hatte lange Zeit nur zwei Pro- 
fessoren: Joh. Dan. Major von 1665—1693 und Pechlin, der viel 
abwesend war, und später W. H. Waldschmied oder Waldschmidt 



*) Moller, Cimbria literata T. 3 p. 142—143. 



xm 

von 1691-1731 und Schelhammer von 1695-1716 (vergl. S. 24). 
Die Universität Kiel hatte wenige die Medicin Studirende, wie 
schon erwähnt wurde. 

Unter den Lehrern der philosophischen Fakultät dürfen 
wir den bekannten D. Gr. Morhof von 1665—1696 hervorheben 
(Jahrbücher fllr Landeskunde B. 1 S. 19—32), so wie den Ma- 
thematiker Koes von 1721 — 1766, den Historiker Lackmann von 
1733-1753, den Bibliothekar Hennings von 1738-1763, den 
Philologen J. B. Köhler von 1766—1769 und. den unermüdet in 
verschiedenen Fächern thätigen W. E. Ohristiani. In dem Winter- 
semester 17$J war er der einzige Professor der philosophischen 
Fakultät, er hielt* in den Jahren 1761 — 1793 historische, philo- 
sophische, mathematische und philologische Vorlesungen, Der 
Holländer Samuel Schass, Schüler M. Gude's, wollte durch sein 
1675 errichtetes Stipendium die studiosi optimarum literarum oder 
humaniorum literarum in Kiel fördern. Das ausgesetzte Geld 
musste erst durch einen Prozess erstritten werden, im Jahr 1705 
wurde eine bestimmte Anordnung getroffen (unten S. 132). 



Die zweite Periode der Geschichte der Kieler Universität 
geht von 1773—1813. Christian VII., unter dem der Austausch 
des grossfürstlichen Holsteins erfolgte, war 1766 dem Könige 
Friedrich V. gefolgt und lebte bis 1808, Der Kronprinz, der 
nachherige König Friedrich VI., ward 1784 Mitregent. Die Ode, 
welche Fr. L. Stolberg ihm 1792 sang, ist bekannt^ sie steht in 
Stolberg's Werken B. 2 S. 103 und ist auch in Herder's Briefen 
zur Beförderung der Huinanität 1 S. 175 gedruckt. 

Die Universität war seit 1773 Landesuniversität für die 
ganzen beiden Herzogthümer. Manche Umstände riefen einen 
gewissen Nationalstolz, einen Spracheifer hervor, gegen welche 
der Historiker Hegewisch, Professor der Geschichte in Kiel von 
1780 — 1812, sich in seiner 1784 erschienenen Schrift über die 
gegenseitigen Pflichten verschiedener unter Einem Oberhaupte 
vereinigter Nationen aussprach, er suchte es den verbundenen 
Nationen zur Pflicht zu machen, „jede der Sprache der andern 



Gerechtigkeit widerfahren zii lassen und sich ihrer Erlernung 
vorzüglich vor andern neuen Sprachen zu befleissigen.'' Hegewisch 
nennt nur Holsteiner, Normänner, Dänen, wie auch die Indigenats- 
ordnung von 1776 nur Dänen, Norweger, Holsteiner nennt. Die 
politische Richtung trat einige Zeit zurück gegen die Humanitäts- 
Bestrebungen für allgemeines Glück. Mehrere Professolren, wie 
Ohristiani, Schrader, Jensen, Hegewisch, Niemann, Reinhold, 
Weber, strebten für die Aufhebung der Leibeigenschaft, für Ver- 
besserung der Armenpflege. Die Gesellschaft freiwilliger Armen- 
pflege entstand in Kiel 1792, das Ehrengericht für Studirende 
1794, es ward 1806 aufgelöst. K. h. Reinhold's 1797 erschienene 
Verhandlungen über ein Einverständniss in dop Grundsätzen der 
sittlichen Angelegenheiten zeigen, was damals nicht Wenige be- 
wegte. Dumouriez, der längere Zeit in Holstein lebte, hatte in 
seinem tableau speculatif de TEurope, um Dänemark zu einer 
neuen Coalition gegen Frankreich zu bewegen, einer revolutionären 
Propaganda in Holstein erwähnt. Eine Abwehr dagegen erliessen 
am L März 1799 mehrere Kieler Professoren und einige Andere 
in Niemann's Schl.-Holst. Blättern für Polizei und Kultur 1799 
B. 1 S. 158 u. f. Nach Aufhebung des deutschen Reichs begann 
im Juli 1807 die Zeitung für Literatur und Kunst in den dänischen 
Staaten, um „die durch und miteinander vom Nordcap bis zur 
Elbe unter einem Scepter wohnenden Brüder mehr und mehr mit 
einander gegenseitig bekannt zu machen.'^ Sie erreichte ihren 
Zweck nicht. Die Redaction, welche sich nicht n^pnt, sagt: 
„Nach der nHheren Vereinigung, in welche Holstein 1806 mit 
Dänemark trat, wünschten höchste Beikommende die Herausgabe 
einer periodischen Schrift, worin dänische, norwegische und hol- 
steinische Pfleger der Wissenschaften vereinigt zur noch engem 
Verknüpfung dieses Bandes wirken könnten — ." 

Auf der Kieler Universität zeigten sich kleine Störungen 
(S. 35), namentlich durch F. Heegh-Guldberg's Schriften veran- 
lasst, es war dies jedoch vorübergehend» 

Ich will versuchen auch von der zweiten Periode Einzelnes 
hervorzuheben» 

In der theologischen Fakultät treten besonders J* Andr. 
Gramer und S. G. Geyser hervor, der erstere, seit 1764 deutscher 
Ho^rediger in Kopenhagen, folgte 1771 einem Rufe zur Superin* 



XV 

/ 

tendentnr nach Lübeck und ging 1774 als Professor der Theologie 
nach Kiel, er starb 1788 (vergL S. 26). Gr. W. Nitzsch sagte 
1833 Ton ihm in der memoria Andr. G. Orameri, des Sohnes von 
J. Andr. Gramer : Nihil verius dici potest, quam illum suo studio 
et intelligenti omnis eruditionis amore pariter ac superiorum 
voluntate et gratia promptissima academiae velut genium divinitus 
missum praesenti quodam numine adfuisse. Das in Kiel 1781 
errichtete Schullehrerseminar, welches später leider längere Zeit 
unthätig war, dann nach Segeberg verlegt wurde, verdankt Gramer 
seine Entstehung. Die Ritterschaft gab zur Errichtung dieser 
Anstalt 10,000 Rthln Gour. (Provinzialbericht 1788 S. 115-^117 
und unten S. 34.) . Geyser ward 1777 durch Gramer nach Bäel 
berufen. Seine ausgezeichneten Lehrgaben hebt auch der Jurist 
Gramer hervor (vergl. Falck's Magazin B. 5 S. 199—212). G. 
starb 1808. Jakob Ghristoph Rudolph Eckermann, von 1782 bis 
1837 ordentlicher Professor der Theologie, ward wohl neben 
Geyser am meisten von den Studenten gehört* J. Fr. Kleuker^s 
Wirksamkeit, er war von 1798 — 1827 Professor, passte nicht zu 
der Riclitung der Zeit, er wirkte durch seine Vorlesungen wenig. 
(Vergl. Ratjen, Kleuker und Briefe seiner Freunde S. 24.) Mein 
Freund Domer gab mir flir diese 1842 erschienene Schrift eine 
Mtttheüong über Kleuker^s theologischen Standpunkt, die S. 43 
bis 49 abgedruckt ist. Man sieht daraus, wie verkehrt Kleuker 
von Manchen beurtheilt wurde* In Glaus Hanns Lebensbe- 
schreibung, ^el 1857, finden sich S. 57 — 61 einige Worte über 
Kleuker als Lehrer. Georg Samuel Francke war von 1810 
bis 1840 ordentlicher Professor der Theologie, er wirkte mit 
zur Errichtung eines theologisch - praktischen Listituts, hielt 
dogmatische und exegetische Vorlesungen. J. O. Thiess, der 
leicht recht schwarz zeichnet, schildert in der Geschichte seines 
Lebens und seiner Schriften, Th. 2 Hamburg 1802 S. 322 u. £, 
den Zustand der theologischen Fakultät in Kiel im Jahre 1791 
trostlos. Von den ausserordentlichen Professoren der Theologie 
war der eine (H. Meyer) Pastor an der Stadtkirche, er las gar 
nicht, der zweite (H. Müller), Director des Schullehrerseminars, 
las publice bloss Katechetik und Pastoraltheologie« Von den 
ordentlichen Professoren der Theologie (Geyser, Eckermann und 
C. G. Hensler) hatten in eigentlich theologischen Vorlesungen 



xyi 

nur die beiden ersten Zuhörer, zu dem ältesten Professor liefen 
die künftigen Holsteinischen, zu dem zweiten die Schleswigschen 
Candidaten, jener examinirte damals in Griüekstadt, dieser in 
Schleswig. Der dritte unterrichtete im Hebräischen und erklärte 
publice den Brief des Jakobus. Thiess, dem es niclit gelungen 
war, in Hamburg eine Anstellung zu erlangen, kam 1791, er 
war in Giessen Doctor der Theologie geworden, hielt in Kiel 
als Privatdocent und theologischer Adjunct, seit 1795 ausser- 
ordentlicher Professor der Philosophie ohne Gehalt, theologische 
und philosophische Vorlesungen, erregte durch seine „Lipsiae 
redemtore Jo. Ambrosio Barth 1793" erschienenen theses theo- 
logicae, die in Wahrheit in Kiel gedruckt waren, Aufsehen. 
Im Jahre 1798 erhielt er eine Gratification, Am 7. December 
1799 ward er als ausserordentlicher Professor der Philosophie 
mit einem Wartegeld von 200 ßthlr. und der Aufgabe entlassen, 
Kiel und die Umgegend zu meiden. Aus J. 0» Thiess letzter 
öffentlicher TRechenschaft, Kiel 1805, in welcher S. 129 das Ent- 
lassungsrescript zum Theil gedruckt ist, sieht man, dass die 
Regierung] vorher Gutachten der Oberconsistorien und vorzüg- 
liches Vertrauen verdienender Gottesgelehrten eingezogen hatte. 
Die Kanzelei hatte erwartet, Thiess werde sich aller theologischer 
Vorlesungen enthalten, er berief sich auf § VIII des Reglements 
vom 27. Januar 1707 : Auf gleiche Weise soll einem jeden Auditori 
nicht weniger gestattet sein, dem Professori nach gehaltener Lection 
seine Dubia frey und ohne Scheu zu proponiren, auch sonst keine 
Facultät an gewisse Principia oder opiniones, soweit solche von 
menschlicher Autorität dependiren, sich als ein mancipium noth- 
wendig verbindlich achten, sondern einem jeden Docenti eine 
freye und arbitraire Untersuchung aller und jeder Wahrheiten, 
sie seyn alt oder neu, ungekränket gelassen werden. Und weil 
man in einigen Problematicis und andern Quaestionibus, expli- 
cationibus scripturae, und was sonsten von unserer gesammten 
Evangelischen Kirche bisher auf ein und andere Art noch nicht 
entschieden, einem jeden der Theologen gleichfalls seine gewissen- 
hafte Freyheit gönnen muss, so wird zur Vermeidung aller un- 
nöthigen Zänkereien oder passionirten Misshelligkeiten, so daher 
inter coUegas aus verschiedenen Absichten leicht entstehen könnten, 
einem jeden bestallten Theologiae professori seine scripta und 



XVII 

disputationes ohne censura Decani zum öffentKchen Druck zu 
befördern und folgendshin vor sich allein zu verthädigen, hiemit 
überlassen/' 

J. 0. Thiess äusserte sich in s.einer Gel. Geschichte der 
Universität zu Kiel B. 1 Kiel 1800 S, 157 u. f. sehr unzufrieden 
über die Berichte des akademiötn^n Consistorii bei Besetzungen 
von Stellen. Am gerathensten W^de es nach seiner Ansicht sein, 
wegen Besetzung einer erledigten Professur und insbesondere 
wegen weitere? Beförderung der auf Exspektanz stehenden Lehrer, 
wenn diese durch Schriften bekannt sind, wie billig von einem 
Doctor oder Magister zu erwarten steht, sich bei einer auswärtigen 
Universität oder Fakultät oder nur bei einem einzelnen Gelehrten, 
der als eift competenter und unbefangener Richter anzusehen ist, 
Raths erhole. Diese scharfe Anmerkung, in der auch gegen den 
dritten theologischen Professor, C. G. Hensler, polemisirt wird, 
steht nicht in allen Exemplaren der Schrift von Thiess. 

Unter den Juristen der zweiten Periode dariich Adolph 
Friedrich Trendelenburg hervorheben, der hier von 1775 — 1803 
wirkte. Dieser auch philologisch und philosophisch gebildete Mann 
las über Römisches Recht, Deutsches Privatrecht, Criminalrecht, 
Kirchenrecht und das Recht der Herzogthümer. Allerdings existirt 
von Trendelenburg kein grösseres Werk, aber man darf zur Beur- 
theilung der damaligen Zeit nicht unberücksichtigt lassen, dass 
häufig die Präsides die Dissertation der unter ihrem Präsidio 
Disputirenden schrieben, und dass nicht bloss zu Promotionen 
disputirt wurde. Auf Trendelenburg's Empfehlung kam wohl 
Ad. Diet. Weber 1784 von Rostock nach Kiel. Er ist bekannt- 
lich ein Vermittler zwischen dem Römischen Recht auf der einen 
und dem Naturrecht und deutschen Recht auf der andern Seite. 
Am bekanntesten sind seine Reflexionen vom Gebrauch des 
Römischen Rechts, seine natürliche Verbindlichkeit und die Aus- 
gabe des früher viel gebrauchten Commentars von Höpfner. 
Weber verliess Kiel 1791, er ward ordentlicher Professor in Rostock. 
Bethmann-Hollweg sagt in seinen Versuchen gewiss mit Recht: 
„Weber s Schriften scheinen mir überhaupt ausgezeichnet durch 
Sinn für die eigentliche Rechtstheorie und das acht Praktische, 
die Mängel desselben liegen auf der historischen Seite, worin er 
seiner Zeit den Tribut zahlte.'' Unter Trendelenburg disputirte 

b 



xYin 

1778 Friedricli Christopli Jensen de libera bona avita alienandi 
facultate in Holsatia per speculum Saxonicum non restricta. 
Professor Harpprecht hatte die Gültigkeit des Sachsenspiegels 
in Holstein bestritten, weil die Regierung in der Landgerichts- 
ordnung erklärt habe, einen Auszug aus den Sachsen -Rechten 
machen zu lassen. Für Dreyet %ar der Sachsenspiegel längere 
Zeit nicht alt genug (Ratjen, Preyer und Westphalen S. 68, 75, 
76, 90), er suchte einen altern. Jensen war in Kiel 1780 Privat- 
docent, 1781 ausserordentlicher, 1785 — 1802 ordentlicher Profesor, 
ging dann nach Kopenhagen als Mitglied der deutschen Canzeley, 
er nahm auch Theil an den philosophischen Bewegungen der Zeit. 
Auch A. Wilh. Gramer disputirte 1782 unter Trendelenburg, 
freilich nicht zur Promotion, er ward erst 1785 Doctor der Rechte 
und wirkte hier bis 1833 auch für die philologischen Studien. 
In dem Sommersemester 1804 imd dem Wintersemester 18j{| 
und von 1807—1814 waren L. A. G. Schrader, der von 1789 bis 
1815 das ScMeswig-Holsteinische Recht lehrte, und A. W. Gramer 
die einzigen ordentlichen Professoren des Rechts. G. W. Pätz 
las im ersten Semester Lehnrecht, Olivarius offerirte dänisches 
Recht. In dem zweiten Semester war Pätz nicht mehr hier, der 
jüngere G. M. G. Schrader, Privatdocent, erbot sich zu Vorlesungen 
über Deichrecht und Eherecht. J. F. Reitemeier kam 1805, er 
ward wegen Misshelligkeiten 1811 entlassen, Anzeigen seiner 
Vorlesungen finden sich nur bis 1807. Schweppe kam zum 
Winter 18!]|, war bis 1814 ausserordentlicher Professor. Thibaut 
und Feuerbach wirkten hier (vergl. S. 32. 33) kurze Zeit, der 
erstere von 1796—1802, der andere von 1802—1804. Das Studium 
des Römischen Rechts ward durch A. W. Gramer allerdings ge- 
fordert, aber seine Richtung war ei^e mehr philologisch anti- 
quarische als eine wahrhaft historische, die erst durch Savigny 
zur G-eltung kam. Gramer's Vorlesung über den tit, Dig. de 
verborum sign., in welcher er das Verhältniss der Florentinischen 
Handschrift zu den andern Manuscripten der Pandekten erörterte, 
ward viel gehört. 

Die medicinische Fakultät ward unter der Guratel des 
Grafen Friedrich Reventlow auf Emkendorf gehoben, was mit 
unrecht von Feuerbach und Funk (S. 33. 34) getadelt wurde. 
Diese Fakultät hatte von 1771—1774 die vier ordentlichen Pro- 



XIX 

fessoren: KannegiesserJ Struve, Ackermann und Kerstens. In 
letzterem Jahre^trat Christian Joh. Berger ein, er war bis zum 
17* Januar 1772 in Kopenhagen Professor der Majeutik und Leib- 
mediius, ward dann arretirt, 1774 zum Professor der Medicin und 
Chirurgie für Kiel ernannt, in den indices steht er nur bis 1779, 
er ward auf seine Bitte von den akademischen Geschäften ent- 
bunden, starb 1789. (Vergl. C. F. Levy, Christian Joh. Berger, 
I Anledning af Reformationsfesten 1856 und Chronik der Eaeler 
Universität 1860 S» 20.) Gr. H. Weber, dessen Vater Andreas 
Weber hier von 1770—1781 ordentlicher Professor der Theologie 
und ausserordentlicher der Philosophie war, las seit 1777 
als ausserordentlicher, seit 1780 als ordentlicher Professor der 
Medicin und Botanik, er ist der Stifter des akademischen Kranken- 
hauses, starb 1828. (Vergl. unten S. 105 und 109 und Neues 
Eaeljlsches Literaturjoumal B. 1 Dessau u. Leipzig 1785 S» 86—93.) 
Sein Sohn Friedrich Weber übernahm 1810 den botanischen Garten 
bei dem akademischen oder Weberschen Krankenhause und später 
auch diese Krankenanstalt, er starb schon vor dem Vater im Jahre 
1823. PhiL Gabriel Hensler (vergl. S. 29) trat 1789 als ordent- 
licher Professor der Medicin ein, er hatte auf die Bildung der 
Studirenden nicht bloss der Mediciner vielen Einfluss, wie Steffens, 
Erich von Berger und Niebuhr dankbar anerkannt haben, seine 
Stiftung fllr junge Aerzte der Herzogthümer wirkt noch jetzt 
wohlthätig. Sein Sohn, der Theolog Chr. G. Hensler, der hier 
von 1784 — 1809 wirkte, führte die Anordnung der Stiftung nach 
des Vaters Willen aus, dieser starb 1805. Für die Professtir der 
Anatomie und Chirurgie ward J. L. Fischer 1794 berufen, er 
starb 1833. Christoph H. Pfaff trat 1798 als ausserordentlicher 
Professor der Medicin ein, er las über Physiologie, Pathologie, 
Chemie und Physik. Das ehemalige Küchen- und Waschgebäude 
des Schlosses war der Universität zur Wohnung für den Chemiker 
und Physiker und zum Laboratorium überlassen^ Es schien für beide 
Fächer ausreichend, man machte damals nicht so grosse räumliche 
Ansprüche, wie jetzt (vergl. S. 109)» Die Vorlesungen über Physik 
wurden häufig auch von Theologen und Juristen besucht. Im 
Sommer 1801 und Winter 18g J steht Pfaff im index unter den Pro- 
fessoren der philosophischen Fakultät, nachher wieder in der 
medicinischen Fakultät, imd zwar vom Sommer 1802 an als 

b* 



XX 

ordentliclier Professor. Von seinen Gehülfen n^enne ich nur 
Heiland, der später so lange als Arzt in Lübeck tbätig war, und 
Job. Georg ForcKhammer, den nachherigen berühmten Professor 
in Kopenhagen. (Vergl. die von mir herausgegebenen Lebens- 
erinnerungen von Christoph H, Pfaff S# 279.) Joachim Dietrich 
Brandis trat 1803 als ordentlicher Professor der Medicin ein. 
Die Fakultät bestand aus sechs ordentUche'n Professoren, auaser- 
ordentlieher Professor war J. G. Reyher und Adjunct C. P. Hargens. 
J. Pr. Ackermann, der Neffe von G. G. Richter, hatte seit 1760 
eine grosse Thätigkeit an der Kieler Universität gezeigt, er war 
Professor der Medicin und Physik, starb 1804, 

In unserer zweiten Periode wurde die philosophische Fakultät 
sehr gehoben durch mehrere Berufungen. 

Der Philosoph M^ Ehlers hatte von 1778 --1800 durch 
seine populär gehaltenen philosophischen Vorträ,g6 vielen Einfiuss. 
C. L. Reinhold wirkte hier von 1794—1883, er war in Kiel der 
erste Verbreiter der Kant'sohen Philosophie und ward auch später, 
als er sein System gewechselt hatte, viel gehört. G. F. Schumacher 
giebt in seinen Genrebildern, Schleswig 1841 S. 190 und 200, 
ein freilich leicht hingeworfenes Bild über das Ansehen Reinhold's 
bei den Studirenden, Was Böttiger in Ebert's üeberlieferungen 
B. 2 Stück l S» 135 u. £ über die Kieler Universität vom Jahre 
1797 erzählt, ist mit Vorsicht aufzunehmen, er neimt S» 158 
einen Kieler Professor Jänichen, den es hier nicht gab. Häpodsch 
ist die Bemerkung: ^Aber im Grunde sind sie (die Kieler Pro- 
fessoren) doch alle stolz auf seinen (Reinhold's) Besitz. Sie möchten 
gern auch eine berühmte Universität sei«, nur selbst Hand dabei 
anzulegen, ist ihnen unbequem.'' Dies passt schlecht zu dem Lobe 
Böttiger's auf Hegewisch, Hensler, Fischer und Trendelenburg. 

Das philologische Studium ward sehr gefördert durch den 
Philologen Heinrich, der hier von 1804 — 1812 wirkte. In den 
letzten Jahren war leider seine Wirksamkeit nicht mehr so ein- 
flussreich, wie früher. Sein Lieblings-Schriftsteller Juvenal'ward 
1838 von dem Sohn herausgegeben. Der Alterthumsforsoher G. 
Zoeg9, ward 1802 als ordentlicher Professor der alten Liter£^tur 
und Oberbibliothekar nach Kiel berufen, er lehnte den Ruf ab. 

Für die Förderung des historischen Studiums wirkte D» 
H. Hegewisch von 1780 — 1812. Die Streitigkeiten mit seinem 



XXI 

CoUegen V. A. Heinze, dem Schwiegersohn des Professors 
Ghristiani, im Jahre 1786 üher die Erfindung und den Gebrauch 
des Pulvers, so wie über historische Ungenauigkeit hatten für 
Hegewiflch keinen Nachtheil. 

Aug. Chr. H. Niemann, Professor der Statistik und Natiönal- 
(dtonomie, lehrte von 1784—1832, er hat durch seine Schriften 
besondets die Landeskunde gefördert. Auch als Lehrer der freilich 
voü der Universität unabhängigem 1785 gestifteten Foi*stlehranBtalt 
^^ren Nieinann uüd der Mathematiker Eeimer thätig. Der Ma- 
thematiker Tetens war hier nur von 1777 — 1788. Die Provinzial- 
berichle 1834 S. 598 u. fc enthalten einen Nachruf, den die Kopen- 
hägenet Akademie der Wissenschaften dem bedeutenden Mann 
widöiete. 

Zur Förderung der Ketintniss der deutschen Literatur und 
det Kunstgeschichte wirkte Professor Joh. Ad. Nasser von 1789 
bis 1828. Neben seinen Vorlesungen über lateinische Classiker 
hielt et Vöriesuiigen über die genannten Fächer. Seine bedeutende 
Sammluhg von Kupferstichen leard leider nicht für die Kieler 
Universität gewonneli, wie von Mehreren gewünscht wurde^ Den 
Zuhöiiem legte ^r in seinen Vorlesungen bereitwilligst die zu dem 
Lihalt derselben passenden Kupferstiche vor. (Vergl. Niemann, 
Ohtötiik det Universität Kiel 1837, S. 13. 14, 18J| S. 14. 



Die dritte Periode der Geschichte unserer Universität 
beginnt mit dem Jahre 1813. Der Eaeler Friede vom 14. Jan. 
1814 endete den Ejieg, die Herzogthümer hatten durch die Be- 
setzütag fremdler Trappen sehr gelitten. Zur Verwaltung des 
Herzogthums Holstein war am 9. December 1813 von dem Kron- 
prinzen von Schweden eine provisorische Commission bestellt, 
welche ihren Sitz zu Kiel hatte, sie sollte für die Bedürfriisse 
der Armee sorgen und dahin sehen, dass die Lasten des Krieges 
gteichmftssig getragen würden. Seit dem 10. December 1813, 
dem Tage des Ghefechts bei Sehestedt, waren wenigstens keine 
gtöß&e¥n Gefechte v^rgekommisn, es war Em 16. Decbr. erst bis 
zum 29. December, dann verlängert bis zum 6^ Januar 1814 eilx 



xxn 

Waffenstillstand abgeschlossen, Priedriclisort und Gliickstadt 
waren nicht in denselben eingeschlossen, sie ergaben sich am 
19. December 1813 und 5. Januar 1814. ( VergL neue Provinzial- 
berichte Jahrg. 4 1814 S. 97-138 und Jahrg. 5 1815 S. 1-35.) 
Der König reiste am 5. Septbr* 1814 zum Congress nach Wien. 
Am 31. Juli 1815 war in den Herzogthümern die Feier der 
Krönung und der silbernen Hochzeit des Königspaares. Der 
Jubel war herzlich und gross, auch auf der Kieler Uniyersität 
war eine solche Feier, zwei Studirende prangten in Generals- 
Uniform (Neue Schleswig - Holstein. Provinzialberichte Jahrg. 5 
1815 S. 435—459. 477—484. 604—614.) Der König trat fiir 
Holstein und Lauenburg dem deutschen Bunde bei. Dem Ver- 
langen nach einer Repräsentatiwerfassung ward durch das Allge- 
meine Gesetz vom 28. Mai 1831, welches dem Preussisfchen Gesetze 
wegen Anordnung der Provinzialstände vom 5. Juni 1823 nach- 
gebildet ist, zuvörderst entsprochen. Das akademische Con- 
sistorium dankte dem Könige, dass die Universität bei dem ge- 
nannten Gesetze berücksichtigt sei. Die politischen Fragen über 
das Verhältniss der Herzogthümer zu Dänemark und Schleswigs 
zu Holstein wurden in und ausser den Ständen im.ter Friedrich VI., 
mehr noch imter Christian VIII. erörtert (S. 43 — 45), Falck hat 
in seinem Schreiben vom 24. Februar 1837, welches in seinem 
Archiv B. 5 S. 269-293 Kiel 1847 mit Nachträgen gedruckt ist, 
seine Ansicht über den dänisch - deutschen Streit einfach aus- 
gesprochen. 

In der Rede des Kieler Professors G. W. Nitzsoh, bei der 
Todtenfeier des Königs Christian VIII. am 26. Februar 1848, 
ward mit Dank anerkannt, dass der verstorbene König der Kieler 
Universität genügendere Mittel gegeben, dass er Ordnung in die 
Finanzen des Staates gebracht habe durch Aufstellung und Publi- 
dLrung eines Normalreglements. Am 28. Januar 1848 liess der 
König Friedrich VII. seine Absicht verkünden, gemeinschaftliche 
Stände für Dänemark und für die Herzogthümer Schleswig und 
Holstein einzuführen. Zur nähern Bestimmung der Verfassung 
sollten erfahrne Männer zusammen treten. Der Plan kam nicht 
zur A.usführung. Nach dem Kriege wurden von dem Könige am 
28. April 1851 achtbare Männer oder Notabein aus Dänemark, 
Schleswig und Holstein nach Flensburg berufen, um einen ihnen 



xxni 

vorgelegten Plan zur Organisation der dänischen Monarchie zu 
berathen. Die sechs holsteinischen Mitglieder vereinigten sich 
zu einem Minoritätsvotum. Von der Amnestie wurden durch die 
Patente vom 10. Mai 1851 und 29. März 1852 für Schleswig 
und 29. März 1852 für Holstein Mehrere ausgeschlossen, was 
den innem Frieden nicht forderte. Auch die Universität verlor 
durch ein Rescript vom 12. Juni 1852 (8. 47) mehrere ihrer Lehrer. 
Niemann, Reimer und Er. v. Berger waren schon 1832 und 1833 
gestorben, Falck starb am 5. Mai 1850 (Ratjen, zur Erinnerung 
anNic. Falck, Kiel 1851). Der Umfang seiner Studien war gross, 
er hatte erst Philologie und Theologie, dann die Rechte studirt, 
er kannte die schleswig-holsteinischen und die dänischen Ver- 
hältnisse. Durch seine Vorlesungen und seine Schriften hat er 
die Kenntniss der Rechte und der Geschichte der Herzogthümer 
wesentlich gefördert. Leider vollendete er sein Schleswig - Hol- 
steinisches Privatrecht nicht. Im Jahre 1848 fuhr ihm der politische 
Wagen zu rasch, er war ein conservativer Reformer. 

Neben Falck wirkte für das vaterländische Recht seit 1816 
sein viel älterer Freund M. Tönsen. Auch er hatte erst Theologie 
studirt, ward Prediger in Dublin, studirte dann in Kiel die Rechte, 
ward Advokat, Syndikus der Universität, Hardesvogt und darauf 
Professor in Kiel, er ward 1850 emeritirt, überlebte aber seinen 
jungem Freund Falck. (Vergl. Neue Leipziger Literaturzeitung 
B. 3 1806, LiteUigenzbl. Stück 32.) Von Falck's Richtung war 
Tönsen's verschieden. Letzterer suchte, wie Dreyer, aber mehr 
auf rationellem Wege, eine positives auch für Schleswig gültiges 
Recht herzustellen. 

Am 28. Januar 1852 erfolgte die Allerhöchste Bekannt- 
machung, betreffend die Ordnung der innem Angelegenheiten der 
dänischen Monarchie, am 26. Juli 1854 die Verordnung, betreffend 
die Verfassung der dänischen Monarchie für deren gemeinschaft- 
liche Angelegenheiten, und am 2. October 1855 das Verfassungs- 
gesetz für die gemeinschaftlichen Angelegenheiten, welches am 
6. November 1858 für Holstein und Lauenburg aufgehoben wurde. 
Eine Einigung wurde nicht erreicht. Die Gedächtnissrede bei 
der Todtenfeier des Königs Friedrich VIL, welcher am 15. Novbr. 
1863 geschieden war, hielt in Kiel Professor Forchhammer am 
19. December 1863. Drei Tage nach dem Scheiden des Königs 



^_ 



XXIV 

« 

erging das Grundgesetz für die gemeinschaftliclien Angelegenheiten 
des Königreichs und des Herzogthums Schleswig am 18. Novhr» 1 86i5. 

Das zweihundertjährige Jubiläum der Universität ward 1866 
nicht gefeiert» (Vergl. Chronik der Universität 1865 S. 6 — 10.) 
Der Universität wurden zum Jubiläum mehrere Werke gewidmet 
von Professor Direktor Joh. Classen in Hamburg, der hier 1831 
und 1832 Privatdocent war, von Appellationsgerichtsrath Laspeyres 
in Lübeck, Heinrich Mahler in Berlin, den Doctoren H» A. Meyer 
und K» Möbius in Hamburg, der hier jetzt Professor der Zoologie 
ist, unci von mir. Reinhold Philipp Schilling, der schon früher 
in Kiel war und die hiesige Bibliothek besucht hatte, kam 1865 
zur Mitfeier, er schenkte mehrere die Russische Geschichte, 
namentlich die Universität Dorpat betreffende Werke, eine Ab- 
schrift einer Urkunde des Königs Magnus von Liefland, Bruders 
Johann des jungem, vom 9. Mai 1572, und eine Obligation der 
Russischen fün^roc^entigen inneren Anleihe mit Prämien -Ver- 
loosung vom Jahre 1864 von 100 Rubel (unten S. 97)» * Die Zinsen 
dieser Obligation erhält nach der Bestimmung des Gebers die 
Kieler Universitätsbibliothek, über die etwa gewonnene Prämie 
und die Amortisationssumme hat das akademische Consistorium 
zu bestimmen. 

Durch das Allerhöchste Patent vom 12. Januar 1867 wurden 
die Herzogthümer Holstein und Sphleswig der Preussischen Mon- 
archie einverleibt. (Verordn» für Schleswig-Holstein 1867 St. 11 
und Gesetz-Samml. für die Königl. Preuss, Staaten 1867 Nr. 8.) 

Das akademische Consistorium hatte im Mai 1812 auf die 
Besetzung mehrerer vacanter Lehrstellen angetragen, namentlich 
auf die Besetzung der Professur der Geschichte. Es erfolgten 
bald (unten S. 36. 37) mehrere Ernennungen. Twesten, 1814 
ausserordentlicher Professor der Theologie und Philosophie, förderte 
die Theologie, Philosophie und während der Vacanz der Professur 
der Philologie auch diese» Falck's habe ich schon S. XXIII 
redacht. 

Wegen der Wechsel im Lehrerpersonal beziehe ich mich 
auf S. o6v^2 und auf die angehängten Tabellen. Ueber die 
Lehrer der pEtfe^phischen Fakultät darf ich ein Wort anschüessen. 

Dahlmann am schon zum Wintersemester 18|f . Treitschke 
bat in seinen histi,,rischen und politischen Aufsätzen Dahlmann's 



XXV 

Thätigkeit dargestellt, und hoffentlicli wird die Sdhrift von Springer 
über unsem Historiker bald erscheinen. Auf Dahlmann folgten 
als Historiker in Kiel Michelsen. Seit 1842 hatte Kiel regöliliäösig 
zwei Professoren der Greschichte» Gr» W. Nitzsch, nach D. G. Morhöf, 
J. B. May, Seb. Kortholt, J. M. Schwanitz, W. E. Christkhi, 
T. Baden, K. F. Heinrich und E* W» Gr, Wachsmnth, der neunte 
Professor der Eloquenz förderte das Studium der klassischen 
Sprachen und Literatur, er War seit 1834 atich ausserordentliches 
Mitglied der Schleswig - Holsteinischen Regierung und hatte die 
Aufsicht über die G-elehrten Schulen beider Herzogthümer. Zwei 
seiner Schüler, Läbker und Rieck, haben Andenken seiner Thätig- 
keit gegeben. Attf Nitzech folgten Gurtius und Bibbeck. Neben 
den Professoren der Eloquenz wirkte seit 1836 für die Kenntniss 
des Alterthums Profefesor Forchhaihiher, er leitete während der 
Vacanzzeit das philologische Seminar, dessen Mitdirektor et wurde* 
Im Jahre 1857 wuideii filr diese Anstalt zwei neue Stipehdien 
errichtet (unten S* 151 und Chronik der Universität 1857 S, 34). 
Für die Kenntniss der orientalischen Sprachen wirkte nach 01s- 
hausen Dillmann. Für das philosophische Studiiiin wirkten Berg^f , 
der schon 1814 beruflen wurde, Äitter, Harms, Thaulow. 

Unter dem filönige Friedrich VII. gesctah viel für die 
Baulichkeiten der Universität. Im Jahre 1854 ward (S. 108) dias 
früher Jahn-Apelsche Haus für das mineralogiöche Muslöüm und 
das physikalische Institut gekauft und uriigebaut. Itn Jahre 1862 
wurden (S. 106) die neuen Heilanstalten errichtet, deneti die 
Professoren Litzmann, Bsmarch uM Bartels vorstehen* Der 
König bewilligte iln Schlossgarten einen Platz für das beftb- 
Bichtigte neue Universitätsgebäude. 

Im August 1857 war die Allerhöchste Biestätigung der 
Privilegien und Statuten der Kieler Universität erfolgt, welche 
1848 nach alter Sitte beim Thronwechsel örbeteü worden war. 
Die betreffende Urkunde stimmt in ihreü weiseÄtlicheh Theilen 
wörtlich übereih mit den Beistätigungsurkundfen Friedriche VI. 
und Christians "VTII. (Ohronik der Uiüversität 1857 S. 23.) 

Die Frau Pröfe'ssoriii Fabricius , geb. Ambrosius (S. 97), 
die FröundiQ Klopstocks^ hatte in ihrem Testament bestimmt, 
dass Aach dem Tode ihiiee jüngsten Söhües — er starb 1851 — 
ihr Vermögen an die Kieler Universität falle und die hiesig^ 



XXVI 

Universitäts-Bibliothek von den Zinsen des Vermögens bis zur Voll- 
jährigkeit der Urenkel des ältesten Sohnes 200 Rthlr. Cour, jährlich 
geniesse. Durch Vergleich ward das Vermögen zu 16,000 Rbthlr. oder 
10,000 Rthlr. Cour, bestimmt. Diese Summe wurde Umschlag 1855 
an die akademische Quästur gezahlt. (Chronik der Universität 1856 
S. 24 und 1857 S. 27, Kieler Blätter B. 1 S. 136 B. 2 S. 53 
und Jahrbücher für Landeskunde B. 5 S. 120—122.) 

Ehe ich am Schluss dieser Einleitung die Quellen meiner 
Arbeit anführe, will ich über das oft berührte Thema, betreffend 
die Zahl der ißrüher und jetzt in Kiel Studirenden, Nachricht geben. 

Frequenz der Kieler Unirersität. 

Nach dem Bericht von den Processionen bei Inauguration 
der Holsteinischen academia, Schleswig 1665, nahmen 162 Stu- 
dirende an der Procession Theil. Nach dem album civium aca- 
demieorum wurden vom 5. October 1665 bis 4. Mai 1666 140 
Studirende inscribirt. (Vergl. meinen Beitrag zur Geschichte der 
Kieler Universität Kiel 1859 S. 43.) 

Nach den Schleswig - Holsteinischen Provinzialberichten 
Jahrg. 3 1789 B. 2 S. 198-200 waren im August 1789 78 Stu- 
dirende aus dem Herzogthum Schleswig, 96 aus Holstein und 
15 Ausländer, filso zusammen 189, 2 Norweger, 6 aus Dänemark 
und 5 den Eingebomen gleich zu achtende, es studirten 114 
Theologie, 72 die Kochte, 6 Medicin. Michaelis 1789 erhielten 
20 Studirende Abgangszeugnisse. In den Provinzialberichten 
vom Jahre 1791 H. 4 S. 31 — 44 ist eine Uebersicht der seit der 
Stifl;ung der Universität bis 1791 unter jedem Prorektorat neu 
angekommenen Studirenden mit Angabe der Prorektoren, 1765 
Ostern kamen nur fünf, 1765 Michaelis nur acht. Die Uebersicht 
ist nach Kordes von Professor W. E. Christiani. 

^ Nach den Kieler Beiträgen B. 1;, Schleswig 1820, S. 324 
bis 326 hat die Zahl der Mediciner seit 1800 auffallend zuge- 
genommen, 1802 im Sommer studirten 2, 1803 12, 1811 18, 
1812 21, 1817 39, 1818 44 die Arzneiwissenschaft. 

Im Winter 18|J betrug die Gesammtzahl der Studirenden 
111, 18}| 222, unter denen 61 Theologen, 109 Juristen, 51 Me- 
diciner und 1 Philosoph waren, im Sommer 1819 betrug die 



XXVII 

Gesammtzalil 230, nemlich 68 Theologen, 103 Juristeu, 52 Me- 
diciner, 7 Pliilosophen, imdarauffolgenden Wintersemester betrug 
die Gesammtzahl 234. 

Nach Falok's staatsb. Magazin B. 6 S* 213 studirten ISjJ in 
. Kiel 296 : 141 Theologie, 96 die Rechte, 56 Medicin, 3 Philosophie. 
(Vergl. Niemann's Chronik der Universität 1826 S. 11.) 

Nach derselben Chronik S. 13 und 1827 S. 11 studirten 
im Winter 18Jf 310, 139 aus Schleswig, 142 aus Holstein, im 
Sommer 1827 300 Studirende (S. 12), aus Schleswig 66, aus 
Holstein 47 Theologie, 5 aus Schleswig, 7 aus Holstein studirten 
Theologie und Philologie, 42 aus Schleswig die Rechte, 53 aus 
Holstein. Im Winter ISJJ (S. 13) war die Gesammtzahl der 
Studirenden 323, imter denen 73 Theologen aus Schleswig, 54 
aus Holstein, Theologen und Philologen aus Schleswig 5, aus 
Holstein 8, Juristen aus Schleswig 44, aus Holstein 52. Im 
Sommer 1828 (S. 17) hatte Kiel 370, im Winter 18|| (auf dem 
Titelblatt) 330, im Sommer 1&29 (S. 15) 358, im Winter 18|S 
328 Studirende, 18f? (S. 18, 1831 S. 14) 311, im Sommer 1831 
(S. 19) 339, im Winter 18gJ 234. 

In Falck's neuem Magazin B, 10 S. 324 ist eine Uebersicht 
der in Kiel Studirenden von 1830 — 1840 gegeben. Dass die Zahl 
im Wintersemester ISJJ etwas geringer war, wird zum grössten 
Theil der Cholera beigemessen. Im Sommer 1832 studirten 
hiemach in Kiel 321, in den folgenden Semestern bis Ostern 
1840: 253, 300, 294, 320, 293, 288, 232, 234, 263, 275, 258, 
273, 247, im Sommer 1839 222, im Winter 18J8 231. 

Die Zahl der Philologen war von 1836 an grösser als früher 
gewöhnlich, nemlich 11, 16, 13, 18, 16, 10. Dies dürfte zum 
Theil darauf beruhen, dass für die Philologen auf der Kieler 
Universität durch Stipendien am meisten gesorgt ist. 

In Falck's Archiv Jahrgang 5 Kiel 1847 S. 179 ist die 
Frequenz der Kieler Universität von Ostern 1840— 1847 angegeben, 
die Gesammtzahl der Studirenden war darnach: 237, 219, 207, 
216, 208, 203, 210, 227, 206, 197, 200, 208, 209, 196, 187. 
Im Sommer 1840 studirten 75 Theologie, 8 Philologie, 106 die 
Rechte, 35 Medicin, 11 Pharmacie, 2 philosophische Wissen- 
schaften. Im Sommer 1847 studirten 49 Theologie, 7 Philologie, 
80 die Bechte, 36 Medicin, 5 Pharmacie, 10 philos. Wissenschaften. 



Das alphabetische Verzeichniss sftmmtlicher in Kiel Stu- 
dirender im Winter 18}? giebt als Grei^lttkiiiitzahl nicht 219, 
sondern 212 an, weicht also ron der eben angeftihlteü Angabe 
in Falck's Archiv etwas ab. 

Im Winter 18|J stadirten iiach dem Verzeichniss 192, 
im Winter 18J8 199, im Sottimer 1850 132, im Sotom«» 1861 
119, im Winter 18|J 141, 18|J 121, im Somöiet 18M 133, im 



Sommer 1864 

G^esammtzahl 

162 


Theo- 
logen 


Winter 18« 
197 


50 


Sommer 1865 
225 


53 


Winter 18|» 
229 


4d 


Sommer 1866 
218 


49 


Winter 18«» 
242 


52 


Somlner 186t 
223 


53 







Theoloffen 
ü. Philolog. 



Theolog. u. 
Philosoph. 

1 
Theol'og« XL 
Philologen 

3 

Theolog. ü. 
Philosoph.l 
Theolog. n. 
Philologen 
4 

Theolog« n* 
Philosoph* 

2 
Theolog. n. 
Philologen 

Theölog. u. 
Philosoph. 

2 
Theolog. u. 
Philologen 

i?heolog. u. 
Phüosoph.l 

Theol. u. 

Philol. 2. 



Jtirist. 
46 



54 



73 



12 



70 



68 



48 



Juristen und 
Caniefalisten 
4 



6 



Medicih 
43 



55 



Juristen und 

Historiker 

1 



13 

Juriilten and 
Historiker 



10 
Jur. u. Hist. 1 



55 



60 



57 



70 



76 



Winter 18j^ 142, im Sommer 1854 144, IBjf 153, Sommer 1855 
160, Winter 18|J 134, Sommer 1856 141, Winter 18|f 150, 
Sommer 1857 J42, Winter 18|J 122, Sommer 1858 132, Winter 
18f 5 143, 18H 169, Sommer 1863 201, imd zwar Theologen 44, 
Theologen und Philologen 2, Juristen 57, Juristen und Came- 
raüsten ?, Mediciner 50, Zahnarzneikunde 1, Philosophen 1, 
Philologen 11, Mathematik 9, Chemie 12. • 



Zahn- 
arzn. 
1 



1 



l 



Phüo- 
sophen 
2 



1 

Histor. 
1 



l 



Phüo- 

logen 

IL 



16 



17 



14 



13 



Mathem. u. 
Naturw. 

7 



13 

Historik. 
1 

Histor. 15 
Philol. u. 
Histor. 1 
Histor. 1 



Naturw. 

1 

Naturw. u. 

Mathem. 
4 

Naturw. 

1 

Mathem. u. 

Naturw* 

5 

Mathem. u« 

Naturw. 
4 

Naturw, 1 



Natmn^t u, 

Philosopht 
1 



Naturw» 5 
Naturw. u. 
Philosoph,! 



Mathem. 
3 



Physik, Phar 
ChemiTu. mac. 
Mathem. 1 

Mathem., 
Physik u. 
Astron. 3 
Astron. 1 

Mathem. u, 
Astron. 1 



Matii^m* v^ 

Naturwt 

6 

Mathem. 4 



Mathem* u. 

Naturw* 

3 























yyy 



Winter 18|J 

G-esammtzahl 

200. 


Theo- 
logen 
55 


Theolog. u. 
Philosoph. 

2. 
Theolog. u. 
Philologen 

2. 


Jurist. 
34 


Juristen und 

Cameral. 7 

Juristen und 

Historiker 1 


Medicin 
67 


Sommer 1868 
181. 


55 





30 





62 


Winter 18f» 
165. " 


51 





22 





62 


Sommer 1869 
156. 


52 





20 





60 


Winter 184» 
163. 


61 





15 





53 



In den Jahrbüchern für Landeskunde B. 1 S. 428—438 
und B. 3 S. 332-344 hat Doctor Volbehr Nachricht über die 
Frequenz der Kieler Universität gegeben. Vergl. auch Chronik der 
Universität 1859 S. 75. 

In der Chronik der Universität 1857 S. 24 sagt Professor 
Planck, indem er die geringe Frequenz vom Sommer 1856 bis 
zum Sommer 1858 141, 150, 142, 122 erwähnt, eine Vergleichung 
der früheren Jahre zeige, „dass seit Sommer 1832, wo die Fre- 
quenz bis auf 321 stieg, die Zahl stetig abgenommen habe und 
Sommer 1847 bereits bis auf. 187 gesunken war." Diese 
Annahme von dem steten Sinken seit 1832 scheint mir nicht 
begründet. Die geringe Frequenz beginnt I8jf, sie ist seitdem 
unter 200, was ausnahmsweise auch 18|| war. Die Gründe der 
verringerten Frequenz haben, nach Planck, gar keinen Zusammen- 
hang mit der Lebenskraft und Lehrkraft der Universität. 5,Zu- 
vörderst ist es,^ sagt Planck, „die geringere Neigung, sich dem 
Dienst der Kirche und des Staates zu widmen, welche die jungen 
Leute abhält, Theologie und Hechte zu studiren, mag sie nun 
ihre Ursache in einer Zeitströmung oder wahrscheinlicher in 
politischen Verhältnissen haben. Dies zeigt klar die Vergleichung 
der Zahlen der Angehörigen der einzelnen Fakultäten kurz vor 



XXXI 



Zahn- 
arzu. 
2 


Philo 
sophen 
2 





Philos. 

Fak. 

34 





30 





24 


3 


30 



Phüol. 19 
PhüoL u. 
Histor. 2 
Histor^ 1 



Naturw. u. 

Philosoph. 

2 



































Mathem. 2 
Mathem. u. 
Naturw. 2 



















Mathem. u. Phar 
Astron. mac. 
































und nach 1848. Während die Zahl der Mediciner und Philo- 
sophen sich ungefähr gleich gehlieben, erstere eher gestiegen ist, 
ist die der Theologen und Juristen fast gleichmässig gesunken. 
Femer sind es die Verhältnisse, welche den Ausfall erklären. — 
Der Umstand mag eine Erklärung abgehen, dass die älteren 
gesetzlichen Vorschriften über die Beobachtung des biennium 
academicum zu Kiel für Schleswig im Jahre 1850 durch eine 
Verordnung des damaligen ausserordentlichen Kegierungscommissars 
unter den damaligen Verhältnissen ausser Kraft gesetzt ist. — 
Nicht minder hat dazu mitgewirkt die Veränderung des Schuljahres 
an den SchleswigschenGel. Schulen, vermöge deren der Schulcursus 
zu einer Zeit nach der Mitte des Juli schliesst, die es den Abiturienten 
bedeutend erschwert, die Baeler Universität bei dem abweichenden 
Beginn ihres Studienjahrs zu beziehen.^ Seit 1868 sind die An- 
gaben nach den speciellen Fächern nicht so detaillirt, wie früher. 

Quellen und Hfilfsmittel t&r die Geschichte der Kieler 

Unirersität 

Die Quellen und Hülfsmittel zur öeschichte der Kieler 
Universität sind theils handschriftliche, theils gedruckte. 
Ich habe in früheren Jahren das Archiv der Universität durch- 



gesehen, auch jetzt Einzelnes wieder nachgesehen. Wichtig ist 
das handschriftliche Werk des ehemaligen Kieler Professors und 
Bibliothekars Hennings: Athenae Cimbricae, Der Verfasser, 
Professor der Physik und Metaphysik, ward in der streitenden 
Zeit 1763 entlassen. H. hat seine Arbeit nicht vollendet, er giebt 
zuerst einige allgemeine Notizen über die Kieler Unirersität und 
dann die Biographien der Professoren ^r vier Fakultäten mit 
Angabe der Schriften derselben. (Verzeichniss der Handschriften 
der Kieler Universitätsbibliothek, die Herzogthümer betreffend, 
B. 1 S. 2820 

Ueber die Stiftung der Kieler Universität hat die hiesige 
Bibliothek mehrere Handschriften. S« Bachel curriculum vitae 
(Verzeichniss der Handschriften I S« 283). Ein Auszug ist gedruckt 
im Archiv der hiesigen historischen Gesellschaft B. 1 und B. 3. 

Nachrichten von der Stiftung giebt auch die Verz. I S. 279 
genannte Handschrift. In derselben sind mehrere Originale von 
Briefen des herzogL Präsidenten Kielmann an den Kieler Syndicus 
Hennings (vergL unten S. 5) mit der äussern Addresse: ^Dem 
Wohl Edlen Vest und Hochgelahrten H. Johanni Hennings J. U« D, 
und der Schlesw. Holst.Prälaten Ritterschaft und Stände Imgleichen 
dess vier Städtegerichts und der Stadt Kiehl Syndico meinem 
sonders vielgeehrten Heim und verehrten Freunde KieL^ 

Dieses Manuscript betrifft ausserdem theils Einrichtongen 
der Universität, Convikt u. a., theils Bemfangen, z. B. des Professors 
HaoritiuS) eines Sdiwagers von Hennings. 

Die Statuten der Fakultäten, mehrere Bescripte der 
Herzöge für die Kieler Universität, Streitschriften unter den 
Professoren von Harpprecht u. a. sind handschriftlich auf der Kieler 
BibUothek (Verz. B, 1 S. 281. 282-284, B. 2. S. 70. 73, S. 228. 
229. 253. 254, B. 3 S. 106. 536.). Die alphabetischen B«gister 
am Schluss vw B. 2 S. 401 und 402 und B. 3 S. 569 der Hand- 
Schriften geben Nachweisungen über die auf der hiesigen Bibliothek 
vorhandenen Nachrichten über die Kieler Universität 

Von den gedruckten Quellen ist unten S. 3 und 6 
Torquati inanguratio erwähnt worden. Die Relation der Solennien 
bei Inaugoration der hochfursüich Holsteinischen Universität, und 
der Bericht von den Processionen bei Inauguration der neuen 
Holsteinischen academia, gedruckt 1665, enthalten wenig. Die 



xxxm 

Anzeigen der Vorlesnngen geben Auskunft über die Zahl und 
Thatigkeit der Lehrer, von 1668 bis 1771 über die lectiones 
absolutae und habendae, früher und später nur über die letztem. 

Sorgfältige biographische und literarische Nachrichten über 
mehrere Lehrer der Universität giebt der Flensburger Eector Joh. 
Moller in der Cimbria literata, die nach des Verfassers Tode 
durch Unterstützung von Joh. L. v. Holstein mit Joh. Gramm's 
Vorrede zu Kopenhagen 1744 gedruckt wurde» Einen prodomus 
des Werkes hatte M. 1687 an M. Gude dedicirt. In J. MoUer's 
isagoge ad historiam ducatuum, die 1691 und wieder 1699 erschien, 
ist Th. 3 p. 366—375 eine kurze Nachricht von der Kieler Uni- 
versität. Ad. H. Lackmann giebt in Th» 6 seiner Einleitung zur 
Schleswig - Holsteinischen Historie, Hamburg 1150, S. 481 nur 
eine kurze Notiz über den 1641 an die Stände gerichteten Antrag 
der Errichtung einer Akademie. Von PhiL Er. Haue sermones 
de tempore Kil. 1766 giebt die erste oben S. VII erwähnte Aus- 
kunft über die Zeit von 1765, seine zehnjährige Glückseligkeit 
der Cimbrischen Musen bei der Vormundschaft Catharina II., 
Kiel 1772, schildert die durch die Kaiserin eingetretenen Ver- 
besserungen der Universität. N. H. Schwarze, Nachrichten von 
Kiel, herausgegeben von J. H. Fehse, Flensburg 1775, geben 
S. 227--^390 Auskunft über die Stiftung der Universität nach 
Rachel und nennen die Lehrer der Universität bis zum Jahre 
1774. Dass hierbei einige Ungenauigkeiten vorkommen, ist in 
der Kieler gel. Zeitung 1775 S. 185 — 189 hervorgehoben. 

Die Programme oder Memorien, welche in früherer Zeit 
gewöhnlich regelmässig von dem Professor der Eloquenz bei dem 
Todesfall eines Kieler Professors geschrieben wurden, geben 
Beiträge zur Geschichte der Kieler Universität. Prof. B. Kordes 
hat im Intelligenzblatt für Literatur und Kunst der neuen Leipz. 
Literaturzeitung B. 3 St. 31 S. 483-87 über die Kieler Fest- 
programme und Memorien Nachricht gegeben. Morhof, J. B. May, 
Seb. Kortholt, Christiani u. A. schrieben Denkschriften auf ver- 
storbene Collegen. Weniger Material liefern die Festprogramme, 
deren früher vier im Jahre, zu Ostern, Pfingsten, Michaelis imd 
Weihnachten, erschienen. Albert zum Felde charakterisirt in einer 
1715 gehaltenen B.ectoratsrede die ersten sieben Kieler theol. Pro- 
fessoren. Die Rede ist gedruckt in Alb. z. Felde analecta p. 207-245. 

Ü 



XXXTV 

Der Kieler Privatdocent G. H. Elend, 1749 geadelt von 
Ellendsheim, schrieb 1734 zur Ankündigung seiner juristischen 
Vorlesungen, da damals die Anzeigen der Privatdocenten noch 
nicht in den gedruckten index aufgenommen wurden, vitas juris- 
consultorum, qui in hac Christiana Alhertina floruerunt brevissime 
delineando civibus-scholas suas consensu amplissimae &cultatis- 
indicat. 16 Seiten in 4. 

Der Theolog &♦ Joachim Mark gab in einem 1768, nach 
dem Bau des neuen üniversitätsgebäudes, erschienenen Programm 
eine series der 15 ersten Kieler ordentlichen Professoren der 
Theologie von Musäus bis Hosmann. M. sagt: J. Fr. Mayer und 
Th. Dassoy seien nimiaevehementiae, P. Musaeus und H. Muhlius 
nimiae lenitatis beschuldigt. 

In B* Kordes Lexikon der jetztlebenden Schlesw. - Holst, 
und Eutinischen Schriftsteller, Schleswig 1797, sind genaue Nach- 
richten über die damals lebenden Lehrer der Universität, welche 
als Schriftsteller thätig waren, gegeben. Ln dritten Anhang nennt 
er die in den Herzogthümem erschienenen gelehrten Zeitschriften. 
Fortsetzung von Kordes Lexikon ist Lübker's und Schröder's 
Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenb.| und Eutinischen Schriffc- 
steUer von 1796—1828 B. 1. 2 und Nachträge, Schlesw. 1829—1831. 
Ich finde es angemessen, dass dieses Lexikon sich so wenig, wie 
Alberti's Lexikon Abth. 1. 2, welches die Schriftsteller von 1829—66 
befasst und Kiel 1867 erschien, auf die lebenden Schriftsteller be- 
schränkt hat. Kordes war dem Vorgang von Mensel gefolgt 

V. A. Heinze kündigte 1784 in seinem Kielischen Magazin 
eine Gel. Geschichte der Universität Kiel an, die nicht erschienen ist. 
Joh. Otto Thiess gab eine Gelehrtengeschichte der Universität 
zu Kiel, Th. 1. 2, Kiel und Altena 1800-1803, heraus, welche 
biographische und bibliographische Nachrichten von allen bis- 
herigen Lehrern der Theologie zu Kiel enthält. Li D. H. Hege- 
wisch's, Kiel 1801—1803, erschienenen Geschichte Schleswigs und 
Holsteins ist Th. 1 S.332 und Tk2 S. 161-174 die Geschichte 
der Stiftung der Universität erzählt, eben so in A. Forchhammer's 
Geschichte der Herzogthümer seit der Deformation H. 2 S. 136 
Kiel 1834. Peter von Kobbe erwähnt in seiner Schleswig -Hol 
steinischen Geschichte von 1694 — 1808, die Altena 1834 erschien 
S. 238 kurz die Kieler Universität. 



XXXV 

In meinem Beitrag zur Geschiclite der Kieler Universität 
oder Bede zur Feier des Geburtstages des Königs mit Anmerkungen 
Kiel 1859 habe ich die Geschichte der Universität bis 1773 dargestellt 
und fllr die Anmerkungen die Archive der Universität benutzt. 

Das Leben des Professor Dreyer und des Curators West- 
phalen gab ich Kiel 1861 heraus^ 

Professor G. Ferd* Thaulow gab 1861 Nachricht von dem 
bevorstehenden Jubiläum der Kieler Universität, so wie 1862 
von den Feierlichkeiten bei der Einweihung im Jahre 1665. 

Einige Schriften zur Geschichte der Universitätsbibliothek 
habe ich S, 28 und S. 91 angegeben. Ich darf mich beziehen 
auf die 1862 und 1863 erschienenen Programme zur Geschichte 
der Kieler Universitätsbibliothek. 

Einzelnes zur Geschichte der hiesigen Universität geben 
einige Zeitschriften, so die Nova literaria maris Baltici Lubecae 
1698—1707 (in 1707 steht p. 149 u. f. das herzogl. Reglement 
für die Universität vom 27. Januar 1707), der Hamb. Auszug 
aus neuen Büchern 1728—29 und die in Hamburg auf 1729-30 
erschienenen Niedersächsischen neuen Zeitungen von gelehrten 
Sachen, welche von 1731—1736 Niedersächsische Nachrichten 
von gel. neuen Sachen hiessen. Von 1732-1734 erschienen 
Hamburgische Berichte von neuen geL Sachen, 1735 — 1757 von 
den neuesten gel. Sachen^ von 1758 — 1771 Hamburgische Nach- 
richten aus dem Heiche der Gelehrsamkeit, von 1740 — 43 Hamb 
Beiträge zur Autn. und von 1771— 1778 freiwillige Beiträge zu den 
Hamburgischen Nachrichten. In Altena erschienen 1745-48 die 
Altonaer gel. Zeit., 1757-58gel. Anz. oderBeyträge zur neuesten 
Geschichte der Literatur, 1761 und 62 de rebus polit. ac litterariis 
commentarii und 1763—88 neuester gel. Mercurius. 

W. E. Christiani gab 1768 commentariorum Kiloniensium 
de rebus memorabilibus libelli heraus, es erschienen nur 160 
Seiten, der Herausgeber gab die Arbeit wegen anderer Geschäfte 
auf. Die Professoren Fricke, Faber und Hirschfeld begannen 
1771 eine Zeitschrift mit dem Titel: Gelehrte Zeitung, heraus- 
gegeben zu Kiel. Im ersten Jahrgang ist S. 102 Nachricht 
gegeben von der in Kiel durch Professor Faber errichteten orien- 
talischen Gesellschaft. Die Zeitung erschien bis 1777 und 1778 
ein Nachtrag. 

c* 



XXXYI 

V» A. Heinze's Kielisches Litteraturjoumal erschien 1779 
bis 1783 Dessau und Leipzig, 1785 Neues Kielisches Litteratur- 
joumal B^ 1 Dessau und Leipzig 1785 (S» 1—6 Anzeige von 
Christiani's Rede bei Einweihung der vermehrten Universitäts- 
Bibliothek durch die für 14,000 Rthlr. angekaufte Wolf'sche 
Bibliothek)» V. A» Heinze's Kielische Gel. Zeitung von 1787 — ^91. 
J. O. Thiess gab 1797—1800 Neue Kielische Gel. Zeitung oder 
Annalen der neuesten Schleswig - Holsteinischen Literatur und 
der neuem Literargeschichte der Universität zu Kiel heraus. 

A* Niemann^s Schlesw.- Holst. Provinzialberichte , Jahrg. 
1 — 12, erschienen Kiel und Altena 1787—98, die Literatur der 
Herzogthümer ist besonders berücksichtigt. Auch Niemann's 
Schlesw.-Holstein. Blätter für Polizei und Cultur geben einige 
Auskunft. 

Die Zeitung für Literatur und Kunst in den dänischen 
Staaten, Jahrg. 1—3, Kiel 1807—1810, ist schon oben S* XIV 
erwähnt worden. 

Petersen gab 1811 — 1816 neue Schlesw.-Holst: Provinzial- 
berichte, Jahrg. 1—6, heraus, von 1817—30 hiessen sie Schlesw^- 
Holst. - Lauenb* Provinzialberichte, denen neue Schlesw. -Holst.- 
Lauenb. Provinzialberichte von 1831—34 folgten. Im Jahrg. 1830 
8. 454—483 ist aus dem Nachlass des Bibliothekars Kordes — 
er starb 1823 — eine Nachricht über die hiesige Universitats- 
Bibliothek. Der für die hiesige Bibliothek so thätige Mann war 
verstimmt über sein Verhältniss zur Bibliotheks-Commission. 

Die Kieler Blätter B. 1—5 und die Kieler Blätter flir 1819 
B. 1. 2, welche 1815—19 in Kiel erschienen, haben die Universitäts- 
verhältnisse immittelbar wenig berührt, wohl aber die in Schleswig 
1820 u. 1821 gedruckten Kieler Beiträge, und N. Palck's Staatsb. 
Magazin B. 1 — 10, welches von 1821 — 31 erschien, und das neue 
Magazin von 1832 — 41, so wie das Archiv fllr Greschichte und 
Statistik 1842—47. 

Das Archiv der hiesigen historischen Gresellschaft, welches 
von 1833—43 erschien, hat einige Nachrichten, die Kieler Uni- 
versität betrefiend, eben so die Jahrbücher fbr Landeskunde, 
welche diese Gesellschaft herausgiebt. 

Vom Jahr 1826—31 gab Professor Niemann eine Chronik 
der Universität Kiel heraus, und seit 1854 erscheinen die Kieler 



xxxvn 

Universitätsschriften im weitem Sinn, mit Einschluss der Disser- 
tationen, in einem Band. Jeder Jahrgang enthält eine üniver- 
sitäts- Chronik, welche üher die Universität im Ganzen und von 
den Vorstehern der Institute über die meisten derselben regel- 
mässig Nachrichten giebt. In den Jahrgängen 1856-60 habe 
ich Biographien der Kieler juristischen Professoren, mit Aus- 
schluss der spätem Zeit, gegeben, und 1862 und 1863 in zwei 
in die Universitätsschriften aufgenommenen Programmen, zu deren 
Druck eine Allerhöchste Bewilligung verliehen wurde, Beiträge 
zur Geschichte der Kieler Universitäts- Bibliothek, namentlich 
ein Verzeichniss der von Bordesholm nach Kiel gekommenen 
Druck- und Handschriften mitgetheilt. Besonders thätig für die 
Herausgabe der Universitätsschriften ist Professor Karsten» 

Im Auftrag der hiesigen historischen Gesellschaft arbeitet 
Doctor Alberti an einem Nominal- und Realregister über die in 
hiesigen Zeitschriften enthaltenen Abhandlungen, wie zu den 
zehn ersten Bänden des Falck'schen Magazins im Jahr 1834 ge- 
druckt worden ist. Durch dieses Register werden die früheren 
Arbeiten zugänglicher gemacht werden und auch die zur Geschichte 
der Universität dienenden einzelnen Nachrichten leicht aufzu- 
finden sein. 

Ich schliesse meine Arbeit imd darf um billige, milde 
Beurtheilung bitten. Der StoiGf ist sehr gross, ich bin enthaltsam 
gewesen und habe von vielen Einzelnheiten, die in der Geschichte 
einer einzelnen Fakultät hätten Platz finden müssen, abgesehen* 

Die angehängten Tabellen über die hiesigen Lehrer 
werden hoffentlich . einige Uebersicht gewähren ; ich habe die 
Hinweisungen auf die Schriften der Professoren, die in den 1860 
erschienenen Tabellen bei einzelnen genannt sind, aus Raum- 
erspamiss weggelassen. Auch war dies nicht wohl bei Allen 
durchzuführen. Das alphabetische Register am Schluss dürfte 
das Büchelchen brauchbarer machen. Mit Dank erkenne ich, 
dass Professor Beohmann aus Ge&lligkeit einen Theil der Hand- 
schrift durchgesehen hat. 

Kiel, 24. Febraar 1870. 

H. Ratjen. 



Inhalts-Angabe. 



Seite. 

I. Vonrerhandlangen zur Stiftung der Kieler Universität l — 5 

n. Die Einweihung der Universität und die sich daran schlicssenden 

Promotionen 6 — 9 

III. Die Statuten der Universität und ihre Aenderungen. 

1) Die Gerichtsbarkeit 10—13 

2) Die Immunitiiten 13—17 

3) Beschränkungen 17 — 20 

4) Das Biennium und dessen Aufhebung 20 — 21 

IV. Oberbehörden der Kieler Universität mit einigen allgemeinen Be- 

merkungen. 

1) Visitatoren und Curatoren 21 — 54 

2) Kanzler und Prokanzler 54 — 56 

V. Rector und Prorector. Deposition. Inscription. Matoritätszeugnis856 — 64 

VI. Die Fakultäten und die Dekane 64—70 

VII. Promotionen 70 — 74 

Neue Anordnungen in Bezug auf die Promotionen 74 — 78 

Vm. Nostrification 79—80 

IX. Adjuncten der Fakultäten und Privatdocenten. Habilitation 80 — 83 

X. Lehrer neuerer Sprachen 83 — 84 

XL Vorlesungen 84 — 87 

XIL Disputationen 88 — 89 

Xm. Seminare 89 — 90 

XJV. Spruchcollegium 90 — 91 

XV. Universitäts-Bibüothek 91—92 

1) Einnahmen 92 — 98 

2) Bibliothekare und Gehülfen 98 — 100 

3) Räumlichkeiten der Bibliothek 100 — 102 

4^ Bibliotheks-Commission und Zuwachs der Bibliothek 102 — \0^ 



XL 



S«it. 

XVI. Institute der Universität. 

Heilanstalten 105 — 106 

Physiologisches Laboratorium 107 

Anatomie 107 

Pharmacognostische Sammlung 107 

Mineralien 107 — 108 

Physikalisches Institut 108 — 109 

Zoologisches Museum 109 

Chemisches Laboratorium 109 

Botanischer Garten 109 

Münz- und Kunstsammlung ^^ 1 1 

Museum vaterländischer Alterthümer 111 

Die pecuniären Verhältnisse der Institute 11 1 — 112 

XVIL Stipendien für Studirende. 

1) Im Allgemeinen 11 2 — 1 14 

2) Stipendien für Studirende, soweit sie vom akademischen Consistorio 
oder einer der Fakultäten verliehen werden. 

a) Convikt 1 15— 128 

b) Das philologische Stipendium und die Prüfung der Can- 
didaten des höheren Lehramts 128 — 132 

c) Das Schassianum Stipendium oder praemium 132 — 135 

d) Das Richardi'sche Stipendium 135 — 136 

e) Das Herzoglich Oldenburgische Stipendium 136 — 137 

f) Das Kamla'sche Stipendium 138 — 140 

g) Das Enickbein'sche Legat l4l — 143 

h) Die Callisen'sche Prämie 143 

i) Das Tilemann-Müller'sche Stipendium 143 

k) Die Ansgarius-Prämie 144 

Tabellarische Uebersichten der wissenschaftl. Lehrer der Kieler Universität. . 145 — 176 

Alphabetisches Register \ 177 — 1 83 

Verbesserungen 184 



V«rveiiiaiidliingen zur StiftiiDg der Kieler Universität. 

Unter den deutschen Universitäten ist Kiel eine der jungem, 
Halle (1694), Breslau (1702), Göttingen (1737), Erlangen (1743), 
Berlin (1810) und Bonn (1818) sind jedoch späteren Ursprungs. 
Unsere Kieler Universität ward am 5. October 1665 in Kiels 
Hauptkirche, der Nicolaikirche, eingeweiht. 

Schon im Jahr 1632 hatte König Christian IV. sich der 
Bitte, in Flensburg eine Universität zu errichten, geneigt gezeigt. 
Der Flensburger Bürger Hans Marquartsen, welcher sich „oeco- 
nimus uff der neu angefangenen Universitett^ nennt, hatte ^mehrere 
christliche Lude'' bewogen, nicht unbedeutende Summen zum 
Besten der in Flensburg zu errichtenden Universität zu subscri- 
biren. Jürgen von Ahlefeldt hatte 12,000, Kay von Ahlefeldt 
10,0Q0, Christian Bantzau 12,000 Rthlr. versprochen, Jacob 
Moritzen, KönigL Maj. zu Dennemarck Printz Durchl. fürstl. Gn. 
zu Holstein Jubilerem Bürger zu Hamburgh, hatte gelobt, zu der 
neu angefangenen Academie zu Flensburg 20,000 Rthlr. zu geben. 
H. Marquardsen hoffte, dass die Kirchen Dänemarks und der 
Herzogthümer gern Beiträge zu diesem christlichen Werk geben 
würden. *) Der sanguinische Plan kam nicht zur Ausführung. 



^) Danske Samlinger for Historie B. 3 Kjobenhavn 1867, 1868 S. 193—198. 

1 



Der Herzog Friedrich III., Enkel des Herzogs Adolph, 
des Stammvaters der Gottorfer Herzöge, bat 1640 durch seinen 
Regensburger Gesandten Joh. Ad. Kielmann den Kaiser um die 
Ermächtigung, in Holstein eine Universität zu errichten. *) Beide 
Landesherren, der König Christian IV. und der Herzog Friedrich 
III. (regierte von 1616—1659), liessen den Landständen der 
Herzogthümer, die in Kiel versammelt waren, am 2. December 
1641 vorstellen, dass es „den Ständen imd gesammten Einwohnern 
• dieser Ftlrstenthümer sehr gedeihsam und erspriesslich sein werde, 
in den Herzogthümem eine Universität zu erigiren, da die Länder 
aller Orten sehr , verwüstet, und eine gelegene Academie, wohin 
die Jugend zur VoUfuhrung ihrer Studien zu verschicken, in ganz 
Teutschland fast nicht zu finden sei". Es ward deshalb zur 
Deliberation der Stände gestellt, wie „dieses höchstgedeihliche 
Werk'' auszuführen sei. Die Stände waren hauptsächlich wegen 
Steuern berufen, namentlich wurden von den Ständen holsteinischen 
Fürstenthums die Zahlung von 120 Römermonaten oder 64,000 
Rthlr. verlangt. Wegen dieser und anderer Steuern baten die 
Stände, im nächsten Umschlag ohne weitere Convokation eine 
Zusammenkunft zu gestatten, wozu die Patente nur in Kiel von 
der Kanzel verlesen würden. Auf den Antrag wegen der zu 
errichtenden Universität antworteten die Stände jedoch gleich 
am 8. Decbr, 1641, sie wünschten, dass sie dem Proposito desen- 
diren könnten, „weil aber die Waffen auch diesen Fürstenthümem 
annoch täglich hintergehen und keine Spesen ruhen lassen, so 
bitten Stände, solches zwar gedeihliche aber kostbare Werk zu 
besserer Zeit und der Stände weiterer Deliberation zu dilatiren.^ *) 
Die weitere Deliberation mit den Ständen über diesen 
Punkt, der Plan beider Landesherm, eine gemeinschaftliche 
Universität für das Ganze der beiden Herzogthümer zu errichten, 



') Veranlassangsentwarf, waramb Hertzog Christian Albrecht aas der Bor- 
desholmer Schale eine Academie gestiftet und selbe nach der Stadt Kiel gelegt. 
Gottorf, 8. April 1667. G«drnckt in der Chronik der Kieler Universität 1854, 
S. 12. Vergl* Lackmann, Einleitung zur Schleswig-Holsteinischen Historie, Th. 6 
S. 236 und 245, and Ra^en, Verzeichniss der Handschriften, B. 1 S. 193. 

') Ratjen, Verzeichniss der Handschriften der Kieler Universitätsbibliothek 
B. 2 S. XVI., B. 3 Abth. 1 S. 106 und 107, und Batjen, Beitrag zur Geschichte 
der Kieler Universität, Kiel 1859 S. 23. 24. 



. » 



kam nicht zur Ausführung. Der Herzog Friedrich III. indessen^ 
Beschützer und Freund der Wissenschaften, ') behielt seinen 
Wunsch fest im Auge, und erlangte vom Kaiser Ferdinand III. 
am 26. April 1652 das Diplom, in einem passenden Orte des 
Herzogthums Holstein eine Universität mit denselben Vorzügen 
zu errichten, wie sie den bisherigen Universitäten zuständen, und 
Baccalaurei, Magistri, Licentiaten und Doctores mit Aufsetzung 
eines Hutes, mit Hingeben eines Ringes, mit einem Kusse und 
den sonst üblichen Solennitäten zu ernennen. Dem Rector oder 
Prorector verleiht der Kaiser das Recht, Notare zu creiren, Poeten 
zu krönen, uneheliche Kinder — nur nicht Söhne von Fürsten, 
Grafen und Baronen — • zu legitimiren. ^) 

Was die Ungunst der Zeit, die störenden Kriege dem 
Herzoge Friedrich nicht gestatteten, zur Ausführung zu bringen, 
übertrug dieser seinem vom Glück wenig begünstigtem Sohne 
Christian Albrecht (1659—1694). Der Vater hatte den Plan 
gehabt, die Intraden und Geftllle aus dem 1634 inundirten, zum 
Theil wieder bedeichten, zwischen Eiderstedt und Husum belegenen, 
Koegen, als Lundenberg, Simonsberg, Padelek u. s. w., der zu 
errichtenden Universität anzuweisen. *) JDer Sohn und Nachfolger 
gab diesen Plan auf, weil jene Intraden unsicher und nicht aus- 
reichend seien, es auch nicht wohl ausführbar sei, neben der 
neuen Universität das Bordesholmer Gymnasium aufrecht zu 
halten, er beschloss deshalb, dass letztere aufzuheben und die 
dazu bestimmt gewesenen Einnahmen nebst mehreren Ersparnissen 
der neuen Universität zuzuwenden, zu welcher Meta Rantzau ein 
Capital von 1250 Rthlr. hergegeben hatte. Das ehemalige Kloster 



^) W. E. Christiani, Entwarf einer Gelehrten - Geschichte Friedrichs III. 
Kiel 1772 und dessen Rettung der Kenntnisse und Gelehrsamkeit Friedrichs III. 
Kiel 1786. Friedrich III. hatte die 1627 verfallene Bordesholmer Schule 1635 
wieder hergestellt. * 

^) Das kaiserliche Diplom ist gedruckt in Alex. Jnl. Torquatus Christiauo- 
Albertinae inaaguratio, 1666 fol. pag. 89 — 104, auch in der Systemat. Sammlung 
der für Schleswig und Holstein erlassenen Verordnungen B. 4 S. 337 — 348. 

^) Fundation der Kielischen Universität 1665, gedruckt in der Sjstemat. 
Sammlung der Verordnungen, B. 4 S. 348, vergl. Torquati inauguratio p. 55 und 
Sam. Rachels Leben im Auszug in Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der 
Her&ogthümer, B. 1 S. 366. 368. ^ 

1* 



Bordesliolm, oder Stift der regulirten Chorherm Augustiner Ordens, 
hatte Herzog Hans 1566 in ein Gymnasium mit mehreren Frei- 
plätzen verwandelt. Nach vollendeten Sohulstudien wurden die 
Schiller mit Stipendien unterstützt. Auf der Rostocker Universität 
führten zwei dortige vom Herzog gewählte Professoren die Auf- 
sicht über die herzogliehen Stipendiaten. ') Ausser den erwähnten 
Einkünften hatte der Herzog Christian Albrecht die Landschaft 
Norderdithmarschen verpflichtet, 5(X) Rthlr., Eiderstedt 600 Rthlr., 
Tondem 500 Rthlr. und Nordstrand 60 Rthlr. jährlich zu dem 
Herzoglichen Convict zu zahlen.') 

Die Frage, ob die Universität in Holstein oder in Schleswig 
errichtet werden sollte, schien durch das Kaiserliche Diplom von 
1652 entscliieden, da es in demselben heisst: ut id gymnasium 
sive academia ac studiorum Universitas per dictum serenissimum 
ducem aliquo ducatus sui Holsatiae sed tali loco, ne per hanc 
erectionem vicinis Universitatibus praejudicetur, erigi ac furidari 
possit. Aus S. Rachels Leben (Archiv B. 1. S. 367) und Tor- 
quati inauguratio S. 51 sehen war jedoch, dass noch nach 1652 
Ungewissheit darüber herrschte, ob die neue Universität in Kiel 
oder in Schleswig zu errichten sei. Der Historiker Ludwig Petersen 
(t 1735) war nicht zufrieden mit dem übertriebenen Lobe, mit 
welchem Torquatus Kiel im Verhältniss zu Schleswig hervorge- 
hoben hatte. Aus Petersens handschriftlicher Beschreibung von 
Schleswig hat Schröder in Falck's Magazin B. 10 S. 629-639 
das Capitel, welches diese Frage betrifft, abdrucken lassen. Zu 
Gunsten Kiels entschieden wohl hauptsächlich die von dieser 
Stadt für die Universität angebotenen Vortheile, namentlich hin- 
sichtlich des Baues und der^Unterhaltung der Universitätsgebäude. 



') Die Ketormatio des Closters Bordesholm and Verordnung, wie es hinführo 
damit soll gehalten werden, von Johann dem A. Hamburg \h66 Sonnabend nach 
Reminisccre, ist gedruckt in H. Muhlii dissert. Kiel 1715 p. 627. Vergl. die schon 
citirte Fundation der Universität Kiel , den erwähnten Veranlassungscntwurf, und 
Archiv für Staats- und Kirchengeschichte B. 1 S. 339. 340. 

^) Veranlassungsentwurf in der Chronik der Universität zu Kiel 1854 S. 17. 
In diesem Entwurf, der in zwei Handschriften der Kieler Universitätsbibliothek steht, 
S. H. 175 und 175A, wird Nordstrand mit 60 Rthlr. aufgeführt. Nach Rescript 
vom 1. März 1768 (Vol. l Statut. S. 554) zahlt nicht Nordstrand, sondern Pelworm 
zum Convict, 



Der Präsident J. Ad. Kielraann unterhandelte vor der Errichtung 
der Universität mehrfach mit dem Kieler Magistrat, besonders 
mit dem Syndicus Joh. Hennings , . über die wegen der in Kiel 
zu errichtenden Universität von der Stadt zu übernehmenden 
Lasten. Aus einer Handschrift der Kieler Universitätsbibliothek 
(S. H. 175) habe ich den Hauptinhalt dieser Verhandlungen in 
meinem Beitrag zur Geschichte der Kieler Universität, Kiel 1859 
S. 25 — 32, angegeben. Kiel berechnete, dass es für die Universität 
12,000 Rthlr. aufgewandt habe. Durch die den Häusern und 
Wohnungen der ordentlichen Professoren und einigen Universitäts- 
beamten bewilligte Hausfreiheit verliere die Stadt jährlich 360 Rthlr., 
capitalisirt 6000 ßthlr. (S. H. 175. S. 657.) Die Stadt Kiel bat bei 
diesen Verhandlungen vergebens, dass ihr wenigstens auf gewisse 
Zeit ein Theü der 160 Pflüge, für welche die Stadt contribuire, erlassen 
werde, sie bat im März 1666 eben so vergeblich um Erlass von 
1600 Rthlr. restirender Contribution. Als Kiel sich im Mai 1666 
und wieder im April 1667 an den Landtag um Minderung der 
Pflugzahl wandte und von dem Landesherrn hierin etwas unter- 
stützt wurde, erklärten die Stände, dass ihnen durch etwa erfol- 
gende Remission kein incrementum erwachsen dürfe. Eine Ver- 
ringerung der Steuersumme wollten die Landesherrn nicht, es 
blieb also bei 160 Pflügen. Auch später suchte Kiel eine Min- 
derung der Pflugzahl zu erreichen und führte unter andern Grimden 
auch die der Universität zugestandenen Exemtionen an. Durch 
ein während der Vormundschaft des unmündigen Herzogs Carl 
Friedrich, Gottorf 27. Juni 1705, erlassenes Rescript wurden 
endlich der Stadt Kiel bis zu bessern Zeiten zwanzig Pflüge 
erlassen. 

Zum Lobe Kiels und zur Rechtfertigung der Regierung, 
die diese Stadt zum Sitz der Universität gewählt, erschien 
Schleswigae 1665 von Oaeso Gramm, der für Kiel zum Professor 
der Physiologie und der griechischen Literatur designirt war: 
Chilonium novus Holsatiae parnassus. Die Vorrede ist 18 Galend. 
Maji 1665 unterschrieben. 



II. 

Die Einweihung der Universität und die sich daran 

schliessenden Promotionen. 

Bei der Kirche zum heiligen Geist, der jetzigen Kloster- 
kirche, war von Adolph IV. ein Franziskaner-Kloster eingerichtet. 
Die Baulichkeiten waren später zu Armenhäusern benutzt. Die 
Stadt Kiel verlegte nun die Armenhäuser des heiligen Geistes 
und des neuen Gasthauses, und richtete die ehemaligen Kloster- 
gebäude für die Universität ein. Hinter dem Pastoratshause 
wurden Gebäude für Auditorien und für die Universitätsbibliothek 
hergestellt. An dem Kirchhof der Klosterkirche lag das Convikt- 
gebäude. Die Einweihung der Universität beschreibt TorquatuS 
in schwülstigem Ton •, Professor Samuel Rachel, der von Kielmann 
für die Universitätseinrichtung zu Rathe gezogen war, tadelt die 
Schrift des Torquatus sehr, und ist unwillig, dass eine von ihm 
eingereichte Inaugurationsschrift nicht auf öffentliche Kosten ge- 
druckt wurde. Rachel hat in seinem lateinisch geschriebenen 
Leben, von dem, wie erwähnt wurde, ein Auszug in B. 1 des 
Archivs für Staats- und Kirchengeschichte gedruckt wurde, eine 
kürzere Beschreibung gegeben, welche in N. H. Schwärze's Nach- 
richten von Kiel, Flensburg 1775, S. 259 — 286 in deutscher Sprache 
gedruckt ist. ') 

Der Herzog kam mit seinem Bruder August Friedrich 
am dritten October 1665 nach Kiel, mit ihnen kamen viele Mit- 
glieder der Ritterschaft, Beamte u. s. w. Vor der Stadt, nach 
dem Schleswig 1665 gedruckten Bericht von den Processionen 
bei Inauguration der neuen Holsteinischen Academie, fast eine 
halbe Meile vor der Stadt, nach einer Relation bei dem Kopper- 
pahler Redder, kamen der Königliche Vicekanzler Detlev Graf 
zu Rantzau, der Kieler Magistrat, mehrere Landräthe und Andere 
dem Herzog entgegen. Der Kieler Magistrat wollte in einer 



^) In BierDatzkis Volksbuch auf 1847 habe ich die Stiftung der Univereität 
Kiel erzählt und Andeutungen zur Geschichte derselben gegeben S. 167 — 175. 



Bede danken für die Errichtung der Universität in Kiel, der 
Herzog nahm, nach BacheFs Erzählung, den guten Willen flir 
die That an» *) Bei der Holsten-Brücke wurde der Herzog von 
Professoren und Studenten empfangen ; er stieg vom Pferde, hörte 
die kurze Dankrede des Professor Musäus an, und Hess durch 
den Sohn des Präsidenten, Friedrich Christian Kielmann, ant- 
worten. Der Zug ging fort zum Schlosse. Am vierten October 
war Buhetag, es kam der Prinz Budolph Friedrich, Enkel Johann 
des J., aus der Norburger Linie, um an den Festlichkeiten Theil 
zu nehmen. Am fünften fand die Einweihung der Universität 
in der Nioolaikirche Statt. Um sieben Uhr Morgens gingen 
Professoren und Studenten von dem Universitätsgebäude zum 
Schloss; von hier begab sich der Zug nach der Kirche, der 
Herzog und die beiden Prinzen zu Pferde, der Präsident Kliel- 
mann als Kaiserlicher Commissar in einem sechsspännigen Wagen. 
Vorangetragen wurden das KBiserliohe Diplom von 1652, die 
Schreiben des Herzogs für die Universität, die Insignien und die 
fünf Siegel derselben. Das allgemeine Universitätssiegel zeigt 
das Bild des Friedens, einen Palmzweig und ein Füllhorn und 
das Holsteinische Nesselblatt mit den Buchstaben C. A. Die 
Inschrift lautet : Pax optima rerum. Das Siegel der theologischen 
Faoultät zeigt die heilige Schrift mit Kreuz und Domenkrone 
und der Inschrift : Scrutamini scripturas. Das Siegel der juristi- 
schen Facultät ist eine im Gleichgewicht schwebende Wage, über 
deren Balken Scepter und Schwert stehen, zwischen diesen ein 
Stab mit einer Krone, die Inschrift ist: Discite juristiam moniti. 
Auf dem Siegel der medicinischen Facultät winden sich zwei 
Schlangen um einen Stab, aus dem sich Blumen erheben, die 
Inschrift ist das Hippokratische Wort: Ars longa vita brevis. 
Die philosophische Facultät hat im Siegel eine runde von einer 
aus den Wolken hervorragenden Hand gehaltene Kette, sowie 
das Bild der Pallas und die Worte : Commune artium vinculum» 



') Torquatus hat p. 70 — 72 eine lateinische sohw'alstige Rede des Svndicus 
Henning^ drucken lassen, in der Handschrift S. H. 175 findet sich S. 349 — 259 
eine deutsche Anrede des Syndicus Hennings mit lateinischer Version und eine 
kürzere lateinische Rede. Letztere hatte Ad. Olearins, der den Druck der Schrift 
des Torquatus übernahm, remittirt. 



8 

Zur rechten Seite des Altars in der Kirche war für den Kaiser- 
lichen Legaten, zur Linken für den Herzog ein erhöhter Sitz. 
In der Mitte standen zwei Catheder. Der fürstliche General- 
superindent Joh. ßeinhoth hielt, nach einem Gesang, von der 
Kanzel die Einweihungspredigt, welche im Druck in Torquati 
inauguratio fünfzig Seiten in folio einnimmt. Darauf hielt J. Ad. 
Kielmann zweiKeden und liess das Kaiserliche Diplom verlesen. 
In der zweiten Kede des Präsidenten K. ward der Professor der 
Theologie Peter Musäus zum Prorector ernannt, imd ihm wurden 
die akademischen Scepter sowie die Gründungsurkunden übergeben. 
Das Kectorat hatte sich der Herzog vorbehalten. Dann folgte 
eine Rede des Prorectors. Zwischen den einzelnen Reden ward 
gesungen und musicirt. Die Feierlichkeit dauerte sechs Stunden. 
Darauf fand auf dem Schloss ein Festessen an sieben Tafeln statt, 
bei dem der Kaiserliche Legat den obersten Platz einnahm. 
Am sechsten October wurden die Professoren auf dem Schlosse 
beeidigt, und dann in dem akademischen Gebäude fünf Reden 
von dem Theologen Christian Kortholt, dem Juristen Erich 
Mauritius, dem Mediciner Caspar March, dem Historiker M.Watson 
imd dem Professor der Beredsamkeit D. G. Morhof gehalten. 
Nach dieser Feierlichkeit ward der Prorector zur Herzoglichen 
Tafel gezogen, und erhielt, nach dem Bericht von den Processionen, 
von Sr. Durchlaucht eine doppelte goldene Kette mit des Herzogs 
Brustbild. Die feierlichen Promotionen, welche nach dem ersten 
Plan gleich bei der Einweihung der Universität hatten stattfinden 
sollen, wurden verschoben. Der Prorector und akademische Senat 
erliessen am 20. December 1665 eine Aufforderung, dass sich die- 
jenigen melden mögten, welche am 22. Januar 1666 Doctores, 
Licentiaten oder Magistri zu werden wünschten, sowie auch die- 
jenigen, welche zu Notaren ernannt werden wollten. Zum Pro- 
kanzler hatte der Herzog den Theologen Christian Kortholt ernannt. 
Im dem Kaiserlichen Diplom war dem Herzog gestattet, sich 
das Rectorat und die Kanzlerwürde zu reserviren oder der Uni- 
versität zur Wahl zu überlassen. In dem Herzoglichen Rescript 
an die Universität, Kiel vom 17. Febr. 1701 und dem Reglement 
vom 24, Januar 1707 wird dem Prokanzler die Aufsicht auf die 
Universität eingeschärft. Vor dem zwei und zwanzigsten Januar 
1666 disputirten, vom vierten bis zwanzigsten Januar, die Can- 



9 



didaten, unter denen 4 Kieler Professoren, M. Wasmuth, S. Rachel, 
P. Sperling und Nicol. Martini, waren. An dem bestimmten Tage 
ward in der Kirche die feierliche Promotion, zu welcher die in 
der Stadt anwesenden Honoratioren" durch acht Paranymphen oder 
Platzmeister eingeladen waren, vorgenommen. Auf dem Zuge 
zur Kirche trugen sechszehn Knaben angezündete Fackeln. Erst 
redete der theologische Dekan Peter Musäus, und erbat sich von 
dem Prokanzler die Erlaubniss, die drei theologischen Candidaten, 
Sperling, Wasmuth und den Probsten Kenkel, zu promoviren. 
Diese wurden beeidigt, dann als Doctoren der Theologie prokla- 
mirt, und auf dem obern Catheder mit dem Doctorhut, dem 
Zeichen der Freiheit, dem Ring, dem Zeichen der Festigkeit 
und Reinheit, wie der theologische Dekan sagte, oder der Ver- 
lobungsact der Wissenschaft, wie der juristische Dekan bei der 
Promotion der Juristen deutete, versehen. Der Dekan wies die 
Doctoren darauf hin, dass sie wie die vor ihnen brennenden 
Fackeln leuchten sollten. Die ihnen vorgelegte offene Bibel 
sollte sie zum Forschen, das zugeschlagene Buch zum Nach- 
denken ermuntern. Der Kuss und die Umarmung des Dekans 
sollten Zeichen des Friedens und der Einigkeit sein» In ähn- 
licher Weise wurden die beiden Professoren Rachel und Martini 
zu Doctoren, Pellicer, Secretär des Domkapitels in Lübeck, zum 
Licentiaten der Rechte ernannt. Der medicinische Dekan C. March 
creirte eben so drei Doctoren der Medicin, der philosophische 
Prodekan D. G. Morhof, welcher für Wasmuth fungirte, sieben 
magistri liberalium artium oder, wie wir jetzt sagen, Doctoren 
der Philosophie. Unter den promovirten Medicinem befand sich 
ein Abwesender, der als Anwesender angesehen wurde, er hatte 
schon imter Marchs Dekanat in Rostock das private und öffent- 
liche Examen bestanden, am 10. April 1665 disputirt, und die 
Licentia assumendi summos honores in arte medica erhalten. Die 
Descriptio actorum promotionis findet sich in Torquati inauguratio 
und in J. G. Morhof Dissertationes Hamburgi 1699 p. 161 -234. 



10 



III. 

Die Statuten der Universität und ihre Aenderungen. 

1. Die Gerichtsbarkeit 

Die Generalstatuten der Universität Kiel sind vom 2, April 
1666. *) Der Universität wird die Ci\il- u. Criminaljurisdietion über 
die Professoren, deren Frauen, Kinder und Hausgenossen einge- 
räumt, sowie über die Studirenden nebst deren Dienern und Jungen, 
und über alle der Universität mit Eid und Pflicht Verwandte 
wie Pedelle, Buchdrucker, Buchbinder, Barbier, üekonom des 
Convikts u. s. w. Die Criminalgerichtsbarkeit wird wenig be- 
schränkt, Todesurtheile sind an den Landesherm einzusenden, 
bei Relegationen über zehn Jahre findet die Appellation statt; 
in CiWlsachen kann, wenn das Streitobject über 200 ^ beträgt, 
die Sache an das höhere Gericht gebracht werden. 

Die Gerichtsbarkeit übt die Gesammtheit der ordentlichen 
Professoren, das academische Concilium oder Consistorium, oder 
Senat, aus unter Leitung des Prorectors. Allerdings ist in dem 
ersten Statut nicht gesagt, dass nur die ordentlichen Professoren 
an den Consistorialverhandlungen Theil nehmen, aber es wird 
dies nach den Verhandlungen entschieden anzunehmen sein. Die 
Jurisdiction der Universität veranlasste manche Streitigkeiten mit 
den städtischen Behörden. Durch die Verordnung vom 7. Novbr. 
1781, bekannt gemacht den 22. Novbr. 1781, ward bestimmt, dass 
die bisher in Civilsachen zulässige Appellation von den Sprüchen 
des akademischen Gerichts an die Regierung in Glückstadt femer 



') Gedruckt in B. 4 der Systemat Sammlung der Verordnungen S. 351 — 369. 
Bei der Vereinigung des Grossförstlichen Holsteins mit dem Königlichen und der 
Huldigung und Vereidigung auf dem Kieler Schlosse wurden die Gerechtsame, 
Freiheiten und Immunitäten der Kieler Universität anerkannt. Uatjen, Beitrag zur 
Geschichte der Kieler Universität S. 65 — 71. Im Jahr 1774 wurden die General- 
statuten und die der einzelnen Facultäten zur Bestätigung an den König nach 
Kopenhagen eingesandt. Dass die Oberbehörde an eine Reform der Statuten dachte, 
geht^aus manchen Acten hervor, namentlich auch aus dem Schreiben an den Corator 
vom 2. Januar 1779, Chronolog. Sammlung der Verordnungen 1779 S. 3. 



11 



nicht stattfinden solle, sondern die Parthei, welche sich beschwert 
erachte, sich unmittelbar an den König wende, welcher entweder 
die Sache durch die Canzlei entscheiden oder der Regierung in 
Gltickstadt ein Oommissarium ertheilen wolle. Eine wesentliche 
Umänderung brachte die Anordnung wegen Einrichtung eines 
Privat- oder engeren Consistorii bei der Universität zu Kiel vom 
19. December 1781. Das engere Consistorium besteht aus dem 
Prorector, den Dekanen der vier Fakultäten und dem Nachfolger 
im Prorectorat. Die Dekane derjenigen Facultäten, zu denen 
der Prorector und dessen Nachfolger gehören, können, wenn diese 
letztem nicht etwa Dekane sind, sich von der Theilnahme ent- 
schuldigen. In dem engeren Consistorio sollen immer zwei Mit- 
glieder der Juristenfacultät sein, und erforderlichen Falls, wenn 
der Prorector und dessen Nachfolger nicht dieser Fakultät ange- 
hören, ausser dem Dekan ein zweites juristisches Mitglied in das 
engere Consistorium eintreten. Dieses hat die Justiz und Ver- 
waltung zu besorgen, dem vollen Consistorio bleibt jedoch die 
Competenz für Exclusionsstrafen, Erkenntnisse in Criminalsachen 
und alle Verhandlungen über die Gerechtsame und Privilegien 
der Universität. In Civilsachen, die nicht über zehn Rthlr. be- 
tragen, hat der Prorector die Entscheidung, jedoch, wenn er kein 
ßechtsgelehrter ist, xmter Zuziehung eines juristischen Mitgliedes 
des engeren Consistorii. Beträgt die streitige Summe über fünf 
Rthlr., so kann an das engere Consistorium provocirt, und in den 
Entscheidungen des Letzteren, wenn das Object 200 # oder mehr 
beträgt, Remedur bei dem Landesherra gesucht werden, der durch 
die Deutsche — später Schleswig - Holstein - Lauenburgische — 
Canzlei die Entscheidung erlassen will. Schon in der erwähnten 
Verordnung vom 7. Novbr. 178 L (Systemat. Samml. IV S. 432) 
heisst es: finden wir uns bewogen, nicht nur Unsere Universität 
zu Kiel hiermit ausdrücklich für ein von Uns allein abhängendes 
und unter Unserer Glückstädtischen Regierung nicht stehendes 
Corpus zu erklären, sondern auch festzusetzen, dass in Fällen, 
da die Appellation im akademischen Gericht bisher zulässig 
gewesen ist, hinführe der Weg der an Uns unmittelbar zu rich- 
tenden Supplication frei stehn solle. Nach der Instruction des 
Syndicus der Universität vom 29» August 1788 sind ordentliche 
und ausserordentliche Professoren, deren Wittwen und unversorgte 



12 

Kinder in ihren eigenen Angelegenheiten von Erlegung der Sportein 
und Gerichtsgehühren frei» Nach Rescript vom 25. Fehruar 1778 
sind alle zum Corpus der Universität gehörige Personen, sowohl 
Lehrer und Officialen als Studirende, von dem Stempelpapier *) 
hei allen Mud jeden Vorfällen in und ausserhalb der Gerichte 
befreit, auch die Wittwen dieser privilegiatorum, wenn ihre Ehe- 
männer mit landesherrlichen Bestallungen versehene Bediente 
gewesen. Die mündigen Kinder verstorbener academicorum da- 
gegen haben nach B;escript vom 26. August 1796 keine Stempel- 
freiheit. Nach der Verordnung vom 7. August 1867 g 4, in der 
Gesetzsamml. S. 1279 und auch in dem Verordnungsblatt 1867 
Stück 97, sind öffentliche Schulen und Universitäten von der 
Stempelsteuer befreit, aber die Einzelnen werden auf diese Frei- 
heit keine Ansprüche haben. 

Durch § 8 der Verordnung vom 26. Juni 1867 (Gesetz- 
Sammlung S. 1073) ist die akademische Gerichtsbarkeit der 
Universität Kiel aufgehoben worden, in Betreff der Studirenden 
bleibt die Disciplinargewalt der Universitätsbehörden erhalten. 
Nach dem Allerhöchsten Erlass vom 22. November 1867 (Stiehl, 
Centralblatt für die Unterrichts -Verwaltung, Jahrg. 1868 S. 75) 
findet die Disciplinarstrafgewalt statt: 1) bei den eigentlichen aka- 
demischen Vergehen, die sich auf den Stand und Beruf der 
Studirenden und deren Verhältniss gegen die Obern und Lehrer 
der Universität beziehen, 2) bei allen unter Studirenden vor- 
fallenden Ehrenkränkungen und leichten Misshandlungen, 3) bei 
Duellen unter Studirenden mit Hiebwaffen, sofern kein Theil 
eine schwere oder erhebliche Körperverletzung erlitten hat, 4) bei 
allen Handlungen der Studirenden, welche im Sinne der gemeinen 
Strafgesetze als Uebertretungen anzusehen sind, jedoch mit 
Ausschluss der einfachen Beleidigung ausser den Fällen der Nr. 2 



') Das Stempelpapier wurde zuerst 1660 in den Herzogthümern ohne Be- 
fragung der Stände vorgeschrieben. Auf Beschwereu der Stände ward erwiedert, 
es sei auch in andern Reichen und Republiken. Verzeichniss der Handschriften III. 
1. S. 397 und Ambrosius Verzeichniss Heft 1 S. 14. Nach Niemann's Blättern 
fiir Polizei und Cultur 1800 B. 2 S. 4 soll der Herzog vor dem Könige schon 
1657 das Stempelpapier eingefdhii; haben, was zu den Bemerkungen der Stände 
nicht passt. 



13 

und der Zuwiderhaudlungen gegen die Vorschriften über die Er- 
hebung öffentlicher Abgaben und Gefälle. Auch bei anderen als 
den vorstehend bezeichneten straf baren Handlungen der Studirenden 
sollen die Universitätsbehörden noch femer, und ohne Rücksicht 
darauf, ob ein gerichtliches Strafverfahren eingeleitet worden ist 
oder nicht, und in welcher Weise das eingeleitete gerichtliche 
Strafverfahren geendigt hat, befugt sein, gegen den Angeschul- 
digten auf Ausschliessung von der Universität (Exclusion, Con- 
silium abeundi, Relegation) zu erkennen. In dem Schreiben des 
Ministers der geistlichen Angelegenheiten (Stiehl, Oentralblatt 
1868 S. 81) vom 5. Novbr. 1867 heisst es: „Ich kann es nicht 
femer für zulässig erachten, dass das akademische Rectorat die 
Erfüllung der von Studirenden eingegangenen Verbindlichkeiten 
durch Verhängung des weiteren oder engeren Stadtarrestes und 
Vorenthaltung des Abgangszeugnisses zu erzwingen versucht. 
Dagegen unterliegt es keinem Zweifel, dass auch in Zukunft 
leichtsinniges oder ehrloses Schuldenmachen der Studirenden 
disciplinarisch und zwar nach Befinden der Umstände durch 
Warnung, Verweis, Unterschrift des Consilii abeundi, Exclusion, 
Consilium abeundi und Relegation zu ahnden ist. Eine strenge 
Handhabung des Creditedicts ^) und in Folge dessen ein ver- 
minderter Credit der Studirenden kann ich dem Interesse der 
Universität nur für förderlich erachten." 

2. Die Immunitäten. 

Der Herzog erklärte in den Statuten vom 2. April 1666, 
§ 2, dass „alle und jede Universitätsverwandte von allen oneribus, 
sowohl realibus als personalibus, contributionibus ordinariis oder 
extraordinariis, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, sie seyen 
jetzo in Gebrauch oder möchten künftig eingeführt werden, es sey 



*j Das Creditedict vom 22. Febraar 17 76 ist gedruckt in der Systemat. 
Sammlung der Verordnungen B. 4 S. 515 — 526. Eine Aenderung dieses Edicts 
ward von mehreren Kieler Bürgern wiederholt beantragt, und vom akademischen 
Consistorio wurden in den Jahren 1834, 1857, 1860, 1862 und 1868 Vorstellungen 
in Betreif dieser Angelegenheit gemacht. Manche der Ansätze des Ediets passen 
nicht mehr. Rücksichtlich der Honorare für Vorlesungen ward durch das Kanzlei- 
Patent vom 10. August 1817 das Creditedict ausser Krait gesetzt. 



14 

zu Fried- oder Kriegeszeit, befreit seyn, jedoch dass sie sich auch 
bürgerliche Nahrung zu treiben enthalten sollen". ^) 

§ 4. Se. Hochf. Durchlaucht verordnen, dass, da nach 
Gottes Willen jemand von den Professoribus oder Academie- 
bedienten versterben sollte, dessen Wittibe oder Kinder ein 
ganzes Jahr von den Oontributionibus soll freisitzen, auch die 
Sportein, so bei des Verstorbenen Facultät in selbiger Zeit fallen 
möchten, zu gemessen haben. 

S 7. Anreichend der professorum und Universitätsverwandten 
in specie des bibliothearii, secretarii, pedelli, depositoris, oeconomi, 
Buchdruckers, Buchbinders undBarbierers Häuser, so sind dieselben, 
wie aus dem § 2 abzunehmen, von allen oneribus, Schoss und oon- 
tributionibus jederzeit frei, sie haben sie selbst erbauet oder von 
Anderen gekauft. 

§ 9. Sollte es sejm, dass ein Professor oder Universitäts- 
Verwandter in Kiel mehr denn ein Haus an sich brächte, so wird 
demselben zwar die Wahl '^) gelassen, eines aus denselben frei zu 
nennen, die übrigen aber seyn oder werden stadtpflichtig. 

§ 11. Sollte auch ein Professor ausserhalb der Stadt Kiel 
in ihrer Hochf. Durchl. Herzogthümem und Landen einige Häuser 
oder andere liegende Grüter durch Kauf, Erbschaft, oder anderen 
rechtmässigen Titul an sich bringen, so bleiben dieselben in 
desselben Landes- oder Ortsrechten der Condition, darin sie be- 
legen, so dass gleich andern in gleicher Condition lebenden 
Possessoren ^) er sich verhalte, es wäre denn, dass er diese Güter 
durch special Ihrer Hochf. Durchl. indult und der Landstände 
consens, wie es Herkommens ist, befreien würde. 



*) Nach Fikenscher Geschichte der Universität Erlangen, Coburg 1795 S. 418 
laaten die dortigen Statuten : Professores et caeteri doctores — intuitu aedium suarum, 
quas ipsi habitant, ab omnibus oneribus civilibus immunes esse debent, nisi forte 
quaestum civilem exerceant. 

^} In dem Abdruck in B. 4 der Systemat. Sammlung der Verordnungen 
S. 366 steht irrig statt „W&W wohl. 

^) In der Systemat. Sammlung B. 4 S. 366 steht i^Professoren" auch in 
einigen Abschriften. 



15 

§ 13. Wenn auch bekannt, dass die Studiosi*) gern bei 
ihren Präceptoren und Professoren spyen, bei denselben wohnen 
und speisen, so soU jederzeit denen professoribus, ihren Wittwen 
und Kindern, wie nicht weniger denen übrigen Universitäts ver- 
wandten, welche belieben, Tisch zu halten, allemal frei stehen, 
vor 2) ihr Haus und Tisch oder auch ein Professor und Univer- 
sitätsverwandter dem andern zum Besten Bier zu brauen nach 
Gefallen, und sie (ihnen) hierinnen weder senatus civitatis noch 
sonst jemand behinderlich sein. 

J 15. Soll alstets denen professoribus und ihren Wittwen 
frei stehen, fremdes Bier für sich und ihre Familie einzulegen 
und zu verspeisen, keineswegs aber selbiges ausserhalb Hauses 
verschenken und so viel solches Biers und Weins ^) in ihren 
Häusern verbrauchen in Ihre Hochf. Durchl. Herzogthümer und 
Landen aller Accisen und Beschwerungen frei sein, jedoch, dass 
hierunter kein Unterschleif gebraucht werde, auf welchen unver- 
hofften Fall solcher Professor diese Freyheit soll verwirkt haben. 

Ueber die Hausfreiheit der Professoren und Universitäts- 
verwandten erlaube ich mir, ein erklärendes Wort hinzuzufügen. 
Die Steuern werden nach Pflügen, für die Städte Steinpflüge 
genannt, entrichtet. Die Stadt Kiel, welche früher zu 160, seit 
1706 zu 140 Pflügen angesetzt war, hatte, abgesehen von den 
neuesten Anordnungen, flir jeden Pflug 24 Rthlr. Courant oder 
72 #, also im Ganzen 10,080 ^ zu zahlen, ohne Rücksicht auf 
die Zahl der Häuser in der Stadt. Die Hausfreiheit der Privi- 
legirten erstreckt sich sowohl auf die eigenen Häuser, als auf die 
gemietheten Wohnungen. Ein Vollhaus hatte nlr vier Keller zu 
entrichten, die wenigsten Häuser Kiels haben vier Keller, ') sehr 
wenige mehr, die meisten contribuiren nur für */4, 1, IV4, 1*4, 



1) Aach auf andern Universitäten hatten manche Stadirende ihren Tisch 
bei Professoren. In einem ohne Ort und Jahr erschienenen Pasquii: carieuse 
Inaaguraldisputation von dem Recht, Privilegiis und Prärogative der Atheniensischen 
Professoren-Barschen werden letztere sehr stark mitgenommen. 

') In der Systemat. Sammlang B. 4 S. 366 steht irrig statt i^vor" wo. 

') yund Weins* fehlt in dem Abdruck in der Systemat. Samml. B. 4 S. 367. 

*) Nach Bericht über die Entwerfung eines Catasters für Kiel, Kiel 1839 
S. 92, standen 1838 nur 57 Häuser in Kiel zu VoUhäusern. 



^ 16 

2 Keller. Die Abgabenfreiheit der Professoren und ihnen gleich 
Stehenden kann nur so weit benutzt werden, als das ihnen eigne 
oder von ihnen gemiethete Haus im Cataster der Stadt angesetzt 
ist, also fiir vier Keller, wenn dieses Haus zu vier Kellern steht. 
Der Betrag der vollen Hausfreiheit ist seit längerer Zeit 144 ^ 
Cour. Den ausserordentlichen Professoren ward nur ganz aus- 
nahmsweise die Hausfreiheit bewilligt, so den ausserordentlichen 
•Professoren Gentzke und Brinkmann. Schon bei den Vorver- 
handlungen zur Errichtung der Universität stellte die Stadt die 
dringende Bitte, dass den ausserordentlichen Professoren die 
Hausfreiheit nicht gestattet werde. ') 

In dem bestätigten Commissionalschluss, Hamburg 16. Mai 
1683, ward bestimmt,*) „sollen der Professoren Wittiben nicht 
mehr als ein halbes Haus eximiren, es wäre denn, dass einer 
oder anderen Wittiben von ihrem seligen Ehemann ein volles 
Haus nachgelassen, auf welchen Fall sie auch die Freiheit eines 
ganzen Hauses ad dies vitae zu gemessen — ." „Der Bereiter, 
Fecht-, Tanz- und Sprachmeister wie auch der Buchdrucker jeder 
ein halbes Haus und nicht mehr, die Pedellen aber IVa Keller, 
dafem die restrictiones wegen der zur Universität gehörigen Per- 
sonen, denen privilegiis academicis nicht entgegen, befreien.'^ 
„Auf das von Detlef Fischer Ballmeister producirte Privilegium 
1665 23. Juni — — modificirten Exemtion resolviren wir, dass 
Impetrant derselben wörtlichen Inhalts sich zu erfreuen, jedoch 
aber das privilegium de a, 1665 nicht weiter zu extendiren, als 
auf die Häuser, welche er tempore irapetratae immunitatis gehabt. ^) 

Durch die Kescripte vom 9. März 1775 und 5. Mai 1784, 
welches letztere die Hausfreiheit pars salarii nennt, ward ausge- 
sprochen, dass, wenn ein Professor ein Haus bewohnt, welches 
schon ein anderer Bewohner freimacht, derselbe die Hausfreiheit 
in Geld erhalte, aber nur für so viele Keller, als das Haus im 
Cataster steht. Ein Professor, der mit landesherrlicher Erlaubniss 
abwesend ist, geniesst die Hausfreiheit, als wäre er gegenwärtig. 



') HaniJächrift der Universitätsbibliothek S. H. 175 S. 222. 

«) S. H. 426 n. 152. 

') Die Freiheit des Ballhauses, welches für die studirende Jugend errichtet 
war, ward auch 1713 von Dänischer Seite anerkannt Mein Beitrag zur Geschichte 
der Kieler Universität S. 60 und S. H. 175, S. 623—627, 641 — 645. 



17 



Es ist bekannt, dass der König von Dänemark, nach 
manchen vergebKchen Versuchen des Vormundes des unmündigen 
Herzogs Carl Friedrich, sich von dem Verdacht der Parthei- 
ergreifung für die Schweden frei zu machen, durch das Patent 
vom 13. März 1713 die Gottorpischen Herzoglichen Lande in 
Schleswig und in Holstein in Besitz nahm. ') Auf die Stadt 
Kiel wurde eine Brandschatzung und Kriegssteuem gelegt, indess 
wurden, auf geschehene Vorstellimg, die Professoren von diesen 
Lasten befreit durch die Erklärungen des Königs, vom 3. Mai 
1713, 14. Mai und 10. November 1714.^) 

3. Beschränkungen. 

Im Laufe der Zeit, schon vor der Vereinigung der Herzog- 
thümer mit Preussen, wurden manche Immunitäten der Universität 
beschränkt und diese Beschränkungen rücksichtlich der künftig 
anzustellenden Professoren oder einer Erhöhung des Gehalts der 
schon angestellten vorgeschrieben. So ward durch Rescript vom 
28. März 1781 ausgesprochen (Systemat. Samml. B. 4 S. 454), 
dass beiWittwen und Kindern künftig anzustellender Professoren 
der Genuss des Gnadenjahrs sich nicht über 800 Rthlr. Courant 
erstrecke, wenn auch der verstorbene Professor mehr Gehalt 
gehabt habe. In Beziehung auf die schon Angestellten komme 
die Beschränkung zur Anwendung, wenn sie später eine Zulage 
erhalten. Den Wittwen und Kindern der auf Pension gestandenen 
Lehrer ward am 17. September 1796 das Gnadenjahr versagt. 

Durch die Verordnung vom 12. Septhr. 1792 ward vorge- 
schrieben, dass von allem Erbe, welches andern Personen als des 
Erblassers Ehegatten, Descendenten, Ascendenten, Geschwistern 
und Geschwisterkindern, wenn sie mit einem oder iJeiden Eltern 
erben, zufalle, vier Procent an den Staat zu zahlen. Auf eine 
Vorstellung der Universität, um Befreiung von dieser Steuer, 



») Nordalbingische Studien B. 2 Kiel IS^ö S. U. 

^) In der Rede, mit welcher Professor Muhliiis das Prorectorat an Professor 
Scliöpffer am 5. April 1714 übertrug, sprach er den Dank für die geschehene 
Bctreiung und Hoffnung für die Zukunft aus. Muhlii dissertat. Kil 1715 p. 324 
Auch 1675 ward von Königlicher Seite die Hausfreiheit anerkannt. Vergl. Beitrag 
Äur Geschichte der Kieler Universität, Kiel 1859 S. 50. 51. 

9 



18 

erklärte das Königliche Rescript vom 4. Januar 1799: „Wir 
haben nach untersuchter Sache und vernommenem Bedenken 
Unserer LandescoUegien befunden, dass die Privilegien der 
Kielischen Universität der Anwendbarkeit gedachter Verordnung 
auf das ihren Mitgliedern erblich zufallende oder von ihnen ver- 
erbte Vermögen nicht entgegen stehen. Wir wollen indessen die 
den jetzigen Professoren der Universität aus dem vorhin Gross- 
fürstlichen zufallenden oder von ihnen vererbten Mitteln in vor- 
kommenden Fällen von der CoUateral - Erbschaftsabgabe zwar 
befreien, jedoch sollen die künftig anzusetzenden Professoren und 
Universitätsverwandten sammt deren Verlassenschaften nicht nur 
besagter Abgabe, sondern auch der hiermit von Uns festgesetzten 
allgemeinen Regel unterworfen sein : dass die Steuerfreiheit der 
Universität sich auf die jetzt schon eingeführten ordentlichen 
Steuern und Abgaben beschränke, folglich in allen künftigen 
Fällen, wo die Unterthanen, aus einer ihnen in dieser Eigenschaft 
obliegenden allgemeinen Pflicht, sich gefallen lassen müssen, zu 
den Staatsbedürfaissen Beiträge zu leisten, nicht weiter zur Folge 
gezogen werden solle." 

Durch Verordnung vom 15. Decbr. 1802 ward eine Grund- 
und Benutzungs-Steuer angeordnet. Die Universität wandte sich 
um Befreiung von derselben an den König, es ward 1804 bestimmt., 
dass die seit 1799 angestellten Professoren von dieser Steuer nicht 
zu befreien, dass aber die früher angestellten, so lange sie bei 
ihrem gegenwärtigen Gehalt stehen bleiben, die Steuer zwar ein- 
zuzahlen haben, aber der Betrag aus dem akademischen Fiskus 
vergütet werden solle. Nach Erhöhung des Gehalts falle die 
Vergütung weg. 

Durch Verordnung vom 8. Februar 1810 ward eine Steuer 
eines halben Procents angeordnet von allen Immobilien, wenn sie 
auf neue Eigenthümer übergehen, so wie von allem übrigen Ver- 
mögen, wenn es durch. gesetzliche Erbfolge oder testamentarische 
Disposition vererbt wird. Nach manchen Verhandlungen ward 
am 20. August 1823 von dem Könige bestimmt, dass die vor dem 
Jahr 1799 bei der Universität Kiel angestellten Professoren, 
welche nach Rescript vom 4. Januar 1799 von der CoUateral- 
Erbschaftsabgabe befreit sind, auch von der am 8. Februar 1810 
angeordneten Halbprocentsteuer befreit sein sollen. 



19 

Wegen der im December 1813 und zu Anfang des Jahres 
1814 entstandenen Kriegslasten ward für Kiel eine Steuer von 
50 Rthlr. Cour, für ein Vollhaus ausgeschrieben. Nach langem Ver- 
handlungen wurden die ordentlichen Professoren, welche Häuser be- 
sassen, wegen der ihnen zustehenden Hausfreiheit von der Steuer 
befreit. Von einer etwas später ausgeschriebenenr Steuer zur Aus- 
gleichung der Kriegsschäden wurden die Professoren, welche 
Grundstücke in Kiel hatten, nicht befreit, vielmehr die Professoren, 
wegen ihres Grundbesitzes in Kiel 1822 für schuldig erklärt. — 
Im Jahre 1828 wurden die damaligen Professoren, welche Häuser 
besassen und die Hausfreiheit genossen, von der Real-Schulsteuer 
entbunden* — Die Versuche der Stadt im Jahr 1835, einige der Uni- 
versität angehörende Gebäude, wie das 1811 errichtete, jetzt aufge- 
hobene, Friedrichs-Hospital in der Flämischen Strasse zu Stadt- 
lasten herbeizuziehen, kamen nicht zur Ausführung. 

Nach Einführung der Zollverordnung vom 1. Mai 1838 ward 
durch Circular vom 11. Juli 1840 den Professoren und Universitäts- 
verwandten, welche vor dem 1 . Jan. 1839 die Zollfreiheit genossen, 
so lange sie in ihrer gegenwärtigen Stellung bleiben, in der Weise 
eine Entschädigung für den Verlust der Zollfreiheit ertheilt, dass 
ihnen der erlegte Zoll, mit Ausschluss der gesetzlichen Sportein, 
zu refundiren sei. (Chronoh Samml. derVerordn. 1840 S. 258—259.) 

Am 7. Juli 1849 ward von der damaligen Regierung, der 
Statthalterschaft, eine Einkommensteuer von 4 Procent angeordnet. 
Auf eine Vorstellung des akademischen Consistorii um Befreiung 
von derselben erfolgte am 16. März 1852 ein abschlägiger Bescheid, 
in welchem auf das oben erwähnte Königliche Bescript vom 4. Jan. 
1799 Bezug genommen wurde* Auch zu der am 4. October 1850 
angeordneten gezwungenen Anleihe leisteten die Universität, so wie 
die ihr Angehörenden, Beiträge. 

Die Versuche der Stadt Kiel in den Jahren 1850 — 1853, 
die Professoren durch Ertheilung von Bürgerbriefen zur Theil- 
nahme an den Stadtlasten zu nöthigen, waren ohne Erfolg. 

Zu den Armenlasten der Stadl^Kiel haben von jeher die 
Mitglieder der Universität beigetragen und durch Verfügung vom 
23. Decbr. 1773 ward der Stadt die Befagniss eingeräumt, das 
Armengeld auch von Denjenigen direct einzufordern, die nicht 
unter der Stadtjurisdiction stehen. 

2* 



20 

« 

Durch die Allerhöchste Verordnung vom 28» April 1867 
(Gesetzsamml. S. 543—548) wurden die Preussischen direkten 
Steuern, namentlich die Klassen- und Einkommen- Steuer, nach 
dem Gesetz vom 1. Mai 1851, in die Herzogthümer Schleswig 
und Holstein eingeführt. (Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein 
1867, Stück 58« S. 342, Stück 114 S. 1059—1067.) Die Vor- 
Stellungen der Universität auf Befreiung von dieser Steuer event. 
Gewährung einer Entschädigung, sind ohne Erfolg gewesen. 

Durch die Verordnung vom 5. Juli 1867 sind die Vor- 
schriften vom 12. September 1792 über die CoUateralsteuer und 
die Vorschrift über die Halbprocentsteuer aufgehoben worden. 
Von der Preussischen Erbschaftsabgabe sind Universitäten und 
Schulen frei, aber ein Privilegium der Einzelnen auf Steuerfreiheit 
der Erbschaftsabgabe besteht nicht mehr. (Gesetzs. 1867 S. 1127.) 

Die Verordnung vom 23. Septbr. 1867 (Gesetzsamml. 1867 
S. 1648, Verordnungsbl. S. 1526) bestimmt für die neu erworbenen 
Landestheile die Heranziehung der Staatsdiener zu den Commimal- 
Auflagen. Das Diensteinkommen wird nur halb so hoch als 
anderes gleich hohes persönliches Einkommen der Steuerpflich- 
tigen veranlagt. Nach § 12 sollen weitergehende Immunitäten, 
die für Beamte u. s. w. nach statutarischem Recht oder besonderen 
Privilegien bestehen, nicht durch diese Veränderung geändert 
werden. Das Gesetz, betreffend die Verfassung und Verwaltung 
der Städte und Flecken in der Provinz Schleswig-Holstein vom 
14. April 1869 (Gesetzsamml. n. 35 S. 589), bezieht sich auf die 
Verordnung vom 23. Septbr. 1867 und sagt im § 24: Alle übrigen 
persönlichen Befreiungen, mit Einschluss der in g 12 der Ver- 
ordnung vom 23. Septbr. 1867 noch aufrecht erhaltenen, bestehen 
nur noch für die Dauer der Genussberechtigung der gegenwärtigen 
im wohlerworbenen Besitze der Immunität befindlichen Personen, 
und erlöschen alsdann ohne Entschädigung. 

4* Das Biennium und dessen^Aufhebang. 

Die Vorschrift vom 3» Mai 1667, dass Eingebome der 
Herzogthümer, um im Lande befördert zu werden, einige Zeit 
in Kiel studirt haben müssten, ward am 23. Juni 1669 für die 
Theologen dahin näher bestimmt, dass zweijähriges Studium in 



» 21 

Kiel erforderlicli sei, um ad ministerium zu adspiriren. *) Durch 
die Verordnungen vom 1. Februar und I.März 1768 ward, schon 
vor dem Austausch des Grossfürtlichen Antheils, von Herzog- 
licher und Königlicher Seite, bestimmt, dass alle sich den Studiis 
widmende Unterthanen sich zwei volle Jahre auf der Universität 
Kiel aufhalten müssen, oder gewärtigen sollen, dass sie zu keiner 
Beförderung in Unsern Herzogthümem, weder in civilibus noch 
in ecclesiasticis HoflEnung haben sollen. Von dieser Verpflichtung 
des zweijährigen Studiums in Kiel konnten nach Patent vom 
18. September 1821 ") durch Allerhöchste Bewilligung Diejenigen 
befreit werden, welche eine nach ihren Vermögensverhältnissen 
und der am biennio fehlenden Zeit eine im einzelnen Fall zu be- 
stimmende Recognition an die Kieler Universitätsbibliothek erlegen. 
Diese Verpflichtung zum biennio In Kiel, welche am 21. Novbr. 
1850 für die Anstellung im Herzogthum Schleswig durch den 
B.egierungscommissar von Tillisch ^j aufgehoben wurde, ist durch 
den Allerhöchsten Erlass vom 17. Septbr. 1867 (Verordnungsblatt 
für Schleswig - Holstein 1867 S. 1287 und Gesetz - Samml. 1867 
S. 1743) für beide Herzogthümer Schleswig und Holstein weg- 
fällig geworden. Die Studirenden haben ein und ein halbes Jahr 
auf einer Preussischen Universität zu studiren. Die Studienzeit 
der Mediciner ist vier Jahre, die der andern Facultäten drei Jahre. 
Vergl. Rönne, das Unterrichtswesen B. 2 S. 601. 602. 



Oberbehorden der Kieler Universität mit einigen allge- 
meinen Bemerliungen. 

1. Yisitatoren und Curatoren. 

In der ersten Zeit hatte die Universität keinen Curator. 
Im Jahr 1668 ernannte der Herzog den Präsidenten Kielmann, 
Fr. Chr. Kielmann und Andreas Cramer, um die Universität zu 



») Handschrift S. H. 175 A. S. 108—110. 116. 117. 

^) Systeraat. Sammlung der Verordnungen B. 4 S. 513. 514. 

^) Wöldike Chronologisk Sämling af de 184»J-1850 udkomne Lovn S. 166. 1 67 



22 



visitiren, und demnächst über den Zustand derselben, über die Mängel 
und Beschwerden zu referiren. Am 22. Mai 1668 erfolgte darauf 
eine Herzogliche Resolution*), die Gehalte einiger Professoren 
wurden zu 250 Rthlr, erhöht*), drei Professoren wurden entlassen. 

Die Art der Anstellungen war von der nachherigen sehr ver- 
schieden, wenn auch später jedesmal beim Regierungswechsel die 
Bestallungen zur Allerhöchsten Bestätigung eingesandt wurden. 
Die Bestallung für den Professor Michaelis vom 15. Februax 1666 
lautet auf halbjährige Kündigung von beiden Seiten. ^) 

Durch ein Herzogliches Rescript vom 22. August 1672 
wurden die beiden ältesten Herzoglichen Hofräthe *), Johann von 
Hatten und Friedrich Hans Gloxin, committirt, ein Jahr die 
Curatel zu verwalten und die gewöhnliche Visitation bei der 
Academie zu verrichten. Nach Ablauf eines Jahres sollten zwei 
andere Räthe als Curatores oder Visitatores eintreten. 

Von 1675 bis 1689 war der Herzog wegen der Streitig- 
keiten mit Dänemark ausser Landes , er lebte in Hamburg. *'*) 
Der König liess sich 1684 im Herzogthum Schleswig huldigen. 
Der Herzog hatte in der I^undation der Universität von 1665 
bestimmt, „dass diese jährlich 6000 Rthlr. aus Bordesholm erhalte, 
und der dortige Amtschreiber die Gehalte ohne Aufenthalt und 
Versäumniss zahle.'' Diese Bestimmungen und Befehle wurden 
in den Unglücksjahren häufig wiederholt und bestimmt, dass 
keine andern Assignationen auf die Bordesholmer Casse gelten 
sollten,®) so 9. August 1675, 14. August 1677 u. s. w.; aber 
dennoch erfolgten die Besoldungen nicht regelmässig. Auch 
1691 und 1692 fand eine Visitation der Universität statt. 



») Handschrift S. H. 179 A. Bl. 43—45. Statut. Vol. I. S. 59—75. 

*) In dem Veranlassungsentwurf von 1667 ist das höchste Gehalt 500 Rtbir., 
das geringste 120 Rthlr. Chronik 1854, S. 15. 

*) Ratjen, Beitrag zur Geschichte der Kieler Universität, Kiel 1858 S. 40. 
Vergl. Verzeichniss der Handschriften II. 77 unten. 

*) S. H. 179 A. S. 49— «55, wo auch einige Briefe von dem Prokanzler 
Musäus an Gloxin und die Ernennung Heldbergs zum ordentlichen Professor der 
Moral befindlich sind. 

•} Geschichte der Streitigkeiten der Herzöge von Holstein - Gottorf mit der 
Krone Dänemark. Frankfurt 1762. 

«^ S. H. 175 A. S. 161 — 171. Statut I. 224—248. 



> 23 

Wir finden erst im Jahr 1 707 wieder Visitatores der Kieler 
Universität. Der Herzog Friedrich IV., der Schwager und Genosse 
Carls XII., war 170^ bei Clissow gefallen. Während der Minder- 
jährigkeit des Sohnes Carl Friedrich trat eine vormundschaftliche 
Regierung ein, nemlich die der Mutter des jungen Herzogs, welche 
in Stockholm lebte, und des Onkels Christian August, Bischofs 
zu Lübeck. Der frühere Professor, dann Geh. Raths - Präsident 
M. von Wedderkop, und der Generalsuperintendent und Professor 
H. Muhlius wurden 1707 zu perpetui visitatores und inspectores 
ernannt. Nach ihrer Visitation ward das von Christian August 
1 707 bestätigte Reglement für die Universität publicirt. Wedderkop 
ward 1709 nach der Tafel des Herzoglichen Vormundes auf die 
Festung Tönningen *) gebracht und sass daselbst, bis 1714 dieser 
(Jrt an Dänemark übergeben wurde. Sein Gegner Görtz ward 
1719 in Schweden enthauptet. Muhlius kam von Gottorp wieder 
nach Kiel. Von 1713 bis 1720 waren die Herzoglichen Antheile 
beider Herzogthümer im Besitze Dänemarks, der Holsteinische 
Antheil ward 1721 restituirt. 

Der Herzog ernannte v. durch ein, Hamburg 2. Septbr. 1719 
erlassenes, Rescript den Geh. Raths - Präsidenten H. Friedrich 
von Bassewitz, der oft auf Reisen war, zum Curator der Univer- 
sität, der General- Superintendent Muhlius ward ihm adjungirt. ^) 
Eine Instruction für den Curator ward am 8./19. September 1724 
von Petersburg aus erlassen und den 9. Januar 1725 von der 
Visitationscommission dem Consistorio mitgetheilt. ^) Während 
der Minderjährigkeit des Herzogs Carl Friedrich war dessen Land 
durch schlechte Verwaltung sehr in Schulden gerathen. Auch 
als er selbst 1716 für Schleswig und zwei Jahre später für Hol- 
stein die Regierung seines occupirten Landes antreten zu wollen 
erklärte, ward der Zustand nicht besser. Der Landesherr reiste 
1719 von Schweden, wo ihm der Königsthron entgangen war. 



') Görtz*s gewissenlose Haushaltung in Falck's Samml. zur näheren Kunde 
B. 1 S. 80. Geschichte des Herzogl. Schleswig - Holstein - Gottorf sehen Hofes, 
Frankfurt 1774 S. 15. K. y. Warnstedt in den Jahrbüchern für Landeskunde 
B. 7 S. 304—326. 

2) Statut. Vd. I. 369. 

^) Statut. Vd. I. 457 und S. H. 175 A. iS. 529 und 569. 



24 



nacli Rostock, Hannover, Berlin, Dresden, Wien und Petersburg, 
er suchte Hülfe. Zum Sommersemester 1725 erschien statt des 
üblichen Verzeichnisses der Vorlesungen ein Programm. NaiCh 
einer Bekanntmachung der Visitationscommission, bestehend aus 
Joachim Otto Bassewitz, dem Bruder des Präsidenten, Pechlin 
und Clasen, vom 9. Januar 1725, sollte die Kieler Universität 
dreizehn Professoren haben, es werden aber in dem Schema 
mehrere Plätze ') als vacant angegeben. 

In dem erwähnten Programm wird das Gerücht, die Kieler 
Universität werde in ein Lyceum verwandelt werden, muthig 
widerlegt, es werden die vom Herzog bestimmten dreizehn Pro- 
fessuren genannt und es heisst dann : Quae cum ita sint, et tredecim 
numero professores ex mandato elementissimi nutritoris academiam 
hanc constituere debeant semper, minime omnium prae se fert 
imaginem Gyinnasii sed nomen titulumque academiae semper 
tuebitur. — Neque nortras tantummodo agimus partes fideliter 
sed duplicatis laboribus sustinemus vices absentium doctorum, qui 
Kilonium propediem properabunt. In dem Verzeichniss der Vor- 
lesungen für 17 |g finden wir drei Theologen : Muhlius, Frise und 
P. Fr. Opitz, zwei Juristen : Harpprecht und Hartmann, letzterer 
war erst zum Winter 1725 nach Kiel gekommen (Vogt und Arpe 
waren im August 1724 entlassen worden), einen Mediciner : Waldt- 
schmiedt, in der philosophischen Fakultät: Seb. Kortholt, Fr. 
Gentzke, Friedr. Koes xmd Phil. Fr. Haue. Opitz und Waldschmiedt 
kündigten auch Vorlesungen in der philosophischen Fakultät an. 
Carl Friedrich Luther, welcher in Kiel von 1702 bis 1705 ausser- 
ordentlicher Professor der Medicin gewesen war, kam zu Ende 
des Jahres 1725 als ordentlicher Professor wieder nach Kiel. 

Das Jahr 1725 war für die Universität kein erfreuliches. 
Das Consistorium hatte wegen Streitigkeiten mehrerer Studenten 
mit einem in Kiel anwesenden Königlichen Beamten sich an den 
König von Dänemark gewandt, was die Visitationscommission 
übel vermerkte. Im Consistorio war keine Einigkeit, der eine 
beschuldigte den andern. Die Visitationscommission ward im Sep- 
tember 1725 aufgehoben, eine Landescommission trat an die Stelle. 
Reisen nach Petersburg ohne specielle Erlaubniss wurden verboten. 



') Handschrift S H. 175 A. S. 545. 549. 



25 

Carl Friedrich kam von seiner langen Reise 1727 mit 
seiner Gemahlin, der Russischen Grossfürstin Anna Petrowna, 
nach Kiel, er ward mit Juhel *) von seinem hoffnungsreichen, 
verschuldeten Holstein — Schleswig war verloren — empfangen. 
Am 24. August 1734 ward die ^eine zeithero vacante academische 
Curatelschaft dem Oberconsistorial - Vicepräsidenten Cabinetsrath 
Westphalen übertragen." *) Er suchte das Studium des allgemeinen 
deutschen und des Partikularrechts, so wie der Schleswig - Hol- 
steinischen Geschichte, die letztere namentlich durch Lackmann s 
treue Arbeiten zu fördern. Dem 1737 berufenen Professor juris 
germanicietRomani A.Chr. Dom ward in der Bestallung aufgegeben, 
die antiquitates juris patrii, Chartas, diplomata, scriptores et scripta 
rerum germanicarum und übrige nöthige adjumenta jurisprudentiae 
germanicae fleissig und wohl anzuwenden, dabei aber auch das 
jus civile Romanorum, in so fem und so lange Wir solches in 
Unsem Landen als ein jus subsidarium in Gebrauch wissen wollen, 
nicht aus der Acht zu lassen." ^) 

Das Studium des deutschen Rechts forderte in Kiel auch 
der unter AVestphalens Curatel 1 745 angestellte Professor Dreyer, 
Neffe des Curators. Der Curator ward 1756 gestürzt, 1756 frei 
gesprochen und trat wieder als Curator der Universität ein, er 
starb 1759. Im Jahr 1765 konnte das hundertjährige Jubiläum 
der Universität nicht gefeiert werden, weil das Üniversitätsgebäude 
verfallen und mehrere Professuren vacant waren. ') W. A. Eraesti 
hatte die Professur der Eloquenz übernommen und ward im index 
angekündigt, er kam aber nicht. Der schlechte Zustand der Uni- 
versität besserte sich unter der Vormundschaft der Kaiserin 
Catharina. Am 7. Juli 1769 ward von der Kaiserin Catharina, 
der Vormünderin des unmündigen Herzogs, ein CuratelcoUegium*) 
ernannt, bestehend aus den Geh. BȊthen von Wolff und von 
Elendsheim, so wie den Etatsräthen von Prangen und Niemann. 
Chr. C. Lor. Hirschfeld ward zum Secretär dieses Collegii bestellt. 



') Freuden - Dankmfihl bej Ankunft S. K. H. des Ilertisogs Carl Friedlich. 
Kiel 1727. 

'} S. H. 175 A. S. 539 und 577 und lUtjen, Dreycr und Westphalen S. 32. 
') Ratjen, Beitrag S. 58. 
*) Statut. I. 612. 



26 

Vor dieser Emennung war, statt des verfallenen Universitäts- 
gehäudes, 1768 ein neues erbaut. Ain 12. Januar 1770 ward die 
dos academica um 2000 ßthlr. jährlich erhöht. *) Der Universität 
ward ein Reithaus und eine Keitbahn übergeben, und der Thunn 
auf der Westseite des Schlosses zu astronomischen Beobachtungen 
eingeräumt. Es wurden aus Göttingen der Jurist J. H. Fricke, 
der Philosoph Andr. Weber, der Professor der orientaUschen 
Sprachen J. Em. Faber und der Mathematiker J. M. Liungberg 
berufen. Das Degentragen der Studirenden ward am 10. Juli 1770 
vom CuratelcoUegio in sehr schonender Weise abgestellt, und die 
Lillaweisse Cocarde') eingeführt, welche lange Zeit von den 
Kieler Studirenden allgemein getragen wurde» 

Als im Jahr 1773 der Grossfiirstliche Theil Holsteins mit 
dem Königlichen vereinigt wurde, versprach der Königliche Prin- 
zipalcommissarius Graf Reventlow, dass die Kieler Universität 
bei ihren Privilegien, Gerechtsamen und Freiheiten kräftigst ge- 
schützt werden solle.*) Der König übernahm am 17. Febr. 1774 
das Kectorat der Universität und bestätigte am 12. Januar 1775 
die Privilegien derselben.*) 

Der Curator Graf Detlev Reventlow *) und der Prokanzler 
J. Andr. Gramer wirkten günstig zur Förderung der Kieler 
Universität. Der Fond derselben wurde am 25. Februar 1775 
mit einer jährlichen Summe von 9240 Kthlr. Cour, vergrössert.^) 
Das Convictexamen übernahm 1775 die philosophische Fakultät, 
der Abendtisch ward eingestellt. Zu einer Reform der alten 
Statuten, die wohl' nach dem Vorbild anderer Universitäten eilig 



') Statut I. 650. 

') Ratjen, Beitrag zur Geschichte der Kieler Universität S. 63. 

'j Ratjen, Beitrag zur Geschichte der Kieler Universität S. 65 — 71. Mit 
Recht feierte die UniYersität 1823 nach fünfzig Jahren die Wiederrere inigang Hol- 
steins. Prot A. Niemann hielt die Rede. Das „Terwirrte Cimbrien^ and „die 
gewissenlose Hanshaltang^ von Görtz and Bassewitz waren freilich vor 1773 be- 
seitigt, aber es fehlte der volle Friede. Kiel ward nach dem Austausch Universität 
des ganzen Holstein nnd Schleswig. 

*) Statut. I. S. 752—757. 

^) Die Instruction desselben ist vom 26. October 1775, Statut IL S. I— 17, 
aber er war früher ernannt worden. 

*) Chronol. Sanmil. der Verordnungen 1775, S. 24 n. 9. 



27 



gemacht waren, kam es nicht, aber es ergingen mehrere einzelne 
angemessene Verfügungen. Es ward 1 775 ein homiletisches Seminar 
errichtet J) Ueber die Prüfungen der Candidaten des Predigt- 
amts erschien am 6. August 1777 eine Verordnung, zur Förderung 
der classischen Studien wurden in demselben Jahre vier Stipendien 
gestiftet, die Ferien eingeschränkt, ein Creditedict erlassen, ^die 
Abgangszeugnisse der Studirenden vorgeschrieben. Die akade- 
mische Jurisdiction ward am 7. Novbr. 1781 geregelt, das engere 
Consistorium am 19. Decbr* desselben Jahres angeordnet, für den 
Quästor am 7. September 1783 eine genaue Instruction erlassen» 
Im Jahr 1775 wurden der Jurist Trandelenburg, der Mediciner 
Christ. Jo. Berger, dessen Büste in unserer Universitätsbibliothek 
zum Dank für seine Schenkung bewahrt wird, berufen, 1776 der 
Naturforscher J. C. Fabricius und der Philosoph J. N. Tetens, 
1777 der Theolog S. G. Geyser, 1778 der Theolog D. G. Molden- 
hauer, 1780 der Historiker D. H. Hegewisch, 1782 der Theolog 
J. C. R, Eckermann, 1798 der Theolog J. F. Kleuken Auch 
nach dem Tode des Curators v. Reventlow wirkte J. A. Cramer, 
der am 11. Februar 1784 zum Canzler der Universität ernannt 
und dem die Ouratelgeschäfte aufgetragen wurden, wohlthätig für 
unsere Hochschule. Die reichhaltige Bibliothek des Geh. Raths 
Georg Christian von Wolff, welcher der erste des erwähnten 
CuratelcoUegii war, ward auf den Rath von G. H. Weber, 
W. E. Christiani und J. N. Tetens 1784 durch J. A. Cramer 
und J. Fr. Ackermann, damaligen Quästor, zum Besten der 
Kieler Universitätsbibliothek für 14,000 Rthlr., die zum Theil 
einstweilen vorgeschossen, nachher erlassen wurden, gekauft. 
Der König hatte 1778 eine von Höchstdero Grossmutter Schwester, 
der weiland verwittweten Fürstin Sophie Caroline von Ostfriesland, 
auf ihn gekommene Forderung von 12,500 Rthlr. an die Universität 
cedirt. Von der fürstlichen Ostfriesischen Schuldencommission 
zu Aurich waren 26 % der Schuldsumme angeboten, und die 
Universität hatte einen Herrn von Varendorflf zur Verhandlung 
beauftragt (Protokoll des Consistorii vom 29. April 1778). Die 



') Chronik der Universität 1854 S. 18 und Köster, Geschichte der practischen 
Theologie auf der Kieler Universität, Altona 1825. Ueber das katechetische Seminar 
vergl. Chronik 1855 S. 15. ^ 



28 



Gemahlin Christian's VI., die Grossmutter Christian's VII., Sophie 
Magdalene von Brandenburg -Culmbaeh^ hatte eine Schwester, 
Sophie Caroline, welche mit Greorg Albert, Pursten von Ostfries- 
land. rennählt war. Weil bei der Cessionsacte der Ostfriesischen 
Gelder bestimmt worden, dass diese besonders znr Vermehrung 
der Universitätsbibliothek dienen sollten, glaubten der Prokanzler 
Gramer und der Quftstor Professor Ackermann ^ *, den Kauf der 
Bibliothek abschliessen zu können. Es war Eile nöthig^ da Wolff 
dem Tode nahe war. Die deutsche Canzlei, in welche A. P. von 
BemstorflF*) eben wieder eingetreten war, beantragte die Aller- 
höchste Genehmigung, welche am 9. Juli 1784 erfolgte. 

Am 11. Xovbr. 1785 ward eine Professoren -Wittwenkasse 
errichtet. *; 

Gramer starb 1788. Die Universität hatte bis zum 7. März 
1800 weder Curator noch Canzler. Die deutsche Canzelei ver- 
handelte direct mit dem academischen Gonsistorium. Es war die 
Zeit der Humanität, der B.eformen, der Aufklärung^ der Gonser- 
vation und Reaction. der Orden und Verbrüderungen. In dieser 
Zeit wurde der Professor Garl Friedrich Gramer, der von 1775 
bis 1780 ausserordentlicher, von da bis 1794 ordentlicher Professor 
der philosophischen Fakultät war^ entlassen. Er las hauptsächlich 
aber Bacher des alten Testaments und griechische Glassiker. 
Bei dem etwas excentrischen, gutmüthigen, wohlwollenden, refor- 
mirenden Manne hatte die fiunzösische Biovolution Hofi&iungen 
erregte denen die Praxis des Lebens nicht entsprechen konnte. 
Seine eigenthumlichen Ansichten zeigten sich schon in seiner 
1791 erschienenen Schrift über die Kieler Universitätsbibliothek. 



Handflchrilt S. H. 179. 6. Archiv für SuuUs- nnd Kirchengeschichte der 
Herzogthümer B. 5. Alcona 1843 S. 559 — 562, and Ratjen, Beitrag zur Greschichte 
der Kieler UoiTerdtät S. 71 — 73. Das Verhältniss der Ostfriesischen Gelder konnte 
ich damals noch nicht aufklären. 

*) A. P. Bemstorff ward am 13. Sepd>r. 1770 entlassen, 1773 zorackge- 
mfen, 1790 wieder endassen, 1784 wieder zorückgenifen ; er starb am 21. Joni 
1797. IKe Kieler UniTersitit foierte sein Andenken; Professor D. Hegewisch hielt 
<fie Rede, Tergl. Jcnssen-Tosch zor BegicrongsgeschichCe Friedrich VI. nach Giessing 
B. 1 S. 31. 198—199. 

*) Sjstemat. Sammlang B. IV S. 455 and 461, wo die Veipflichtang com 
Eintritt gedrackt ist. 



29 

„Ich traure,'' schrieb er, „allemal, wenn ich z. B. das Fach der 
Antike, der Kupferstiche, derGallerien, Floren, Quadrupeden-, 
Vögel-, Fisch- und Würnierabbildung reichlich besetzt sehe, 
Musäa, bibliothecas patrum maximas, Conciliensammlungen und 
dergl. darin antreffe, hingegen Werke wie Voltaireus, Kousseaus 
Schriften, Pastoret über die Criminalgesetze und tausend Andere 
eben so nothwendige vermissen darin muss," Cramer hatte in 
dieser Schrift sein im academischen Consistorio gegebenes Votum 
über die Universitätsbibliothek vor Abschluss der Verhandlungen 
drucken lassen, was der Bibliothekar Christiani nicht angemessen 
fand. Die Acten über Carl Friedr. Cramers Entlassung sind von 
ihm selbst herausgegeben; ') ihm wurden 350 Rthlr., die Hälfte 
seines Gehaltes, als Pension für so lange bewilligt, als er sich 
aller Verbreitung seiner der Staatsverfassung des Landes zuwider- 
laufenden Grundsätze enthalte. Vor der Entlassung war Cramer 
von der deutschen Canzelei aufgefordert, seine Erklärung einzu- 
senden, sie ist sehr ausführlich und der Sache wenig angemessen. 
Dio Oberdicasterien beider Herzogthümer zu Glückstadt und 
Schleswig hatten der Regierung ihre Bedenken eingereicht. 
Nach der Entlassung richtete das akademische Consistorium eine 
Vorstellung an den König, die ohne Erfolg war. Nach Eggers 
Denkwürdigkeiten aus dem Leben A. P. Bemstorfs, Kopenhagen 
1800 S. 178, schmerzte diesen der Fall um so mehr, weil er den 
Sohn seines Freundes traf. 

Von grossem Einfluss war in der Zwischenzeit der Professor 
der Medicin Ptilip Gabriel Hensler, der 1789 nach Eliel berufen 
wurde. Der Professor der Philologie Heimich schrieb 1806 eine 
Memoria Hensleri, welcher die philologische Bildung auch für 
Mediciner wichtig hielt.*) Henslers Einfluss und den Zustand 
der Kieler Universität von 1796 bis 1798 lernt man etwas kennen 
aus dem Auszuge von Steffens Leben, den ich mit Anmerkungen 
in den Jahrbüchern für Landeskunde B. 5 S. 124 u. f. Kiel 1862 
mittheilte. Damit die Universitätsbibliothek aus Henslers reich- 



, C- ^r- Cramer, über mein Schicksal, Kiel 1794. Vergl. Jenssen-Tusch 

zur Regierungsgeschichte Friedrich VI. nach Giessing Th. 1 S. 207—^209. 

') Nachricht über Hensler habe ich in der Beilage 252 und 258 des Altonaer 
Merkur 1863 auf Veranlassung der Hensler'schcn Stiftung Kiel 1863 gegeben. 



30 

haltiger Sammlung die nöthigen Ankäufe machen könne, ward 
Allerhöchst eine erhebliche Greldsumme bewilligt. 

Im Jahre 1799 ward Joh. Otto Thiess, der 1793 als 
Adjunct der theologischen Facultät in Kiel eintrat, und 1795 
ausserordentlicher Professor der Philosophie wurde, entlassen mit 
einem jährlichen Wartegeld von 200 Rthlr. und der Verpflichtung, 
sich ausser Kiel aufzuhalten; im Jahr 1800 erfolgte seine Ent- 
lassung in Grnaden. Seine theologischen Ansichten waren wohl 
der Hauptgrund der Entlassung, man lernt dieselben kennen aus 
seinen Nachrichten von den Lehrern der Theologie zu Kiel, Th. 1. 2. 
Kiel und Altena 1800—1803. ') 

Zu den Unzufriedenen gehörte auch der gebome Tonderaner 
Joh. Christ. Fabricius, er kam 1775 von Kopenhagen nach Kiel 
als Professor der Oekonomie, Naturgeschichte und Cameralwissen- 
schaften, er hat seine äussern Lebensumstände in Lahde Portraeter 
H. 4 Kiabenh. 1805 erzählt, in deutscher Sprache erschien die 
Schrift in den Kieler Blättern 1819 ß. 1 S. 88 u. f., näher lernt 
man ihn aus seinen Schriften, z. B. der Vorrede zu seiner Schrift 
„Ueber Academten" Kopenhagen 1769 und zu seinen Policey- 
Schriften, die Th. 1, 2. 1786 — 1790 erschienen, so wie aus seinen 
Resultaten naturhistorischer Forschungen, Kiel 1804, kennen. 
Seine Verdienste um die Entomologie sind allgemein bekannt. 
Er war während seiner Kieler Professur mehr auf Reisen als in Kiel, 
er selbst sagt: „ich lebte in Kiel beinahe, wie auf der Reise, 
ohne mich eigentlich einzurichten;'' er tadelt die Anstellung von 
„Fremden", wie die Oeders, die Begünstigung des Dichters 
Klopstock, Bernstorf passirt nur so eben. Fabricius wollte die 
medicinische Facultät von Kiel nach Kopenhagen verlegt wissen, -) 
behauptete dann wieder, die ^ Universität in der Residenzstadt 
habe zu viele Störungen, indem die Professoren leicht Regierungs- 
geschäfte übernähmen. 

Fabricius war unzufrieden, dass für das Fach der Natur- 
geschichte in Kiel gar zu wenig geschehe, dass die Düstembrooker 
Baumschule, nach Hirschfelds Tode, nicht in einen ökonomischen 



Vergl. Katjcn, Kleuker. Briefe seiner Freunde, Göttingen 1842 S. 21. 
«) Policey-Schriften Th. l S. 89 Th. 2 S. .56 „üeber Acadomicn" Kopen- 
hagen 1796 S. 17, 43, 65, 83, 197—201. 



31 

Garten *) verwandelt und nicht ihm übergeben sei, sondern dem 
1793 berufenen J, J. P. Moldenhauer. Durch die Baumschule 
sollte die Obstbaumzucht im Lande gefördert werden. Fabricius 
wünschte die Aufhebung des Creditedicts für Studirende, dass 
die medicinischen Prüfungen nicht von den Lehrern der Universität 
abgehalten würden. Die in Kiel Promovirten sind „vielleicht 
eben so gut, vielleicht noch etwas besser, als die, welche die 
mehrsten teutschen Academien geliefert haben, indessen ich muss 
doch gestehen, mich schaudert krank zu werden und ihrer Hülfe 
zu bedürfen''. Durch Ansetzung zu vieler Lehrer würden die 
Zuhörer zu sehr vertheilt, die Lehrer ohne Namen und ohne 
Verdienst schreien, sagt er, wie die jungen Raben nach Futter, 
und bedürfen es. Er wünscht für Kiel die Beschränkung der 
Gerichtsbarkeit der Universität auf Disciplinarsachen* Die Ver- 
theilung der Universität in Facultäten habe gar keinen eigent- 
lichen Nutzen, ^) verursache nur Spaltung, woUe man sie behalten, 
so müsse man eine fünfte, die ökonomische, hinzufügen. Das 
Lernen der alten Sprachen sieht Fabricius für Studirende nicht 
als nothwendig an. Selbst das Latein werde seine Wichtigkeit 
verlieren, ^wenn wir nicht noch die verschiedenen Reden und 
Disputationen beibehalten hätten. Ehe wir zu einer Disputation 
hingehen, wissen wir schon lange zum Voraus, wie sie ausfallen 
werde, auch wohl gar wer die Disputation eigentlich geschrieben 
habe."') Gegen Fabricius Lob auf die Indigenatsverordnung und 
den Tadel der Fremden bemerkt der Verfasser von Cahier aus 
meinem Portefeuille Lit. G. Hamburg 1782 S. 137: ^Sollte aber 
wohl nicht überhaupt der H. F. ein wenig von der modernen 
patriotischen Krankheit attaquirt sein, die, obgleich Gott sagt, 
liebe deinen Nächsten (und nicht deinen Landsmann) als dich 
selbst, doch in dem sonst christlichen Dänemark seit einigen 
Jahren epidemisch um sich greift?'' 



*) Der Plan, einen ökonomischen Garten einzurichten, um Studirenden und 
Schullehrerseminaristen zur Beförderung des Acker- und Gartenbaues Anweisung 
zu geben, ward 1820 ganz aufgegeben. Die Baumschule, welcher Professor Mol- 
denhauer vorstand, ward nach seinem 1827 erfolgten Tode verkauft. Vergl. Kieler 
Beiträge B. 1 Schleswig 1820 S. 346. 

»3 Ueber Academien S. 91, 92, 116, 116, 142. 

3J 1. c. S. 62. 



32 

Mit dieser patriotisclieu Krankheit verband sich schon 
damals und mehr noch später die Frage über den Gebrauch der 
Dänischen Sprache, über das Verhältniss des Herzogthums 
Schleswig zu Holstein imd zu Dänemark. 

Im Jahr 1793 war für die Studirenden in Kiel ein Ehren- 
gericht errichtet, es bestand bis 1806. '> Der König ernannte 
am T.März 1800 den Grafen Friedrich Reventlow aufEmkendorf 
zum Curator. Die theologische Facultät bestand damals aus den 
ordentlichen Professoren Geyser, Eckermann, C. G. Hensler und 
Kleuker, die juristische aus Trendelenburg, Mellmann, F. C. Jensen, 
L. A. W. Schrader und A. W. Gramer, die medicinischo aus 
Ackermann, Kerstens, G. H. Weber, Ph. G. Hensler und J. L. 
Fischer, die philosophische aus Joh. Christ. Fabricius, D. H. 
Hegewisch, Heinze, Reinhold, Niemann und Valentiner. Ausser- 
ordentliche Professoren waren H. Müller für Theologie, Olivarius 
und Thibaut für Jurisprudenz, fUr die Medicin Pfaff und Reyher, 
in der philosophischen Facultät Nasser, Kordes, J. J. P. Molden- 
hauer und T. Baden. Adjuncten waren Hargens und Steffens, 
der letztere m&chte aber eine Reise, Privatdocenten J. W. 
Christiani, Bielfeld und C. F. Callisen. 

Am 31. Juli 1801 ward ein ausführliches Reglement über 
die 'Verhandlungen des academischen Consistorii erlassen. Mit- 
glieder sind alle ordentliche Professoren, sie haben ihre Plätze 
und stimmen nach Ordnung der Facultäten und der Zeitfolge 
des Eintritts in dieselbe. Bei Feierlichkeiten ausser dem Con- 
sistorio rangiren die Professoren nicht nach den Facultäten, 
sondern nach ihrer Anciennität. 

Im Jahr 1802 schied Thibaut von Kiel, Pfaff trat in die 
medicinische Fakultät. Baden findet sich seit 1802 nicht mehr 
in den indices, er ward freilich erst 1804 entlassen. Der Mathe- 
matiker Reimer ward 1802 als ausserordentlicher Professor ange- 
stellt, der Philolog und Historiker J. M. Schultz gleichfalls. 
Anselm Fpuerbach ward 1802 von Jena berufen. In einem Briefe 
aus Kiel vom 30. Juni 1802 äussert er sich sehr zufiieden mit 
seiner Stellung in Kiel: „Ich komme aus Sachsen, aus dem 



*) Niemann, Schlesw.-Holst. Provinzialberichte 1793 B. 2 S. 97 u. folg. 
Statat. II. 199. 



33 

polirten feinen Sachsen, wo Honig auf der Zunge und Galle im 
Herzen ist. — Und hier, wie so ganz anders — Graf von ßeventlow, 
der Curator hiesiger Universität, ein ungemein liebenswürdiger 
und kenntnissreicher Mann, beehrt mich mit seiner vorzüglichen 
Gunst — .^ Als F. einen Ruf nach Landshut erhalten hatte, 
lauteten seine Aeusserungen anders; er schrieb, Kiel 2. October 
1803: „Auch sind wir alle hier mit unserer Begieiiing unzuMeden, 
da sie unsere Privilegien nicht mehr respectirt." Als er den Ruf 
angenommen, schrieb er in einem Briefe von Kiel 12. März 1804: 
„Völlig zerrütteter Zustand der juristischen Facultät, um die kein 
Mitglied sich bekümmern mag. Ungeheure Saumseligkeit. — 
Zerrütteter Zustand in den akademischen Geschäften. Keiner 
im Consistorium kennt die akademischen Gesetze und Statuten. ') 
— An der Spitze der Universität steht als Curator der Graf von 
Reventlow, der sich mit der Akademie nur als Amüsement be- 
schäftigt und sich erst dann recht für sie interessirt, wenn er 
despotisch etwas durchsetzen will. — Sein geheimer Rath ist das 
alte Kind — . Die medicinische Facultät ist des Curators Stecken- 
pferd. Für 6 oder 8 Mediciner, die hier studiren, werden botanische 
Gärten, chemische Laboratorien angelegt und neue Professoren 
um starke Besoldimgen berufen.'' 

Von Landshut aus schrieb F. 1804 über Landshut: „Die 
Verhältnisse von Professoren sind Verhältnisse von Teufeln, 
beinahe möchte ich sagen, im eigentlichen Verstände.'' ') Feuer- 
bach wünschte 1804 sehr, dass Niemann und Hegewisch einem 
Ruf nach Landshut folgen mögten, sie lehnten ab, fanden also die 
Verhältnisse der Kieler Universität nicht so trostlos, wie der rasch 
urtheilende unzufriedene Feuerbach. (Falck neues Magazin B. 3 S.20.) 

Im Jahr 1803 ward Joachim Died. Brandis '^) ordentlicher 
Professor der Medicin, 180J C. Fr. Heinrich Professor der Elo- 



') Feuerbach w&i* auch Syndicus der Universität, und es mogte ihm in 
dieser Beziehung die Unkunde der Kieler Verhältnisse fühlbar und unangenehm sein. 
Sich in diese hinein zu versetzen, mogte ihm Lust und Zeit fehlen. 

'; Anselm von Feuerbachs Leben und Wirken B. 1 S. 62. 67. 72 — 75. 
86. 90—92. 95. 

') Lebenserinnerungen von Clir. H. Pfaff S. 270 und Trendelenbnrg in Ab- 
handlungen der Academie der Wisscnsch. Berlin 1868. S. 4. 

3 



34 

quenz und der Philologie , 1804 verliess, wie erwähut, Feuer- 
bach Kiel, auch der ausserordentliche Professor Pätz. Die Heb- 
ammenanstalt ward 1805 von Altena und Flensburg nach Kiel 
verlegt. Professor H. Müller, seit 1782 Lehrer des durch J. A. 
Cramers Wirksamkeit 1781 in Kiel errichteten Seminars für Volks- 
schullehrer, war seit 1789 auch ausserordentlicher Professor der 
Theologie an der Kieler Universität. Das Schullehrer- Seminar 
und die in Kiel gebildeten Seminaristen wurden im Jahr l'i97 
und 1800 mehrfach getadelt, letztere würden in Kiel verbildet 
und strebten frei zu werden von der Aufsicht der Prediger. ') 
Professor Müller ward 1805 vom Seminar entlassen und ordent- 
licher Professor der Philosophie an der Universität. Müller hatte 
vor der Entlassung bei der Kegierung auf Verlangen seine Becht- 
fertigung eingereicht. An seine Stelle bei dem Seminar zur 
Bildung der Volksschullehrer ward, wie man annahm, auf des 
Grafen F. Beventlow's Vorschlag, der fromme aber zur Leitung 
eines solchen Instituts nicht geeignete F. D. Hermes berufen* 
Li einem Sendschreiben an den Grafen Beventlow, s. 1. Februar 
1805, welches man dem freisinnigen Prediger Funk in Altena, 
wohl nicht mit Unrecht, zuschrieb, war der Curator Fr. Beventlow 
heftig getadelt, er habe die medicinische Facultät zu sehr be- 
günstigt, den verdienten Weber nicht ins SanitätscoUegium gesetzt, 
den Hebammenanstalten in Flensburg und Altena einen Theil 
ihres Vermögens entzogen,*) einen botanischen Gaxten einrichten 
lassen. Im Durchschnitt sei die Zahl der in Kiel Medicin 
Studirenden nicht viel grösser als Zwölf. ^Wozu doch fiir eine 
so kleine Anzahl junger Aerzte so bedeutende kostspielige An- 
stalten? Sollte es nicht weit angemessener sein, diese jungen 
Männer — ihre Studien in Kopenhagen vollenden zu lassen, wo — V'' 
Der Curator vernachlässige die juristische Facultät, die nur zwei, 
wenn gleich treffliche Lehrer (Schrader und Gramer) habe. ^) 



*) Ehrenrettang der Kieler Seminaristen, Hamburg ISO). 

') Der König schenkte 1804 12,000 Rthlr. zur Errichtung einer Lehranstalt 
der GeburtshüHe in Kiel. Kieler Beiträge B. l S. 353. 

') Zum Sommer 1805 trat Rcitemeier als erster juristischer Professor ein 
and der ausserordentliche Professor Schweppe. Olivarius kündigte seit 1782 Vor^ 
lesungen über dänisches Recht an, %var aber viel auf Reisen. 



35 

Der mathematisclie Lehrstuhl von Tetens stehe noch immer leer, 
meint der Sendschreiber, und doch lehrte seit 1802 in Kiel der 
treffliche Mathematiker Reimer. Es fehle femer, Tieisst es in 
dem Sendschreiben, ein praktischer Philosoph. MüUer's Ent- 
lassung vom Seminar, Hermes Berufung wird scharf getadelt. 
Kleukers Berufung — die vor Reventlow's Curatel erfolgte — 
sei auflPällend. Müller zeigte im Correspondenten 27. Mai 1805 
an, er werde das bisher über seine Versetzung mit Bedacht 
beobachtete Stillschweigen nicht anders^ als durch diese Anzeige 
brechen, er werde wenigstens jetzt noch nichts drucken lassen, 
was auf sein aufgehobenes Verhältniss zum Seminar Bezug habe. 
Die anonyme Schrift des Predigers Funk in Altena fand 
vielen Beifall ; in Zeitschriften, der allgemeinen deutschen Biblio- 
thek, dem deutschen Merkur, dem Freimüthigen und der Jenaer 
Literatur-Zeitung, Zeitungen, dem Hamburger Correspondenten 
u. s. w. und Brochuren ward Hermes, auch Kleuker, scharf getadelt, 
es ward gewarnt vor dem Geist der mystischen Frömmigkeit, 
der sich vor dem edlen Kronprinzen zu verbergen wisse. Es 
ward auf Frauen-Herrschaft hingewiesen. Es regnete Epigramme : 

Wahrlich er traf der funkelnde Blitz, der Euch blendet 

Frömmler — . 
An Hermes den Ketzerjäger. 

Leblos starrtest du lange, du Faust, vor WöUner dem Schlau- 
kopf, 

Balle dich, Faust, dich belebt künftig ein schlauerer Kopf. 
Die Vertheidigungen des Ourators, von denen eine dem 
Wandsbecker Claudius zugeschrieben wurde, fanden wohl wenige 
Freunde. Verständiger sah man später die von dem Curator 
Reventlow bewirkten Anordnungen an. Vergl. Twesten Chronik 
der Universität zu Kiel in den Kieler Beiträgen B. 1 S. 311-^98. 
Als der Professor der Beredsamkeit C. Fr. Heinrich in 
dem Programm zum Geburtstage des Königs 29. Januar 1807 
ein Motto aus Ciceros Briefen IX 8 utinam quietis temporibus etc. 
gewählt hatte, musste der Curator dem Verfasser einen Verweis 
ertheilen. Der Kronprinzliche Hof war in KieL, der Lehrer der 
Kronprinzessin, Professor Frederik Heegh-Guldberg, hielt 1806 
und 1807 am Geburtstag des Kronprinzen im üniversitätsgebäude 
Reden in dänischer Sprache. 

3* 



36 



Die in deutscher Sprache 1807 in Eael erschienene Schrift : 
„Ist es England gelungen, seinen Eaubzug gegen Dänemark zu 
rechtfertigen?'' tadelte scharf Diejenigen, welche Englands Kriegs- 
zug gegen Dänemark rechtfertigen wollten, und es entspann sich 
ein heftiger Federkrieg, an dem Professor Heinrich Theil nahm. 

Diese Stimmungen und Streitigkeiten mögen den Grafen 
Fr. Reventlow ') Ijewogen haben, im Jahre 1 808 seine Entlassung 
als Curator der Universität zu suchen. Der nach Struensee's 
Sturz eingetretene Kampf gegen das Deutschthum, welcher nach- 
her ruhte, trat nach Auflösung des deutschen Reichs stärker hervor. 
Haegh-Guldberg hielt am Geburtstage des Königs Friedrichs VI. 
29. Januar 1809 vor einer Gesellschaft in Kiel eine Rede in 
dänischer Sprache: „Der Patriot". In der Vorrede zu seinem 
dänischen Lesebuch fllr Schleswig-Holsteiner, Kiel 1809, fordert 
H. Guldberg die Schleswig-Holsteiner auf, die dänische Sprache 
zu lernen. „Die Provinz gestehe denn, was man sonst niemals 
läugnet, dass veränderte Verhältnisse veränderte Pflichten er- 
fordern!" 

Graf Christian zu Rantzau, der bis dahin Deputirter der 
Schl.-Holsteinischen Canzelei in Kopenhagen war, ward 17. April 
1809 zum Curator ernannt. Die Studirenden brachten „dem 
erlauchten Freund der freien Musensöhne" am 21. Decbr. 1811 
ein freudiges Hoch mit einem Gedicht. Rantzau starb schon am 
23. Februar 1812. Von den Studirenden erschien eine Elegie 
in deutscher Sprache. Das akademische Consistorium sprach 
seine Trauer in einem lateinisch gedruckten Anschlag aus. 
Rantzau war zugleich Oberpräsident der Stadt KieL Die Uni- 
versität war darauf mehrere Jahre ohne Curator. Für dieselbe 
wurden in den nächsten Jahren mehrere Professoren berufen. 
Der auch um die Geschichte der^Herzogthümer verdiente Dietrich 
Hermann Hegewisch war 1812 gestorben. F. C. Dahlmann trat 
18 [| als Historiker ein, er las zwei Semester, ohne Ernennung 
zum Professor, 18^| als ausserordentlicher Professor, und blieb 
in dieser Stellung bis zu seinem Weggang nach Göttingen im 
Jahr 1829. Erich von Berger ward 1814 ordentlicher Professor 



*} Vergl. Lebenserinnerungen von Chr. H. Pfaff 8. 145 — 149. 



37 



dar Astronomie und Philosophie, er hielt neben K. L. Reinhold 
philosophische Vorlesungen. Nie. Falok trat im Wintersemester 
18 Jf als ausserordentlicher Professor des Rechts ein, ward 1815 
zugleich mit C. Th. Welcker ordentlicher Professor des Rechts. 
L. A. G. Schrader, der seit 1790 in Kiel als ordentlicher Professor 
für das vaterländische Recht thätig war, starb 1815. Aug. Twesten 
ward 184J ausserordentlicher Professor der Theologie und Philo- 
sophie, und 1819 ordentlicher Professor der Theologie. Nach 
Heinrichs Weggang nach Bonn im Jahr 1818 leitete er auch 
das philologische Seminar (Chronik der Universität Kiel 1855 
S. 38) bis zu Wachsmuth's Berufung im Jahr 1820, und nach 
dessen Weggang wieder 1825-1827, bis zu Nitzsch's Antritt. 
Für die praktische Tlieologie ward 1815 J. Chr. Schreiter be- 
rufen. Der jüngere Weber, oder Fr. Weber, seit 1811 ausser- 
ordentlicher Professor der Botanik und Medicin, ward 1815 
ordentlicher Professor. Seit 1805 war Fr. Weber als ausser- 
ordentlicher Professor der Botanik in der philosophischen Fakultät 
gewesen. Für das Schleswig-Holsteinische Recht trat M^ Tönsen 
184f als ordentlicher Professor ein. Schweppe, der von 1805 bis 
1814 ausserordentlicher, dann bis 1 818 ordentlicher Professor des 
Rechts in Kiel war, ging in letztgenanntem Jahr nach Göttingen. 
H. R. Brinkmann ward 1819 von Göttingen nach Kiel berufen 
als Professor der Rechte. J. C. Hasse war von 1811 bis 1813 
Privatdocent, ging dann nach Königsberg. Eine Darstellung der 
Verhältnisse im Jahr 1819 mit Rückblick auf die früheren Jahre 
gab Professor Twesten in den Kieler Beiträgen B. 1 Schleswig 
1820 S. 310—398. Schon im Juni 1818 sprach, nach Twesten's 
Relation, das akademische Consistorium in Kiel bei Gelegenheit 
eines auf Allerhöchsten Befehl erstatteten Bedenkens über die 
seit der Wartburgsfeier *) zur Sprache gekommenen Bestrebungen 
der studirenden deutschen Jugend, namentlich der damals gerügten 
Vereinigungen und Zusammenkünfte seine Ueberzeugung offen 
und vertrauend aus. Es betrachtete die damaligen Ereignisse 



*) Die Wartburgsfcier war am 18. und 19. des Siegesmonds (October) 1817. • 
Vergl. Kurze wahrhafte Beschreii)ung des grossen Burschenfestes auf der Wartburg 
bei lüsenach am 18. and 19. des Siegesmonds 1817. Gedruckt in diesem Jahr. 



38 

als Wirkungen einer bedeutungsvollen Zeit, eines allgemein an- 
geregten Geistes, einer besonders unter Jünglingen für jeden, 
den solcher Geist bewegte, nicht unerwarteten Begeisterung, von 
der freilich üeberspannungen, besonders im glühenden Jugend- 
alter, nie ganz zu trennen sind. —Es werde von den Studirenden 
selbst das Bedür&iss besserer Ordnung unter einander imd eines 
rechtlicheren anständigen Verhältnisses zu andern Ständen laut 
und ofiFen anerkannt^ es werde ihrer eigenen Berathung, ihres 
vereinten Bestrebens würdig befunden und die feste Uebereinkunft 
der akademischen Bürger aller Universitäten, solche bessereOrdnung 
gleichzeitig geltend zu machen, schien jetzt kräftig in Anspruch 
genommen. Von solchem Sinne unterstützt und von der Zeit 
begüng^tigt darf, bei weiser Ein- und MitVirkung deutscher Be- 
gierungen, ein erspriesslicherer Erfolg mit Grund erwartet werden, 
als dessen sich auch die überdachtesten Pläne zur Verbesserung 
des Universitätswesens bisher zu erfreuen hatten. — Die recht- 
zeitige Mitwirkung der Regierung schien dem Consistorio wichtig 
und dringend, denn es übersah die bedenklichen und gefährlichen 
Polgen nicht, die, wie unschädlich auch jetzt die Absicht und 
Richtung jener Zusammenkünfte der Studirenden sein möge, 
doch aus der Erweiterung und Ausdehnung derselben hervorgehen 
könnten, wenn nicht der Wirkungskreis und Spielraum dieses 
jugendlich freien einst vielleicht kühneren Strebens rechtzeitig 
begränzt würde. Im Mai 1819 wandte sich das akademische 
Consistorium wieder an die Kanzelei und theilte dieser ihre An- 
sichten über die Lage der Kieler Universität mit. Von dem 
angeblichen in politische und öffentliche Verhältnisse sich ein- 
mischenden Treiben der ^tudirenden sei in Kiel keine Spur. — 
Die Sinnesart, wegen welcher die Jenaische Burschenschaft bearg- 
wöhnt worden, sei der hiesigen fremd, auch von derselben für 
die hiesige Universität sehr wenig zu besorgen, aus mehreren 
Ursachen, wohin gehöre die Lage Kiels, der Nationalcharacter, 
die Entfernung von den Gegenden früherer und leider noch nicht 
beendigter Unterdrückung. — Die hier Studirenden kennten überall 
in ihrer Umgebung ihre Landsleute nur in einem freiem Zustande, 
sie wären von ihren Lehrern imd Andern schon lange eine freiere 
Sprache in Schriften über des Landes Angelegenheiten gewohnt. 
Eine fernere Ursache sei die Mischung der Stände hiesigen Ortes. 



39 

Das Consistorium lobte die von dem Grossherzog von Weimar 
der Bundesversammlung unlängst übergebene Erklärung, fand 
jedoch die von Weimar vorgeschlagenen Commissionen zur Visi- 
tation der Universitäten nicht angemessen. 

Gegen die Darlegung, welche am 20. Septbr. 1819 in der 
fiinfunddreissigsten Sitzung der deutschen Bundesversammlung 
über die deutschen Universitäten gegeben war, reichte das aka- 
demische Consistorium in Verbindung mit sämmtlichen Lehrern 
der Kieler Universität Sr. Majestät dem Könige eine Erklärung 
ein, um den Makel der Anrüchigkeit abzuweisen, es hob lobend 
die in Sr. Majestät Staaten bestehende Pressfreiheit hervor. — 
Am 13. Novbr. 1819 liess der König durch ein Rescript an den 
Curator die Universität Seiner Allerhöchsten Zufriedenheit ver- 
sichern. „Was Wir schon bisher mit Allerhöchstem Wohlwollen 
bemerkt haben, dass die öffentlichen Lehrer dieser (Kieler) Uni- 
versität sich mit Erfolg bestreben, wissenschaftliche Cultur unter 
den dort Studirenden zu verbreiten, so wie unter ihnen Ruhe, 
Gesetzmässigkeit und Ordnung zu erhalten, davon haben Wir 
aus Deinem Bericht gern die Bestätigung erhalten. Wir erwarten 
auch mit Zuversicht, dass die bei der Universität angestellten 
Lehrer das Vertrauen, mit dem ihnen die Bildung der studirenden 
Jünglinge übertragen ist, stets rechtfertigen werden.'' 

Im Jahr 1819 bildete sich in Kiel eine Actiengesellschaffc 
zur Anlegung einer Seebadeanstalt in der Nähe Kiels. Im April 
1819 wandte sich das Consistorium an die Kanzelei, dass der 
Plan der neuen Anstalt auf den im Begriff einer Heilanstalt für 
Kranke liegenden Umfang beschränkt, die Concessionirung von 
Hazardspielen und öffentlichen Schauspielen nicht ertheilt werde. 
Das Verbot der Hazardspiele von 1753 war am 5. Juni 1816 
auf das ganze Herzogthum Holstein ausgedehnt, aber dabei erklärt 
worden, dass es in Ansehung der Stadt Kiel bei der Verfügung 
vom 7. Juni 1807, betreffend die Zulassung gewisser Hazardspiele 
während des Umschlags, sein Verbleiben behalte. Das Consisto- 
rium bat, diese Erlaubniss des Hazardspiels in Kiel aufzuheben. 

Das von der Actiengesellschaft der Badeanstalt erbetene 
Privilegium des Hazardspiels ward nicht bewilligt, dem Consis- 
torium das bis dahin geübte Recht der Einwilligung in Beziehung 



40 

auf Schauspieler vorbehalten. *) Das Hazardspiel ward durch Patent 
vom 24. Decbr. 1825 auch fiir Kiel während des Umschlags verboten. 

Die Kieler Badeanstalt war 1822 am 24. Juni eröffnet 
worden. Pfaff erklärte in seiner Schrift: „Das Kieler Seebad, 
Eael 1822", diese Anstalt als ungefährlich für die- Universität. 
Dagegen wurden Erinnerungen im Sinne der Eingabe des aka- 
demischen Consistorii in Falck's Magazin B. 2 S. 531 — 536 
erhoben, eine Gegenerinnerung gab Professor F. Hegewisch in 
demselbem Magazin B. 2 S. 692- 693, von den 262 Studirenden 
Kiels hätten nur zweiunddreissig den Saal des Badehauses besucht. 

Schon gegen Ende des Jahres 1819 ward dem Freiherm 
von Brockdorff, Canzler des holsteinischen höchsten Gerichts zu 
Glückstadt, die Curatel der Universität übertragen. ') Am 22. März 
1831 ernannte der König den bisherigen Deputirten der Schleswig- 
Holstein-Lauenburgischen Kanzelei^ Joh. Fr. Jensen, zum stell- 
vertretenden Curator und ausserordentlichen ßegiemngsbeamten. 
Dem akademischen Consistorium ward aufgegeben, Berichte, die 
nicht von dem stellvertretenden Curator gefordert wären, so wie 
alle Anträge an den Curator zu senden, und dem stellvertretenden 
Curator Abschriften mitzutheilen. Auch als Freiherr von Brock- 
dorff als Präsident des Oberappellationsgerichts in Kiel seinen 
regelmässigen Wohnsitz hatte, blieb Jensen stellvertretender 
Curator bis zu Brockdorff's Tode im Jahre 1839, er trat dann 
als Curator ein. 

Im Jahre 1836 wurden nach vorangegangener längerer 
Untersuchung mehrere Kieler Studirende wegen burschenschaft- 
licher. Verbindung mit der Belegation bestraft. Wir wenden uns 
zu bessern Ereignissen für unsere Universität. 

Im Jahre 1823 ward Burchardi als Professor des Civilrechts 
berufen. Dem Doctoranden H. Batjen ward schon für das Winter- 



') Damals hatte Kiel kein stehendes Theater, es kam gewöhnlich nach ertheilter 
Einwilligung des akademischen Consistorii eine SchaaspielcrgescUschafV. zum Umschlag 
nach Kiel. 

') Zur fünfzigjährigen Amtsjuhelfeier Sr. Excellenz des H. K. Lorenz Grafen 
V. Brockdorfi; Kiel 13. Novbr. 1839. Die Instruction ist freilich vom 13. Juni 1820 
(System. Samml. IV. S. 861) aber die Ernennung ist früher erfolgt. Kieler Beiträge 
B. 1 Schleswig 1820 S. 889. 



41 



Semester 18|4 gestattet, Vorlesungen zu halten. Im Jahre 1823 
trat J. Olshausen als ausserordentlicher, 1830 als ordentlicher 
Professor der orientalischen Sprachen ein. In demselben Jahre 

1823 ward F. B. Köster zum ordentlichen Professor der praktischen 
1?heologie berufen, Schreiter, der die Stelle bekleidet hatte, war 
1821 gestorben. Nach Fr. Weber's Tode im Jahre 1823 ward 

1824 Doctor Lüders zum Professor der Medicin und Director 
des Ejpankenhauses berufen, als ausserordentlicher Professor der 
Botanik und Director des botanischen Gartens trat 1826 E. F. Nolte 
ein. G. Ad. Michaelis, seit 1823 Privatdocent, ward 1841 ausser- 
ordentlicher Professor, und nach Wiedemann's Tode Vorsteher 
der Gebäranstalt und Hebammenanstalt. Er stand schon in 
Wiedemann's letzten Jahren diesen Anstalten vor, er starb 1848. 
Wiedemann war seit 1805 in Kiel, wirkte ausser seinem Fache 
durch naturhistorische Vorlesungen, starb 1840. Kr. Paulsen 
ward 1826 ausserordentlicher und 1842 ordentlicher Professor des 
Rechts, er las über das Recht der Herzogthümer und über das 
dänische Recht. Er ging 1848 nach Kopenhagen, starb 1854. 
Nach Dahlmann's Weggang nach Göttingen trat A. L. J. Michelsen 
1829 als ausserordentlicher, 1837 als ordentlicher Professor der 
Geschichte ein, er folgte 1841 einem Ruf nach Jena. 

Chr. G. Deckmann ward 1829 ausserordentlicher Professor 
der Anatomie und Chirurgie, 1833 ordentlicher Professor und 
Director des chirurgischen oder Friedrichhospitals, er starb 1837. 
Der Professor der Chirurgie, J. L. Fischer, seit 1793 Professor 
der Anatomie und Chirurgie in Kiel, war 1832 emeritirt. An 
Deckmann's Stelle trat 1837 G. B. Günther bis 1841. Franz 
Hegewisch, seit 1810 ausserordentlicher Professor in Kiel, war 
bis zur Umgestaltung des Friedrichshospitals in eine bloss chirur- 
gische Anstalt Vorsteher und Arzt der medicinischen Abtheilung. 
(Ratjen, zum Andenken an Hegewisch in den Jahrbüchern B. 8 
S. 271—291.) G. H. Ritter, seit 1819 Privatdocent. der Medicin, 
1826 ausserordentlicher, 1829 ordentlicher Professor, starb 1855. 

P. W. Forchhammer, seit 1829 Privatdocent, ward 1836 
ausserordentlicher, 1843 ordentlicher Professor der Archäologie, 
Vorsteher der Münz- und Kunstsammlung und Mitdirector des 
philologischen Seminars. Joh. Fr. Kierulff, 1831 Privatdocent 
in Eäel, 1834 ausserordentlicher, 1839 ordentlicher Professor, 



42 

folgte 1841 einem Rufe nach Rostock. Als A. Twesten 1835 nach 
Berlin ging, ward A. L. F. Pelt ordentKcher Professor der Theologie. 
Chr. N. Th. H. Thomson, seit 1833 Privatdocent in Kiel, ward 
1841 ausserordentlicher, 1847 ordentlicher Professor der Theologie. 

^K. P. M. Lüdemann, seit 1834 Privatdocent, ward 1839 ausser-' 
ordentlicher, 1841 ordentlicher Professor der Theologie, er ist, 
seit Köster 1839 Kiel verlassen, Director des theologischen Se- 
minars. H. A. Mau, seit 1834 Privatdocent, ward 1836 ausser- 
ordentlicher, 1839 ordentlicher Professor der Theologie nehen 
Francke, Pelt und dem aus Tübingen berufenen J. A. Domer, 
der 1843 nach Königsberg ging. Mau starb 1850 in der Cholerazeit. 
Gr. S« Francke, seit 1810 ordentUcher Professor der Theologie, 
war 1840 gestorben, J. Chr. Rud. Eckennann, von 1782 an 
ordentlicher Professor der Theologie, war ihm schon 1837 voran- 
gegangen. Joh. Christiansen, seit 1832 Privatdocent in Kiel, 

' 1843 ausserordentlicher, 1844 ordentlicher Professor des Rechts, 
starb 1854. Gr. Haussen, 1833 Privatdocent, dann in Kopen- 
hagen in der Generalzollkammer, ward 1837 ordentlicher Professor 
für politische Oekonomie und Statistik bis 1842. Emil Hernnaun, 
1836 ausserordentlicher, 1842 bis 1847 ordentlicher Professor in 
Kiel. W. Fr. G. Behn, seit 1835 Privatdocent, 1837 ausser- 
ordentlicher Professor der Anatomie und Physiologie, so wie 
Director des Zoologischen Museums, er nahm 1844 an der Reise 
der Galathea Theil. G. Ph. E* Kirchner, 1837 Privatdocent, 
erhielt 1853 eine ausserordentliche Professur der Medicin. 

Theils kürzere, theils längere Zeit waren in Kiel mehrere 
jüngere Männer als Privatdocenten thätig, die dann einen anderen 
Weg wählten. Ich beschränke mich auf die vor dem Jahre 1840 
Eingetretenen. 

J. Asmussen, Theolog, 1835. M. Baumgarten, der 1835 
in Kiel zumDoctor der Philosophie promovirt und 1837 in Berlin 
Licentiat der Theologie wurde, 1839 — 1846 Privatdocent. J. F. 
M. Bendixen, Theolog u. Philolog, von 1833 — 1835. R. Brodersen, 
Philolog, 1819. Bröcker, Historiker, 1839. J. Classen, Philolog, 
1831. A. W. 8. Francke, Jurist, 1830—1834. J. V. Francke, 
Philolog, 1815-1819. W. Grabau, Mediciner, 1836—1839. 0. 
Jahn, Philolog, 1839-1842. C. T. Johannsen, Orientalist, 1831 
bis 1833. F. Kindt, Mediciner, 1835. K. R. W. Klose, Theolog, 



43 

1832—1842. F-A.Löwe, Theolog, 1839. G.H.KMahr, Medi- 
ciner, 1832—36. D.A.F.Nissen,Philolog, 1835. H. F. A. Petersen, 
Jurist, 1832. L. PreUer, Archftolog, 1833. A. Th. J. Schmid, 
Jurifit, 1839-1848, 1853 ordentlicher Professor in Kiel, trat 1855 
in das Ober - AppeUations - Gericht in Kiel. Th. H. Schreiter, 
Philosoph und Theolog, 1834. v. d. Smissen, Philolog, 1836—37. 
M. H. Steffens, Jurist, 1819-1829. C. TieUe, Naturwiss., 1836 
bis 1845. W. H. Valentiner, Medioiner, 1838 -1856. L. Wien- 
barg, Philosoph, 1833 — 34. 

Auch der Archidiaconus Klaus Harms, der 1834 von der 
philosophischen und theologischen Facultät zum Doctor ernannt 
wurde, hielt 1835 als Privatdocent Vorlesungen. 



Der König Friedrich VI. starb im JDecember 1839, Falck 
hielt am 16. Januar 1840 die Gedächtnissrede bei der Todtenfeier 
Seiner Majestät Frederik des Sechsten im grossem akademischen 
Hörsaale zu Kiel. Als Kronprinz trat Prederik VI. am 14. April 
1 784 in den Staatsrath, die Kieler Universität sandte nach fünfzig 
Jahren zum 14. April 1834 dem verehrten Monarchen ein Glück- 
wunschschreiben. Das Land, sagte Falck in seiner Bede, trauert um 
einen dahin geschiedenen König und Herrn, der in langen Jahren 
seine Völker mit Gerechtigkeit und Müde regierte, sich ihre Liebe 
und Dankbarkeit in so reichem Maasse erworben hat, wie sie 
unter denen, die auf Thronen sitzen, nur wenigen zu Theil werden. 
— Falck erinnerte in seiner Bede an die Bede, die der Historiker 
Hegewisch 1797 zum Andenken Andreas Peter von Bemstorff 
hielt. Die zweite ehrenvolle Zurückrufung Bemstorff's war, sagt 
Falck, das Werk des damals noch jugendlichen Kronprinzen. — 
„Damit begann jener schöne und gluckliche Zeitraum in imserer 
neueren Geschichte, der nicht bloss eine Zeit des Friedens, 
sondern auch eine Zeit wahrer fortschreitender Entwickelungen 
in sehr vielen höchst einflussreichen inneren Staatsverhältnissen 
gewesen ist. — Die Vereinigung der getrennten Landestheile 
war bewirkt, als Frederik der Sechste in erster Jugend seine 
Bestrebungen dem* Vaterlande zu widmen begann. Alles, was 
geschah, geschah dem vereinigten Gunzen zum Besten. — Durch 
die ganze Beihe der Veranstaltungen, die bis zum letzten Lebens- 



42 

folgte 1841 einem Kufe nach Rostock. Als A. Twesten 1835 nach 
Berlin ging, ward A. L. F. Pelt ordentKcher Professor der Theologie. 
Chr. N. Th. H. Thomson, seit 1833 Privatdocent in Kiel, ward 
1841 ausserordentlicher, 1847 ordentlicher Professor der Theologie. 

^K. P. M. Lüdemann, seit 1834 Privatdocent, ward 1839 ausser-' 
ordentlicher, 1841 ordentlicher Professor der Theologie, er ist^ 
seit Köster 1839 Kiel verlassen, Director des theologischen Se- 
minars. H. A. Mau, seit 1834 Privatdocent, ward 1836 ausser- 
ordentlicher, 1839 ordentlicher Professor der Theologie neben 
Francke, Pelt und dem aus Tübingen berufenen J. A. Domer, 
der 1843 nach Königsberg ging. Mau starb 1850 in der Cholerazeit. 
&♦ S» Francke, seit 1810 ordentlicher Professor der Theologie, 
war 1840 gestorben, J. Chr. Rud. Eckermann, von 1782 an 
ordentlicher Professor der Theologie, war ihm schon 1837 voran- 
gegangen. Joh. Christiansen, seit 1832 Privatdocent in Kiel, 

' 1843 ausserordentlicher, 1844 ordentlicher Professor des Rechts, 
starb 1854. G. Haussen, 1833 Privatdocent, dann in Kopen- 
hagen in der Generalzollkammer, ward 1837 ordentlicher Professor 
filr politische Oekonomie und Statistik bis 1842. Emil Hernnaun, 
1836 ausserordentlicher, 1842 bis 1847 ordentlicher Professor in 
Kiel. W. Fr. G. Behn, seit 1835 Privatdocent, 1837 ausser- 
ordentlicher Professor der Anatomie und Physiologie, so wie 
Director des Zoologischen Museums, er nahm 1844 an der Reise 
der Galathea Theil. G. Ph. E* Kirchner, 1837 Privatdocent, 
erhielt 1853 eine ausserordentliche Professur der Medicin. 

Theils kürzere, theils längere Zeit waren in Kiel mehrere 
jüngere Männer als Privatdocenten thätig, die dann einen anderen 
Weg wählten. Ich beschränke mich auf die vor dem Jahre 1840 
Eingetretenen. 

J. Asmussen, Theolog, 1835. M. Baumgarten, der 1835 
in Kiel zum Doctor der Philosophie promovirt und 1837 in Berlin 
Licentiat der Theologie wurde, 1839 — 1846 Privatdocent. J. F. 
M. Bendixen, Theolog u. Philolog, von 1833—1835. R. Brodersen, 
Philolog, 1819. Bröeker, Historiker, 1839. J. Classen, Philolog, 
1831. A. W. S. Francke, Jurist, 1830—1834. J. V. Francke, 
Philolog, 1815-1819. W. Grabau, Mediciner, 1836—1839. O. 
Jahn, Philolog, 1839-1842. C. T. Johannsen, Orientalist, 1831 
bis 1833. F. Kindt, Mediciner, 1835. K.R. W.Klose, Theolog, 



43 

1832—1842. F. A. Löwe, Theolog, 1839. G. H. K. Mahr, Medi- 
einer, 1832—36. D.A. F. Nissen, Philolog, 1835. H. F. A. Petersen, 
Jurist, 1832. L. Preller, Archaolog, 1833. A. Th. J. Schmid, 
Jurifit, 1839-1848, 1853 ordentlicher Professor in Kiel, trat 1855 
in das Ober - Appellations - Gericht in Kiel. Th. H. Schreiter, 
Philosoph und Theolog, 1834. v. d« Smissen. Philolog, 1836—37. 
M. H. Steffens, Jurist, 1819-1829. C. Tielle, Naturwiss., 1836 
bis 1845. W. H. Valentiner, Mediciner, 1838 -1856. L. Wien- 
barg, Phüosoph, 1833—34. 

Auch der Archidiaconus Klaus Harms, der 1834 von der 
philosophischen und theologischen Facultät zum Doctor ernannt 
wurde, hielt 1835 als Privatdocent Vorlesungen. 



Der König Friedrich VI. starb im JDecember 1839, Falck 
hielt am 16. Januar 1840 die Gedächinissrede bei der Todtenfeier 
Seiner Majestät Frederik des Sechsten im grossem akademischen 
Hörsaale zu Kiel. Als Kronprinz trat Frederik VI. am 14. April 
1 784 in den Staatsrath, die Kieler Universität sandte nach fünfzig 
Jahren zum 14. April 1834 dem verehrten Monarchen ein Glück- 
wimschschreiben. Das Land, sagte Falck in seiner Bede, trauert um 
einen dahin geschiedenen König und Herrn, der in langen Jahren 
seine Völker mit Gerechtigkeit und Milde regierte, sich ihre Liebe 
und Dankbarkeit in so reichem Maasse erworben hat, wie sie 
unter denen, die auf Thronen sitzen, nur wenigen zu Theil werden. 
— Falck erinnerte in seiner Bede an die Bede, die der Historiker 
Hegewisch 1797 zum Andenken Andreas Peter von Bemstorff 
hielt. Die zweite ehrenvolle Zurückrufung Bemstorff's war, sagt 
Falck, das Werk des damals noch jugendlichen Kronprinzen. — 
„Damit begann jener schöne und glückliche Zeitraum in unserer 
neueren Geschichte, der nicht bloss eine Zeit des Friedens, 
sondern auch eine Zeit wahrer fortschreitender Entwickelungen 
in sehr vielen höchst einflussreichen inneren Staatsverhältnissen 
gewesen ist. — - Die Vereinigung der getrennten Landestheile 
war bewirkt, als Frederik der Sechste in erster Jugend seine 
Bestrebungen dem- Vaterlande zu widmen begann. Alles, was 
geschah, geschah dem vereinigten Gtmzen zum Besten. — Durch 
die ganze Beihe der Veranstaltungen, die bis zum letzten Lebens- 



42 

folgte 1841 einem Kufe nach Rostock. Als A. Twesten 1835 nach 
Berlin ging, ward A. L. F. Pelt ordentlicher Professor der Theologie. 
Chr. N. Th. H. Thomson, seit 1833 Privatdocent in Kiel, ward 
1841 ausserordentlicher, 1847 ordentlicher Professor der Theologie. 

^K. P. M. Lüdemann, seit 1834 Privatdocent, ward 1839 ausser- 
ordentlicher, 1841 ordentlicher Professor der Theologie, er ist, 
seit Köster 1839 Kiel verlassen, Director des theologischen Se- 
minars. H. A. Mau, seit 1834 Privatdocent, ward 1836 ausser- 
ordentlicher, 1839 ordentlicher Professor der Theologie nehen 
Francke, Pelt und dem aus Tübingen berufenen J. A. Domer, 
der 1843 nach Königsberg ging. Mau starb 1850 in der Cholerazeit. 
G. S« Francke, seit 1810 ordentlicher Professor der Theologie, 
war 1840 gestorben, J. Chr. Rud. Eckermann, von 1782 an 
ordentlicher Professor der Theologie, war ihm schon 1837 voran- 
gegangen. Joh. Christiansen, seit 1832 Privatdocent in Kiel, 

' 1843 ausserordentlicher, 1844 ordentlicher Professor des Rechts, 
starb 1854. G. Haussen, 1833 Privatdocent, dann in Kopen- 
hagen in der Generalzollkammer, ward 1837 ordentlicher Professor 
für politische Oekonomie und Statistik bis 1842. Emil Hernnann, 
1836 ausserordentlicher, 1842 bis 1847 ordentlicher Professor in 
Kiel. W. Fr. G. Behn, seit 1835 Privatdocent, 1837 ausser- 
ordentlicher Professor der Anatomie und Physiologie, so wie 
Director des Zoologischen Museums, er nahm 1844 an der Reise 
der Galathea Theil. G. Ph. E. Kirchner, 1837 Privatdocent, 
erhielt 1853 eine ausserordentliche Professur der Medicin. 

Theils kürzere, theils längere Zeit waren in Kiel mehrere 
jüngere Männer als Privatdocenten thätig, die dann einen anderen 
Weg wählten. Ich beschränke mich auf die vor dem Jahre 1840 
Eingetretenen. 

J. Asmussen, Theolog, 1835. M. Baumgarten, der 1835 
in Kiel zumDoctor der Philosophie promovirt und 1837 in Berlin 
Licentiat der Theologie wurde, 1839 — 1846 Privatdocent. J. F. 
M. Bendixen, Theolog u. Philolog, von 1833 — 1835. R. Brodersen, 
Philolc^, 1819. Bröcker, Historiker, 1839. J. Classen, Philolog, 
1831. A. W. S. Francke, Jurist, 1830—1834. J. V. Francke, 
Philolog, 1815-1819. W. Grabau, Mediciner, 1836—1839. O. 
Jahn, Philolog, 1839-1842. C. T. Johannsen, Orientalist, 1831 
bis 1833. F. Kindt, Mediciner, 1835. K. R.W. Klose, Theolog, 



43 

1832—1842. F. A. Löwe, Theolog, 1839. G. H. K. Mahr, Medi- 
ciner, 1832— 36. D.A.F.Ni8sen,Philolog, 1835. H. F. A. Petersen, 
Jurist, 1832. L. PreUer, Archftolog, 1833. A. Th. J. Schmid, 
Jurist, 1839-1848, 1853 ordentlicher Professor in Kiel, trat 1855 
in das Ober - AppeUations - Gericht in Kiel. Th. H. Schreiter, 
Philosoph und Theolog, 1834. v. d* Smissen, Philolog, 1836-37. 
M. H. Steffens, Jurist, 1819-1829. C. Tielle, Naturwiss., 1836 
bis 1845. W. H. Valentiner, Mediciner, 1838 -1856. L. Wien- 
barg, Philosoph, 1833 — 34. 

Auch der Archidiaconus Klaus Harms, der 1834 von der 
philosophischen und theologischen Facultät zum Doctor ernannt 
wurde, hielt 1835 als Privatdocent Vorlesungen. 



Der König Friedrich VI. starb im JDecember 1839, Falck 
hielt am 16. Januar 1840 die Gedächtnissrede bei der Todtenfeier 
Seiner Majestät Frederik des Sechsten im grossem akademischen 
Hörsaale zu Kiel. Als Kronprinz trat Frederik VI. am 14. April 
1 784 in den Staatsrath, die Kieler Universität sandte nach fünfzig 
Jahren zum 14. Aprü 1834 dem verehrten Monarchen ein Glück- 
wunschschreiben. Das Land, sagte Falck in seiner Bede, trauert um 
einen dahin geschiedenen König und Herrn, der in langen Jahren 
seine Völker mit Gerechtigkeit und Milde regierte, sich ihre Liebe 
und Dankbarkeit in so reichem Maasse erworben hat, wie sie 
unter denen, die auf Thronen sitzen, nur wenigen zu Theil werden. 
*— Falck erinnerte in seiner Bede an die Bede, die der Historiker 
Hegewisch 1797 zum Andenken Andreas Peter von Bemstorff 
hielt. Die zweite ehrenvolle Zurückrufung Bemstorff s war, sagt 
Falck, das Werk des damals noch jugendlichen Kronprinzen. — 
„Damit begann jener schöne und glückliche Zeitraum in unserer 
neueren Geschichte, der nicht bloss eine Zeit des Friedens, 
sondern auch eine Zeit wahrer fortschreitender Entwickelungen 
in sehr vielen höchst einflussreichen inneren Staatsverhältnissen 
gewesen ist. — Die Vereinigung der getrennten Landestheile 
war bewirkt, als Frederik der Sechste in erster Jugend seine 
Bestrebungen dem- Vaterlande zu widmen begann. Alles, was 
geschah, geschah dem vereinigten Ganzen zum Besten. — Durch 
die ganze Beihe der Veranstaltungen, die bis zum letzten Lebens- 



42 

folgte 1841 einem Rufe nach Rostock. Als A. Twesten 1835 nach 
Berlin ging, ward A. L. F. Pelt ordentlicher Professor der Theologie. 
Chr. N. Th. H. Thomsen, seit 1833 Privatdocent in Kiel, ward 
1841 ausserordentlicher, 1847 ordentlicher Professor der Theologie. 

^K. P. M. Lüdemann, seit 1834 Privatdocent, ward 1839 ausser- 
ordentlicher, 1841 ordentlicher Professor der Theologie, er ist, 
seit Köster 1839 Eael verlassen, Director des theologischen Se- 
minars. H. A. Mau, seit 1834 Privatdocent, ward 1836 ausser- 
ordentlicher, 1839 ordentlicher Professor der Theologie neben 
Prancke, Pelt und dem aus Tübingen berufenen J. A. Domer, 
der 1843 nach Königsberg ging. Mau starb 1850 in der Cholerazeit. 
G. S. Francke, seit 1810 ordentlicher Professor der Theologie, 
war 1840 gestorben, J. Chr. Rud. Eckermann, von 1782 an 
ordentlicher Professor der Theologie, war ihm schon 1837 voran- 
gegangen. Job. Christiansen, seit 1832 Privatdocent in Kiel, 

' 1843 ausserordentlicher, 1844 ordentlicher Professor des Rechts, 
starb 1854. G. Haussen, 1833 Privatdocent, dann in Kopen- 
hagen in der Generalzollkammer, ward 1837 ordentlicher Professor 
für politische Oekonomie und Statistik bis 1842. Emil Herrmann, 
1836 ausserordentlicher, 1842 bis 1847 ordentlicher Professor in 
Kiel. W. Fr. G. Behn, seit 1835 Privatdocent, 1837 ausser- 
ordentlicher Professor der Anatomie und Physiologie, so wie 
Director des Zoologischen Museums, er nahm 1844 an der Reise 
der Galathea Theil. G. Ph. E, Kirchner, 1837 Privatdocent, 
erhielt 1853 eine ausserordentliche Professur der Medicin. 

Theils kürzere, theils längere Zeit waren in Kiel mehrere 
jüngere Männer als Privatdocenten thätig, die dann einen anderen 
Weg wählten. Ich beschränke mich auf die vor dem Jahre 1840 
Eingetretenen. 

J. Asmussen, Theolog, 1835. M. Baumgarten, der 1835 
in Kiel zumDoctor der Philosophie promovirt und 1837 in Berlin 
Licentiat der Theologie wurde, 1839 — 1846 Privatdocent. J. F. 
M. Bendixen, Theolog u. Philolog, von 1833—1835. R. Brodersen, 
Philolog, 1819. Bröcker, Historiker, 1839. J. Classen, Philolog, 
1831. A. W. S. Francke, Jurist, 1830—1834. J. V. Francke, 
Philolog, 1815-1819. W. Grabau, Mediciner, 1836—1839. O. 
Jahn, Philolog, 1839—1842. C. T. Johannsen, Orientalist, 1831 
bis 1833. F. Kindt, Mediciner, 1835. K. R.W. Klose, Theolog, 



43 

1832—1842. F. A. Löwe, Theolog, 1839. G. H. K. Mahr, Medi- 
ciner, 1832—36. D. A. F. Nissen, Philolog, 1835. H. F. A. Petersen, 
Jurist, 1832. L. PreUer, Archaolog, 1833. A. Th. J. Schmid, 
Jurist, 1839-1848, 1853 ordentlicher Professor in Kiel, trat 1855 
in das Ober - AppeUations - Gericht in Kiel. Th. H. Schreiter, 
Philosoph und Theolog, 1834. v. d« Smissen, Philolog, 1836—37. 
M. H. Steffens, Jurist, 1819-1829. C. Tielle, Naturwiss., 1836 
bis 1845. W. H. Valentiner, Mediciner, 1838 -1856. L. Wien- 
barg, Philosoph, 1833 — 34. 

Auch der Archidiaconus Klaus Harms, der 1834 von der 
philosophischen und theologischen Facultät zum Doctor ernannt 
wurde, hielt 1835 als Privatdocent Vorlesungen. 



Der König Friedrich VI. starb im JDecember 1839, Falck 
hielt am 16. Januar 1840 die Gedächtnissrede bei der Todtenfeier 
Seiner Majestät Frederik des Sechsten im grossem akademischen 
Hörsaale zu Kiel. Als Kronprinz trat Frederik VI. am 14. April 
1 784 in den Staatsrath, die Kieler Universität sandte nach fünfzig 
Jahren zum 14. April 1834 dem verehrten Monarchen ein Glück- 
wunschschreiben. Das Land, sagte Falck in seiner Hede, trauert um 
einen dahin geschiedenen König und Herrn, der in langen Jahren 
seine Völker mit Gerechtigkeit und Milde regierte, sich ihre Liebe 
und Dankbarkeit in so reichem Maasse erworben hat, wie sie 
unter denen, die auf Thronen sitzen, nur wenigen zu Theil werden. 
— Falck erinnerte in seiner Bede an die Rede, die der Historiker 
Hegewisch 1797 zum Andenken Andreas Peter von Bemstorff 
hielt. Die zweite ehrenvolle Zurilckrufung Bemstorff s war, sagt 
Falck, das Werk des damals noch jugendlichen Kronprinzen. — 
„Damit begann jener schöne und glückliche Zeitraum in unserer 
neueren Geschichte, der nicht bloss eine Zeit des Friedens, 
sondern auch eine Zeit wahrer fortschreitender Entwickelungen 
in sehr vielen höchst einflussreichen inneren Staatsverhältnissen 
gewesen ist. — Die Vereinigung der getrennten Landestheile 
war bewirkt, als Frederik der Sechste in erster Jugend seine 
Bestrebungen dem* Vaterlande zu widmen begann. Alles, was 
geschah, geschah dem vereinigten Ganzen zum Besten. — Durch 
die ganze Keihe der Veranstaltungen, die bis zum letzten Lebens- 



44 



Augenblick des verewigten Königs getroffen wurden, geht ein 
Geist wahrer Menschenliebe, ein 6eist ächter Humanität. Wir 
können ihn auch den Geist der Freiheit nennen — er ist in seiner 
Hauptrichtung dahin gegangen, das Volk dieser Lande zum Genuas 
der Freiheit zu führen in allen seinen Lebensverhältnissen. Es 
ist darin ein stufenmässiger Gang wahrzunehmen : Die Befreiung 
des Bodens, die Befreiung des geistigen'Verkehrs, die Befreiung 
der Person, Erschaffung eines nationalen JEeeres durch* die Ab- 
schaffung der Werbung, die Begründung allgemeiner politischer 
Freiheit für alle Stände, und neben diesem Allen geht eine 
ununterbrochene Fürsorge für Dasjenige, was die alleinige ächte 
Grundlage aller wahren Freiheit sein muss, die Fürsorge für die 
geistige Bildung aller Classen im Volke. — Wir erinnern an die 
frühere Gebundenheit des Bodens, — an die Gräuel des Menschen- 
handels in den transatlantischen Besitzungen, — an die Lasten 
der Leibeigenschaft, — an den früheren Zustand der Volksschulen. 
— Die Gelehrtenschtden des Landes und die Universität haben 
eine reichlichere Ausstattung gewonnen." - Falck hebt den höchsten 
gemeinschaftlichen Gerichtshof beider Herzogthümer, die gemein- 
same Provinzialregierung hervor. „Den hohem Werth erhalten 
die Wohlthaten erst durch die Gesinnung und das Gemüth des 
Gebers und Helfers. Menschenfreundlichkeit ist der Charakterzug, 
welchen Alle in den grossen Veranstaltungen Seiner Regierung 
wie in den Aeusserungen und Handlungen Seines ganzen Lebens 
erkannten.'' — 

Zur Krönungsfeier des Königs Christian VIII. hielt Professor 
Burchardi am 28. Juni 1840 die Festrede. „Kein Kundiger", sagt 
Burchardi, „kann verkennen, dass, was Seine Königliche Majestät 
für Norwegen gethan, dort die erspriesslichsten Folgen gehabt 
und sehr wesentlich die Entwickelungen der inneren Kräfte der 
Nation gefordert habe. Man darf sich darum freilich nicht dem 
verblendeten Wahne hingeben, dass, was dort heilsam gewesen, 
sich ohne Weiteres auch anders wohin verpflanzen lasse. — In 
wenigen Monaten ist Vieles eingeleitet, Vieles ausgeführt. — 
Die Geschichte lehrt auf jeder Seite, lehrt namentlich das Beispiel 
Joseph's IL, dass es keinen Bestand hat und fast nur zu be- 
klagenswerthen Besultaten führt, wenn ein Regent übereilt zu 
tief greifenden B,eformen schreitet, ehe und bevor 



45 

Es liegt eine grosse Gewähr des Gedeihens der Herzogthümer 
wie der ganzen Monarchie darin, wenn Dännemark einen König 
hat, der auch unser König ist, wenn Dännemark und dieHerzog- 
thümer in zwar ungemischter, aber auch uugetreniiter Verbindung 
zusammenbleiben, ihre beiderseitigen Eigenthümlichkeiten ehrend 
und ihre verschiedene Staats- und Bechtsyer£assung, überhaupt 
ihre politische Gestaltung organisch fortbildend, wie es seit 1460 
geschehen ist. — Der Name der Schleswig-Holsteiner hat lange 
einen guten Klang gehabt. Allein man trifft jetzt manche zum 
Theil kurzsichtige Enthusiasten, welche den Namen zergliedern 
und die Schleswig-Holsteiner durch Erinnerungen an entschwun- 
dene Verhältnisse^ die niemals wiederkehren können, nach Süden 
und Norden auseinander zerren möchten, damit am Ende das 
Land selbst auseinander falle. Darum wird es Bürgerpflicht, 
um so fester zusammenzuhalten und sich die Calamität der Zer- 
reissung des durch Natur, Landesart, Verfassung und Recht eng 
Verbundenen zum klaren Bewusstsein zu bringen. — Vermeiden 
Sie (Studirende) darum auch im akademischen Leben jede noch 
so unerhebliche Spaltung, welche jenen verwerflichen Bestrebungen 
förderlich werden und den Keim bleibender Zwietracht legen könnte. 
Schon die Stellung unserer Universität enthält die Aufforderung 
dazu, da sie eine Schleswig-Holsteinische Universität ist, beruhend 
auf der Idee, dass die Herzogthümer ein Ganzes bilden, und 
berufen, den Geist zu nähren, der dies Ganze durchdringen soll.'' 
Ich habe die beiden Freunde, den geschiedenen und den 
lebenden sprechen lassen, weil sie die Stimmungen der Universität 
aussprechen. Burchardi deutet offenbar auf die Neuholsteinische 
Parthei, welche glaubte, Holstein müsse sich nicht eng und enger 
mit einem nicht zum deutschen Bund gehörigen Lande verbinden, 
mit ihm eine Einheit erstreben, der nördliche Theil Schleswigs 
schwanke zwischen deutschem und dänischem Wesen. Ich darf 
hier auf die politischen Verhältnisse, die freilich auch die Uni- 
versität berührten, nicht weiter eingehen. Ein ruhig urtheilender 
Mann hat kürzlich, freilich in anderm Zusammenhang, gesagt, 
„die politischen Verhältnisse nahmeji die geistigen Kräfte der 
Bevölkerung in solchem Grade in Anspruch, dass darüber manche 
andere Interessen nicht in genügender Weise zur Geltung ge- 
langen konnten.'' 



4ö 

Se. Majestät Christian ym. hatte bei seiner Anwesenheit 
in Kiel im Jahre 1845 die Professoren vor seperatistischen Ten- 
denzen gewarnt, wogegen sie sieh später in einer aUeronter- 
thänigsten Vorstellung rechtfertigten. 

Am 1. Aogost 1848 ward die Curatel der Universität 
Professor Olshansen übertragen. Jensen starb im September 
1848. DieB^gierongen wechselten in den nächsten Jahren mehr- 
&ch; der proyisorischen folgte am 22. October 1848 die gemein- 
same bis zum 26. März 1849, zu dem Eintreten der Statthalter- 
schaft, nach welcher die oberste Civilbehörde am 2. Februar 1851 
eintrat bis zum 18. Februar 1852. Für das Herzogthum Schleswig 
ward am 25. August 1849 nach der WafFenstillstandsconvention 
Yom 10. Juli 1849 eine Landesyerwaltung ernannt. 

Die provisorische Regierung vertilgte am 17. Juli 1848, 
dass es zur Ertheilung akademischer Würden einer specteUen 
landesherrlichen Genehmigung nicht bedürfe. Von dem Departe- 
ment der geistlichen und Unterrichts- Anstalten wurde am 16. Novbr. 
1849 eine Bestimmung über die Ferienzeit bei der Universität 
erlassen. Beide Anordnungen blieben nicht in Straft Die 1834 
fär theologische und juristische Candidaten beider Herzogthümer 
angeordneten gemeinschaftlichen Amtsexamina hörten 1850 und 
1852 auf. Am 21 . Novbr. 1850 ward fiir Schleswig ein juristisches 
Amtsexamen angeordnet, welches 1851 bis 1856 einige Aender- 
ungen erfuhr. Ein theologisches Candidatenexamen ward für 
Schleswig am 3. December 1852 bestimmt. In demselben Jahr 
ward für Schleswig eine besondere Obermedicinalbehörde ernannt. 

Der ordentliche Professor der nordischen Sprachen und 
Literatur, Hauch, 1846 berufen, verliess Kiel im März 1848. 
Doctor Fr. Harms ward 1848 ausserordentlicher, 1859 ordentlicher 
Professor der Philosophie neben Chalybäus und Thaulow, folgte 
1868 einem Ruf nach Berlin. Professor 6riesinger war nur im 
Jahre 1^49 Professor der Medicin in Kiel, auch Frerichs, 1850 
berufen, ging 1851 nach Breslau. . Der Professor der Chirurgie, 
Stromeyer, 1849 von Freiburg herberufen, ging 1854 nach Hannover. 
K. W. Nitzsdi ward 1848 zum ausserordentlichen, 1858 zum 
ordentlichen Professor der Geschichte ernannt, folgte 1862 einem 
Rufe nach Königsberg. Planck ward 1850 zum Professor des 
Civil- und Criminalprocesses ernannt, er folgte 1867 einem Rufe 



47 

nach München. Samwer und Baron R. v. Liliencron wurden 
1850 zu ausserordentlichen Professoren ernannt. 

Durch ein Rescript vom 12. Juni 1852 ward dem aka- 
demischen Consistorio mitgetheilt, dass theils wegen des Ver- 
haltens in den verflossenen Jahren, theils wegen der Einsendung 
der ihnen Allerhöchst verliehenen Orden an eine insurrectionelle 
Regierung die Gesuche der Professoren Olshausen, Pelt, Ravit, 
Stein, Meyn, G. G. Nitzsch, Scherk und Chalybäus um Bestäti- 
gung ihrer Bestallung zur Allerhöchsten Gewährung nicht geeignet 
befunden worden. Professor Chalybäus ward 1854 wieder in Kiel 
als Professor angestellt. Den von der obersten Civilbehörde 
berufenen resp. bestallten Professoren: Stromeyer, Wieseler, 
Frick%, Karsten und Weber ward unter denselben Bedingungen, 
unter welchen sie berufen resp. bestallt worden, nach Ablei8.tung 
des Homagialeides die Allerhöchste Bestallung zugesagt. Den 
übrigen seit März 1848 berufenen resp. bestallten Professoren: 
Planck, Litzmann, Behn; Harms, K. W. Nitzsch und J. Christiansen 
ward eröffnet, dass sie nach Ableistung des Homagialeides zu den 
Professuren Allerhöchst ernannt werden sollten, „welche sie bisher 
factisch bekleidet'' hatten. Den übrigen Professoren wurde nach 
Ableistung des Homagialeides die Allerhöchste Confirmation der 
Bestallungen zugesichert. Samwer und Liliencron, die 1850 
ernannt waren, traten wohl selbst zurück. 

Nach Professor Olshausen's Entlassung war die Universität 
längere Zeit ohne Curator. Für die orientalischen Sprachen ward 
Dillmann aus Tübingen 1854 zum ausserordentlichen Professor 
ernannt, er ward 1859 ordentlicher Professor, folgte 1864 einem 
Rufe nach Tübingen. An Professor Pelt's Stelle ward Wieseler 
berufen, für Nationalökonomie, Finanzwissenschaften und Statistik 
trat 1854 Professor Seelig ein. Zimmermann ward 1853 für 
Staatsrecht aus Hannover berufen. An G. G. Nitzsch's Stelle trat 
1854 G. Curtius, der 1862 einem Rufe nach Leipzig folgte. G^tz 
ward Professor der Medicin und Vorsteher des Krankenhauses 
an Meyn's Stelle, er starb 1858. Weyer ward 1855 ausser- 
ordentlicher Professor der Mathematik, 1862 zum ordentlichen 
Professor ernannt. 

Professor Joh. Christiansen starb, wie schon erwähnt wurde, 
im März 1854, Neuner ward in demselben Jahr Professor des 



48 

Civilrechts. A. 0. J. Schmidts Eintritt ist schon oben bemerkt. 
Wilda ward 1854 von Breslau zum ordentlichen Professor £ur 
das deutsche Privatrecht, das Kirchenrecht und Holsteinisches 
Recht ernannt, er starb 1856. Die Professoren MüUenhoff und 
Thaulow wurden 1854 ordentliche Professoren, ersterer mehr- 
jähriger Gehülfe der Universitätsbibliothek, ward 1846 ausser- 
ordentlicher Professor. Als er 1858 nach Berlin ging, trat Wein- 
hold, aus Gratz berufen, in seine Stelle als Professor der 
deutschen Sprache und Literatur. Thaulow war seit 1846 ausser- 
ordentlicher Professor gewesen, ward 1854 auch Director des von 
ihm errichteten pädagogischen Seminars. Im Jahr 1855 ward 
Kammerherr Obristlieutenant Kauffmann zum Amtmann der 
Aemter Kiel, Cronshagen und Bordesholm, zum Curatgr und 
ausserordentlichen Bevollmächtigten der Kieler Universität, sowie 
zum Oberdirector der Stadt Kiel und zum Commissar für den 
benachbarten Güterdistrict ernannt. Die Instruction vom 9. Mai 
1855 ') wiederholt grossentheils frühere Bestimmungen, z. B. der 
Curator hat es zu begünstigen, dass Privatdocenten von allen 
Facultäten auf eine den Statuten gemässe Weise Vorlesungen 
halten, und Repetitoria, Examinatoria und Disputirübungen mit 
den Studirenden anstellen. Am Schluss jedes halben Jahres hat 
der Curator ein nach den Angaben der einzelnen akademischen 
Lehrer zu entwerfendes Verzeichniss übfer diejenigen von den 
angekündigten Vorlesungen, welche gehalten worden, unter An- 
führung der Gründe, weshalb eine Vorlesung unterblieben ist, 
— so wie der Anzahl der Zuhörer in jedem Collegio — einzu- 
senden. Der Curator hat jedes Jahr den Zustand sämmtlicher 
akademischen Kassen zu untersuchen u. s. w. Am 15. December 
1855 ward ein Statut für das pädagogische Seminar auf der 
Universität zu Kiel erlassen.*^) Im Jahre 1861 trat, nach dem 
Rücktritt des Kammerherm Kauffmann, der Kammerherr A. O. 
D. L, E. Graf von Reventlow in die Aemter desselben ein. 
In den Jahren 1862 und 1863 wurden Berathungen gehalten zur 
Herstellung eines neuen Universitätsgebäudes, welches zu dem 
Zweihundertjährigen Jubiläum (am 5. October 1865) der Universität 



<) Gedruckt im Gesetz- und Ministerialblatt 1865 S. 117 u. f. 
^) Gesetz- und Ministerialblatt 1856 S.. 877. 



49 

geschenkt werden sollte. Professor Thaulow war sehr thätig, 
um in den Herzogthümem Sammlungen für diesen Bau zu be- 
wirken. *) Es wurden im Lande Local-Comit-S, dann ein Central- 
Ausschuss, ein geschäftsflihrender Ausschuss gebildet. Es ward 
vielfach über den Bauplatz verhandelt", ob der Dreieckplatz bei 
der Fleethöm, ein Theil des Schlossgartens, der sogen, hortus 
medicus in der Nähe der Klosterkirche am kleinen Kiel, oder 
der von der Stadt gratis angebotene Waisenhof zu wählen und 
zu erbitten sei. Für den letztem Bauplatz, der ohne Kosten zu 
erlangen war, stimmten Wenige. Der König bewilligte einen 
Theil des Schlossgartens. Gegen den sogen, hortus medicus am 
kleinen Kiel ward erinnert, dass die Herstellung desselben zum 
sichern Bauplatz manche Kosten erfordern werde, dass das zur 
Unterstützung dürftiger Studirender von dem Stifter der Univer- 
sität errichtete Convikt, bei Errichtung eines monumentalen 
Universitätsgebäudes bei der Klosterkirche, entschädigt werden 
müsse. Das ehemalige Conviktgebäude, Haus und Stall, so wie 
der Conviktgarten, sind zum Besten der milden Stiftung vermiethet. 
Würde der Platz in der Nähe der Klosterkirche gewählt, so 
müssten diese Besitzimgen des Convikts, so wie die Pedellen- 
wohnung, die Buchbinderwohnung, mit verwandt werden, die 
Universität selbst würde die Miethe des 1855 wieder erlangten 
ehemaligen botanischen Gartens verlieren. Um diesen Platz am 
kleinen Kiel und das Gebäude daselbst zugänglich zu machen, 
würden mehrere dort befindliche Privathäuser und Gärten ange- 
kauft werden müssen. Die Verhandlungen kamen nicht zum 
Schluss, der Vorschlag des Ausschusses der Studirenden, das 
gesammelte zum Bau nicht ausreichende Geld der Regierung zu 
geben und ihr die ganze Bauangelegenheit zu überlassen, ward 
nicht angenommen. Es wurden Baurisse gemacht, die Zahl der 
Auditorien bestimmt. Das Gebäude sollte ausser den Hörsälen 
und den Wohnungen für die Pedellen und den Auditorienwärter, 
wo möglich, die Sammlung der Alterthümer aufnehmen. Man 
wollte, wie mir scheint, zu Grosses für die kleine Universität. 



^) Thaulow, das bevorstehende Zweihnndertjährige Jubiläum der Kieler 
UniTersität, Kiel 1861, und die Feierlichkeiten bei der Einweihung der Kieler 
Uuiversität, Kiel 1862. 



50 



Die Bundescommissare übertrugen 1864 die Curatel dem 
Professor Planck, er ward im Juni 1866 dieses Amtes enthoben. 
Durch Allerhöchste Ordre vom S.Juli 1868 ward das Curatorium 
dem Oberpräsidenten Freiherm von Scheel-Plessen als Nebenamt 
übertragen. ') Vor dieser Ernennung war nach Allerhöchstem 
Auftrag durch Mittheilungen des Oberpräsidii vom 28. Juni und 
5. Juli 1866 bestimmt worden, welche Angelegenheiten das Ober- 
präsidium zu entscheiden und welche dem Rector überlassen seien, 
wie die Conferirung des Convikts. Am 22. Mai 1867 *) ward eine 
Verfügung wegen des Urlaubs der Professoren erlassen. Der 
Rector der Universität, die Vorsteher von Instituten, die Mit- 
glieder des engeren Consistorii bedürfen auch während der Ferien 
zu Reisen Urlaub, den der Curator auf vier Wochen bewilligen 
kann. Wegen eines mehr als ein und ein halbjährigen Urlaubs 
erfolgt, wenn nicht Krankheit der Grund ist, ein Abzug vom Gehalt. 

Eine Anordnung vom 19. October 1867 erleichterte den 
Uebergang in die neuen Verhältnisse fiir die Medicin Studirenden 

Dass auf der Kieler Universität nicht so Viele die Rechte 
studiren, wie früher, liegt wesentlich in den veränderten Aus- 
sichten der Juristen : der Weg ist, im Verhältniss zu früher, lang 
und das Ziel für die meisten geringer. Um über eine Universität 
zu urtheilen, muss man die gegebenen historischen Verhältnisse 
kennen. „Unsere alma mater'', sagt Dillmann von Giessen,^) 
„hat schon schwerere Stürme überstanden, sie wird auch über 
die jetzigen Missstände hinwegkommen.'' Das gilt auch von Kiel. 
Aller Uebergang ist schwer; femer hat die jetzige Zeit manche 
besondem Schwierigkeiten. Die classische Bildung wird von 
Manchen als das Lebenslicht angesehen, von Andern filr mehrere 
Fächer als so ziemlich überflüssig betrachtet. Die technischen 
Berufsarten haben eine grosse Anziehungskraft. „Wer wirklich", 
sagt derselbe Dillmann, „nach Sachkenntniss von der Hochschule 
spricht, wird den kleinem Hochschulen ihre besondere Bedeutung 
für den Unterricht und damit auch ihre Berechtigung nicht ab- 
sprechen." Auf grossen Universitäten sind die praktischenUebungen 



>) Stiehl, Centralblatt 1868, S. 468. 609. * 

») Statut. II. 363. 

^} Dillmann, von der Hochschule und den Hochschulen, Giessen 1869. 



51 

für Mediciner, Chemiker u. s. w. so überfüllt, dass der Einzelne 
sich verliert und weniger Gelegenheit hat zu lernen, als auf einer 
kleinen Universität, wo der Zudrang geringer ist. 

Ich will kein Loblied der Kieler Universität anstimmen, 
aber ich glaube, man darf nicht zu rasch aburtheilen, nicht alles 
Alte verurtheilen. Die Universität hat viele innere und äussere 
bella bestanden, die Uneinigkeiten der Landesherren, die Streitig- 
keiten über Deutsch und Dänisch, über den alten und neuen 
Grlauben, über die Adler'sche Agende von 1797 u. s. w. haben 
kein Heil gebracht, aber sie waren durch die Verhältnisse gegeben. 
Dass den Herzogthümem Schleswig und Holstein, die Kieler 
Universität nicht gleichgültig ist, bedarf wohl keines Beweises. 
Wenn der Aufenthalt in Kiel auch nicht wohlfeil ist, so giebt 
es doch für die Eingebomen der Herzogthümer manche Gründe, 
Kiel andern Universitäten vorzuziehen. Bekanntschaft und Ver- 
bindung mit Kieler Professoren und Einwohnern Kiels werden 
die Väter der Studirenden bewegen, ihre Söhne nach Kiel zu 
senden. Auch dürfte doch die Universität für die Provinz andere 
Vortheile bringen, als dass einige Landeskinder in Kiel gebildet 
werden; die nahe Universität fördert den geistigen Verkehr. Eine 
Berechnung, die Kieler Universität kostet . . . Rthlr., also dividirt 
durch die Studentenzahl, kostet jeder Studirende . . . Rthlr., giebt 
allerdings eine erschreckende statistische Zahl, aber es giebt doch 
Grössen, welche nicht so statistisch berechnet werden können. 
Auch dürfte in Betracht zu ziehen sein, dass die Krankenhäuser 
und andere Anstalten, wie die Universitätsbibliothek nicht bloss 
der Universität zum Besten dienen. Niemann erinnerte in seiner 
Rede bei der Feier der fünfzig] ährigen Wiedervereinigung Holsteins, 
Kiel 1823, S. 19, an die Stiftung der Universität Leyden: 
„Ohne Zweiffel^, sagte er, „bestimmte nicht des Gewerbes und 
Umsatzes Gewinn, sondern Höheres und Aedleres bei solchen 
Bürgern die Wahl." ^Möge die Hochschule", sagt Niemann 
„mehr noch als durch die Zahl und den Anwachs ihrer jungen 
Bürger durch die treue Pflichtübung ihrer Lehrer, durch ernstes 
wissenschaftliches Streben und ächte Bildung ihrer Söhne — die 
grossen Hoffnungen erfüllen, die das Vaterland ihr anvertraute! 
— Sie bedarf der glänzenden Ausstattungen und ihres Geräusches 
nicht, um der Lieblingsort des Landes, sie entbehrt ihrer gern, 



52 

um die stille, firiedlidie Zuflucht der Weisen zu seÜL^ So sprach 
der biedere Niemann. 

Nicht bloss für Kiel dürfte ein Wort Dahlmann^s, wieder 
gedruckt in Falck''s neuem Magazin B. 2 S. 919, wichtig sein, 
er wünscht in den LehrYorträgen^^Yerminderung der Stoffhaltigkeit, 
wie die Büchermasse des Zeitalters solche längst gestattet, und 
Benutzung jedes Anlasses zur selbstthätigen Beschäftigung des 
Studirenden ; denn es ist der Natur der Dinge zuwider, dass das 
zur Thatkraft am meisten ausgerüstete Alter lediglich auf ein jahre- 
langes Emp£angen angewiesen seL^ Es dürfte dies wohl zunächst 
auf historische und juristische Fächer anzuwenden sein. 

In den Ländern, die eigene Gesetzbücher haben, wird ein 
tieferes Studium des B.ömischen B.echts schwer zu erreichen sein. 
Die Mediciner und die Naturwissenschaften Studirenden kommen 
meistens eher zur eigenen Thätigkeit, als die Juristen und Theologen. 
Seminare können auf kleinem Universitäten leichter wirksam sein, 
als auf grossem. 

Die Veränderungen in dem Lehrerpersonal sind in den 
Chroniken und indices der Universität angegeben. Ich gebe darnach 
die eingetretenen Aenderungen und bemerke nur, dass es bis gegen 
Ende des Jahres 1869 an der Kieler Hochschule keine Habilitation 
gab. Den Wechsel der Lehrer zeigen auch die angehängten 
Tabellen. J. F. A. Esmarch, seit 1850 Privatdocent und seit 
Stromeyer s Weggang im Jahre 1854 Vorsteher des chirurgischen 
Hospitals, ward 1857 ordentlicher Professor. Professor G. Dietzel, 
1862 an Girtanner's Stelle zum Professor des IU)niischen Rechts 
berufen, starb im April 1864, an seine Stelle trat Professor 
Bechmami. Doctor Friedlieb, seit 1848 Privatdocent, im August 
1864 ausserordentlicher Professor für Schleswigsches Becht, starb 
1866. Professor Junghans, 1862 an K. W. Nitzsch's Stelle, der 
nach Königsberg ging, zum ordentlichen Professor der Geschichte 
berufen, starb im Januur 1865. An seine Stelle ward 1868 
Professor Usinger von Greifswalde berufen. Professor Colberg, 
I 1864 an G. Müller's Stelle zum ausserordentlichen und 1865 

zum ordentlichen Professor der pathologischen Anatomie ernannt, 
starb 1868. An seine Stelle trat Professor Cohnheim. An G. 
Curtius Stelle, der 1862 einem Rufe nach Leipzig folgte, trat 
O. Ribbeck als Professor der Eloquenz, der classischen Literatur 



53 

und Mitdirector des philologischen Seminars. Der Professor der 
exegetischen Theologie, Wieseler, ging 1863 nach Greifswalde, 
statt seiner wurde Professor Weiss von Königsherg herufen. 
Als im Jahre 1865 Professor Fricke einem Rufe nach Leipzig 
gefolgt war, trat an seine Stelle der von Wien berufene Professor 
Lipsius. An Professor Roth's Stelle, der hier seit 1858. ordent- 
licher Professor für deutsches Privatrecht, deutsche Staats- und 
Rechtsgeschichte und holsteinisches Recht war, aber 1863 nach 
München ging, trat Professor Hänel. Im Jahre 1864 ging der 
Professor der Physiologie, Panum, nach Kopenhagen, an seine 
Stelle trat der bisherige Privatdocent Hensen als ausserordent- 
licher, 1868 als ordentlicher Professor. Doctor Nöldeke ward 

1864 von Göttingen zum ausserordentlichen Professor der orien- 
talischen Sprachen berufen, 1868 ordentlicher Professor. Nach 
Professor Molbech's Weggang im Jahre 1864 ward Th. Möbius 

1865 von Leipzig zum Professor für die Nordischen Sprachen 
und Literatur und zum Lector der dänischen Sprache berufen. 
Molbech war von 1853 bis 1858 ausserordentlicher Professor der 
dänischen und nordischen Literatur, von 1858 an ordentlicher 
Professor. Die eingetretenen Verhältnisse machten seine Lage hier 
schwierig, er schrieb vor seinem Weggang eine kleine Schrift zur 
Verwahrung: Einige Worte» 30. April 1864. Professor Frhr. v. Gut- 
schmid, 1866 zum ordentlichen Professor der Geschichte ernannt, war 
seit 1863 ausserordentlicher Professor. Als Harms 1867 nach Berlin 
ging, trat an seine Stelle 1868 Dilthey, der von Basel berufen 
wurde. Professor Behn ward auf seinen Wunsch 1867 pensionirt, 
die Zoologie übernahm Professor K. Möbius, der aus Hamburg 
berufen wurde, die Anatomie Professor Kupflfer, der hier 1866 
Privatdocent, früher in Dorpat Professor war. Professor Planck folgte 
1867 einem Rufe nach München. Professor Dove, 1865 von Tübingen 
berufen, ging 1867 nach Göttingen. An seine Stelle trat P. Hinschius. 
Professor von Treitschke, 1866 berufen, verliess Kiel 1867 wieder. 
In letzterm Jahre ward Professor Wieding von Greifswalde be- 
rufen. Professor John, 1868 zum Professor des Criminalrechts, 
des Criminalprocesses und des Preussischen Rechts ernannt, ging 
1869 nach Göttingen. Im Jahre 1868 ward Professor Kloster- 
mann in die hiesige theologische Facultät als ordentlicher Pro- 
fessor berufen, Professor Zirkel zum ordentlichen Professor der 



54 

Mineralogie und Geologie ernannt. Diese Fächer waren bis dahin 
mit der Physik vereinigt. 

DerPrivatdocent C. Völckers ward 1866 zum ausserordent- 
lichen Professor und zum Director der Klinik für Augen- und 
Ohrenkrankheiten ernannt, der Privatdocent und Medicinalinspector 
Bockenjiahl zum ausserordentlichen Professor fiir gerichtliche 
Medicin und Geschichte der Medicin, Doctor Handelmann zum 
Professor und Conservator der vaterländischen Alterthümer, 
Doctor Groth zum Professor, so wie im November 1869 der 
Privatdocent Jürgensen zum ausserordentlichen Professor. 

Die Universität hat jetzt (November 1869) zwei Privat- 
docenten der Jurisprudenz, die Doctoren Vöge und Schütze, 
letzterer war bis 1866 Professor in Kopenhagen, sechs medicinische 
Privatdocenten : P. Jessen, P. W. Jessen, A. Ritter, K. Seeger, 
G. Edlefsen, für den zur Nordpolreise beurlaubten Doctor Pansch, 
Prosector, J. C. Dähnhardt, Assistent beim physiologischen La- 
boratorio, vier in der philosophischen Facultät: Alberti, Jacobson, 
Assistent im chemischen Laboratorio, Voss, Assistent bei dem 
zoologischen Museum, und Behrens. Handelmann und Groth 
haben den Titel Professor. P. W. Jessen war bis 1845. Arzt 
der Irrenanstalt in Schleswig mit dem Titel Professor, er errichtete 
bei Kiel die Irrenanstalt und übernahm es, Vorlesungen in Kiel 
über Psychiatrie zu halten. Fischer- Benzon hat Kiel verlassen. 

Lector der französischen Sprache ist der gebome Schweizer 
Sterroz, der englischen Sprache Pastor Heise. Lehrer der Beit- 
kunst ist P. W. von Balle, der Zeichnenkunst Fr. Loos, der 
Fechtkunst G. Brandt. 

2. Kanzler und Frokanzler. 

Dass der Kanzler, nach ursprünglicher Einrichtung, von 
Seiten der Earohe die gelehrten Anstalten beaufsichtigte, nament- 
lich die licentia docendi von seiner Zustimmung abhing, darf 
wohl als unzweifelhaft angesehen werden. (V. A. Huber, die 
englischen Universitäten B. 1 S. 16 u. folg.) Die Bede, welche 
der Kieler Professor H. Muhlius am 5. April 1714 de dignitate 
et officio procancellarii in academia Kiliensi hielt, giebt keine 
genügende Aufklärung, die sich aber in Christiani's Programm 



55 

findet, welches 1788 nach dem Tode des Kanzlers Joh. Andreas 
Gramer erschien unter dem Titel* „Nachricht von der Würde 
eines akademischen Kanzlers und Prokanzlers, vorzüglich in 
Rücksicht auf die Königliche Universität zu Kiel." Der Stifter 
dieser Hochschule hatte sich die Kanzlerwürde vorbehalten, er, 
wie seine Nachfolger, in der Regierung ernannten einen der 
Professoren zum Prokanzler, welcher bei Doctorpromotionen die 
landesherrliche Genehmigung zu erklären, für Aufrechthaltung 
der landesherrlichen Verfügungen, für das Wohl und die Ordnung 
der Universität zu sorgen hatte. ') Das Amt ward nach der 
ursprünglichen Einrichtung auf zwei Jahre ertheilt. Der Theolog 
P, Musäus ward 1666 Prokanzler, und 1668 wieder auf zwei Jahre. 
Im Jahre 1675 ward der Professor der Rechte B. Schultz Pro- 
kanzler und blieb es bis zu seinem Tode, 1688 ward Christian 
Kortholt bis auf fernere Verordnung Prokanzler. Nach einer 
Verfügung von 1725*) sollte das Prokanzellariat alle zwei Jahre 
abwechseln zwischen den primariis der beiden ersten Fakultäten. 
Diese Verfügung veranlasste manche Streitigkeiten. Professor 
Muhlius sagt in der genannten Rede : cum cancellarii vices in hac 
universitate publice ac perpetuo ego sustineam. Der Jurist Harp- 
recht von Harprechtstein erstritt sich, unter Berufung auf die 
Verfügung von 1725, das Prokanzellariat, welches von 1728 an, 
als Harprecht Kiel verlassen hatte, wieder Muhlius bis zu seinem 
Tode im Jahre 1733 verwaltete. Ein Salar soll nach der Be- 
stimmung von 1725 mit dem Amt nicht verbunden sein, jedoch 
bezog Professor Dom einige Jahre jährlich als Prokanzler 200 
Rthlr., die er 1758 zurückzahlen musste. Eine alle zwei Jahre 
wechselnde Behörde konnte nicht von grossem Einfluss sein. 
Im Jahre 1774 ward der Theolog Joh. Andr. Gramer beständiger 
Prokanzler, nach dem Tode des Curators, des Grafen D. Reventlow, 
ward Gramer zum Kanzler ernannt, auch wurden ihm bis weiter 
die Guratelgeschäfte übertragen. 

Seit 1788 hat die hiesige Universität weder Kanzler noch 
Prokanzler gehabt. Sie wandte sich, wenn sie einen Gurator 



V In dem Rescript vom 1 7. Februar 1701 und dem Reglement vom 27. Januar 
1707 wird dem Prokan zier aufgegeben, auf Befolgung dieser Anordnungen zuhalten« 
') Handschrift S. H. S. 545. 



56 

hatte, an diesen, wenn nicht, an die höchste Behörde des Landes, 
welche his zum 20. September 1806 deutsche Kanzeley, sodann 
Schleswig-Holsteinische Kanzeley und seit dem 3. August 1816 
Schleswig- Holstein -Lauenburgische Kanzelei hiess. Durdi die 
Ereignisse des Jahres 1848 gingen die Geschäfte über an den 
Minister der geistlichen und Unterrichts -Angelegenheiten und 
später an die Minister für Holstein und fOr Schleswig, da beiden 
die Universitäts-Angelegenheiten zugewiesen waren. 

3. Rector und Prorector. 

Bis zum 3. Septbr. 1808 waren die Landesherren Rectoren. 
Auf den Diplomen der Doctoren ward der Landesherr Christianae 
Albertinae rector et cancellarius magnificentissimus genannt, seit 
1808 heisst es: sub auspiciis augustissimis — . ') Das Prorectorat 
"soll nach den Statuten vom 2. April 1666 einer der Professoren 
fuhren, es sei denn, dass der Landesherr einer fürstlichen Person^ 
die sich studiorum gratia auf der Universität aufhalten möchte, 
solche Ehre gönnen und ad tempus geben wolle. Sonst soll das 
Prorectorat alle halbe Jahr und zwar am fünften April und 
fünften October wechseln, und zuerst der erste Theolog, dann 
der erste Jurist, darauf der erste Mediciner, dann der erste in 
der philosophischen Fakultät das Prorectorat bekleiden, dann der 
zweite Theolog u. s. w. Die Professoren sollen nach dieser 
Ordnung den Prorector wählen, wenn sie nicht sehr erhebliche 
Ursachen zur Abweichung haben. Gewählt kann nur werden, 
wer auf der Kieler oder auf einer andern Universität wenigstens 
zwei Jahre in publice munere professorio gewesen. Nicht wählbar 
ist, wer das Amt bereits zum Schaden und Nachtheü der Uni- 
versität gefuhrt hat. Nach der Wahl ist die landesherrliche 
Confirmation des Gewählten zu erbitten. Wer nicht zu rechter 
Zeit d^ Amt seinem Nachfolger übergiebt, soll durch die vier 
Dekane erinnert werden, und wenn dies nicht hinreicht, für jede 
achttägige Zögernng dreissig Thaler Strafe geben, von der die 
eine Hälfte der Universitäts- Bibliothek, die andere dem Nach- 
folger zufellt. Die Uebertragung des Protectorats soll öfFentlich 



') Systenuit. Samml. IV. S. 399 and S. 444. 



57 

sein. Bevor der Prorector über die Einnahmen und Ausgaben 
seines Amtes an Inscriptionsgeldem und Mulcten Rechnung ab- 
gelegt hat, darf er die Stadt nicht verlassen. Nach einer Con- 
stitution des Herzogs vom 23. April 1666 soll, wenn der fünfte 
April oder der fünfte October auf einen Festtag oder Sonnabend 
Mit, an dem vorhergehenden Tage die Uebertragung des Pro- 
rectorats stattfinden. ') Vorher soll durch ein Programm zu der 
Feierlichkeit eingeladen werden. Die Professoren sollen sich 
um 8 Uhr in dem akademischen Gebäude versammeln, um 9 Uhr 
zur Kirche gehen, wo der abgehende Rector eine Rede zu halten, 
den neuen zu beeidigen und ihm die Insignien der Universität 
zu übergeben hat. Der Universitätssecretär soll die akademischen 
Gesetze verlesen. Damach hält der neue Rector eine Rede. '^j 
Aus der Rede, die Muhlius 1714 beim Abgang des Prorectorats 
hielt, sehen wir, dass die Verlesung der akademischen Gesetze 
damals nicht mehr stattfand. Muhlius übergab dem Professor 
Schöpffer, Nachfolger in der Würde, den Purpurmantel, die In- 
signien, zwei Scepter und zwei Schlüssel, die Sammlung der 
Universitätsgesetze, das akademische Album und Siegel. Alle 
Musik untersagte beim Prorectoratswechsel ein Rescript vom 
3. October 1*778. Durch ein Königliches Rescript vom 5. Januar 
1798 ward die Zeit des Rectorats wechseis auf den 5. März und 
5. September gesetzt, weil die früher bestimmten Tage in die 
Ferien fielen. Am 8. März 1805 ward der jährliche Wechsel 
am 5. März vorgeschrieben und ein Gehalt von 100 Rthlr. Cour, 
aus der akademischen Gasse angeordnet. Der Rector behielt die 
Theilnahme an den Inscriptionsgeldem und die früher angeordnete 
Lieferung von zwei Faden Holz. *) 



') Handschrift der Kieler Universitätsbibliothek S. H. 175 A III S. 99—101 
und S. H. 179 A Bl. 37. 38. 

') Die Bede, welche der Theolog Muhlius am 5. October 1713 de libertatc 
academica beim Antritt des Prorectorats , so wie die oratio de dignitate et officio 
procancellarii in academia Kiliensi, welche derselbe am 5. April 1714 beim Abgang 
hielt, ist in dessen Dissertationes Kiliae 1715 p. 209 und 313 gedruckt. 

') Das Gehalt des Rcctors ward später zu 400 Rbthlr. oder 250 Rthlr. Cour, 
erhöht, seit 1868 beträgt es 500 Thlr. Von den Zinsen des Qualen*schen 1722 
gestifteten Stipendü bezieht der Prorector den sechsten Theil. Das Capital beträgt 
1000 Bthlr. Cour. 



\ 



58 

Im Jahre 1806 ward dem Prorector die Wirksamkeit des Pftilz- 
grafen entzogen, bis 1808 fllhrte, wie erwähnt, der Landesherr den 
Titel rector,' von da an der bisherige Prorector. um 24. April 1818 
erging die Vorschrift, dass nur Rector sein kann, wer zwei Jahre 
lang Mitglied des akademischen Consistorii gewesen. Im Jahre 
1839 am 16. Juli trat eine neue Anordnung ein, statt der frühem 
nur nominellen Wahl ward eine wirkliche vorgeschrieben von und 
aus sämmtUchen ordentlichen Professoren, jedoch ist nur derjenige 
wahlfähig, welcher bereits vier Jahre Sitz im Consistorio gehabt 
und ein Dekanat verwaltet hat. Bei der Wahl wird durch Zettel 
mit dem Namen des Gewählten gestimmt, wer die absolute 
Majorität der Stimmen der Anwesenden erhält, ist gewählt. Die 
Wahl ist so zeitig vorzunehmen, dass die hohem Orts nachzu- 
suchende Bestätigung im Anfang des September erfolgt sein kann. 
Nach der erfolgten Bestätigung tritt der Gewählte in's engere 
Consistorium. Der Uebergang des Rectorats ist in den letztem 
Jahren nicht mehr durch Beden des alten und neuen Beamten 
gefeiert, sondern in dem engem Consistorium vorgenommen. 
Nach Antritt seines Amtes leitet er als Präses die Verhandlungen 
des akademischen Consistorii, die Studirenden werden bei ihm 
inscribirt und erhalten, nach gegebener Beeidigung, später Ver- 
pflichtung durch Handschlag, den Gesetzen fiir Studirende ge- 
horsam zu sein, die Matrikel, welche für sechs Jahre gilt. Durch 
Schreiben des CuratelcoUegii vom 10. December 1772 ') ward die 
für die Matrikel von den Novizen zu zahlende Summe herab- 
gesetzt und bestimmt, dass ein Bürgerlicher, nicht, wie früher, 
sieben Rthlr., sondern fünf, ein einfacher Adliger zehn, ein Baron 
fünfzehn, ein Graf zwanzig Rthlr. Cour, zu zahlen habe. Diese 
Ungleichheit ward 1851 aufgehoben, Jeder zahlt fünf Rthlr. Cour., 
von denen die philosophische Fakultät als Depositionsgebühr zwei 
Brthlr., der kleine Fiskus, den der Rector verwaltet, zweiunddreissig 
Schill., die Pedellen einen Rthlr., die Universitätsbibliothek einen 
Drittel Rthlr. Cour, erhält. Bei der Immatriculirung der sogen. 
Veteranen, die schon auf einer andern Universität inscribirt waren, 
wird nichts für die philosophische Fakultät gezahlt, es sind also 



*) Statut. I. 735—737. 



59 

zwei Rthlr. weniger zu erlegen. Eine Ungleichheit in der 
Zahlung der Honorare ward am 5. November 1822 ') aufgehoben 
und bestimmt, dass es den künftig in Kiel anzustellenden Lehrern 
nicht gestattet sein solle, von den in Kiel studirenden Grafen 
ein höheres Honorar zu fordern, als von andern daselbst Studirenden. 
Mit der Inscription oder der Ertheilung der Matrikel hing die 
Deposition zusammen, die früher allgemein üblich war. Nach 
den Statuten vom 28. April 1666 war der Pedell zugleich De- 
positor. ^) In den Statuten der philosophischen Fakultät, welche 
die Deposition durch den Depositor besorgen liess, heisst es:^) 
more in aliis academiis usitato depositionem Institute .deppsitor 
— nimis obscoena omittito depositor, neque injuriis verbalibus 
aut realibus onerato deponendos — nulla depositio legitima esto 
nee tertimonio confirmetur nisi in praesentia aut praescitu pro- 
fessoris vel decani peracta. — Ante depositionem vel ea finita 
depositor cum deponendis vel depositis academiae prorectorem 
magnificum accedito, utque et ibi pro inscriptione et in decani 
absolutorisve aedibus solvenda solvant, carato. 

Bekannntlich bestand die Deposition*) darin, dass der 
Depositor in lächerlicher Kleidung die Bachanten oder Beanen 
(die sogen. Novizen oder die Studien Beginnenden) mit lächer- 
lichen Anzügen ausrüstete, ihnen Hüte mit Hörnern u. s. w. 
aufsetzte. Der Depositor schlug die deponendi mit Klei oder Sand, 
behobelte anscheinend die Schultern und die Nägel, reinigte die 
Ohren, riss die Bachantenzähne aus u. s. w. Luther und Andere 
suchten diese für uns auffallende, unpassende Sitte zu deuten: 
die Seele müsse so gereinigt werden, wie der Körper der Depo- 
nirten von allen Unsauberkeiten befreit werde. Gleich nach der 
Einweihung der Universität wurden am 6. October 1665 im Bei- 
sein des Herzogs einige Bachanten deponirt. *) 



*) Statut. II. S. 249—250. 

3) Handschrift S. II. 176. S. 47. 4S. 

») Handschrift S. H. 179 A. Bl. 36. S. H. 177. S. 1. 2. 

*) Meiner^s Göttingische akademische Annalen B. 1 S. 127. Fr. Zamcke, 
die deatschen Universitäten im Mittelalter, Beitrag 1 S. 1 — 10 u. S. 227. Chronik 
der Kieler UnlTersität 1866 S. 13. 

*) Bericht von den Proccssionen, Schleswig 1666 S. 19. 



60 

Der Dekan der philosophischen Fakultät hatte ein beson- 
deres Album oder Protokoll der Deponirten zu führen. Am 
sechsten October 1665 wurden hiemach 88 Studirende deponirt. 
Auf unserer Universität wurde bis zum Jahre 1797 dieses Protokoll 
geführt, vom 12. April bis 10. Mai 1797 wurden in dasselbe 32 
eingetragen, ') die wirkliche Deposition wird wohl früher erloschen 
sein. Die Gebühren für die philosophische Fakultät erhob der 
Bector bei der Immatriculation. Neue Depositionsscheine Hess 
die Fakultät noch 1773 jedoch ohne den Namen des Königs 
drucken, weil derselbe sich noch nicht als rector magnificentissimus 
erklärt hatte. 

Nach der Verordnung vom 7. November 1781 (Systemat. 
Samml. IV 433) sollen neu angekommene Studirende binnen 
acht Tagen nach ihrer Ankunft in Kiel sich zur Immatriculation 
melden. Unter Umständen kann der Zögernde zur Zahlung 
doppelter Inscriptionsgebühr verpflichtet werden. 

Die Ertheilung einer Matrikel war, nach einem Rescript 
vom 5. Juni 1789, dadurch beschränkt, dass kein Seminarist des 
Kieler Schullehrerseminars ohne Zustimmung der Direction 
desselben bei der Kieler Universität immatriculirt werden sollte. 
Dieses Schullehrerseminar ist längst eingegangen, im Jahr 1839 
ward ein Schullehrer-Seminar in Segeberg errichtet. Nach der 
Landmilitärordnung vom 1. August 1800 § 19 und einer Ver- 
fügung vom 22. Januar 1828 (Systemat. Samml. IV S. 532) 
sollen die Landmilitärpflichtigen nur dann bei der militärischen 
Aushebimg vorläufig übergangen werden, wenn sie sich der 
Prüfung bei der philosophischen Fakultät, welche für die Con- 
viktoristen vorgeschrieben, unterwerfen und den Charakter würdig 
erhalten haben* Die Militärbehörde wird gewöhnlich mit einem 
Zeugniss des Rectors, dass der Betreffende studire, zufrieden 
gewesen sein» Für diese und alle Prüfungen, die nicht zum 
Zweck der Erlangung eines akademischen Stipendii abgehalten 
werden, können nach Rescript vom 12. Decbr. 1806 (Systemat. 
Samml. IV 471) 10 Rthlr. Cour, verlangt werden. Bei der Vor- 
schrift für Landmilitärpflichtige ward vorausgesetzt, dass eine 
Vorbildung zur Universität nöthig sei, um bei der Ziehung 



>) Handschrift S. H. 177. 



61 



übergangen zu werden. Im Jahre 1854 ward die Verpflichtung 
zum Militärdienst mit der Befiigniss, einen Stellvertreter zu stellen, 
allgemein angeordnet. 

Für den Rector lag keine Befugniss vor, Diejenigen, welche 
sich zur Immatriculation meldeten und keine Schulbildung hatten, 
abzuweisen. Allerdings war durch^das Normativ vom 9. Decbr. 
1857 eine Maturitätsprüfung der Abiturienten auf den hohem 
Lehranstalten des Herzogthums Holstein angeordnet, aber die 
Schüler konnten auch ohne eine solche Prüfung abgehen, und 
rücksichtlich der Immatriculation ward hierdurch nichts vorge- 
schrieben. Bei Unmündigen konnte der Rector, wenn er Bedenken 
hatte, ob Eltern und Vormünder die Inscription wollten, sich an 
diese wenden oder an sie schreiben lassen. 

Die mit andern Universitäten mit Heidelberg 1804, Berlin 
1811, Bonn 1819*) abgeschlossenen Conventionen, dass von diesen 
Universitäten ilelegirte in Kiel nicht aufzunehmen, waren aller- 
dings bei der Immatriculation zu beachten. In der Convention 
mit Heidelberg heisst es nur, dass die Aufoahme nach Befinden 
Lu versagen sei. 

Der Bimdesbeschluss vom 20. Septbr. 1819, betreflend die 
nicht autorisirten Verbindungen unter den Studirenden, kam auch 
in Kiel zur Anwendung. ^) Studirende , welche durch einen von 
dem ausserordentlichen RegierungsbevoUmächtigten bestätigten 
Beschluss von einer deutschen Universität verwiesen worden oder 
sich, um sich einem solchen Beschluss zu entziehen, von einer 
Universität entfernt haben, sollen auf der Universität Kiel nicht 
zugelassen werden. Wer kein befriedigendes Zeugniss seines 
Wohlverhaltens von der Universität, welche er verlassen hat, 
beibringt, ist in Kiel nicht aufzunehmen. 

Der Bundesbeschluss vom 13. Novbr* 1834 (Zöpfl, Corpus 
Juris Confoederationis Grermanicae, Th. 2, 3. Auflage, Frankfurt 
1859, S. 320)*) ward freilich zur Kenntniss des akademischen 
Consistorü mitgetheilt, *) aber in Holstein nicht publicirt. Eine 



Systemat. Samml. IV S. 442—446. 

^) Statut. II. 248. 244. Zöpfl, Coi-pus Juris Confoederationis, 3. Auflage, 
Th. 2 S. 96 und Systemat. Samml. IV 362. 
*) Stotut. II. 298. 



62 

Immatriculations - Commission, wie sie dieser Bundesbeschluss 
vorschreibt, ist in Kiel nicht gewesen. Der Curator der Kieler 
Universität war zugleich Regierungsbevollmächtigter. Dass die 
von einer Universität Relegirten in Kiel nicht aufzunehmen, 
ward durch ein Allerhöchstes Bescript vom 13. August 1835 
vorgeschrieben. Von jeder Wegweisung soll den andern deutschen 
Universitäten und den Eltern des Weggewiesenen Nachricht ge- 
geben werden. ') 

In dem Ministerialschreiben vom 19. October 1867 an den 
Oberpräsidenten (Verordnungsbl. für Schleswig-Holstein St. 145 
S. 1368) heisst es: ,,In Folge der Verordnung vom 23. v. Mts., 
betr. die allgemeine Regelung der Staatsdienerverhältnisse in den 
neu erworbenen Landestheilen, treten auch die Bestimmungen 
der beigefilgten § 33 — 36 des Reglements für die Prüfung der 
zu der Universität übergehenden Schüler vom 4. Juni 1834 für 
die Provinz Schleswig - Holstein in Kraft, der § 36 jedoch mit 
den Modificationen^ welche derselbe durch die ebenfalls beigefilgten 
Verfugungen vom 25. April 1855, 2. Juli 1855 imd 13. Januar 
1863 erlitten hat. Etwanige Dispensationsgesuche , die durch 
den U ebergang in neue Verhältnisse veranlasst werden könnten, 
sind durch die Curatorial-Behörden an mich einzureichen.'' 

Nach § 33 des Reglements vom 4. Juni 1834 sollen 
^1) nur die mit den Zeugnissen der Reife Versehenen auf in- 
ländischen Universitäten als Studirende der Theologie, Jurispru- 
denz und Cameral -Wissenschaften, der Medicin und Chirurgie 
und Philologie angenommen und als solche bei den betreffenden 
Fakultäten inscribirt; 2) zu den Prüfungen behufs der Erlangung 
einer akademischen Würde bei einer inländischen Fakultät; 
3) so wie späterhin zu den angeordneten Prüfungen behufs der 
Anstellung in solchen Staats- und Kirchen-Aemtem, zu welchen 
ein drei- oder vierjähriges Universitätsstudium nach den bestehen- 
den gesetzlichen Vorschriften erforderlich ist, zugelassen werden." 
Diejenigen, welche in der Maturitätsprüftmg nicht das Zeugniss 
der Reife erhalten haben, werden nach § 35, bis sie sich dieses 
Zeugniss erworben haben, nur bei der philosophischen Fakultät 
in einem besondem Album inscribirt. In der Matrikel derselben 



'; Statat n. 298. 299. 



63 



ist zu bemerken, dass sie, wegen mangelnden Zeugnisses der ßeife, 
nicht zu einem bestimmten Fakultäts- Studium zugelassen werden. 

Diejenigen, welche gar keine Maturit&tsprüfiing bestanden, 
und nur die Absicht haben, sich auf der Universität eine allge- 
meine Bildung für die höheren Lebenskreise oder eine besondere 
für ein gewisses Berufsfach zu geben, können nach § 36 des er- 
wähnten Reglements, auf Grund eines von ihnen beizubringenden 
Zeugnisses über ihre bisherige sittliche Führung, von dem Königl. 
Ministerium die Erlaubniss zur Immatriculation, so wie zur In- 
scription bei der philosophischen Fakultät erhalten. In der 
Matrikel ist der bestimmte Zweck ausdrücklich anzugeben. 

Nach den Ministerialschreiben vom 25. April 1855, 2. Juli 
1855 und 13. Januar 1863 können die Universitäts - Curatorien 
die nach § 36 des Reglements vom 4. Juni 1834 erforderliche 
Erlaubniss ertheilen, diese gilt aber nur für drei Semester, kann 
aber verlängert werden. 

In dem Rescript des Königlichen Ministers an den König- 
lichen Oberpräsidenten vom 9. April 1868 (Stiehl, Centralblatt 
1868 S. 329) heisst es : „Bis zu dem Zeitpunkte, wo das Prüfongs- 
wesen bei den Gymnasien in Schleswig-Holstein durch das dem- 
nächst in Function tretende Provinzial-SchulcoUegium neu ange- 
ordnet sein wird, kann die durch das Normativ vom 9. December 
1857 § 12 ') angeordnete Abstufung der Prädicate in den Maturi- 
tätszeugnissen beibehalten oder auch mit der von dem Director 
des Realgymnasiums in N. vorgeschlagenen vertauscht werden. 
Es genügt aber schon, wenn in dem Zeugnisse einfach die Reife 
ausgesprochen wird, welche auch denen zuzuerkennen ist, die 
nach dem Normativ das Prädicat „nicht unreif erhalten würden.'' 

„Für den Fall, dass vor Neuordnung des Prüfungswesens 
einzelne Studirende, welche auf Grund des g 35 des Reglements 
vom 4. Juni 1834^) immatriculirt sind, die Maturitätsprüfung zu 



') Das Normativ ist gedruckt in : Gesetz- und Ministerialblatt für die Herzog- 
thümer Holstein und Lauenbnrg 1857 St. 40 S. 389 — 393. Es hat die Prädicate: 
«^völlig reif", «,reiP und //nicht unreif». 

*) Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein 1867 S. 1869 Der § 86 betrim 
Diejenigen, welche in der Maturitätsprüfung nicht bestanden sind und deshalb nicht 
für ein bestimmtes Fach inscribirt wurden. 



64 



wiederholen wünschen, sind die Gymnasien nicht allein ermächtigt, 
die Prüfungen mit den sich meldenden Studirenden vorzunehmen, 
sondern es ist ihnen dieses auch zur Pflicht zu machen. Es kommt 
dabei nicht darauf an, dass die Prüfimg bei ebendemselben Gym- 
nasium wiederholt werde, bei dem die frühere Prüfung Statt ge- 
funden hatte/' 



\1. 

Die Fakultäten und die Dekane. 

Die Universität Kiel hat, wie die meisten deutschen Hoch- 
schulen , vier Fakultäten. ') In den Statuten der theologischen 
Fakultät von 1665 sind vier Theile dieser Wissenschaft aufgeführt, 
die positive, polemische, exegetische imd historische Theologie, 
welche durch drei ordentliche Professoren vertreten werden sollen. 



*) Die Statuten der vier ITakuItäten stehen in den Handschriften S. H. 175, 
176 A und 179 A, sie sind nicht gedruckt, manche Vorschriften sind ausdrücklich 
geändert, andere ausser Gebrauch gekommen. Bei Einsendung der Statuten der 
philosophischen Fakulät an die Kanzlei im Jahre 1774 zur Bestätigung, machte 
die philosophische Fakultät aufmerksam auf einige ausser Uebung gekommene 
Anordnungen, z. B. dass nach Tit. I. 20 zweimal im Jahre eine öffentliche Ein- 
ladung ergehe zur Bewerbung um den Grad des Magisters, die Tit. IL 11 — 14. 
22.23. enthaltenen Bestimmungen über die Prorectoratsschmäuse, die Tit. III. 1—;;^. 
vorkommenden Anordnungen über die Depositionen. Dass die Oberbehörde eine 
Reform der Statuten der einzelnen Fakultäten beabsichtigte, geht auch ans einem 
Schreiben der Kanzlei vom 23. Novbr. 1776 an die philosophische Fakultät hervor. 
Im Jahre 1778 sandte diese Fakultät einen Entwurf ihrer Statuten an den Pro- 
kanzler Gramer zur Erwirkung der Bestätigung, die im August 1791 noch nicht 
erfolgt war und auch später nicht erfolgt ist. Vergl. auch in der Chronol. Samml. 
der Verordnungen 1779 das Schreiben an den Curator vom 2. Januar. Die Vor- 
schriften für die Kopenhagener Universität waren für die Kieler ohne Einfiuss. 
In der neuen Fundation für die Kopenhagener Universität vom 31. März 1782 
und vom 7. Mai 1788 ist ein Examen artium ftir die Zulassung zur Universität 
vorgeschrieben. Nach der Anordnung von 1732 hat ein Doctor der Medicin die 
Freiheit zu practiciren, in den Statuten von 1788 ist ein besonderes medicinisches 
Staatsexamen vorgeschrieben. Für die Kieler Universität wurden, abgesehen von 
der neuesten Zeit, weder diese noch ähnliche Anordnungen getroffen. 



65 

Die Professoren sollen, ne taedium ex repetitione capiant, abr 
wechselnd eins dieser Fächer vortragen nach Uebereinkunft. 
Dem dritten Professor liegt die Exegese ob, aber die andern 
beiden können gleichfalls exegetische Vorlesungen halten. Die 
Professoren werden verpflichtet, nach der invariata Augustana 
confessio, deren Apologie, den Schmalkaldischen Artikeln und 
den beiden Lutherischen Katechismen zu lehren. 

Bis 1671 stehen in den Indices der hiesigen Universität 
nur drei Professoren der Theologie, die Doctoren Peter Musäus, 
Christian Kortholt und Paul Sperling, der im Januar 1666 in 
Kiel Doctor der Theologie geworden, im Winter 16 JJ finden 
sich in dem Verzeichniss der theologischen Vorlesungen zuerst 
noch zwei ausserordentliche Professoren, Mathias Wasmuth, 
im Januar 1666 zum Doctor der Theologie ernannt, und Doctor 
Christopher Franck, welche beide auch in der philosophischen 
Fakultät Vorlesungen ankündigten, Wasmuth war freilich schon 
1661 ausserordentlicher Professor der Theologie, stand aber im 
index zwischen den Professoren der Philosophie. 

Nach dem Plan des Stifters der Universität sollte die 
juristische Fakultät aus fünf Professoren bestehen, es wurden in 
dem ersten Index oder Verzeichniss der Vorlesungen nur die von 
Doctor Erich Mauritius, Sam. Rachel, der im Januar 1666 die 
Würde des Doctors erhielt und dem Licentiaten Simon Heinrich 
Sannemann angekündigt, und dabei erklärt, es würden noch zwei 
juristische Professoren erwartet. Im Verzeichniss der Vorlesimgen 
für das Sommersemester 1666 findet sich als vierter Professor 
der Jurisprudenz Joh. Schwenck. Es wird dabei erklärt, dass 
noch ein Professor erwartet werde, der den zweiten Platz einnehmen 
solle. Heinrich Michaelis trat für das Wintersemester 16 Jf ein. 

Die medicinische Fakultät hatte mit den Herzoglichen 
Archiatoren die Aufsicht auf die Apotheken. In den Statuten 
werden vier Professoren der Medicin vorausgesetzt, die Botanik 
wird zu den institutionalia dieser Wissenschaft gerechnet. Lange 
Zeit hatte Kiel nur zwei medicinische Professoren, Casp. March 
und Joh. Dan. Major. Als der erstere 1673 als Archiator nach 
Berlin berufen wurde, trat Joh. Nicol. Pechlin als Professor der 
Medicin ein, da er aber Herzoglicher Archiator war, lebte er seit 
1680 regelmässig in Grottorf und seit 1683 bis 1691 finden wir 

5 



66 

nur die medicinischen Vorlesungen des streitsüchtigen Major an- 
gezeigt, da PecUin durch seine andern amtlichen Geschäfte am 
Lesen verhindert wurde. Im Jahr 1691 trat Wilh. Huld. Wald- 
schmiedtals Professor der Medicin ein, er war, als Major 1693 nach 
Schweden herufen, bis 1695 der einzige medicinische Professor. 
Ein medicinisches Krankenhaus erhielt die Kieler Universität 
erst 1802, Professor Georg Hinrich Weber hatte dasselbe durch 
Beiträge errichtet, es ward 1802 der Universität übergeben, ein 
chirurgisches Hospital ward 1811 errichtet in der Flämischen 
Strasse und dazu das Haus des nach Kopenhagen berufenen 
Professor Joachim Dietr. Brandis angekauft *) Beide Kranken- 
häuser, wie die 1811 der Universität übergebene Hebammenanstalt, 
sind 1862 verlassen; es wurden neue Gebäude in der Nähe des 
Schlossgartens errichtet und auch Wohnungen für die Vorsteher 
dieser Anstalten gebaut. 

Durch Errichtung des SanitätscoUegii am 25. Mai und die 
Instruction vom 8. Juni 1804 ward das Verhältniss der medici- 
nischen Fakultät zu den Apothekern und den Physicis geregelt. 
Für das Herzogthum Schleswig wurde am 19. December 1852 
eine eigene Ober-Medicinalbehörde errichtet und das Patent vom. 
25. Mai 1804 filr dieses Herzogthum aufgehoben. Am 21. Mai 
1853 erhielt das früher beiden Herzogthümem gemeinschaftliche 
SanitätscoUegium, aus Professoren der Kieler medicinischen 
Fakultät und einigen auswärtigen Mitgliedern bestehend, den 
Namen „Holsteinisches SanitätscoUegium^, es ward auf dieses 
Herzogthum beschränkt. Die genannten Verfügungen von 1804 
sollten in Kraft bleiben, jedoch die obere Leitung der beiden 
Krankenhäuser, der Hebammen- und Geburtsanstalt in Kiel, an 
die üniversitätsbehörden übergehen» Durch Verordnung der da- 
maligen obersten Civilbehörde und der Bundescommissaire vom 
13« Juli und 2. September 1864 ward das SanitätscoUegium in 
Kiel wieder Schleswig-Holsteinisches SanitätscoUegium, die Ver- 
ordnung vom 19. December 1852 ward aufgehoben. Nähere Be- 
stimmungen enthalten die Verordnung der obersten Civilbehörde 
vom 3. August 1865 und die Bekanntmachung der Holsteinischen 
Landesregierung vom 2. October 1865. 



Chronolog. Samml. der Verordnnngen, 1811. 20. August n. 13. Decbi«. 



67 

In dem ersten Catalog der Vorlesungen für das Winter- 
semester 16§| finden wir acht Professoren der philosophischen 
Fakultät: Mich. Watson, Doctor der Philosophie und Theologie, 
fllr die heilige und profane Geschichte, Matthias Wasmuth heisst 
Hebr. et OrientaL linguarum professor , Dan. Gr. Morhof , Magister 
der Philosophie und Doctor der Rechte, Professor der Eloquenz 
und Poesie, Sam. Reyher, Doctor der Philosophie und Jurisprudenz, 
Professor der Mathematik, Caeso Gramm, Professor der Physiologie 
und der griechischen Sprache, Christopher Franck, Professor der 
Methaphysik und Logik, Nicolaus Martini, Licentiat und seit 
Januar 1666 Doctor der Rechte, Professor der Politik. Adam 
Tribbechovius, Magister der Philosophie, Professor der Moral. 
Watson starb im ersten Semester und im zweiten trat als achter 
Professor der philosophischen Fakultät Nicolaus Mauritius bis 
1668 ein. 

In den Verzeichnissen der Vorlesungen, welche früher, 
wie jetzt, halbjährlich erschienen, sind die Professoren nach der 
Ordnung der vier Fakultäten aufgeführt, die Ordnung in diesen 
ist nicht immer nach der Zeit der Ernennung, sondern es konnte 
ein später Ernannter ausnahmsweise den Platz vor einem früher 
Bestallten haben. Die Anordnimg vom 10. August 1701, dass 
in jeder Fakultät die ausserordentlichen Professoren derselben 
gleich nach den ordentlichen aufgeführt würden, war so wenig 
bleibend, als der Beschluss vom 29. Januar 1706, dass der Dekan 
in den Oatalogen den ersten Platz einnehme. Die Vorlesungen 
der Privatdocenten finden sich erst seit 1779 in den gedruckten 
Verzeichnissen angegeben. 

Diejenigen ordentlichen Professoren, welche nicht den Grad 
der Fakultät, welcher sie angehören, haben, sind nach den Statuten 
und der Praxis von den Fakultätsgeschäften ausgeschlossen. 

In dem tit. 5 der Statuten der theologischen Fakultät, 
welcher de surrogando novo professore in locum antecessoris handelt 
und der Fakultät die Empfehlung zu der vacanten Stelle einräumt, 
heisst es : si autem accidat forte, ut, qui ita legitime ad ordinariam 
theologiae professionem vocatus, honorem doctoreum nondum con- 
secutus fiierit, prius in facultatem non recipitor, quam euudem 
impetraverit, quo nimirum et examinationibus candidatorum inter- 
esse et decani pomotorisque munera possit obire. Ist der neue 

5* 



68 

Professor auf einer andern Universität Doctor der Theologie 
geworden, so soll er, antequam in facultatem admittatur, das vor- 
geschriebene Bekenntniss seiner Bechtgläubigkeit geben. 

In den Statuten der philosophischen Fakultät lautet 3 14 
Tit. 1: Decani officium non affectato neque rigorosis in facultate 
examinibus candidtTtorum interesto neque de reditibus examinum, 
promotionum aut adjuncturae etc. causa datis participato, nisi qui 
Ordinarius professor et philosophiae promotus magister fiierit. 

Als Joh. Burch» Majus, seit 1693 Professor der Beredsam- 
keit und Geschichte, der Nachfolger Morhof's, 1699 das Dekanat 
in der philosophischen Fakultät nicht übernehmen konnte, weil 
er nicht Magister war, gestattete ein Herzogliches Rescript ex 
speciaU gratia der Fakultät, ihm intra privates parietes den gradum 
magisterii zu verleihen. 

Das Herzogliche Rescript vom 17» Februar 1701 sagt: 
„Haben Wir aus Gnaden zu denen rühmlichen studiis Derer, 
so bey Unserer Kiehlischen Fakultät die gradus annehmen, ent- 
schlossen, dass ein jeder doctor theologiae alsobald in Unsere 
theologische Fakultät recipiret werde und collega facultatis auch 
abwesend sey, dessen Rath m geistlichen Fällen, wenn es noth, 
Wir als auch die Fakidtät gebrauchen werden. Und so wollen 
Wir es auch mit denen doctoribus in facultate juridica et medica 
allerdings gehalten haben. Ein Magister aber, wenn er durch 
rühmlich abgelegte specimina ein Jahr nach Verfliessung der 
Promotion sich berühmt gemacht, soll eben dieses beneficium 
der philosophischen Fakidtät unweigerlich gemessen.^ 

Es scheiut dieses Reglement veranlasst zu sein durch die 
häufige Abwesenheit der beiden Kieler theologischen Professoren 
Joh. Fr. Mayer, der zugleich Prediger in Hamburg, Professor 
des dortigen Gymnasii, Schwedischer Ober-Kirchenrath, Prokanzler 
in Greifswald war, und des Herzoglichen Generalsuperintendenten 
Henricus Muhlius. *) 



*) J. O. Thiess, Gel. Geschichte der Universität zu Kiel, Th. 1 S. 85 and 
S. 123. Uelier Mayer vergl. Kosegarten, Geschichte der Universität Greife wald, 
Th. 1 S. 273 u. 277, meinen Beitrag zur Geschichte der Kieler Universität, S. 46. 
(Mayer ward nicht IG 79, sondern 1689 ordentlicher Professor der Theologie), und 
Klose Lexicon der Hambarg. Schriftsteller, B. 5 S. 89 — 164. 



69 

Die ordenÜichen Professoren J. C. Pabricius, der bekannte 
Entomolog, und Mart. Ehlers, der Philosoph, wurden, nachdem 
sie 1776, der erstere von der Kopenhagener, der zweite von der 
Göttinger Fakultät denDoctor- oder Magistergrad erhalten hatten, 
in die Kieler philosophische Fakultät aufgenommen. 

Die Vereinbarung der philosophischen Fakultät, dass nur 
die fünf ältesten Mitglieder derselben an den Fakultätseinnahmen 
und dem Dekanat Theil nehmen sollten, erkannte das Königliche 
Rescript vom 25. Januar 1793 an. Diese Anordnung ward 1848 
aufgehoben und bestimmt, dass von 1849 an alle ordentlichen 
Professoren an den Einkünften der Fakultät und dem Dekanat 
Theil nehmen sollten, dass jedoch nur Derjenige das Dekanat 
verwalten könne, der zwei Jahr die Geschäfte der Fakultät mit 
verwaltet habe. Am 28. November 1856 ward diese Bestimmung 
Allerhöchst bestätigt. 

lieber den Wechsel der Dekane in der theologischen und 
medicinischen Fakultät finde ich in den Statuten keine Anord- 
nungen, doch sieht man aus dem Reglement vom 17, Februar 
1701, dass das theologische Dekanat halbjährlich wechselte. 
In der juristischen Fakultät war von Anfang dieses Amt ein 
annuum. Es heisst in den Statuten der juristischen Fakultät 
Capit. II. : Decani facultatis juridicae munus annuum esto, ita ut 
a 5. Octobris, qui academiae natalis est, in 5 mensis ejusdem 
continuetur. Quo die doctores isti tantum, qui ordinarie leges 
et jura tum profitentur, ad eligendum ex eodem doctorum numero 
decanum conveniunto, quo loco ille huic muneri praeficiendus 
erit, quem ordo poposcerit, ita ut a primo ad coUegii nostri postre- 
mum professorem, et ab hoc rursus ad illum, secundum ordinem, 
quem quisque in hoc coUegio tenet, procedatur. Si tamen novus 
Professor aliquis in hoc coUegium assumtus fiierit, prius officium 
decani ei non coinmittetur, quam omnes alios ex ordine decanos 
praecedere viderit. 

In der philosophischen Fakultät fend nach der ersten An- 
ordnung (Tit. I 4) ein halbjährlicher Wechsel statt: Michaelis 
und Ostern. Auch in der philosophischen Fakultät galt die Regel, 
die sich freilich in den Statuten nicht findet, dass nur Derjenige 
Dekan werden könne, der die übrigen Mitglieder als decanos 
gesehen habe. Ein Herzogliches Rescript vom 5. Novbr. 1763 



70 

(Statut I 519) bestimmt, ^dass dieses requisitum nicht notÜwendig 
von der ganzen Dekanatzeit der vorhergehenden decanorum ver- 
standen werden mü6se, sondern auch dasjenige Dekanat mitzu- 
rechnen sei, worin ein Professor und membrum facultatis zu solchem 
officio durch die ihm beigelegte Bestallung vociret und verordnet 
worden. — Dass wie der Professor Christiani seit der erlangten 
Allerhöchsten Bestallung beide des Dekanats fö^hige Professores 
und membra fecultatis philosophicae als decanos gesehen, dem- 
selben nichts im Wege stehe, um zu dem jetztmaligen Dekanat 
admittirt zu werden.^ 

Im Wintersemester 17f£ waren, ausser dem Professor 
Christiani, der Professor der Eloquenz Schwanitz, der im vorigen 
Semester Dekan war, der Mathematiker Koes und der Professor 
der Philosophie Toennies in dieser Fakultät. Bis auf Koes nennen 
sich die andern drei Professoren in den Anzeigen der Vorlesungen 
doctores der Philosophie. Der Bibliothekar und Professor der 
Physik Hennings war vorher wegen Streitigkeilen mit Pension 
entlassen worden. *) 



Promotionen- 

Die Würde des Licentiaten und des Doctors der Theologie 
setzt nach den Statuten systatische Schreiben an die Fakultät 
voraus. Der Dekan hat den Candidaten zu tentiren, darauf folgt 
das Examen und die Disputation« 

Um Licentiat oder Doctor der Rechte zu werden, muss 
der Candidat ein Quinquennium auf einer Universität studirt haben, 
doch sind bei guten Zeugnissen vier Jahre ausreichend. Nach 
einer Disputation folgt das Examen, der Candidat hat die ihm 
aufgegebenen Texte aus den Institutionen und Pandekten vor der 
Fakultät zu erklären. Darauf folgt, wenn der Candidat im ersten 
Examen nicht unwürdig befunden ist, ein öffentliches Examen, 
wozu eine Stelle aus dem Codex und eine aus den Decretalen 



') Ratjen, zur Gescliichte der Kieler Universitätsbibliothek, Kiel 1863, S. 125. 



71 



gegeben werden, und schliesslich eine Disputation, sowie nach 
erfolgter Beeidigung die feierliche Verleihung der Würde. Die 
Verpflichtung geht darauf: das Beste der Kieler Universität, 
besonders der hiesigen juristischen Fakultät zu fördern, auf keiner 
andern Universität licentiae aut doctoralia insignia velle iterare 
aut repetere. 

Für die Promotion der Mediciner ist in den Statuten vor- 
geschrieben, dass der Candidat die Wissenschaft der Medicin vier 
Jahre auf Universitäten studirt haben müsse, dem Examen geht 
ein tentamen des Dekans vorher. Nach der theoretischen und 
praktischen Prüfung folgt die Disputation. Der Eid, welcher bei 
dem medicinischen Doctorexamen, welches bis zur neuesten Zeit 
zugleich Staatsexamen war, geleistet wird, ist gedruckt in Falck's 
Staatsbürgerl. Magazin, zu B» 10, Schleswig 1831, S. 639 — 640. 
Durch die Bekanntmachung vom 14. August 1867 (Verordnungs- 
blatt 1867 S. 949) ist der Eid, welcher jetzt von den zur ärzt- 
lichen Praxis Zugelassenen zu leisten ist, normirt. 

Zur Promotion in der philosophischen Fakultät ist zuerst 
ein Tentamen bei dem Dekan erforderlich. Fällt dies günstig aus, 
so hat der Candidat eine quaestio aus der theoretischen, eine 
aus der praktischen Philosophie zu behandeln. Die Beantwortungen 
reicht der Candidat bei dem anzustellenden Examen ein. Nach- 
dem dieses bestanden, folgt die Inauguraldisputation oder statt 
derselben ein öfiFentüches Examen, wozu die Professoren aller 
Fakultäten, Adjuncten und Magistri einzuladen sind. In dem 
Eide der Philosophen befindet sich auch der bei der juristischen 
Promotion erwähnte Punkt: neque in alia. academia iterare pro- 
motionis actum. In den Statuten der philosophischen Fakultät 
kommt noch tit. II 2 vor: non facile admittitor ad examen, 
nisi vel hie vel alibi philosophicam aut philologicam disputationem 
habuerit publicam. Die Vorschrift der Statuten der philosophischen 
Fakultät (11 4), dass jeder, der sich zum Magistergrad melde, 
zuvor inEael immatriculirt sein müsse, ist längst ausser Gebrauch, 

Schon oben ist erwähnt worden, dass zu jeder Promotion 
die Zustimmimg des Prokanzlers erforderlich sei. In früherer Zeit 
wurde gewöhnlich die Promotion Mehrerer zu derselben Zeit vor- 
genommen, noch im Jahr 1803 promqvirte der Dekan J. Fr. Acker- 
mann zu gleicher Zeit acht Mediciner. 



72 

Die Solennität der Promotion ist schon oben erwähnt worden, 
sie stimmt im Ganzen mit der Feierlichkeit überein, die nach 
Huschke's Darstellung in Breslau üblich ist. *) Durch das schon 
erwähnte Rescript an die Kieler Universität vom 17. Febr. 1701 
wurden die Kosten der Promotion herabgesetzt, *) das weitläufige 
prandium ward abgeschafiffc, aber es heisst: „doch werden dabei 
(der Promotion) alle die öffentlichen Solennitäten in der Kirche 
und auch sonst fürgenommen und sollen sich alle Universitäts- 
verwandte dabei bei Vermeidung . Unserer Ungnade allerdings 
einfinden.'' In dem Herzoglichen Beglement vom 27. Februar 
1707 § 16 wurden die Promotionskosten der philosophischen 
Fakultät zu 80 Rthlr., der halben Kostensumme bei den andern 
drei Fakultäten, bestimmt, imd festgesetzt: „inskünftig keine 
privata promotio magistrorum mehr verstattet.'' ») 

Dass die Zustimmung des Prokanzlers zur Promotion in 
allen Promotionsfellen genüge, und nicht die des Landesherm 
erforderlich sei, ward auch nach dem Austausch des grossfürst- 
lichen Antheüs durch das Königliche Rescript vom 17. Januar 
1775*) anerkannt. Durch das Königliche Rescript vom 9* August 
1809*) ward bestimmt, dass ein akademischer Grad auch ein 
Ehrendiplom erst ertheilt werden könne, wenn für jeden einzelnen 
Fall die Allerhöchste Grenehmigung durch die Schleswig-Holstein. 
Kanzelei ertheilt sei. Jeder, der bei der Kieler Universität den 
Doctorgrad in der Theologie, Jurisprudenz und Medicin erlangen 
wolle, müsse nach bestandenem Examen bei der Fakultät, eine 
lateinische Vorlesung öffentlich halten, und eine von dem Candi- 



') Zeitschrift lür Rechtsgeschichte B. 8 H. 2 S. 309 — 315. 
^) Für die Licentiatur und Doctorat zusammen löORthlr., fiir das Magiste- 
rium 50 Rthlr. 

•) Das Reglement von 1707 ist gedruckt in: nova literaria maris Baltici, 
1707 p. 149 und in Muhlii dissert. p. 257 — 272. Mehrere Punkte dieses Regle- 
ments stehen in Thiess Gel. Geschichte der Unirersität Kiel Th. l S. 157—172. 

Chronolog. Samml. der Verordnungen 1775 S. 30. 

*) Sjstemat. Samml. der Verordnungen B. 4 S. 474. Ob dem Gerücht, 
dass diese Verfügung veranlasst sei durch die Promotion des ausländischen Ton- 
künstlers Andr. Romberg, Wahrheit zum Grunde liege, weiss ich nicht. Die 
philosophische Fakultät promovirte ihn am 15. Mai 1809 und vertheidigte sich 
allerdings, wie es scheint, gegen Zeitungsangriffe, aber Romberg war ein Ausländer. 



73 

daten verfasste Inauguraldissertation öffentlich vertheidigen. Für 
den Grad eines Magisters oder Doctors der Philosophie war also 
der Druck der Dissertation nicht erforderlich. Es ward durch 
das Rescript vom 9. August 1809 der Kieler Universität verstattet, 
Ausländem, ohne specielle Allerhöchste Erlauhniss, akademische 
Würden zu ertheüen, womit jedoch kein Rang verbunden sein 
solle. In dem Kanzleischreiben vom 5. Decbr. 1809 wird der 
Begriff der Einheimischen rücksichtlich der Promotion in eigen- 
thümlicher Weise bestimmt; es heisst: „Als einheimisch sind 
alle Diejenigen zu betrachten, welche sich in Sr. Majestät Landen 
aufhalten oder darin ansässig sind, sie mögen innerhalb oder ausser- 
halb Landes geboren sein.'' 

Häufig kam es auch nach diesen Anordnimgen vor, dass 
der Doctorand, statt eine Dissertation drucken zu lassen, über 
Thesen disputirte. Das gewöhnliche Verfahren bestand nach 
dieser Vorschrift von 1809 darin, dass nach abgehaltener Dis- 
putation die Fakultät die Allerhöchste Genehmigung zur Pro- 
motion einholte und ohne Solennität das Diplom dem Doctor 
mittheilte. In einzelnen Fällen hat jedoch die Fakultät nach 
wohl bestandenem Examen vor der Disputation die Erlaubniss 
zur Promotion erbeten, und alsdann fand nach wohl vollendeter 
Disputation eine feierliche Promotion in der akademischen Aula 
statt. Die Feierlichkeit in der Kirche zu halten, mag wohl 
nach dem neu errichteten Universitätsgebäude im Jahre 1768 
ausser Gebrauch gekommen sein. Für die Promotion in der 
medicinischen Fakultät wurden durch Rescript vom 27. März 
1801 *) eine anatomische Demonstration, schriftliche Beantwortung 
medicinischer Fragen in des Dekans Hause und grössere lateinische 
Ausarbeitungen vorgeschrieben. Zum Disputiren in lateinischer 
Sprache ist nur verpflichtet, wer durch den Doctorgrad in der 
Medicin die Befdgniss erlangen will, auf den Landesakademien 
öff^tliche Vorlesimgen zu halten und sich zu einem Lehrstuhl 
auf demselben zu habilitiren gedenkt. Wer von der Disputation 
befreit zu sein wünscht, soll den Umständen nach 15 bis 20 Rthlr. 
an das anatomische Theater erlegen. In dem Rescript vom 



*) Chronolog. Samml. 1601 n. 13 und Systemat. Samml. B. 4 S. 472. 



74 

9. August 1809 ist auch fdr die Licentiaten der Medioin vorge- 
schrieben, eine Dissertation in lateinischer Sprache zu verfassen 
und öfiFentlich eine lateinische Vorlesung zu halten. 

Für die eingeborenen Studiosi medicinae ward unterm 
11. Mai 1798 vorgeschrieben, dass sie, „wenn sie in Unsem 
Herzogthümem Schleswig und Holstein und deutschen Landen 
praxin medicam zu treiben oder zu Physikaten befördert zu werden 
wünschen, den Doctor- oder Licentiatengrad entweder auf der 
Universität Kiel oder Kopenhagen erhalten haben müssen.'' *) 

Für Ausländer ward durch Circular vom 12. Septbr. 1839 
festgesetzt, dass sie nur dann die Befugniss, sich in den Herzog- 
thümem Schleswig und Holstein zur medicinischen Praxis nieder- 
zulassen, erlangen, wenn sie in dem medicinischen Doctorexamen 
den ersten Charakter erhalten haben. Die Vorschrift der juristischen 
und medicinischen Statuten über vierjähriges Studium vor der 
Promotion ist hinf&llig geworden durch die Verordnung vom 
19. März 1777, welche den studirenden Landeskindem allgemein 
das akademische triennium vorschreibt. Auch ist in dieser Ver- 
ordnung keine Ausnahme für die aus d^r Altonaer Selecta ent- 
lassenen Schüler gemacht worden, dass sie nur zwei Jahre auf 
Universitäten zu studiren brauchen. Von dieser Ausnahme, 
deren Gültigkeit Director Struve in seinem Sendschreiben an 
Professor Müller, Altena 1813 S. 33, noch als gültig ansieht, 
ward sehr selten Grebrauch gemacht, in zwanzig Jahren von zwei 
Selectanern. 

Neue Anordnungen in Bezug auf die Promotion. 

Sämmtliche Fakultäten der Kieler Universität sind durch 
Ministerialschreiben vom 12. April und 11. Juli 1867 definitiv 
zur Ertheilung akademischer Grade ohne specieUe höhere Ge- 
nehmigung ermächtigt» (Stiehl, Centralblatt 1867, S. 401. Ver- 
ordnungsblatt für Schleswig-Holstein 1867, S. 457 und S. 775.) 

Nach Rescript des Königl. Ministers der geistlichen etc. 
Angelegenheiten vom 19. Decbr. 1867, welche, wie oben erwähnt 
wurde, gg 33 — 36 des Reglements für die Prüfung der zur Uni- 



*) Systemat. Samml. B. IV. 470. Chronolog. Samml. 1798 n. 34. 



75 

versität übergehenden Schüler vom 4. Jtmi 1834 und die später 
eingetretenen Modificationen einfllhrt, sollen zu den Prüfungen, 
Behufs der Erlangung einer akademischen Würde, nur die mit 
den Zeugnissen obr Beife Versehenen zugelassen werden. (Ver- 
ordnungsbl. für Schleswig-Holstein 1867 S. 1369.) 

Zufolge Rescripts vom 30. August 1867 hat das Königliche 
Ministerium der geistlichen etc. Angelegenheiten der medicinischen 
Fakultät die Zulassung deutscher Inauguraldissertationen und den 
Grebrauch der deutschen Sprache bei den Disputationen gestattet, 
sobald die Oandidaten ein Gymnasialzeugniss der Reife beibringen, 
im entgegengesetzten Fall aber es der Fakultät bis weiter 
überlassen, ob sie sich den Nachweis einer ausreichenden classischen 
Vorbildung auf andere Weise verschaffen oder den Gebrauch der 
lateinischen Sprache bei der Dissertation und Disputation ver- 
langen will. ( Stiehl, Centralblatt für die Unterrichts- Verwaltung 
1867 8. 580. 532. Verordnungsblatt 1867 S. 1195.) Rücksichtlich 
der Promotionen der philosophischen Fakultät ist in dieser Ver- 
ordnung nichts bestimmt. 

In der Bekanntmachimg des Oberpräsidii , betreffend die 
Staatsprüfungen der Mediciner und Pharmaceuten, Kiel 20. April 
1867, heisstes: „dass fortan Alle, welche das hiesige medicinische 
Examen bestanden haben, nach bestandener Prüfung eine förm- 
liche Approbation des Ministers erhalten sollen, durch welche ihre 
Befehigung zur Ausübung ärztlicher Praxis im ganzen Staats- 
gebiet festgestellt wird.'' Der von den approbirten Aerzten zu 
leistende Unterthänigkeits- und Berufseid ist schon oben S. 71 
erwähnt worden. 

Das Doctorexamen bei der medicinischen Fakultät gilt in 
Zukunft nicht mehr als Staatsprüfung. Um als praktischer Arzt 
zugelassen zu werden, ist zuerst ein im Jahre 1861 für Preussen 
angeordnetes tentamen physicum bei einer dazu ernannten Com- 
mission zu bestehen. In Kiel war 1862 über ein medicinisches 
Vorexamen verhandelt, aber die Vorbereitung nicht zum Schluss 
gekommen. Dem tentamen physicum sollen sich die Aspiranten 
regelmässig jfrühestens nach dem Schlüsse des vierten und spätestens 
vor Beginn des siebenten Studiensemesters unterwerfen. Später 
folgt das Doctorexamen, zu welchem der Doctorand seine vita, 
das Zeugniss der Reife, den Nachweis, dass er vier Jahre und 



76 

von denen ein und ein halbes Jahr auf einer Preussischen Uni- 
versität Medicin studirt und mindestens zwei Semester an der 
medicinischen und an der chirurgischen Klinik als Practicant 
Theil genommen habe. Schon durch die Cabinetsordre yom 
30. Juni 1841 war bestimmt worden, dass Alle, die sich nach, 
vollendetem Studium um ein öffentliches Amt oder um die Zu- 
lassung zur medicinischen Praxis bewerben wollen, ein und ein 
halbes Jahr auf einer Preussischen Landesuniversität studirt 
haben müssen. (Gesetzsammlung 1841 S. 139 und L. v. Bönne^ 
das Unterrichtswesen, B. 2 S. 539.) Der Doctorand hat femer 
den Nachweis über das bei einer Preussischen Universität be- 
standene tentamen physicum und eine in lateinischer oder deutscher 
Sprache abgefasste Inauguraldissertiition mit der schriftlichen Ver- 
sicherung an Eides Statt, dass der Candidat sie ohne fremde 
BeihüKe selbst verfasst habe, vorzulegen. 

Wenn der Candidat auf Grund dieser Vorlagen zugelassen 
wird, folgt die Vorprüfung, in welcher der Candidat imter Clausur 
eine Aufgabe aus der theoretischen oder praktischen Medicin ex 
tempore ohne alle Hülfsmittel in lateinischer oder deutscher Sprache 
schriftlich zu bearbeiten hat. Mündlich wird derselbe von dem 
Dekan, unter Zuziehung mindestens eines Mitgliedes der Fakultät 
geprüft. Nach glücklichem Ausfall der Vorprüfung folgt das 
examen rigorosum, an welchem sämmtliche Mitglieder der Fakultät 
Theil nehmen. Das darüber aufgenommene Protokoll ist von 
sämmtlichen Examinatoren zu unterschreiben. Nach bestandenem 
Examen folgt die öffentliche Disputation über die eingereichte 
und zum Druck beförderte Dissertation und die ihr angehängten 
Thesen, in derselben Sprache, in welcher die Dissertation abge- 
fasst ist» Die Gebühren betragen 120 Thlr. Pr., von denen zehn 
Thaler der Universitätsbibliothek*) zufallen. 

Nach dem Beglement für die Staats - Prüfung der Aerzte 
vom 18. Septbr 1867 ist die Befiigniss zur Ausübung ärztlicher 
Praxis innerhalb der Preussischen Monarchie bedingt durch den 
Besitz einer vom Minister der Medicinal- Angelegenheiten ausge- 



^) Nach AnUge C. der Verordnang vom 9. Januar 1 725 soll, wer in doctorCTA 
oder licenüatem promovirt wird, achtRthlr. Conr., dn Magister nnd Notar vier Rthlr. 
Cour, für die BibUothek zaUen. Statut. L 483. S. IL 175 A. S. 573. 



77 

stellten Approbation^ welche nur den auf einer Landes-Universität 
promovirten Dootoren der Medicin auf Grund der bestandenen 
Staats-Prüfung für Aerzte ertheilt wird. Zu dieser Prüfung ist 
1) das Gymnasial-Zeugniss der Heife, 2) das Abgangs-Zeugniss 
von der Universität, 3) das Zeugniss über Ablegung des tentamen 
physicum, 4) ein Abdruck des Doctor - Diploms, *) 5) fünfzehn 
Exemplare der Doctor-Dissertation, 6) der Nachweis, dass der 
Candidat mindestens zwei Semester hindurch als Praktikant an 
der chirurgischen imd medicinischen Kl i nik Theil genommen und in 
einer geburtshülfliohen Klinik mindestens 4 Geburten selbstständig 
gehoben hat, 7) der Nachweis, dass der Candidat in einem öffent- 
lichen Impf-Institut oder in einer medicinischen Klinik die Schutz- 
blattem selbst geimpft und deren Verlauf beobachtet hat. Die 
Staatsprüfung beginnt alljährlich im November und soll nicht über 
die Mitte des folgenden Jahres ausgedehnt werden. Die Prüfung 
zerfellt in fünf Abschnitte. Die Kosten betragen 60 Thlr. 

DerUebergang in die neuen Anordnungen ist nach Bescript 
des Königl. Ministerii der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten vom 31. Decbr. 1867 wesentlich durch folgende 
Bestimmungen erleichtert: ^Bei Inländern, welche zur Zeit der 
Veröffentlichung des Rescripts vom 19. October 1867, betreffend 
die Wirkungen der Gymnasial-Zeugnisse der Reife*), ihr medi- . 
cinisches Studium bereits begonnen hatten, kann das im Convikt- 
examen erlangte Zeugniss der Würdigkeit die Stelle des Maturi- 
tätszeugnisses vertreten.'' — Femer: „1) die bis zum Beginn 
des Sommersemesters 1868 von der Kieler medicinischen Fakultät, 
in Uebereinstimmung mit den bisherigen Vorschriften, promovirten, 
in Schleswig-Holstein gebürtigen Doctoren können die Approbation 
als praktische Aerzte erhalten, ohne sich vorher der Staatsprüfung 
zu imterziehen. Mit dem gedachten Zeitpunkt tritt die neue 



*) Nach der Gewerbeordnung für den Norddeutsche« flulid VOM 31» Juni 1869 
Titel n } 29 »bedürfdin diejenigen P.ersonen einer Approbation, welche sich als Aerzte 
(Wandärzte, Augenärzte, Geburtshelfer, Zahnärzte und Thierärzte) oder mit gleich- 
bedeutenden Titeln beseichnen, oder Seitens des Staates oder einer Gemeinde als solche 
anerkannt oder mit amtlichen Functionen betraut werden sollen. Es darf die Approbation 
jedoch von der vorherigen Doctorpromotion nicht abhängig gemacht werden." Der 
Titel II dieses Gesetzes tritt drei Monate nach dessen Verkündigung in Kraft. 

') Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein 1867 S. 1368. 



78 

Prüfungsordnung in Kraft, und ist von da an die Ertheilung der 
Approbation von dem Bestehen der Staatsprüfung abhängig. 
Die Beibringung des Zeugnisses über das bestandene tentamen 
physicum kann jedoch denjenigen Candidaten erlassen werden, 
welche bis zum 1. October 1869 promovirt werden. 2) Auch 
diejenigen Candidaten, welche mit der Absicht, den Licentiaten- 
grad zu erwerben, vor der Veröffentlichung des gedachten Rescripts 
vom 19. October 1867 das medicinische Studium bereits begonnen 
liatten, können, wenn sie vor Beginn des Sommersemesters 1868 
zu Licentiaten promovirt sind, die Approbation als praktische Aerzte 
erhalten, ohne sich vorher der Staatsprüfung zu unterwerfen; 
werden sie später zu Licentiaten promovirt, ist die Ertheilung 
der Approbation von dem Bestehen der Staatsprüfung abhängig. 
Die Beibringung des Zeugnisses über das bestandene tentamen 
physicum kann ihnen erlassen werden, wenn sie vor dem ersten 
October 1869 den Licentiatengrad erwerben. Abgesehen von 
diesen jetzt bereits studirenden Medicinem werden Licentiaten 
künftig zur Staatsprüfung nicht zugelassen. — Etwanige Dispen- 
sationsgesuche, die sich auf Nachholung des verspäteten tentamen 
physicum beziehen, werden von dem Königlichen Oberpräsidio 
fiir Schleswig-Holstein erledigt werden; die Entscheidimg über 
anderweitige Dispensationsgesuche, welche durch den XJebergang 
in die neue Ordnung veranlasst werden könnten, hat das Königl. 
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegen- 
heiten sich vorbehalten." 

Durch Ministerialschreiben vom 22. Juni 1868 hat der 
Minister der geistlichen, Unterrichts- u. Medicinal- Angelegenheiten 
sich etwanige Dispensationen von der Beibringung des vorschrifts- 
mässigen Maturitäts-Zeugnisses Seitens der Candidaten aus dem 
vormaligen Königreich Hannover und aus Schleswig - Holstein 
vorbehalten. 



79 



NostrificatioD« 

In den Statuten der Kieler theologischen Fakultät tit. 4 
heisst es : wer nicht in Kiel, sondern auf einer andern Universität 
Doctor oder Licentiat geworden, muss, hevor er lesen \mi hei 
Disputationen präsidiren darf, den Consens der Fakultät hahen 
und das JBekenntniss der Rechtgläuhigkeit ablegen, welches für 
die in Kiel Promovirten vorgeschrieben ist.*) In den Statuten der 
andern Fakultäten finde ich über die Nostrifieation keine Be- 
Stimmung. Aus mehreren Fällen ergiebt sich, dass ein ausser 
Kiel Promovirter erst in Kiel von der Fakultät nostrificirt werden 
muss. Wüh. Ernst Christiani, welcher in Rostock promovirt war, 
disputirte in Kiel im Juni 1757, um hier Vorlesungen halten zu 
können, er ward 1761 ausserordentlicher ProiEessor in der philo- 
sophischen Fakultät. Im Jahre 1800 bat Doctor Albreoht Heinrich 
Matth. Kochen, der in Jena promovirt war, die philosophische 
Fakultät in Kiel um die licentiam legendi, welche ihm unter der 
Bedingung gegeben wurde, dass er im Laufe des Sommersemesters 
pro licentia legendi disputire. Kochen versäumte die Disputation, 
kam in Streit mit der Fakultät, welche sich auf den Entwurf der 
Statuten von 1778 §13 cap. IV berief: Promotus in alia academia 
publice disputationem a se ipso conscriptam defendito pro facultate 
hie docendi obtinenda, nisi jam ante alibi id fecerit et aliter de 
eruditione sua satis constet. Die Regierung billigte das Verfahren 
der philosophischen Fakultät gegen Doctor Kochen, dessen Reden 
über die Bestimmung des Gelehrten Anstoss gegeben hatten.*) 
Auf Antrag der philosophischen Fakultät ward am 27. Februar 



•) Die Ablegung dieses Bekenntnisses wie die S. 65 erwähnte Verpflichtung 
werden durch non usus abgeschafft sein. 

*) In den neuen Schlesw.-Holstein. Provinzialberichten Jahrg. 1815 S. 114 
w^ird die philosophische Fakultät einer geheimen Denunciation gegen Doctor Kochen 
beschuldigt, als ob seine Grundsätze der Religion und dem Staat nachtheilig eeien. 
Die Anmerkung, in der dieses vorkommt, sagt gegen den Schluss: „Er arbeitet izt 
an einer Geschichte der Homiletik und sitzt dabei — in Wüster." Doctor Kochen 
war, als dieser Artikel erschien, Hauptprediger in Wilster. 



80 

1801 (Systemat. SammL derTeToidmiiigeii B. 4 8.471) bestnnint« 
da88, wer weder in Kiel nodi in Kopenhagen, sondern aof einer 
andern Universität den Doctorgrad erlangt hat, er mag Landes- 
kind oder Ausländer sein^ nm an der Kieler ümyersität eSaxäithe 
Vorlesungen in den theologischen, juristischen oder philo6<^liisciien 
Wissenschaften zu halten, sich der Fakultät, wozu seine Wissen- 
schaft gehört, zum Colloquio zu stellen habe, wofbr jeder Fakultät 
die Hälft» dessen, was ihr fär ein Examen statutenmässig gebohrt, 
zu vergüten ist. Bei diesem Colloquio und bei der Zulassimg 
der Tentirten zu Lehrvorträgen soll auch auf die Lauterkeit der 
Ghrundsätze und Lehrmeinungen Bücksidit genommen werden. 
Für die medicimsche Fakultät waren schon firüher ähnliehe Yor- 
schrifl^n ergangen. «) 

Für diejenigen Professoren, welche von einer andern Uni- 
versität nach Kiel berufen wurden und den Doctorgrad auswärts 
erhalten hatten, war, so viel ich sehe, eine Nostrification nidit 
erforderlich, lieblich war es lange Zeit, dass ein in Kiel neu 
eintretender Professor eine öffentliche Bede hielt. Dies geht aus 
den Catalogen der Vorlesungen hervor. Ln Jahre 1778 wurden 
diese Antrittsreden nicht mehr gehalten. 




Adjoncten der Fakultäten und Privatducentcn. 

In den Statuten der philosophischen Fakultät heisst es 
tit. I 8 : Quicunque ambiunt titulum adjunctorum facultatis, si in 
hac acadcmia magisterii dignitatem obtinuerunt, octo imperiales 
danto, et antequam admittantur ad nominis bujus usum, quatuor 
disputationibus, quonim ultima pro loco inter adjunetos inscribatur, 
publicum praesidis munus sustinento. 9) sin alibi ad magisterii 
dignitatem evecti atque in alüs academiis bene vixerint ac aliquoties 
disputarint praesidendb, facultati pro receptione inter adjunetos 
danto XII imperiales et tunc, habita disputatione pro adjunctura 
publica ac privata coUegia habendi petestatem, simulque locum 
ante omnes privates phUosophiae magistros habento. 



>) Systemat. Samml. B. 4 S. 468—470, 



81 

Ein Magister oder Adjuuct kann nach I 11. 12 ohne Zu- 
stimmung der Fakultät nicht disputiren, noch Privatcollegia halten. 

Auch in dem Rescript vom 17. Februar 1701 wird von den 
doctoribus, licentiatis und magistris verlangt, dass sie ihre Dispu- 
tationen der Censur der Fakultät unterwerfen. In dem Reglement 
vom 27. Januar 1707 VI wird bestimmt, dass, auclyver sich habilitirt 
habe, ohne Consens des decani keine privata coUegia anfange, 
und XVI, dass kein magister legens befugt sei, in der Stunde 
zu lesen^ worin ein professor philosophiae, zumalen in derselben, 
science lieset. Den ordinariis professoribus soll durch die Privat- 
docenten nicht unbilliger Weise zu nahe geschehen. 

In den gedruckten halbjährlichen Verzeichnissen der Vor- 
lesungen finden sich erst seit 1779 Vorlesungen der Privatdocenten 
angeführt, obgleich nachweislich früher Privatdocenten in Kiel 
Vorlesungen ankündigten. In dem index von 1784 finde ich zuerst 
einen Adjuncten, den Mathematiker Frid. Valentiner, vor den 
andern Privatdocenten aufgeführt; der Jurist Thibaut kommt 
17§f unter den doctoribus privatis, 1797 als adjunctus ordinis 
juridici vor. H. Steffens findet sich 17 gj unter den privatis, 
1799 als Adjunct. F. Christoph Dahlmann kündigte in dem 
index 18|J, nach dem medicinischen Adjuncten Hargens, vor den 
doctores privati seine Vorlesungen an. Das Verhältniss der 
Adjuncten zu den andern Privatdocenten dürfte wohl bloss darin 
bestanden haben, dass die ersteren vor den zweiten genannt wurden. 
Dahlmann erklärte freilich bei seiner Anzeige, dass er ein munus 
extraordinarium jussu regis übernommen habe. 

Habilitatioii. 

In den Vorschriften für die Kieler Universität finde ich 
keine über die Habilitation, die wenigstens in neuerer Zeit auf 
andern Preussischen Universitäten gelten und nach denen der 
Promovirte nicht wegen der Ertheilung des Grades Vorlesungen 
halten kann, sondern die licentia legendi erst durch einen beson- 
dem Act erwerben muss. Nach den Statuten der Bonner evan- 
gelisch theologischen Fakultät darf Keiner in den ersten zwei 
Jahren nach vollendetem akademischen triennio als Privatdocent 
zugelassen werden. Für Mediciner müssen nach dem akademischen 

6 



82 

quadrieimio zwei Jahre verlaufen sein. Aussei*dem ist eine Probe- 
Yoriesimg vor der Fakultät zu halten und ein Colloquium zu be- 
stehen,) detneine öffentliche Antrittsvorlesung folgt. Die Habilitation 
ist gratis^ wenn ein in Bonn Promovirter sich habilitirt. Koch, 
die Preussischen Universitäten B. 1 S. 251. 259. Im Jahre 1841 
trug die philos^hische Fakultät in Kiel bei der Oberbehörde 
darauf an, zu bestimmen, dass die licentia legendi nicht in der 
Ertheilung des Doctorgrades liege, sondern das Recht, Vorlesungen 
zu halten, besonders erworben werden müsse. Die Bitte ward 
1851, 1854 und später wiederholt. Am 14. October 1869 ist von 
dem Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Ange- 
legenheiten ein Reglement fllr die Habilitation von Privatdocenten 
der philosophischen Fakultät der Universität zu Eael erlassen : 
„1) Die Befugniss, als Privatdocent Vorlesungen innerhalb der 
philosophischen Fakultät der Universität Kiel zu halten, wird 
fortan durch die Promotion zum Doctor allein nicht erworben, 
vielmehr ist dazu eine besondere Habilitation Seitens der Fakultät 
erforderlich. 2) Das Gesuch um Zulassung zur Habilitation ist 
bei dem Dekan, unter Einreichung des von einer philosophischen 
Fakultät einer deutschen Universität nach rite erfolgter Promotion 
ausgefertigten Doctordiploms und der Doctor-Dissertation, anzu- 
bringen. In demselben sind die Disciplinen zu bezeichnen, fiir 
welche die venia docendi erbeten wird. 3) Die Zulassung zur 
Habilitation darf nur erfolgen, wenn seit der Promotion mindestens 
zwei Jahre verflossen sind. In besondem Ausnahmefilllen katm 
auf Antrag der Fakultät der vorgesetzte Minister hiervon dispen- 
siren. 4) Der Bewerber um die venia docendi hat, ausser der 
Doctor-Dissertation (2), eine entweder bereits gedruckte oder, 
nach erfolgter Approbation Seitens der Fakultät, zu druckende 
wissenschaftliche Arbeit, welche Beherrschung des geg^iwärtigen 
Standes seiner Wissenschaft in einer selbstständigen Forschung 
ausweist, der Fakultät vorzulegen. Die Wahl der Sprache ist 
dem Verfasser fireigestellt. 5) Ist die eingereichte Arbeit von 
der Fakultät als den obigen Ansprüchen genügend erachtet worden, 
so hat der .Bewerber vor der Fakultät eine deutsche Vorlesung 
über ein wissenschaftliches Thema zu halten^ welches dieselbe 
aus drei vom Candidaten vorgeschlagenen ausgewählt hat. 6) Dieser 
Vorlesung folgt ein Colloquium vor der Fakultät oder vor den von 



83 



ihr dazu erwählten Mitgliedern unter dem Vorsitz des Dekans in 
denjenigen DiscipUnen, für welche die Habilitation nachgesucht 
worden. Bei den auf einer nichtpreussischen Universität Promo- 
virten tritt eine Erweiterung des CoUoquium ein behufs Erforschung 
der allgemeinen wissenschaftlichen Ausbildung des Bewerbers. 
7) Von den nicht Seitens der philosophiscjien Fakultät in Kiel 
Promovirten ist für die Habilitation die bei der dortigen Promotion 
üljliche Abgabe an die Universitätsbibliothek zu entrichten. Von 
den auf einer nichtpreussischen Universität Promovirten wird die 
Hälfte der dortigen Prömotionsgebühren erhoben» 8) Ergänzungen 
und Abänderungen so wie die Aufhebung dieses Reglements bleiben 
vorbehalten.'' 



Lehrer neuerer Sprachent 

Die Kieler Universität hat von ihrem Beginn an Lehrer 
der neueren Sprachen, besonders der französischen gehabt. Diese 
Lehrer waren zum Theil Lectoren, theils Professoren. Da in 
dem Herzogthum Schleswig in mehreren Districten die Kirchen- 
und Schulsprache die dänische ist, musste es angemessen erscheinen, 
auf der Kieler Universität für den Unterricht in dieser Sprache 
Vorsorge zu treffen. Dass den Einwohnern des nördlichen Schleswig 
die dänische -Schriftsprache verständlich und das Verhältniss der 
Schleswigschen Dialekte zur dänischen Schriftsprache kein anderes 
ist, als das der jütischen und seeländischen Volkssprachen, hat 
Falck gewiss mit Recht behauptet. Wir müssen hier den Sprach- 
streit *) übergehen. Im Jahre 1781 ward Holger de Eine Olivarius 
als ausserordentlicher Professor des dänischen Rechts und der 
dänischen Sprache in Eüel angestellt, er war oft von hier abwesend 
und ward 1825 mit Pension entlassen« Am 5. Januar 1811 ward 
der Dichter Baggesen zum ausserordentlichenProfessor der dänischen 



') Ratjeo, Zar Kenntniss der politischen Literatur in Beziehung auf die 
Herzogthtimer in Aegidi's Zeitschrift liir deutsches Staatsrecht H. 4 S. 485 n. folg. 

6* 



84 

Sprache nnd Literatur ernannt, er wünschte die Anstellung eines 
Lectors der dänischen Sprache^ erhielt 1814 auf seinen Wunsch 
seine Entlassung. Im Jahre 1814 ward der Candidat H. C. Götzselie 
zum Lector ernannt. Mit kurzen Unterbrechungen ist auf der 
Kieler Universität stets ein Lehrer der dänischen Sprache gewesen. 



Vorlesungen« 

Nach den allgemeinen Statuten der Kieler Universität vom 
2. April 1G66 de docentibus soll ^jeder Professor vier Stunden 
in der Woche lesen, es wäre denn, dass Festtage, promotiones 
oder andere erhebliche Nothwendigkeiten einfielen''. Zu Ende 
jedes Monats soll ^jeder Professor ein Yerzeichniss bei seinem 
decano einschicken, und was er jedesmal prästirt, darin specificiren 
auch, da er einige Stunden versäumt, die Ursache dessen hinzu- 
thun, welche Monatszettel alle Quartal publice in pleno senatu 
verlesen und nachgehends dem directori magnificentissimo nebst 
den gehaltenen disputationibus überschickt werden sollen, da sich 
dann bei vorfallender Visitation, dass von einem oder andern 
etwas versäumet befinden möchte, und die causae und praetextus 
von denen dazu verordneten fürstlichen Deputirten nicht ange- 
nommen würden, seynd sie ein gewisses Geld" für jede solche 
Stunde am salario abzuziehen befugt. '^ 

Im Jahr 1668 erfolgte die erste Visitation der Universität 
durch Johann Adolf Kielmann von Kielmannseck, Friedrich 
Christian Kielmann von Kielmannseck und Andreas Gramer. 
In der darauf erfolgten hochfllrstlichen Resolution*) heisst es: 
8) „dass für jede verabsäumte Lection von dem salario, ohne 



*) Handschrift S. H. 179 A S. 43. Vielleicht hängt mit dieser Vorschrift 
die Einrichtung zasammen, dass die indices von 1668 an aasser den lectiones im 
nächsten Semester habendae oder operae impendendae auch die absolutae enthalten. 
Dies geht fort bis 1772. Die Anzeigen sind in älterer Zeit oft ungenau. Ans einem 
Ucsci'ipt vom 9. Decbr. 1673 sieht man, dass jedem Professor die Stunde, in der 
er lesen solle, in seiner Bestallung assignirt war. 



85 

jenige dispensation ein halber Rthlr. abgezogen werde, immassen 
dasselbe auch auf etlichen andern Academien Herkommens und 
gebräuchlich ist.'' 10) „soll ein jedweder professor nebst der ihm 
incumbirenden lectione publica auch allemal ein privatum, sive 
lectorium sive disputatorium coUegium halten und nachdem Dr. 
S. H. Sannemann, M. Nicol. Mauritius und Dr. Curtius ^) es daran 
und sonst an Vielem ermangeln lassen, so wollen I. F. Durchl. 
hiemit dieselbe abgestellet und hingegen — ". 

Nach einem Rescript vom 10. August 1671 n. 12 (Hand- 
schrift S. H. 175 A. S. 1 19) soll das wegen versäumter Vorlesungen 
abgezogene Geld aufgehoben und bei der Rectoratswahl zur Hälite 
allen professoribus und zur andern Hälfte den professoribus ejusdem 
facultatis accresciren, zu welcher der Säumige gehört. 

In dem Reglement vom 27. Januar 1707, welches der 
Administrator Christian August, Vormund des unmündigen Her- 
zogs Carl Friedrich, auf Vorschlag der perpetui visitatores M. 
von Wedderkop und H. Muhlius publiciren liess, ist § in die 
Vorschrift von 1668 im Allgemeinen wiederholt und bestimmt: 
„Auf dass man eines jeden professoris Fleiss desto besser ver- 
sichert werde, soll jeder professor hinkiinftig nicht in seinem 
Hause, sondern so wohl des Winters als des Sommers, es sei 
denn, dass die Kälte zu gross und die docentes so wenig als dis- 
centes sich davor bergen können, seine lectiones publicas in dem 
auditorio publico auch publice verrichten.'' Nach dem Beglement 
der Visitations-Commission vom 9. Januar 1725 Anl. B. n. 8 und 
n. 10 soll der Pedell *) die Lectionen täglich in ein Buch schreiben 
und filr jede versäumte Lection dem Professor der zweihimdertdte 
Theü des Salairä abgezogen werden. Die juristischen Professoren 
sollen nicht advociren, practiciren, Gericht halten u. s. w., die 
medicinischen nicht ausser der Stadt practiciren. 



') Curtius kommt in der indices nicht vor, nach Torquati inaugtiratio p. 80 
und MoUer, Cimbria literata II p. 159 war AL Carl Curtius juris et med. doctor 
Gallicae et Italicae linguarum prof. extraordinanus. 

^) Handschrift S. H. 175 A. 553. Die Vorschrift, dass der Pedell die Aufsicht 
führe, vom 10. August 1671 ward am 31. August 1671 aufgehoben, die eidliche 
Angabe des Professors solle genügen; 1724 und 1725 ward wieder der Pedell mit 
der Notirung beauftragt. Nach einem Reglement von 1725 sollen alle Beglectengelder 
der Bibliothek zufallen. S. H. 175 A S. 573. 



86 

Die Professoren werden in mehreren Verfugungen erinnert, 
die Vorlesungen zeitig zu absolviren. Wedderkopfif, wie er in den 
indices heisst, oder Wedderkopp, der Professor codicis, las fiinf 
Semester an Buch 1 — 42 der Pandekten. Nach dem Rescript 
vom 17. Februar 1701 sollen die Institutionen alle halbe Jahre 
beendigt, die Pandekten alle Jahre publice so wohl im Lesen 
als Disputiren zu Ende gebracht werden. Der codicis professor 
soll alle Jahr ad ductum oder methodum Cujacii oder eines andern 
berühmten Scribenten die ersten neun Bücher absolviren. Nach 
dem Reglement vom 27. Februar 1707 sollen § IV, wegen Selten- 
heit der Studiosorum medicinae, deren professpres, so viel möglich, 
daran sein, ihtb lectiones ordinarias solcher Grestalt einzurichten, 
dass auch der andern Fakultäten Studiosi Nutzen davon haben 
können. 

Nach der Instruction der Curatoren der Universit&t von 
1775 für Graf Detlev Reventlow '), 1800 für GrafFr.Reventlow, 
1820 für Graf Brockdorff *), 1855 für den Kammerherrn Kauff- 
mann *) haben diese darauf zu achten, dass kein Theil der Wissen- 
schaften unvorgetragen bleibe, dass die nöthigen Vorlesungen in 
gehöriger Folge gehalten und möglichst in einem halben Jahre 
absolvirt werden. In den öffentlichen Vorlesungen sollen nicht 
Abschnitte der zu einer Privatvorlesung bestimmten Wissenschaft, 
sondern einzelne Theile für sich behandelt werden. Die Ver- 
zeichnisse der zu haltenden Vorlesungen sollen von den Fakultäten 
berathen und zeitig zur Genehmigung eingesandt werden. Am 
Schluss jedes Semesters ist ein Verzeichniss der gehaltenen Vor- 
lesungen einzuschicken mit Angabe der Zahl der Zuhörer, wobei 
über die angekündigten nicht gehaltenen Lectionen die Gründe 
anzugeben sind^ weshalb sie nicht gehalten worden. 

Nach der Instruction des Curators vom 13. Januar 1820 
§ 8 hat der Ourator es möglichst zu begünstigen, „dass junge 
Gelehrte von allen Fakultäten, sie mögen bereits promovirt sein 
oder nicht, auf eine den Statuten gemässe Weise Vorlesungen 
halten und Repetitoria, Examinatoria und Disputirübungen mit 
den Studirenden anstellen. Diejenigen, welche sich hierin aus- 



') Chronol. 8amml. 1820 n. 30. Systemat Samml. IV. 36^9. Qesetz- und 
Ministerialblatt für Holstein und Laueubiirg 1855 S. 117. 



87 

zeichnen, können erwarten, Uns von dem Curator besonders 
empfohlen zu werden." In einzelnen Fällen, z. B. für das 
Semester 18^ J, hat der Ourator einem Doctoranden vor Absolvirung 
des Doctorexamens Vorlesungen gestattet, wie in früherer Zeit 
Einzelnen Vorlesungen zu halten, mit der später zu erfüllenden 
Aufgabe der Disputation erlaubt wurde. Schon in der Curatel- 
instruetion vom 26. October 1775 findet sich § 7 (Statut. II. d. 8) 
und in der Instruction vom 4. April 1800 § 6 eine ähnliche Be- 
stimmung. 

Die Studirenden sollen nach wiederholten Vorschriften 
weder zu akademischen noch Amtsprüfungen zugelassen werden, 
ohne ein Abgangszeugniss von der Universität zu produciren. *) 
Auch ward am 13. April 1787 verordnet, dass die studirenden 
Juristen Vorlesungen über die Philosophie, Mathematik, die 
Ileichshistorie und das jus publicum hören sollten. Jedoch ward 
Keiner, wenn auch in seinem Abgangszeugnisse von der Universität 
wesentliche Vermisse hervorgehoben wurden, von der Prüfung 
ausgeschlossen. Es kam bei dieser nur darauf an, ob der Candidat 
die erforderlichen Kenntnisse besitze, ohne darauf zu sehen, ob er 
sich diese durch Vorlesungen oder sonst angeeignet habe. Das 
akademische Consistorium erliess am 2. April 1796 eine Bekannt* 
machung, betreffend den Studienplan für die Studirenden aus 
allen Fakultäten, am 12. October 1857 ward ein etwas veränderter 
Studienplan von dem akademischen Consistorio bekannt gemacht. 
Beide Bekanntmachungen sind Bathschläge der akademiachen 
Lehrer an die Studirenden. 



'} Verordnung vom 26. Ootober 1775, 2. September 1783, 29. April 1796, 
12. Angast 1834. Ueber die für die Prcussischen Universitäten im Jahre 1825 
vorgeschriebeneo Abgangs- und Sittcnzengniise giebt Bonne , das Unterrichtswesen 
B. 2 S. 602—606 Auskunft. 



88 



Disputationen. 

Dass in früherer Zeit grosser Werth auf das Halten von 
Disputationen gelegt wurde, ist bekannt. ') Was früher zu viel 
geschah, geschieht in jetziger Zeit wohl zu wenig. Ausser der 
Theilnahme an Seminaren haben die Studirenden zu wenig Ge- 
legenheit, aus ihrer Receptivität hervorzutreten. Herzog Friedrich 
recommandirte in seinem Rescript vom 17. Februar 1701 den 
professoribus in denen PrivatcoUegiis die collegia examinatoria 
aller Fakultäten ernstlich. Damit der Fleiss durch öflfentliche 
specimina kund werde, befiehlt der Herzog, dass man den Sonn- 
abend den exercitiis publicis widme, an welchem aus allen Fakul- 
täten öffentliche actus sollen filrgenommen werden; Vormittags 
soll facultas theologica durch einen geschickten Studiosum in der 
Klosterkirche predigen lassen, nachdem zuvor die Predigt von 
einem professor theologiae übersehen und censirt worden. Die 
facultas juridica soll einen Gerichts-terminum ansetzen, imd die 
jungen Leute gründlich anweisen, wie im Gericht zu verfahren, 
die facultas medica soll einen chemischen Process zeigen, eine 
section oder demonstratio plantarum etc. darlegen, facultas philo- 
sophica soll Nachmittags ein experimentum physicum oder demon- 
stratio mathematica oder eine schöne ovation oder ein gut Carmen 
recitiren lassen. 

Der Herzog will die Zahl der publicarum disputationum 
vermehrt wissen, alle Woche soll auf herzogliche Kosten eine 
disputatio publica von zwei Bogen gedruckt, von denen studiosis 
Mittwochens von 9-11 nach Ordnung der Fakultäten (so dass 
jede Fakultät in einem Monat einmal disputire) gehalten werden, 
Mittwochen Nachmittag soll eine Bücher - Conference angestellt 
werden. Nach dem Reglement vom 24. Januar 1707 sollen die 
disputationes Fridericianae alle vierzehn Tage gehalten und wohl 
elaborirte disputationes von 4 bis 5 Bogen auf öffentliche Kosten 



') W. Wl. Tomek, Geschichte der Prager Universität, Prag 1849, S. 31. 
Zamcke, ^\^ St^tutephüpher der Umyersitftt Leipzig, Leipzig 1861, S. 308. 453. 



89 



gedruckt werden. Die Fridericianischen Disputationen konnten 
von 1732 bis 1742 aus Mangel an Geld nicht gehalten werden.*) 

Nach dem genannten Rescript von 1701 sollen bei Antritt 
eines neuen decani alle studiosi theologiae durch ein programma 
zusammen gerufen und öffentlich examinirt, einVerzeichniss der Aus- 
gebliebenen, der Unwissenden und der recht Fleissigen soll an den 
Herzog eingesandt werden. Nach dem Reglement vom 27. Jan. 1707 
XI. soll das 1701 verordnete Examen alle halbe Jahr bei Ver- 
änderung des Prorektorats bewerkstelligt werden, doch so, dass 
wenigstens alle und jede einheimische studiosi theologiae, die 
Beförderung in hiesigen Landen hoffen, insonderheit die Con- 
victoristen von der ganzen theologischen Fakultät und deren 
membris mit Zuziehung der philosophischen, und falls einige 
juris oder medicinae studiosi vorhanden, auch der decanorum 
übriger Fakultäten durch ein programma ad consistorium vorge- 
laden und ratione laborum et morum mit Fleiss daselbst exami- 
niret, auch ihnen sampt und sonders eine gewisse Anweisung 
gethan werden, wie sie in dem halben Jahre u. s. f. ihre labores 
und methodum studiorum ordentlich einzurichten — . 

Die Fridericianischen Disputationen sind längst eingegangen ; 
ausser den bei Promotionen von dem Doctoranden zu haltenden 
Disputationen sind in Kiel keine andern üblich. Auch die genannten 
Prüfungen sind weggefallen. 



Seminare. 

Nach dem Austausch des vormals grossfürstlichen Antheils 
von Holstein, durch welchen die Kieler Universität für beide 
ganze Herzogthümer Landesuniversität wurde, geschah von der 
Königlichen Regierung Manches zur Förderung der Studien auf 
dieser Universität. Wir zählen dahin das 1775 errichtete homi- 
letische Seminar, über welches Professor Köster in seiner 
Greschichte des Studiums der praktischen Theologie auf der Uni- 



') Batjen, Dreyer and Westphalen S. 40. 



90 

versität Kiel 1825 Naohriisht gegeben bat, die Kirchenrath Lude-v 
mann in der Chronik der Universität für 1854 vervollständigte. 

Ueber das 18H5 errichtete katechetische Seminar hat 
Lüdemann in der üniversitätschronik für 1855 Nachricht gegeben. 

Zu dem philologischen Seminar ward 1777 der Grund 
gelegt, indem der König ein Stipendium von 200Rthlr. für ein- 
geborne studiosos, die auf der Universität Kiel sich den Schul- 
wissenschaften widmen, aussetzte. Der damalige Erbprinz Friedrich 
erhöhte dieses Stipendium. Professor Ourtius hat in der Chronik 
der Universität für 1855 S. 37 — 41 Nachricht über dieses Seminar 
gegeben. Durch manche Streitigkeiten des Professors der Philo- 
logie Heinrich ward das 1810 gestiftete philologische Institut eine 
Zeitlang am Portschreiten gehemmt, aber, wie Curtius hervorhebt, 
nach Heinrichs Weggang im Jahre 1818 ward das philologische 
Seminar, wie es 1820 hiess, durch A. Twesten wesentlich gefordert. 

Das Statut für das pädagogische Seminar ist gedruckt 
in dem Gesetz- und Ministerialblatt für 1855 Stück 42 S. 377. Der 
Director hat alle Jahre über den Stand und die Erfolge des 
Seminars einen Bericht an das akademische Consistorium zu er- 
statten. 



Das Spruchcollegium. 

Die hiesige juristische Fakultät war von Beginn der Uni- 
versität an als Spruchcollegium thätig. Die Universitätsbibliothek 
hat mehrere von Dreyer und Falck für das Kieler Spruchcollegium 
geschriebene responsa. (Verzeichniss der Handschriften, welche 
die Herzogthtimer betreffen, B. 2 S. 151 — 152.) Ein Eeglement 
für das Spruchcollegium vom 19. November 1783 ist gedruckt in 
der Systemat. Samml. IV S. 395 — 409. Nach der Instruction 
des Curators vom 13. Juni 1820 soll diesejs Collegium alle halbe 
Jahr ein Verzeichniss der eingekommenen, expedirten und rück- 
ständigen Acten an den Curator senden. Nach der Instruction 
des Curators vom 9. Mai 1855 (Gesetz- und Ministerialblatt 1855 
S. 119) soll diese Einsendung vierteljährlich erfolgen. Durch den 



V- 









jr X 



91 

Beschluss der Bundesversammlung vom 13. Novbr. 1834, welchen 
die Kanzlei dem SpruchcoUegium mittheilen liess (Chronolog. 
Samml. 1834 S. 580), wurde die Versendung der Acten auf Civil- 
streitigkeiten beschränkt. Für die Herzogthümer war dies schon 
früher geschehen (ßatjen, Dreyer und Westphalen S. 104 — 105), 
und in der Gerichtsordnung für das Oberappellationsgericht vom 
15. Mai 1834 heisst es g 11: Die Verschickung der Acten an ein 
SpruchcoUegium .zum Einholen des Urtheils findet weder von 
Amts wegen, noch auf den Antrag der Partheien statt. In den 
meisten deutschen Ländern ist die Actenversendung zur Fällung 
eines Urtheils abgestellt werden, und beschränkt sich die Thätigkeit 
der SpruchcoUegien auf Gutachten. 



XV. 

Die Universitätsbibliothek. 

Wegen der Kieler Universitätsbibliothek darf ich verweisen 
auf mein Fragment zur Geschichte dieser Bibliothek in (A. Nie- 
mann's) Chronik der Universität Kiel vom Jahre 1831 S. 41, 
auf mein Verzeichniss der Handschriften der Kieler Universitäts- 
bibliothek, welche Schleswig und Holstein betreffen, B. 1. 2. 3. 
Kiel 1847 — 1866, so wie auf zwei 1862 und 1863 von mir er- 
schienene Programme zur Geschichte der Kieler Universitäts- 
bibliothek, die auch in den Universitätschroniken dieser Jahre 
stehen» Ich habe in diesen Programmen die Druck- und Hand- 
schriften der ehemaligen Bordesholmer Klosterbibliothek ver- 
zeichnet und weitere Nachrichten über die Universitätsbibliothek 
und die auf dieselbe sich beziehende Literatur gegeben. Berichte 
über einzelne Jahre finden sich in der seit 1854 herausgegebenen 
Chronik der Universität. Zu der bibliotheca Bordesholmensis, 
der bibliotheca der Nicolai - Kirche in Eäel und der Utinensis, 
welche bei der Stiftimg der Universität derselben gegeben wurden, 
kamen bald die Doubletten der reichen bibliotheca Gottorpiensis, 
die von Friedrich Andreas Cramer, Johann v. Clausenheim und 
Joh. Cruse geschenkten Sammlungen. Diese sieben Bibliotheken 
wurden lange separat gehalten. 



92 



1. 




DieEinnahmen der Bibliothek waren lange Zeit etwas ungewiss. 
1) Die Neglectengelder, welche die Professoren wegen versäumter 
Vorlesungen zu zahlen haben, fallen nach dem Reglement vom 9. Jan. 
1725'der Bibliothek zu, welche 2) einen Thdil der Inscriptionsgelder, 
nach derGleichstellung derAdeligen und Bürgerlichen 1 ^ oder 12Spr.^ 
von jedem Inscribirten erhält, so wie 3) die Hälfte der akademischen 
Strafgelder. 4) Jeder neu ankommende Professor hat 12 Rthlr. 
oder 14| Thlr, Pr. an die Bibliothek zu zahlen *), so wie 5) jeder 
Doctor oder Licentiat der drei ersten Fakultäten bei der Promotion 
8 Rthlr. oder 9 Thlr. 18 Sgr., jeder Magister 4 Rthlr. oder 4 Thlr. 
24 Sgr. Die erst angeführte Einnahme ist später weggefallen, sowie 
die Bestimmung vom 9. Januar 1725, dass jeder Studirende für 
sein Abgangszeugniss ein Rthlr. Cour, an die Bibliothek zahle, 
falls er bei Mitteln sei. Einige Vortheile erhielt die Bibliothek 
durch die Verpflichtung der Buchdrucker, ein Druckexemplar zu 
liefern. Die Universität hatte von Anfang einen privilegirten 
Buchdrucker, dem auch etliche Jahre der Buchhandel concedirt 
war. Ihm ward 1698 halbe Hausfreiheit bewilligt und bis 1725 
jährlich 100 _^. Von seinen Druckschriften musste der Buch- 
drucker ein Exemplar an die Universitätsbibliothek geben und 
nach ursprünglicher Anordnung die Programme und Lections- 
kataloge ohne Entgeld drucken, was später beschränkt wurde, 
dann ganz wegfiel. Durch eine vereinbarte Taxe wurden die 
Druckkosten bestimmt und angeordnet, dass das Papier nach 
dem Einkaufspreise zu berechnen sei. Der Drucker erhielt ein 
Privilegium auf den Druck aller Disputationen und Programme, 
die von akademischen Jurisdictionsverwandten geschrieben worden, 
so wie auf den Druck der Verzeichnisse von Bücherauctionen. 
Die Verpflichtimg der Drucker, ein Exemplar an die Kieler 
Universitätsbibliothek zu liefern, ward 1725 auf alle Buchdrucker 
in dem grossfürstlichen Theil der Herzogthümer ausgedehnt. 
Durch die Verordnimg vom 3. Juni 1800 ward bestimmt, dass 
zum Betrieb der Buchdruckerei landesherrliche Bewilligung er- 
torderlich sei. Das Patent vom 18. Mai 1822 bestimmte, ^dass 



') Vergl. conclasum consistorii 18. Septbr. 1799. 






93 



'alle Diejenigen, welchen in Zukunft allerhöchste Privilegien auf 
Buchdruckereien und' Buchhandlungen in den Herzogthilmem 
Schleswig und Holstein hewilligt werden möchten, verpflichtet 
sein sollen, ein Exemplar von allen bei ihnen gedruckten oder 
von ihnen verlegten Schriften an die Universitätsbibliothek zu Kiel 
am Ablauf jedes Jahres kostenfrei einzusenden." ') Dass die 
Buckdruckereien in den Herzogthümem zwei Exemplare ihrer 
Drucksachen an die grosse Königliche Bibliothek in Kopenhagen 
liefern sollten, war 1781 am 19. Januar und 1785 am 15. Januar 
vorgeschrieben worden. Durch die Verordnung vom 27. Decbr. 
1842 (Chronolog. Sammlung S. 677) ward der Buchhandel in den 
Herzogthümem fdr ein freies bürgerliches Gewerbe erklärt, er- 
forderlich sei jedoch eine vorherige Anzeige an die Polizeibehörde. 
In der Bekanntmachung des Königlichen Oberpräsidii vom 25. 
October 1867, welche den Druckern der Herzogthümer die Ver- 
pflichtung auferlegte, ein Exemplar ihrer Druckschriften an die 
Königl. Bibliothek in Berlin einzusenden^ wird bemerkt, „dass 
es in Betreff der Verpflichtung der Buchdrucker und Buchhändler 
der hiesigen Provinz, ein Exemplar von allen bei ihnen gedruckten 
und verlegten Schriften an die hiesige Universitätsbibliothek vor 
Ablauf eines jeden Jahres kostenfrei einzusenden, bei dem Patent 
vom 18. Mai 1822 bewendet, welches durch die Einführung des 
Pressgesetzes vom 12. Mai 1851 in der hiesigen Provinz nicht 
für beseitigt zu erachten ist."*-*) 

Die Universität Kiel hatte wenigstens seit 1770 einen 
privilegirten Universitätsbuchhändler. Dieser erhielt ein jähr- 
liches Honorar von 40 Rthlr., später 100 ßthlr. Cour. jälurUch 
und halbe Hausfreiheit, er ward verpflichtet, jährlich ein Buch 
von 3 ßthlr. Werth und ein Exemplar seines Verlags an die 
Universitätsbibliothek zu liefern, ein gutes Assortiment von 
Büchern zu halten. Er hatte bis 1832 das B/Ocht, dass die 



Systemat Samml. IV S. 478. 

') Verordnungsblatt iiir Schleswig-Uolstein 1867 S. 119 t u. 1332. Gesetz- 
Sammlang 186? S. 922. In dem Gesetz vom 12. Mai 1851 S. 273 heisst es $ 6: 
An der bisherigen Verpflichtang des Verlegers, zwei Exemplare seiner Verlagsartikel, 
eins andie Königliche Bibliothek in Berlin, das andere an die Bibliothek der Universität 
der Provinz, in der er wohnt, onentgeldlich einzusenden, wird nichts geändert. 



94 

Universitätsbibliothek neue Büdier nur von ihm kaufe, er habe 
dieselben auTs Wohlfeilste zu verschaffen. Später ward dem 
Universitätsbuchhändler aufgelegt, die Besorgung der zum Aus- 
tausch mit andern Universitäten bestimmten akademischen Sctirifteii 
zu übernehmen, ohne für seine Mühewaltung etwas in Rechnung' 
zu stellen. Das Honorar von 100 Rthlr. Cour, oder 160 Thlr. 
ist nach 1837 weggefallen. 

Nach dem Reglement vom 9. Januar 1725 sollten fremde 
(nicht Kieler) Buchhändler, die in den Märkten in Kiel Bücher 
verkaufen wollten, vorher ein Buch von wenigstens 3 Rthlr. Cour. 
Werth an die Universitätsbibliothek geben. Diese Bestimmung 
ist ausser Gebrauch gekommen. „Alle professores, theologi und 
Gelehrte, die ein scriptum in unsem Hertzogthümem ediren, 
sollen ein sauberes Exemplar an die Bibliothek einliefern'' nach 
dem mehr erwähnten Reglement von 1725. Am 16. Octbr. I'i99 
empfahl das akademische Consistorium den Lehrern der hiesigen 
Universität dringend, von dem, was sie haben drucken lassen 
und ferner in Druck geben werden, ein Exemplar, in so fem es 
in Ansehung des schon längst Gedruckten noch möglich ist, der 
hiesigen Universitätsbibliothek zu schenken. 

So lange das Geldwesen der Universität nicht geordnet war, 
der Bibliothekar die Bibliothekkasse führte, gingen die 12 Rthlr. 
Accessionsgeld, welche jeder neue Professor an seinen Collegen, 
den Bibliothekar, zu zahlen hatte, unregelmässig ein. Auch als 
1783 der Quästor *) die Bibliothekskasse führte, gingen die Zahl- 
imgen nicht immer regelmässig ein. Das Consistorium beschloss 
deshalb am 18. Septbr. 1799, dass die 12 Rthlr. Acoessionsgeld 
nach Anweisung von dem Gehalt des Schuldners abzuziehen seien» 
Dass jeder Licentiat der Medicin die am 9. Januar 1725 vorge- 
schriebenen 8 Rthlr. zu zahlen habe, ward 1836 von der Kanzelei 
anerkannt. 

Im Jahre 1770 erhielt die Bibliothek eine feste jährliche 
Einnahme von lOORthln*), ausserdem seit 1740 durch den Ver- 
kauf von Doubletten ein kleines Capital. Nach dem Austausch 
des grossfürstlichen Holsteins erhielt die Kieler Bibliothek 1773 



^) Systemat. Samml. IV S. 412. Statut. Vol. I S. 795. 826. 
'; Systemat. Samml. IV S. 413. 



95 

die Doubletten der Königlichen Hand-Bibliothek zum Geschenk 
und wiederholt ausserordentliche Geldgeschenke. Den Ankauf 
der bedeutenden WolflTschen Bibliothek im Jahre 1784 habe ich 
fichon oben (S. 27)erwfthnt. Zum Ankauf auf der Auction der Bücher 
des verstorbenen Kanzlers Gramer, des Archiator Hensler, des 
Professor Wiedemann und des Juristen Gramer wurden 1790, 
1806. 1834 und 1841 nicht unbedeutende Summen bewilligt. 
Das annuum der Bibliothek ward 1801 erhöht zu 1000 Rthlr. 
Cour. (1200 Thlr: Pr.>. Am 23. April 1811 ') wurden lOOBthlr. 
zur Anschaffung dänischer Bücher bewilligt, Professor Baggesen 
sollte die Auswahl machen. Die Bücherrechnung sollte mit Attest 
versehen an die Schlesw.-Holstein. Kanzelei eingesandt werden. 
Einige Jahre ward dieses Geld nicht verwandt und am 22. Decbr. 
1820 gestattet, für den vierten Theil dieser Summe schwedische 
und norwegische Bücher zu kaufen. Die Summe ward später 
nicht gezahlt, jedoch für 1853 zur Anschaffung dänischer Bücher 
300 Rbthlr. (225 Thlr. Pr.), 18^8 zum Ankauf naturhistorischer 
Werke 800 Rbthlr. (600 Thlr. Pr.) bewilUgt. Von den Besitzern 
adeliger Güter erhielt die Bibliothek aus den Zinsen des Zoll- 
fonds 1840 100 Rthlr. Cour, und 1844 200 Rthlr. Nach dem 
Kanzeleipatent vom 18. Septbr. 1821 (Systemat. Samml. IV S. 514) 
haben, wie schon oben S. 21 erwähnt worden. Diejenigen, welche 
durch Allerhöchste Bewilligung von dem vorschriftsmässigen zwei- 
jährigen Aufenthalt auf der Universität zu Kiel befreit werden, 
eine nach Maassgabe ihrer Vermögensumstände und der an dem 
zwe\jährigen Aufenthalt fehlenden Zeit eine in jedem einzelnen 
'*Fall Allerhöchst zu bestimmende Recognition an die Kieler Uni- 
versitätsbibliothek zu erlegen. Die zu zahlende Summe ward 
später von dem Gurator bestimmt. In den Jahren 1839 bis 1850 
wurden von einzelnen Studirenden 56 Rthlr., 20 Rthlr., 31 Rthlr., 
30 Rthlr., 50 Rthlr. Gour. an die Bibliothekskasse bezahlt. Von 
1864' bis 1867 wurde, abweichend von dem genannten Patent, 
die zu zahlende Summe regelmässig zu 10 Rthlr. Gour. bestimmt. 
Die Bibliothekskasse erhob in dem Rechnungsjahr vom L April 
1865 bis 31. März 1866 von zehn Dispensirten 100 Rthlr. Gour. 



^) Chronolog. Samml. der Verordnungen 1811 S. 71. 



96 

Durch die Aufhebung dieser Recognitiou wegen des Dispenses 
a biennio hat die Universitätsbibliothek also eine nicht ganz un- 
bedeutende Einbusse erlitten. 

In dem Budget und dem Normalreglement flir 1841, durch 
welche zuerst öfifentlich in's Einzelne gehende finanzielle Nach- 
weisung gegeben wurde, ist S. 187 ausgesprochen, dass die bisher 
für die Kieler Universitätsbibliothek aus der Staatskasse gezahlten 
1600 Rbthlr. (1200 Thlr Pr.) nicht genügten, die Summe ward, 
wie S. 188 zeigt, zu 2640 Rbthlr. erhöht, von denen auch die 
Besoldimgen eines Gehülfen, eines Schreibers und eines Boten, 
zusammen 400 Rbthlr., abzuhalten. Aus der 1843 publicirten 
Rechnungsübersicht für das Jahr 1841 S. 183 und 184 ergiebt 
sich, dass für das letztere Jahr noch 200 Rbthlr. für einen 
ausserordentlichen Gehülfen und ausser den 2640 Rbthlr. noch 
2020 Rbthlr. bewilligt wurden. 

Das Budget für 1846 giebt S. 82 als das Ordinarium der 
Bibliothek, statt der früheren 2640 Rbthlr^ 3200 Rbthlr. (2400 
Thlr. Pr.) an. Von dem Fideicommiss der Professorin Pabricius 
geb. Ambrosius erhält die Bibliothek seit 1855 bis weiter 200 Rthlr. 
Cour. (240 Thlr. Pr.) jährlich. Im Jahre I8g4 erhielt die Bibliothek 
durch ein Vermächtniss von Ernst Hegewisch 200 Rthlr. Cour, 
zur Anschaffung englischer Werke. Das Capital der Bibliothek 
stieg durch den Verkauf von Doubletten zu 7500 ^ oder 3000 Thlr. 
Pr. Zu 4 pCt. Zinsen belegt, giebt jährlich 120 Thlr. Pr. In 
dem Budget des Herzogthums Holstein 18 JJ S. 149 und 154 
hat die Universitätsbibliothek an Zinsen eines eigenen Capitals 
j'ährlich 120 Thlr. Pr. Zur Haltung eines Gehülfen erhielt der 
Bibliothekar vom Staat 500 ^, zur Haltung eines Boten 200 _^, 
für einen Copiisten waren ausgesetzt 300 ^, also die drei Pöste 
zusammen 400 Thlr. Pr. Durch die 1856 bestimmte Theurungs- 
zulage und zur Abrundung waren die ausgesetzten 400 Rbthlr. 
oder 300 Thlr. Pr. zu 400 Thlr. erhöht. Ein bestimmter Qopiist 
wurde nicht gehalten. Zur Anschaffung von Büchern, Vollendung 
der Catalogarbeiten, zum Binden, Heizen u. s. w. sind in dem 
genannten Budget als Ordinarium die früher bestimmten.6000 .^ 
oder 2400 Thlr., und als Extraordinarium 1000 ^ oder 400 Thlr. 
ausgesetzt. Die Recognitionen bei Anstellungen von Professoren, 
bei Dispensationen vom Biennio, der Theilnahme an InscriptionQ- 



97 

und Strafgeldern u. s. w. sind zu 225 Thlr. berechnet*), die 
jährlichen Zinsen des Fabricius'schen Pideicommisses zu 240 Thlr. 
Von einer russischen Eisenbahnactie, welche der Literat Schilling 
in Riga 1865 schenkte, erhält die Bibliothek an Zinsen 4 Thlr. 
Nach der Stiftungsacte des Kamla'schen Stipendü vom 19. Februar 
1862 fällt eine Rate desselben, wenn der Betheiligte nicht das 
zweite Semester in Kiel studirt oder derselbe sich eine Rüge 
zuzieht, an die Bibliothekskasse. Das Stipendien- Capital beträgt 
6400 Rbthlr. oder 4800 Thlr., die Zinsen zu 4 pCt., also 192 Thlr. 
Die Gesammt-Einnahme der Bibliothek ist hiernach also: 

1) 120 Thlr. Zinsen, 

2) 400 „ für Gehülfen, Copiisten und Boten, 

3) 2400 ^ Ordinarium aus der Staatskasse, 

4) 400 ^ Extraordinarium, 

5) 225 „ Recognitionen etc., 

6) 240 „ Fabricius Fideicommiss, 

7) 5 „ Schillings-Actie und Kamla's Stipendium. 

3790 Thb. Pr. 
Zieht man die 400 Thlr. ab, welche fllr die Gehülfen, Copiisten 
und Boten ausgesetzt sind, so bleiben 3390 Thlr., oder, wenn 
Nr. 5 zu hoch berechnet sein sollte, 3300 Thlr. 

Nach dem Budget pro 18f g (Anlagen zum Staatshaushalts- 
Etat für 1868 B. 3 Nr. 6 S. 76) hat die Kieler Universitätsbibliothek 
an Zuschüssen aus Staatsfonds jährlich 4306 Thlr. 12 Sgr. In 
dieser Summe werden wohl die Einnahmen von dem Capital der 
Bibliothek und von einigen Berechtigungen mit veranschlagt sein. 
Für den ersten Custos sind 500 Thlr., für den zweiten 400 Thlr., 
für den Boten 120 Thlr. ausgesetzt. Nach Abzug dieser 1020 Thlr. 
bleiben zur Anschaffung von Büchern, zum Binden, Heizen, zu 
Repositorien, zu Schreibmaterialien, zur Feuerversicherung u. s. w. 
3286 Thlr. 12 Sgr. 

Die etwanigen Mehreinnahmen an Zinsen, Recognitions- 
gebühren von neu angestellten Professoren, Inscriptipnsgebühren 
\md Brüchen, welche in den 4306 Thlr. 12 Sgr. veranschlagt sind, 



*) Eben so in dem Budget des Herzogthums Holstein 18**/«6 S 102 
412 ^ 8 /3 und 160 ^. 

7 



98 

werden der Bibliothek zukommen. Dass die Einnahme fbr Dis- 
pensationen vom Biennio wegfalle, ist schon erwähnt worden, 
und dürften deshalb die veranschWgten 225 Thlr. für Becognitionen 
u. s. w. verringert werden. 

Seine Majestät der König geruhten am 27. December 1867, 
der hiesigen Königlichen Bibliothek ausserordentlich 500 Thlr. 
zu bewilligen. 

2. 

Nach dem Tode des sehr thätigen Bibliothekars Christiani 
im Jahre 1793 trat zuerst eine Bibliothekscommission ein. Bis 
dahin hatte einer der Professoren die Geschäfte verwaltet. 
Die Namen derselben stehen in N. H. Schwärze's Nachrichten 
von Kiel S. 257, nur ist daselbst wie in meinem Beitrag zur 
Geschichte der Kieler Universität irrig Ph. Fr. Haue Bibliothekar 
genannt. Vergl. Ratjen, Dreyer und Westphalen S. 38 und meinen 
Beitrag zur Geschichte der Kieler Universitätsbibliothek, Kiel 1863 
S. 123 — 125. Das Verhältniss der Oommission zu dem Bibliothekar 
ward erst durch einKönigl. Rescript vom 31. Mai 1817 (Systemat. 
Samml. IV S. 476-478) bestimmt. Mit Hülfe von Studirenden, 
denen dafür die Convikteinnahme bewilligt wurde, arbeitete der 
kenntnissreiche Bibliothekar B. Kordes mit unermüdlichem Pleiss, 
um die Bibliothek zu ordnen und zu catalogisiren. Eine Zeitlang 
leistete ihm Nie. Conrad Pr. Wittrock Hülfe und schrieb einen 
Theil des von Kordes gefertigten Zettelcatalogs in's Beine. 
Nach Kordes Tode, im Jahre 1823, fand ein Interimisticum statt, 
bis der Jurist Andr. Wilh. Gramer, der Verehrer des Cujacius 
imd der juristischen Exegese im Gegensatz zur Systematik, 1826 
zum Oberbibliothekar ernannt wurde. *) Ueber die Geschäfte der 
Bibliothekscpmmission, des Ober- imd Unterbibliothekars erschienen 
in demselben Jahre ausführliche Vorschriften. (Systemat. Samml. 
IV S. 479 — 499.) Gramer arbeitete für die Bibliothek unermüdlich. 
Ueber die früher der Universitätsbibliothek zugewandte Schön- 
bom'sche Sammlung schrieb er mit seiner schönen Sächsischen 
Hand einen eigenen alphabetischen Gatalog, eben so catalogisirte 



') Nitzsch's memoria Crameri ist in den von mir heratugegebenen kleinen 
Schriften Cramer's, Leipzig 1837, wieder gedruckt. 



99 



er die philologisch - antiquarischen und die nicht unbedeutende 
Sammlung juristischer Dissertationen , von denen die ehemalige 
Wunderlich'sche systematisch gebunden war, femer die medici- 
nischen Dissertationen, welche von Professor Lüders geordnet 
waren. Gramer schrieb femer ein alphabetisches Verzeichniss 
über die medicinischen, naturhistorischen und naturwissenschaft- 
lichen Bücher und erleichterte dadurch die Benutzung derselben. 
Nicht blos in den Bibliotheksstunden arbeitete er filr die 
Bibliothek, sondern ausserdem noch in seiner Wohnung. Zur 
Benutzung der Titelzettel, welche Kordes, freilich nicht immer 
äusserlich sauber, theils geschrieben hatte, theils hatte schreiben 
lassen, kam Gramer nicht, er starb am 23. Januar 1833. Zum 
Ankauf für die Universitätsbibliothek auf der Auction der Bücher 
des Verstorbenen wurden vom Könige 1000 Rbthlr. vorgeschossen 
imd 250 Rbthlr. geschenkt. Der Vorschuss, welcher aus dem 
Verkauf der Doubletten^ ersetzt werden sollte, ward 1846 auch 
geschenkt. 

Nach Gramer's Tode fiel die persönliche Hülfe, die ihm 
durch Anstellung seines Sohnes gegeben war, weg. Es wurde 
aber wiederholt von der Regierung auf einige Jahre Geld bewilligt 
zur Haltung eines ausserordentlichen Gehülfen, der neben dem 
Bibliothekar und dem ordentlichen Gehülfen die Bibliotheksarbeiten 
besorgte. Die Zeit des ordentlichen Gehülfen wird am Mittwochen 
und Sonnabend meist durch das Verleihen und Annehmen von 
Büchern, so wie das Protokollführen der Ausleiheregister in An- 
spruch genommen und kann oft an diesen Tagen nicht immer 
beschafft werden. Mehrere leisteten ohne Vergütung Hülfe, 
Professor J. Olshausen ordnete und schrieb mit seiner säubern 
Hand einen Gatalog der orientalischen Sprachen. Von Doctor 
Klose wurde der allgemeine alphabetische Gatalog durch Hülfe 
der von Kordes gefertigten Titelzettel vervollständigt \md später 
von Verschiedenen, nach beschaffter Nachsicht der Bücher selbst, 
in's Beine geschrieben. Doctor K. G. Andresen verzeichnete die 
kleinen Schriften von inländischen Gelehrten, Doctor F. A. Wilda 
catalogisirte die technischen und landwirthschaftlichen Werke. 
Wegen der mir geleisteten HüKe darf ich auf die Vorrede zu 
S. I. II B. 3 Abth. 2 meines Verzeichnisses der Handschriften 
der Kieler Universitätsbibliothek, die sich auf die Herzogthümer 



100 

beziehen, verweisen, und zur Vervollständigung nur bemerken, 
dass P. H. Jessen, K. MüUenhoff, Ed. Volbehr und H. Volbehr 
theils kurze, theils längere Zeit als Gehülfen der Bibliothek 
arbeiteten. 

3. 

Ich darf kurz die Wohnungen unserer stillen Lehrer erwähnen. 
Bis zum Jahre 1759 war die Bibliothek in dem alten Universitäts- 
gebäude bei der Klosterkirche; der Regen drang in den letztem 
Jahren ein, es hatte gebaut werden sollen, aber es fehlte an Geld. 
Es wurden 1759 in einem Hause beim Eingang zur Klosterkirche 
zwei Stuben für die Aufnahme der Bibliothek gemiethet, die nach 
Vollendung des neuen üniversitätsgebäudes vor dem Schlosse im 
Jahre 1 768 in dasselbe gebracht wurde. Einige Jahre später wurden 
ihr mehrere Säle oben im Schlosse eine Treppe hoch nach der 
Wasserseite eingeräumt. Von dem Druck der Bücher litten die 
untern Räume des Schlosses und zur Sicherung wurden die dort 
befindlichen Säulen verstärkt. Im Jahre 1834 wurden der Bibliothek 
die untern grösseren Bäume des Schlosses, welche sie noch 
jetzt hat, angewiesen. Leider sind diese nicht alle gewölbt. Im 
Frühjahr 1838 ward das Kieler Schloss, dessen freie Räume Ihrer 
Königlichen Hoheit der Herzogin Wilhelmine von Glücksburg 
und deren hohem Gemahl zur Wohnung dienen sollten, restaurirt. 
In der Nacht vom 15. auf den 16. März 1838 brach oben in dem 
Flügel, dessen untere Räume noch jetzt die Bibliothek einnimmt, 
Feuer aus. Die Decke der nicht gewölbten untern Zimmer stürzte 
rasch ein, nachdem eiligst die in denselben befindlichen Bücher 
ausgeräumt worden. Um die Verbreitung des Feuers zu ver- 
hindern, wurde schnell die Verbindungsthür zwischen dem Zimmer, 
in welchem die Decke eingestürzt war, und den Bibliothekssälen 
vermauert. Weil das Feuer lange nicht beherrscht und mehrfach 
die Besorgniss laut wurde, dass auch das Gewölbe einstürzen 
werde, ward der grösste Theil der Bücher in das Universitäts- 
gebäude gebracht. Bei diesem eiligen Flüchten leisteten Studirende, 
Bürger und Militär bereitwilligst Hülfe. Das Gewölbe hielt sich, 
es ward möglichst schnell interimistisch wieder überdacht, und 
die Bibliothek kehrte zurück in die seit 1834 innegehabten 
Räume. So wie die Regierung bereitwilligst 1834 die Kosten 



101 

des Umzugs von oben nach unten bewilligt hatte, gewährte sie 

auch die Kosten des neuen Umzugs. Folgende Inschrift in dem 

SchlossflügeL nach^dem Hafen, eine Treppe hoch, erinnert an 

dieses Unglück des {J. März 1838 und den Wiederaufbau: 

Hanc arcis partem 

media nocte dierum XV et 3VI 

m. Martii a. MDCCCXXXVIII 

igne funesto consumtam 

restituit Fridericus sextus 

Dan. Vand. Goth. rex 

dux Slesv. Holsat. Storm. 

Dithm. Lauenb. Olbdenb. rel. 

Opus absolutum die XXX Sept. 

e. a« 

Dass der jetzige Bibliotheksraum zur gehörigen Aufstellung der 
Bücher nicht ausreicht, wird Jeder, der die Säle ansieht, ein- 
räumen. *) Die Repositorien gehen bis zum Gewölbe, an mehreren 
Stellen stehen doppelte Reihen. Dass das jetzige Universitäts- 
gebäude, wenn ein neues an die Stelle tritt, mit für die Bibliothek 
benutzt werde, halte ich, wie ich schon in dem Bericht über das 
Jahr 1867 ausgesprochen habe, nicht für angemessen. Eine 
Theilung der Bibliothek in zwei nicht so ganz nahe Gebäude, 
im Schlosse imd dem jetzigen Universitätsgebäude, würde die 
Benutzung sehr erschweren, die Anstellung eines grossen Personals 
nöthig machen. Bekanntlich ist vor mehreren Jahren der Plan 
gefasst, es solle zu dem Jahr 1865 ein neues Universitätsgebäude 
gebaut werden. Der Bauplatz, welchen die Stadt auf dem Raum, 
des ehemaligen Schullehrer-Seminars hinter dem früheren Gebär- 
hause anbot, ward von der Majorität der Betheiligten nicht an- 
genommen, obgleich der sogen. Hortus medicus, an den als Bauplatz 
gedacht wurde, nicht ohne Entschädigung des Convikts zum Uni- 
versitätsbau genommen werden kann. Hoffentlich wird der Plan 
Sr. Majestät des hochseligen Königs Friedrich VI., ein eignes 
Bibliotheksgebäude zu bauen, wieder aufgenommen. Die Bibliothek 
hatte nach einer Zählung, die Doctor Vöge im Jahr 1861 vor- 



*) In der Chronik der Universität IS'**/«» S. 17 ist die Nothwendigkeit eines 
neuen Baues oder der Erweiterung^ des damaligen Lokals der Bibliothek dargelegt. 
Vergl. die Chronik der Jahre 1866 S. 13, 1867 S. 12, 1868 S. 17. 



102 

nahm, unge&hr 134,070 Bände, es sind jährlich wenigstens* 2000 
Bände hinzugekommen, also jetzt seit 1862 14,000 Bände. Durch 
das Vermächtniss meines Freundes Doctor Blohm, der mir in 
seinem Testament gestattete-, aus seiner Sammlung das für die 
Universitätsbibliothek Passende auszuwählen, erhielt diese reichlich 
2000 Bände. Blo^ war von der Philologie zur Medicin über- 
gegangen und hatte lebhaftes Interesse an der deutschen schönen 
Literatur und deren Geschichte, worin seine Sammlung viele nicht 
unwichtige Werke darbot. 

Die Bibliothekscommission, deren Mitglied seit 1826 der 
Bibliothekar ist, besteht ausserdem aus einem Professor jeder der vier 
Fakultäten. Die Allerhöchste Ernennung erfolgt auf Vorschlag des 
Curators. Die Commission, welche zunächst unter der Curatel 
steht, hat fllr zweckmässige Vermehrung der Bibliothek zu sorgen 
und dazu namentlich Auctionen zu benutzen. Die Commission 
hat von den vier Fakultäten Vorschläge über die Bücher, welche 
anzuschaffen sein möchten, einzuziehen, sowie die Wünsche aller 
Professoren und Docenten über die Anschaffung zu berücksichtigen. 
Die Besorgung des Ankaufs geschieht allein durch den Bibliothekar. 
„Während der Zeit der Vorlesungen soll die Bibliothek an allen 
Werktagen zwei Stunden geöffiiet werden und zwar am Mittwochen 
imd Sonnabend in zwei NachmittagsstundeD, damit in denselben 
Bücher geliehen und zurückgeliefert werden, welches letztere auch 
in den Ferien Statt hat. An den übrigen Tagen ist die Bibliothek 
während zweier Vormittagsstunden für Diejenigen offen, welche 
auf der Bibliothek excerpiren und arbeiten wollen.'' An akademische 
Docenten können auch an diesen Tagen Bücher verliehen werden. 
„Diese Vormittagsstunden fallen während der Ferien weg.'' *) 



') Die Bibliothek ist, wenn dies auch nicht Torgeschrieben ist,' aach in den 
Ferien regelmässig täglich geöffnet Statt der vorgeschriebenen zwei Nachmittags- 
stunden ist die Bibliothek Mittwochen and Sonnabend von XI — II, also drei Stunden, 
und an den andern Tagen von XI — ^I offen. Im Winter konnte ^an in zwei 
Nachmittagsstunden auf der Bibliothek nicht immer gehörig sehen, und sind deshalb 
auf Professor Both's Vorschlag die Standen verlegt worden. Um Bibliotheksarbeiten 
zu besorgen, werden selbstverständlich auch andere Stunden benatzt. 



103 

„Für jedes verliehene Werk hat der Empfänger einen Empfangs- 
schein auszustellen.*' „Angesehene Bürger und Gelehrte der Stadt 
Kiel bedürfen keiner Bürgschaft." 

„Es ist Keinem erlaubt^ Bücher, die er verlangt, selbst 
aufzusuchen und aus den Fächern zu nehmen." „Länger als 
sechs Wochen darf kein Buch verliehen werden. Zu einem 
Gebrauch der Bücher auf längere Zeit ist, nach dessen Vorzeigung,* 
die Erneuerung des Empfangsscheins erforderlich. Niemand darf 
ein von der Bibliothek geliehenes Buch weiter verleihen. Jeder 
Inhaber von Bibliotheksbüchern soll, wenn er verreisst oder die 
Stadt verlässt, vorher die Zurücklieferung. derselben besorgen." 
„Halbjährlich werden sechs Wochen vor Ablauf des Semesters 
sämmtliche Inhaber von akademischen Bibliotheksbüchern am 
schwarzen Brette und im Kieler Wochenblatt aufgefordert, die 
geliehenen Bücher zurückzuliefem." Der Bibliothekar kann an 
Auswärtige (nicht in Kiel Wohnende) Bücher verleihen, wenn 
der Leiher einen qualificirten Bürgen in der Stadt Kiel stellt. ') 

Die Vermehrung der Bibliothek erfolgt theils^ durch Ankauf 
aus Buchläden, von antiquarischen Handlungen und Auctionen, 
theils werden Zeitschriften von hiesigen theologischen, juristischen, 
medicinischen und allgemeinen Lesezirkeln zu geringerm Preise 
erstanden. Durch den 1819 begonnenen Austausch von Schriften 
der Universitäten und anderer gelehrten Institute erhielt die 
Bibliothek sehr werthvoUe Schriften, besonders von der Smith- 
soman institution in Washington. Ich darf wegen der einzelnen 
Institute, denen die Bibliothek werthvoUe Gaben verdankt, auf 
meine Berichte über die Universitätsbibliothek in der Chronik 
der Universität der Jahre 1866 — 1868 verweisen. Die Kieler 
Universitätsschriften — Programme , Verzeichnisse der Vor- 
lesungen, der Behörden und Studenten, sowie der Dissertationen 
— werden seit 1854, nach dem erweiterten Muster von Tübingen, 
in gleichem Formate gedruckt, und jeder Jahrgang bildet ein 
Gtinzes. Unsere Gegengabe ist gering im Vergleich zu dem. 



') Die neuesten Bestimmungen über die Bibliothek, aus welcher ich obige 
Auszüge gemacht habe, sind gedruckt in der Systemat. Samml. der Verordnungen 
B. IV S. 479 — 499. Der Bibliothekar ist, nach dem Tode des Oberbibliothekars 
Gramer, auf diese Anordnungen vom Jahre 1826 verwiesen worden. 



104 

was uns mehrere gelehrte Gresellschaften gutigst zuwenden. Die 
Dmckschriflten-Commission, zu welcher der Bibliothekar gehört, 
hat sich bestrebt, die Verbindungen zu erhalten und neue anzu- 
knüpfen. Yon Sr. Majestät und den Königlichen Ministerien sind 
der Bibliothek in den letztem Jahren werthyolle Geschenke ge- 
sandt worden. Yon Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Prinzen Napoleon 
•erhielten wir d^e Correspondenz Napoleon I., von dem Grossherzog 
von Oldenburg die Landtagsverhandlungen und die Druckschriften 
des Oldenburgischen statistischen Bureaus. 

Die hiesige Forstlehranstalt hatte durch Beiträge der Eleven 
eine forstwirthschaftliche Bibliothek gesammelt, we^ ^^e in. der 
jetzigen Baumschule in dem Lokal, welches auch zum Unterricht 
der Eleven benutzt wurde, aufgestellt war. Die Büchersammlung 
war nach Professor ^iemann^s Plan — er und Beimer waren die 
Hauptlehrer der Anstalt — angelegt und fortgeführt. Als im Jahr 
1835 diese Bibliothek nach Kopenhagen gebracht werden sollte, 
bemühte '^'oh das Königl. Forst- s Jagdamt in Plön vergebens 
die Sammlung mit der Kieler Universitätsbibliothek zu vereinigen. 
A mehreren Privaten hat die Bibliothek früher und in den 
letzteren Jahren werthvolle Gaben erhalten. Mein Freund, der 
Kammerherr Carl von Wamstedt, vermachte der Bibliothek 
mehrere auf Schleswig, Holstein und Lauenburg sich beziehende 
H!and- und Druckschrifiken, Begierungsrath von Bösen schenkte 
vor seinem Weggang nach Schleswig mehrere statistische Hand- 
schriften aus dem Nachlass seines Vaters. Die beiden Doctoren 
Heseler in Lütjenburg schenkten in diesem Jahr eine Beihe von 
Büchern. Die Doctorin Steindorff^ geb. Callisen, gab der Bibliothek, 
dem Beispiele ihres Vaters folgend, mit Zustimmung ihrer Söhne, 
eine Beihe medicinischer Werke, Fräulein Fanny Hansen schenkte 
mehrere Druckschrifiken aus dem Nachlass ihres Vaters, so wie 
Frau von Cronstem zwei botanische Werke aus dem Nachlass 
ihres verstorbenen Bruders. Gedenken darf ich noch der Geschenke 
aus dem literarischen Nachlass meines Freimdes Doctor J. W. Graye, 
Verfeussers des Carteggio inedito d'artisti, so wie, dass der Präsident 
der geographischen Gesellschaft*) in Florenz, Christof. Negri, 
und Doctor C. F. A. Ohlsen in Florenz mehrere Schriften schenkten. 



■} Vergl. Ausland 1869. Nr. 14. S. 336 



105 



5. 

Die Universitätsbibliothek wird rücksichtlich der Studirenden 
am meisten von Philologen imd Theologen benutzt. Im Januar 
1867 wurden 296, im Januar 1868 424, im Mai 1867 513, im 
Mai 1868 625 Leihzettel ausgestellt. Das Lesezimmer wird wenig 
besucht, da nach hiesiger Sitte die Meisten die Bücher lieber zu 
Hause brauchen wollen. 



XV. 

Institute der Universität. 

Die drei hier bestehenden Seminare sind schon XIII 
erwähnt worden. 

1) Das von dem Professor G. H. Weber *) im Jahre 1788 
„durch rühmlichen Gemeingeist und seltenen Eifer zu Stande 
gebrachte Krankenhaus'' *) ward nach Königlichem Rescript vom 
12. Mai 1802 (Systemat. Samml. IV S. 508—510) der Universität 
übergeben, so wie 1811, als Professor Brandis nach Kopenhagen 
gegangen war, das in dem angekauften Brandis'schen Hause in 
der Flämischen Strasse errichtete^ Friedrichs - Hospital (L c. p. 
508 - 510). Seit 1833 war dasselbe nur für Chirurgisch-Kranke 



*) Professor Georg Heinrich Weber hat über die von ihm gestiftete Kranken- 
anstalt Nachricht gegeben in seinen dreizehn Berichten vom Jahr 1785 bis 1804. 
Anfangs bezweckte Weber ein klinisches Institat zam Besten der Armen, er ver- 
einigte sich mit der Gesellschaft freiwilliger Armenfreande and mit dem Apotheker 
Christiani, welcher die Arzneien billig lieferte. Ilurch freiwillige Beiträge ward es 
möglich, ein Haas zu kaufen und zur Krankenanstalt einzurichten. Se. DurchlancHt 
der Herzog von Holstein-Oldenburg schenkte 1787 Tausend Rthlr., der Verwalter 
Neddermejer sicherte 1787 der Anstalt drei Tausend Rthlr., die 1790 nach seinem 
Tode gezahlt wurden. Die Gräfin zn Rantzau-OppendorfT vermachte 1792 fünfzehn 
Hundert Rthlr. Der Kronprinz schenkte jährlich ein Hundert Rthlr., der König 
1798 fünf Hundert Rthlr., der Curator der Universität gab einen jährlichen Beitrag 
von ein Hundert Rthlr., Kammerherr von Gössel schenkte 1799 zwei Tausend Rthlr., 
die Ritterschaft gab 1801 fünf Hundert Rthlr., die nicht zum Corps gehörenden 
Besitzer adliger Güter drei Hundert und fünfzig. Der Kaufpreis des Krankenhauses 
ward bezahlt nnd ein Kapital zurückgelegt Es war die Zeit der Humanität. 



106 

bestimmt. ')' Für die Hebammenanstalt, welche 1805 in dem 
Conviktgebäude auf dem Klosterkirchhof war, ward 1811 in der 
Pleethörn ein Haus mit Garten eingerichtet. Im Jahre 1854 
wurde von dem Ministerium der Bau neuer akademischer Heil- 
anstalten beabsichtigt. Der Plan ward später nach manchen Ver- 
handlungen ausgeführt. Im Jahre 1862 wurden die Anstalten: 
das medicinisch- chirurgische Krankenhaus, die Heb- 
ammenlehr- und Gebäranstalt, so wie die Wohnung flir 
den Direktor der letzteren bezogen. Später wurden auch filr die 
Vorsteher der medicinischen und chirurgischen Klinik eigene 
Wohnhäuser gebaut. In der Nähe dieser Anstalten, auf der 
Feldmark der jetzt mit der Stadt vereinigten Brunswyk, ward 
1862 auch ein Pocken- und ein Leichenhaus erbaut. Das Gebäude 
der alten Hebammenanstalt in der Pleethörn ward verkauft. Vergl. 
Chronik der Universität 1862 S. 12—26. Für Augenklinik 
ward im Jahre 1868 ein Haus in der Nähe der Heilsanstalten 
gemiethet. Chronik der Universität 1868 S. 34. 39. 

Der Apotheker Schübeier in Kellinghusen vermachte nach 
dem Amtsblatt für die Herzogthümer 1850 Stück 19 Nr. 68 der 
Kieler Universität ein Kapital von 20,000 ^ Cour, flir inländische 
Pharmaceuten zur Unterstützung in ihren Studien. Die Statt- 
halterschaft bestätigte das 1. c. abgedruckte Regulativ, nach 
welchem zwei in den Herzogthümem gebomen, wie auch solchen 
in Dänemark gebomen Pharmaceuten, die in den Herzogthümem 
conditionirt haben oder conditioniren, nach bestandener Prüfung 
bei dem SanitätscoUegio , ein Stipendium verliehen werde für 
weitere Ausbildung auf der Universität Kiel, nach Umständen 
auch zu einer wissenschaftlichen Keise. Nach eingeholter höherer 
Genehmigimg können Abänderungen des Regulativs getroffen 
werden. 

In dem Budget des Herzogthums Holstein vom 1. April 
1865 — 66 S. 105 heisst es: Die medicinische Abtheilung besitzt 
ausserdem von dem im Jahr 1858 verstorbenen Justizrath Sohübeler 
eine Schenkung von 20,000 ^, deren Zinsen zu Lehr- und Heil- 
zwecken zu verwenden sind. Auf S. 98 heisst es : Ausserdem 
besitzt die Universität das Schübeler'sche Legat von reichlich 



»J Chronolog. Saniml. 1888 1. Ocrober Nr. 92, 1840 21. Dccember Nr. 189. 



107 

20,000 ^, dessen Zinsen (800 ^) von dem Direktor des akade- 
mischen Krankenhauses auf Vorschlag event. mit Genehmigung 
des SanitätscoUegiums zu verwenden sind. Ebenso lautet das 
Budget des Herzogthums Holstein für das Finanzjahr vom 
1. April 1866— 67 S. 144 und S. 153. Schübeier hat nach der 
Chronik der Universität 1855 S. 54 und Paulsen Stipendien S. 
155. 156 zwei Anordnungen gemacht: 1) 20,000 ^ zum Besten 
des akademischen Krankenhauses bestimmt, imd 2) 20,000^ zu 
Stipendien für Pharmaceuten. Diese zweite Anordnung wird 
später dahin geändert sein, dass diese 20,000 ^ zum künftigen 
Bau eines chemischen Laboratorii belegt sind. 

Das physiologische Laboratorium, welches 1853 auf 
den Antrag des Professor Panum angeordnet wurde, war mehrere 
Jahre in einem gemietheten Lokal, ward 1863 in das alte ver- 
lassene Krankenhaus in der Prüne am botanischen Grarten verlegt. ') 
Bis Professor Panum 1853 für die Physiologie berufen wurde, 
hatte Professor Behn neben der Anatomie und Zoologie auch 
dieses Fach. 

Die Anatomie war bis zum Jahre 1839 in dem 1768 
gebauten Universitätsgebäude, welches so Vieles enthalten hatte. 
Es ward in dem genannten Jahr ein Gebäude mit Garten, der 
sogen. Warleberger Hof, in der Dänischen Strasse für das natur- 
historische Museum und die Anatomie zu dem Preise von 14,000 
Bthlr. Cour, gekauft xmd in demselben auch dem Vorsteher beider 
Institute gegen Entschädigung eine Wohnung eingeräumt. 

Ln Jahre 1855 wurden aus dem Extraordinario der Uni- 
versität 150 Bbthlr« zu einer pharmacognostischen Sammlung 
bewiUigt. Chronik der Universität 1855 S. 36. 37, 1857 S. 33. 

Die Kieler Universität hatte durch Professor Fabricius 
Bemühung mehrere Mineralien aus Norwegen erhalten. Doctor 
Zipser hatte dem Könige mit seinem 1817 erschienenen minera- 
logischen Handbuch von Ungarn einige Kisten ungarischer Mine- 
ralien geschenkt, welche Se. Majestät der hiesigen Universität 
zuwandte. • Dazu kamen später mehrere Geschenke von Privaten. 



*) Chronik der Universitafc 1854 S. 80. 31, 1866 S. 80. 81, 1862 S. 10—12, 
1868 S. 19. Der Food ist nach Bericht des Professor Hensen von 480 auf 1100 
Thlr. erhöht. 



108 

Die hinterlassene Mineralien - Sammlung des Kieler Professors 
Wiedemann ') liess König Christian VIII., der für die I^- ^tttr- 
wissenschaften grosses Interesse bethätigte, 1841 für die Kieler 
Universität ankaufen» Die Sammlung ward in das 1839 filr die 
Anatomie und das naturhistorische Museum gekaufte Gebäude 
aufgenommen. Wiedemann hatte neben seiner Professur der 
Geburtshülfe über Mineralogie und Geologie Vorlesungen ge- 
halten. 2) Der König schenkte öpäter eine Anzahl Nordisclier 
Mineralien, liess 1847 die Sammlung des Kieler Professors Chr. 
Heinrich Pfaff für 500 Rthlr. (600 Thlr. Pr.) kaufen. Für die 
elfte Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe, die ina. 
September 1847 in Kiel gehalten wurde, hatte Doctor L. Meyn 
auf Kosten der Besitzer adeliger Güter eine vaterländische Samm- 
lung von Mineralien beschafft und im üniversitätsgebäude aus- 
gestellt, sie ward nachher der Universität geschenkt. Alle der 
Universität gehörenden Mineralien waren 1846 in einigen Zimmern 
des dem Universitätsgebäude nahen Schiff 'sehen Hause, 1848 
wurden dieselben in die obere Etage des Nebengebäudes zum 
Schloss gebracht. 

Im Jahre 1854 ward für das mineralogische Museum 
und das physikalische Institut ein geräumiges Gebäude in der 
Küterstrasse gekauft und zur Aufuahme beider Institute, die bis 
1 868, bis zur Ernennung des Professors Zirkel für die Mineralogie, 
einen Vorsteher, Professor Karsten, dem eine Wohnung in diesenoi 
Gebäude eingeräumt wurde, hatten, eingerichtet. ®) Letzterer war 
1848 als Professor der Physik und Mineralogie berufen worden. 
Nach Professor Behn's Abgang wurden im Jahre 1868 die beiden 



') Wiedemann starb am 31. Decbr. 1840, Nitzsch's memoria Wiedemanni 
erschien 1841. 

') Lebenserinnerungen Chr. H. PfaflTs mit Nitzch's memoria Pfaffii von mir 
1854 herausgegeben 276 und 278. Pfafflas über Physik, Chemie und Physiologe 

1845 ward er ron dem Halten von Vorlesungen entbunden. Die Chemie übernahm 

1846 Professor Himly. 

») Chronik der Universität 1864 S. 86—38, 1866 S. 43, 1866 S. 36 und 
37, und Professor Earsten's Anlage 1 zur Chronik 1866 über das physikalische 
Institut und die mineralogische Samml., Chronik 1868 S. 89. Nach der Chronik 
von 1864 S. 38 wurde 1811 PfaflTs Sammlung physikalischer Instrumente für 
2000 Rthlr. Cour, angekauft. 



109 

Fächer der Anatomie und Zoologie, welclie er, nachdem die 
Physiologie an Professor Panum übertragen war, behalten hatte, 
getrennt, erstere ward Professor Kupffei;, die zweite Professor 
K. Möbius übertragen. Die Universität hat nun in dem 1839 
gekauften Gebäude die Anatomie imd ein zoologisch-zootomisches 
Museum. Das letztere ist auch dem Publikum zugänglich gemacht 
worden. 

Das chemische Laboratorium, welches Professor Pfaff's 
Thätigkeit seine Entstehung verdankt, ist in dem Nebengebäude 
des Schlosses (Küchen- und Waschgebäude) ^ welches Pfaff zur 
Wohnung und zu physikalisch -chemischen Arbeiten überlassen 
war. Dieser lobt in den Kieler Beiträgen B. 1 Schleswig 1820 
S. 342 das Kieler Laboratorium sehr, er setzt es den am besten 
ausgerüsteten an die Seite. Ein Theil des zu dem Gebäude 
gehörenden Gartens ward 1856 dem 1843 entstandenen Kunst- 
verein zum Bau der Kunsthalle überlassen» Berichte dieses 
Vereins sind Anhänge zur Chronik der Universität 1855 und 1856. 

Der botanische Garten ^ Mfinz- und Kunstsammlung. 

Nach der ersten Visitation der Universität im Jahre 1668 
ward von der Regierung an einen botanischen Garten fiir die 
errichtete Universität gedacht. Ein ausführliches Herzogliches 
Rescript vom 21. October 1669 bestimmt, dass der vierte Theil 
des Herzoglichen Gartens beim Schlosse dem Professor der Botanik 
J. D. Major eingeräumt werde. Ob dieses Rescript wirklich zur 
Ausführung gekommen ist, lässt sich wohl nicht ermitteln. Später 
hatte die Universität einen hortus medicus in der Nähe der Uni- 
versitätsgebäude bei der Klosterkirche. Dieser Garten war jedoch 
eine Zeitlang vermiethet, ward aber 1727 an den Rathsapotheker 
Christiani überlassen, welcher gegen jährliche Zahlung an ihn von 
10 Rthlr. die Verpflichtung übernahm, den Platz zuin medicinischen 
Garten einzurichten. Diese Verpflichtung sollte übergehen auf die 
spätem Besitzer der Rathsapotheke. Im Fall die Regierung das Ver- 
hältniss aufhöbe, sollten dem Apotheker 200 Rthlr. gezahlt werden. 
Als 1802 ein botanischer Garten bei dem Weber'schen Krankenhause 
eingerichtet wurde , hörte die Zahlimg von 10 Rthlr. jährlich an 
den Rathsapotheker auf, aber diese Apotheke blieb im Genuss des 



110 

Gartens. Das historische Verhältniss war wohl vergessen, aber 
nach Aufklärung der Sache ward 1855 der Garten gegen die 
Erlegung von 200B,thlm und einer billigen Entschädigung wegen 
der auf dem Grundstück befindlichen Baulichkeiten der Universität 
übergeben, welche ihn verpachtet hat. ' ) Nach dem Budget Hol- 
steins pro 18jf S. 145 bezieht die Universität an Miethe des 
horti medici 300 # oder 120 Thlr. 

Im Jahre 1868 ward von der Regierung an die Universität 
das Herbarium des Doctor Lucä geschenkt, dieser hatte seine 
reichhaltige Sammlung von 40,000 Species einer vaterländischen 
Universität bestimmt.*) 

Der Münz- nnd Kunstsammlung ist die ehemalige 
Schlosskirche, welche nach dem 1838 erfolgten Brande des nach 
dem Hafen liegenden Schlossflügels nicht wieder zur Kirche ein- 
gerichtet wurde, eingeräumt worden. Die Münzsammlung befindet 
sich in einem der ungewölbten Bibliothekszimmer. Der Vorsteher 
beider Sammlungen ist Professor Forchhammer. •) 

Museum yaterlSndüieher Alterthttmer. 

Die Schleswig - Holstein - Lauenburgische Gesellschaft 
für die Sammlimg und Erhaltung vaterländischer Alterthümer. 

Diese Gesellschaft ward 1834 auf Aufforderung des Ober- 
landweg-Inspectors Kammerherm P» von Wamstedt gestiftet 
Der König bestätigte am 27. Mai 1834 ihre Statuten. Die Samm- 
lung soll darnach als Pertinenz der Kieler Universitätsbibliothek 
angesehen werden, ihr ward am 15. November 1834 im Neben- 
gebäude des Appellationsgerichts von dem Könige ein Lokal 
eingeräumt. Nach den Statuten soll einer der in Kiel wohnenden 
Vorstandsmitglieder das Vorzeigen der Sammlung besorgen. 
Mehrere Jahre haben Professor Flor, Müllenhoffi, Groth und 
Handelmann diese Mühe übernommen. Letzterer, der seit 
mehreren Jahren die jährlichen Berichte über dieses Museum 
verfasste, ward am 10. Novbr. 1866 zum Oonservator der vater- 



1) Chronik der Universität 1854 S. 35 und 1856 S. 24—27. 

>) Chrotiik 1868 S. 12. 

*) Chronik der Universität 1854 S. 82, 



111 

ländischeu Alterthümer mit der Yerpflichtung ernannt, an der 
Universität Vorlesungen über vaterländische Geschichte zu halten. 
Verordnungsblatt für Schleswig - Holstein 1860 Octbr. bis Decbr. 
S. 8 und Chronik der Universität 1866 S. 42. Die Flensburger 
Sammlung von Alterthümem, welche 1864 geflüchtet wurde, ist 
im Jahre 1868 durch die Bemühung des Königlichen Ministerii 
und des Königlichen Oberpräsidii in 24 Kisten nach Kiel gebracht 
worden. Chronik 1868 S. 42. 

Anhang. 
Die peenniftren YerhSltnisse der Institate. 

Nach den Anlagen des Staatshaushalts-Etat für 1868 B. 3 
Nr. 6 Etat S. 76 erhalten Zuschuss aus Staatsfonds: 



1 
2 
3 

4 



Bibliothek 4306 Thlr. 12 Sgr. 

Botanischer Garten 1418 ^ — „ 

Homiletisches Seminar 166 ^ 20 ^ 

Anatomie 1350 ^ — ^ 



5) Zoologisch-zootomische Sammlung 1200 „ — ^ 
6; Physikalisch-mineralog. Sammlimg 1400 ^ — „ 

7) Chemischer Apparat 1 100 „ — ^ 

8) Physiologisches Institut 1100 „ — ^ 

9) Münz- und Kunstsammlung 225 „ — ^ 

10) Pharmakognostische Sammlung ... 30 ^ — ^ . 

11) Pathologisches Institut . . . # 160 „ — ^ 

12) Museum vaterländischer Alterthümer 600 ^ — „ 

13) Philologisches Seminar 40 ^ — ^ 

14) Akademische Heilanstalten und Heb- 

ammen-Lehrinstitute 12910 „ — „ 

Diese Summen- Angaben an Zuschüssen aus Staatsfonds stimmen 
nicht alle mit dem Budget des Herzogthums Holstein für das Finanz- 
jahr vom 1. April 1866—67, welches mit dem Verordnungsblatt ge- 
drucktwurde, überein.*) Wegen der Bibliothek darf ich auf S.97 oben 
verweisen. 3) Das homiletische Seminar erhält darnach (S. 149) 
einen Zuschuss von 150 Thlr., es hat an Zinsen zweier Capitalien 



') Aach die aaf S. 80 der Anlagen angegebenen Einnalimen von Berech- 
tigungen, Zinsen n. 8. w. geben keine Uebereinstimmang mit Obigem. 



112 

4^ ^ 4 /? oder 16 Thlr. 27 Sgr. 4) Die Anatomie erhält 2604 ^ 
4V« /?, 5) das zoologische Museum 2000 # 2 ß^ 6) die physikalisch- 
mineralogische Sammlung 2789 ^ 1 1 V2 ß^ 7) der chemische Apparat 
2395 ^ 3V« /J, 8) das physiologische Institut 1200 #, 12) das 
Museum vaterländischer Alterthümer fehlt in dem Budget^ die 
in den Anlagen genannten 600 Thlr. sind wohl die fiir den Con- 
servator ausgesetzte Summe. 13) Das philologische Seminar fehlt 
in dem Budget, die in den Anlagen genannten 40 Thlr. werden 
die zur Bibliothek dieses Seminars bewilligten Summen sein. 
14) Für die akademischen Heilanstalten imd Hebammenanstalt 
sind in dem Budget 19,000 Thlr. angegeben und ausserdem als 
eigenes Yermögen der medicinischen Abtheilung ein Capital von 
26,775 ^, der Hebammen- und Gebäranstalt ein Capital von 
21,562 ^ 8 fi. Die medicinische Abtheüung hat femer nach dem 
genannten Budget die Zinsen des Schübeler^schen Legats von 
20,000 ^. Die Zinsen dieses Capitals sollen zu Lehr- und Heil- 
zwecken verwandt werden. Nr. 2, 9, 10 und 11 sind in beiden 
Angaben gleich. Die Einnahm^s des physiologischen Listituts ist, 
wie schon oben S. 107 in der Anmerkung bemerkt wurde, 1868, 
also nach dem erwähnten Budget, zu 1100 Thb. erhöht. 



XVI. 

Stipendien filr Studirende. 

1) Im Allgemeinen. 

üeber die im Herzogthum Schleswig und die im Herzogthum 
Holstein vorhandenen Stipendien für Studirende enthalten die 
neuen Provinzialberichte Jahrg. 1 1811 S. 181—190 440-447 
Verzeichnisse, in denen der Betrag jedes Stipendü, die CoUatoren 
oder Administratoren angegeben sind. Die Verfligungen vom 
8. August 1775 und 25. August 1810 (Systemat. Samml. B. 4 
567. 568. 583) bestimmten, dass dem akademischen Consistorio 
Nachricht gegeben werden solle über die Verleihung der Stipendien. 
Die Pundationsacten sollten nach der Vorschrift von 1810 einge- 
zogen werden. Die in den Provinzialberichten von 1811 enthaltenen 



113 

Nachrichten beruhen auf amtlichen Mittheilungen und sind, dem 
Wesen nach, die dem akademischen Consistorio zugesandten 
Berichte über die 1810 verliehenen Stipendien. Auch in spätem 
Jahren sind dem akademischen Consistorio über die Verleihung 
von Stipendien Mittheilungen gemacht worden, was für die Ver- 
leihung des Convikts nach der Verordnung vom 23. Juli 1790 
und 13. December 1796 imd für das Creditiren der Honorare an 
Unbemittelte einflussreich ist. Im Jahre 1823 gab S. P. (Seestem 
Pauly), damals Obergerichtsrath in Glückstadt, einen akten- 
mässigen Bericht über die in Holstein vorhandenen Stipendien 
für Studirende, Schleswig 1823. In der Chronik der Universität 
Kiel 1855 habe ich S. 45—57 eine Uebersicht der Stipendien in 
beiden Herzogthümem gegeben, und namentlich Seestem Pauly 's 
Bericht zu ergänzen gesucht. Doctor Paulsen's Schrift: die 
Stipendien in den Herzogthümem Schleswig, Holstein und 
Lauenburg erschien Schleswig 1863. Die am 19. October 1867 
eingeführte Vorschrift (Verordnungsblatt für Schleswig - Holstein 
S. 1369), „dass öffentliche Stipendien für Studirende, worin immer 
sie bestehen mögen, ob sie Königlich oder von Commünen oder 
anderen Corporationen abhängen, nur an solche Studirende conferirt 
werden, welche das Zeugniss der Reife besitzen", kann auf mehrere 
Stipendien der Herzogthümer nicht wdhl angewandt werden, weil 
sie nicht öffentliche Beneflcien sind. Auch heisst es 1. c. S. 1369 
nach den oben angeführten Worten: „Privat- oder Familien- 
Stiftungen können hierdurch nicht beschränkt werden.'^ Im Jahr 
1778 am 2. Januar *) ward verfügt, dass bei der Wahl der Stipen- 
diaten auf ihre in den Schulen oder im Privatunterricht erlangte 
Geschicklichkeit Rücksicht genommen und das Beneficium Nie- 
manden ertheilt werden solle, der nicht vorher geprüft und zur 
Akademie gehörig vorbereitet befunden worden, und dass den 
Stipendiaten anzudeuten sei, dass sie, bei entdecktem Unfleiss 
auf der Universität, als wesfalls die Administratoren der Stipendien, 
sich nach Beschafienheit der Umstände selbst bei den akademischen 
Lehrern zu erkundigen verbunden sind, ihr Stipendium gewiss 
wieder verlieren sollen. Diese Verfügung ist wohl nicht immer zur 
Anwendung gebracht worden. Nach einem in den leges studiosis 



>) Sjstemat. Samml. IV S. 595, 

8 



114 

eta Kiliae 1869 S* 7 abgedrucktem Rescript vom 17. August 1867 
haben sich in jedem Semester alle Studirende, welche ein aka- 
demisches Beneficium gemessen, vor der 1861 vom Consistorio 
gewählten Stipendien- Commission an einem von dieser bestimmten 
Tage zu stellen und ein Verzeichniss der im laufenden Semester 
bezogenen akademischen und nicht akademischen Stipendien mit 
Angabe der Höhe und Dauer der Geldbezüge zu übergeben. 
Wer ohne dringende Gründe, deren Beurtheilung der Stipendien- 
Cemmission obliegt, fehlt und die Meldung nicht binnen den 
nächsten drei Tagen nachholt, verliert die akademischen Beneficien. 

2) Wer sich um ein von dem Consistorium oder einer 
Fakultät zu verleihendes Beneficium bewirbt, hat in seinem Ge- 
suche eine genaue Angabe über aUe Stipendien, die er seither 
genoss oder noch geniesst, zu machen. 

Bewerbungen ohne diese Angaben bleiben unberücksichtigt. 
Ausgenommen bleiben hiervon die Bewerbungen um die ordentliche 
Mitgliedschaft des philologischen Seminars und um das Schassianum. 

3) Ergiebt sich, dass bei der Meldung oder bei einer Be- 
werbung falsche Angaben gemacht wurden, so tritt die Strafe der 
Relegation ein. 

Auf alle einzelnen Stipendien hier einzugehen, würde nicht 
angemessen sein, ich darf deshalb auf Paulsen's Schrift verweisen, 
dieselbe würde viel verdienstlicher sein, wenn der Verfasser an- 
gegeben hätte, wo die von ihm theils abgedruckten, theils benutzten 
Urkunden über die Stipendien zu finden seien. Auf seine in der 
Vorrede S. VIII geäusserte Ansicht über den Einfluss des Con- 
viktexamens auf die Verleihung von andern Stipendien als das 
Convikt, werde ich später eingehen. Ich will nur die vom aka- 
demischen Consistorio und einer der Fakultäten zu verleihenden 
Stipendien, zu denen auch das Knickbein'sche von Paulsen noch 
nicht besprochene gehört, darlegen. Für die akademischen 
Stipendien sind zum Theil neuere Anordnungen erlassen worden. 
Wenn in der Chronik der Universität 1868 S. 8 angenommen 
sein sollte, dass nur das Conviktstipendium durch das Studium 
auf der Kieler Universität bedingt ist, so dürfte dies ein Irrthum 
sein Für das philologische, das Schassianum, das Bichardrsche, 
Oldenburgische, Kamla'sche, Knickbein'sche und von Qualen'sche 
Stipendium gilt dasselbe. 



115 



2) Stipendien für Stndirendei so weit sie vom akademiscben 
Consistorio oder einer der Fakultäten Terliehen werden. 

a) Convikt* 

Zur Geschichte des Convikts geben Materialien die mehr- 
fach veränderten leges mensae gratnitae, mehrere Handschriften 
der Kieler Universitäts-Bibliothek (Verzeichniss B* 1 S» 279 bis 
284, B. 2 S. 253 - 256, B. 3 S. 536 ), das Statutenbuch der Kieler 
Universität imd von 1775 an die halbjährlichen Berichte der 
philosophischen Fakultät über das Conviktexamen. Eine allge- 
meine historische Darstellung gab Niemann in seinen Neben- 
stunden, Altena 1823, S» 211—240, so wie ich in der Chronik 
der Kieler Universität für 1854 S. 41— 44. Einzelnes findet sich 
femer in dem Archiv der Schleswig - Holstein - Lauenburgischen 
Gesellschaft B» 1 S. 339-340 und 369 über die Stiftung, in den 
neuen Schleswig - Holsteinischen Provinzialberichten 1813 S. 65 
bis 75 : „Uebersicht der von der philosophischen Fakultät in Kiel 
vom Jahre 1801 bis Michaelis 1812 examinirten Studirenden, die 
sich um akademische Beneficien beworben haben, nebst verschie- 
denen daraus hervorgehenden Bemerkimgen»'' Darauf bezieht sich 
Struve's, Direktor des Altonaischen G-ymnasii, Sendschreiben an 
Professor Müller in Kiel, Altona 1813, so wie des Conrektors 
Schumacher in Schleswig: Worte, veranlasst durch die von 
Professor Müller mitgetheilte Uebersicht in den Provinzialberichten 
18 J 3 S* 312-322, und MüUer's Erklärung gegen Struve daselbst 
S*. 717-739. Auf der 1566 gegründeten Bordesholmer Schule 
hatten 36 Schüler auf Herzogliche Kosten einen freien Tisch, und 
die abgegangenen Alumnen wurden, wie schon S. 4 erwähnt, auf 
der Universität, namentlich in Bestock, mit Stipendien unterstützt» 
Der Universität Kiel wurden bei ihrer Errichtung die Einkünfte 
aus Bordesholm zugewiesen» Der Herzog errichtete in Kiel ein 
ducale convictorium für 48 Studirende, zu deren Unterhaltung, 
wie es in dem Y eranlassungsentwurf *), warumb Christian Albredit 



') Chronik der Universität von 1854 S. 11 — 19. Nordstrand ist wohl aus 
Irthum genannt. In der Quästurinstruction von 1783 | 2 stehen Pellworm und 
Hasam als contribuirend. 



116 

aus der Bordesholmer Schule eine Akademie gestiftet 3. April 16G7, 
heisst, Eiderstedt 600 Rthlr., Norder-Dithmarsclien 500 Rthlr., 
Tondem öOORthln, Nordstrand 60 Rthlr. auf Michaelis freiwillig 
hergehen» Schon 1664 verhandelte der Herzog Christian Alhrecht 
mit Norderdithmarschen wegen eines Beitrages zur Communität 
und erklärte am 1. Decemher 1665, dass „wegen der von dieser 
Landschaft versprochenen 500 Rthlr. zwölf Norderdithmarscher 
für allen andern, gegen Erlegung der verordneten Zuhusse, die 
Speisung gemessen, imd im Fall dieser Tisch ahgestellt werden 
mögte, die Landschaft von der Zahlung der eingewilligten 500 
Rthlr* gänzlich hefreit sein sollte.'' (Niemann, 1. c. S. 228 — 231 
und Statut 1 395. 448.) Bedingung fllr den Genuss des Convikts, 
für welches ein Oekonom ^) und Inspektoren hestellt wurden, war 
ein Aufiiahmeexamen. Der Examinirte ward in ein hesonderes 
Alhum eingetragen, und erhielt das Recht, drei Jahre an einem 
der vier Tische des Convikts zu Mittag, um elf, und zu Abend, 
um sechs Uhr, zu essen. Wöchentlich erhielt der Oekonom aus 
der Conviktkasse für jeden Alumnus 1 ^ 12 ^, der Studireude 
musste wöchentlich 12 fi zulegen, wenn ihm nicht ausnahmsweise 
ein ganz freier Tisch bewilligt war. Diejenigen, welche das 
Bordesholmische Stipendium genossen, waren von der Zulage 
befreit, so wie, nach Rescript vom 3. Februar 1748, auch die 
Norderdithmarscher inter gratuitos aufzunehmen.*) Nach einem 
Rescript vom 6. Juni 1697 (S. H. 175 A 513; soll ein Studirender, 
der in der Musik erfahren, einen locus gratuitus im Oonvikt haben, 
Unter mehreren Concurrenten des Convikts sollen indigenae den 
exteris vorgehen, und unter den ersteren die aus den zur Convikt- 
kasse contribuirenden Landschaften Stammenden den Vorzug vor 
den übrigen haben. Das Aufiiahmeexamen ward nach dem Regle- 
ment vom 27. Januar 1707 g§ XI und XII von dem General- 
superintendenten in Schleswig abgehalten. Nur Unbemittelten 
sollte nach § XIII das Convikt bewilligt werden. Alle halbe 
Jahr sollen femer die Conviktoristen von der ganzen theologischen 
Fakultät, mit Zuziehimg der philosophischen und, wenn einige 
juris oder medicinae studiosi vorhanden, auch der decanorum 



>) Handschritt S. H. 179 A BI. 38 b. 39. 42. 46. Statut. I 173. 201. 
^) Niemann I. c. S. 239—240. 



117 

übriger Fakultäten, examinirt werden. Wer in der Prüfung nicht 
gehörig besteht, kann nach Befinden bestraft oder gar ex beneficio 
excludirt werden» Die Alumnen waren auch befreit von den 
kleinen Zahlungen von 4 oder 6 /? an die Pedellen, welche die 
übrigen studiosi entrichten mussten. (Statut. I 86» 112.) Im 
Jahre 1709 ward die Essenszeit zu 12 Uhr gesetzt. (Statute 1 5760 

Der Herzogliche Präsident Kielmann hatte in seinem 
Testament ein Legat zum Besten des Convikts angeordnet» 
Haue erzählt in seiner zehnjährigen (Glückseligkeit der Oimbrischen 
Musen, Kiel 1772 S. 27 und 88, das Testament sei aufgefunden, 
aber der Prozess gegen die Erben sei nicht beendigt. Das Legat 
betrug 10,000 Rthlr» Der Streit kam nach Wetzlar und ward 
am 26* Oktober 1773 durch einen Vergleich geschlichtet Die 
Universität gab ihre Ansprüche gegen Zahlung von 5500 ßthlr« 
auf, von dieser Summe wurden 1400 Rthlr. an die Erben des 
Consulenten der Universität, Saldem, bezahlt, 3000 Rthln sollten 
zinsbar belegt werden zu zwei neuen Conviktstellen, llOORthlr. 
sollten belegt und die Zinsen Kieler Studirenden als Stipendium 
gegeben werden, wie das Schassische Stipendium. *; Li der Li- 
struction für den Quästor der Universität vom 17. Septbr. 1783 
(Systemat. Samml. B* 4 S*412; werden Kielmannseggische dem 
Convikt gehörende Oapitalien ohne Summenangabe genannt* 

Als die Uneinigkeit der beiden regierenden Landesherren 
zur Occupation des Herzoglich Schleswigschen Antheils führte, 
cessirten die Zahlungen aus den Schleswigschen Distrikten» 
(Statut. I 362 und 450.) Im Jahre 1726 ward die Zahl der 
Conviktstellen auf 26 reducirt, die Zulage von 16 ß auf 24 ß 
erhöht (S. H. 173 A S. 491. 492.) 1735 war die Zahl der 
Alumnen 18, imd der Grenuss auf zwei Jahre beschränkt. (Statut, 
I 443.) 

Nach erfolgter Einigung der beiden regierenden Häuser 
erklärte ein grossfürstliches ßescript vom 26. Januar 1768 (Statut. 
I 547) : ^Wir lassen Euch hierdurch unverhalten sein, was massen 
zur Aufiiahme unserer hiesigen Universität in Zukunft eine grössere 
Anzahl Freitische im Convictorio für die hieselbst Studirenden 



*) Ratjen, Beitrag zur Geschichte der Kieler Uniyersität, Kiel 1859, S. 35 — 39. 



118 

erriclitet, und zu solchem Behuf von Anfang dieses Jahres eine 
Summe von 1100 ßthlr^, welche ehe dessen vor denen Troubles 
aus dem Amte Tondem und denen Landschaften Eiderstedt und 
Nordstrand (Pelwom) dazu bestimmt gewesen, an die jedesmaligen 
deputatos fisci unserer Universität haar ausgezahlet, und damit 
nächsthin alle Jahr im Umschlag ununterbrochen fortgefahren 
werden solle/' Von der Beitragssumme der Schleswigschen 
Landschaften sollten zwei neue Tische, jeder zu zwölf Personen, 
vorzüglich für Studiosen aus diesen Landschaften, errichtet werden. 
Vier Alumnen sollten ganz freien Tisch haben, die übrigen wöchent- 
lich zwölf Schillinge zahlen. (Eescript vom 1. März 1768 Statut. 
I 554.) An die Stelle der deputati fisci trat später der Quästor 
der Universität» (Statut. 1. 658,) Die alten Tische wurden auf 
zehn Personen reducirt, von denen acht wöchentlich zwölf Schillinge 
zulegen sollten. Die Zahl der Conviktoristen war also vier und 
dreissig, zehn an dem alten Tisch und zweimal zwölf an den neuen« 
Nach dem loges mensae gratuitae von 1768 sollen die Dürftigen, 
wenn sie es wünschen, frei sein von dem Einschreibegeld in das 
album alumnorum» Nach den leges von 1790 betrug das Ein- 
schreibegeld einen ßthln Durch Verfügung vom 19. Juli 1775 
(Statute II 95) ward der Abendtisch, so wie der von den Studi- 
renden zu zahlende Zuschuss aufgehoben, der Oekonom soll jährlich 
für jeden Alumnen 43 ßthln haben, zwei von dem Oonsistorio 
zu wählende Studirende erhielten die Aussicht auf eine Belohnung 
von zehn ßthb. jährlich* Die Studirenden, welche nicht aus einer 
contribuirenden Landschaft stammen, sollen regelmässig, wenn sie 
nicht vorzügliche specimina beibringen, erst, nachdem sie ein 
Vierteljahr die Universität besucht und ein Dürftigkeitszeugniss 
vorgelegt, zum Genuss des Convikts gelangen. Der philosophischen 
Fakultät ward aufgegeben, unentgeltlich halbjährlich das Convikt- 
examen abzuhalten und über den Ausfall der Prüfung an das 
akademische Consistorium, unter Anlegung der lateinischen 
specimina, zu berichten. Nach dem Reglement vom 27. Januar 
1707 § XII war zur Bewilligung des Convikts ein Herzogliches 
Respript erforderlich; 1775 erhielt das Consistorium die Verleihung. 
Die Beneficiaten wurden verpflichtet, halbjährliche Zeugnisse über 
ihren Fleiss beizubringen und bei Gelegenheit der hohen Feste 
öffentlich latßinische^Reden zu halten. Nach einer Verfügung 



119 

vom 25. Juli 1775 (Niemann 1. o. S. 222) ward bestimmt, dass 
Eingebome der cpntribuirenden Commünen, ohne besondere Be- 
scheinigung ihres Unvermögens, zum Convikt zuzulassen sein. 
Die Alumnen hatten häufig Streit über das Mittagsessen mit dem 
Oekonomen. Dies veranlasste wohl hauptsächlich die Veränderung 
des gemeinsamen Tisches in Tiscbgeld. Die Königl. Verfügung 
vom 23. Juli 1790 (Systemai Sammlung IV 533-539) und die 
leges mensae gratuitae vom IL December 1790 (daselbst S. 539 
bis 541 und in der Chronol. Sammlung 1790 S. 101) bestimmen, 
dass die Inspektoren den Alumnen, welche selbst den Speisewirth 
wählen, einen Speisezettel auf zehn Mark monatlich geben, die 
zehn Mark werden von der Inspection an die Wirthe bezahlt, 
oder, wenn der Studirende sich ganz oder theilweise einen unent- 
geltlichen Tisch verschafft oder verdient, an diesen (§ 13 vom 
23. Juli 1790) ganz oder theilweise gegeben. Inspektor des 
Freitisches ist der jedesmalige Dekan der philosophischen Fakultät 
in Verbindung mit den beiden ihm zunächst folgenden Collegen» 
Die Inspection hat das album alumnorum zu führen und erhält 
von jedem Conviktoristen bei der Einschreibung einen Rthlr., den 
jetzt die Quästur bezieht. 

Bedingung der Aufiiahme ist ein testimonium idoneitatis 
von den Lehrern der Schule, und dass der Bewerber in dem 
Examen der philosophischen Fakultät, welches in der dritten 
Woche nach Ostern und Michaelis abzuhalten ist, den Charakter 
dignus erhalten hat. Wenn ein Student aus einer contribuirenden 
Landschaft freilich in Kiel ist, aber nach Bescheinigung des 
Arztes sich nicht zu dem Examen hat stellen können, kann die 
Fakultät ihn privatim hinterher examiniren. Die Verleihung des 
Tischgeldes hat das Consistorium, es ist zunächst i § 3) zu sehen 
auf die Abkunft aus einer contribuirenden Landschaft, sodann auf 
die grössere Dürftigkeit, und drittens auf den vorzüglicheren 
Examens-Charakter, wobei jedoch zu bemerken, dass die Studi- 
renden aus concurrirenden Commünen, soweit Stellen vacant sind, 
zugelassen werden müssen, wenn sie nur fähig und nicht über 
200 Rthlr. einzunehmen haben, und dass bei der Concurrenz 
unter den übrigen Competenten von gleichem Charakter die 
grössere Dürftigkeit schlechterdings den Vorzug gebe; über diese 
soll man sich mit Sorgfalt Gewissheit verschaiBfen. Wer bei 



120 

seinen Aeltem oder nahen Anverwandten den freien Tisch hat 
(g 3 1790 23. Juli), soll nicht zum Genuss des beneficii gelangen. 
Wer während des Genusses durch Erbschaft oder sonst ein 
„Einkommen''^) von mehr als 200 Rthlr. jährlich acquirirt, soll 
nicht weiter an dem Freitisch Theil nehmen. In einem einzelnen 
Fall ward 179ß durch den König zwei gebomen Norderdith- 
marschem, die keine Dürftigkeits-Zeugnisse beigebracht hatten, 
das Conviktgeld bewilligt (Niemann, 1. c. S. 224—226). Per 
Genuss dauert nach den leges von 1790 nur zwei Jahre, wenn 
der Beneficiat nicht aus einer contribuirendcn Landschaft ist. 
Bei der Rechnungsablegung über Einnahme und Ausgabe des 
Convikts im Consistorio ist über den Fleiss der Alumnen zu 
referiren, ünfleissige sind zu vermahnen und bei fortdauernder 
Unordnung vom beneficio auszuschliessen; dies soll auch statt- 
finden, wenn der Beneficiat sich mit dem Speisewirth zu einem 
betrügerischen Gebrauch des Speisezettels vereinigt. Statt der 
früher am Tage vor jedem der drei hohen kirchlichen Feste ge- 
haltenen Reden der Alumnen, soll mitten im Semester einer 
der Beneficiaten eine Rede halten. Wenn der Dekan der Fakultät, 
zu der das- Thema gehört, die Ausarbeitung der Rede einer Be- 
lohnung würdig erklärt, werden sechs Rthlr. an den Concipienten 
bezahlt. Die Veränderung des Convikts in Tischgeld gestattete, 
das Conviktgebäude, welches aus der allgemeinen üniversitätskasse 
unterhalten wurde, und den dazu gehörenden Garten, zum Besten 
des Beneficiums zu vermiethen. Die Form der Dürftigkeits- 
Zeugnisse ward am 13. December 1796, am 26. Mai 1818 und 
am 19. März 1859 (Systemat. Samml. B. 4 S. 542. 543 u. 547, 
Gesetz- u. Ministerialblatt 1859 St. 5 Nr. 10) genau vorgeschrieben, 
es ist eine specificirte Berechnung sämmtlicher Einnahmen des 
Studirenden erforderlich. Der Beamte hat diese Zeugnisse unent- 



*) Das Capital soll also nicht etwa nach den Studienjahren berechnet werden, 
sondern nur die Zinsen in Betracht kommen. In dem Patent vom 10. August 1817 
(Systemat. Samml. IV S. 427) heisst es rücksichtlich des Creditirens der Honorare, 
dass nicht bloss alle jährlichen Einkünfte, sondern auch der Bestand des ganzen 
Vermögens in Betracht gezogen werden soll. Wer nicht über 150 Rthlr. Cour, 
jährliche Einnahme hat, dem können auf seinen Wunsch die Honorare ganz creditirt 
werden, wer 150—200 Rthlr. Conr, hat, kann halben Credit erhalten. 



fl»tf' 



121 

geltlich und auf ungestempeltem Papier auszustellen. Bei Be- 
werbern aus einer contribuirenden Landschaft ist nur zu beschei- 
nigen, dass sie jährlich nicht über 200 Rthlr. Cour, gleich 240 
Thb^Pr. einzunehmen haben. (Verfügungen vom 13. Decbr. 1796 
und 17. Mai 1823 in Systemat. Samml. B. 4 S. 543 u. Statut. II 351.) 
Die Prüfung ward unterm 3. Febr^ 1798 näher regulirt. Schrift- 
lich soll ein kleiner Aufsatz aus dem Deutschen in's Lateinische 
übersetzt, eine kleine deutsche Ausarbeitimg gemacht und einige 
historische, geographische und rhetorische Fragen beantwortet 
werden. Diese schriftlichen Arbeiten, die unter Aufsicht zu 
machen sind, sollen in höchstens drei Stunden vollendet werden ; 
jetzt wird mehr Zeit dazu vergönnt. Mündlich sollen Stellen aus 
lateinischen und griechischen Schriftstellern, und von Denen, die 
sich dem Predigt- oder Schulamt widmen wollen, ein Paar Stellen 
aus der Grundsprache des alten Testaments übersetzt werden. 
Diejenigen, welche Gelegenheit gehabt haben, in der Mathematik 
unterrichtet zu werden, sollen über die Anfangsgründe dieser 
Wissenschaft befragt werden. Auch ist nach dem Zweck und 
der Einrichtung der Studien zu fragen. Wer bereits ein Jahr 
und darüber auf der Eäeler oder einer andern Universität studirt 
hat, soll zugleich von den Lehrern derjenigen Wissenschaften, 
die er bisher getrieben, mit geprüft werden. Am 18. October 
1803 wurden die Freitischgelder von 40 Rthlr. Cour* auf48Ilthlr, 
erhöht* Es sind vier Stufen der Resultate der Prüfung angegeben : 
vorzüglich würdig, würdig, nicht unwürdig, noch nicht würdig, 
die vierte oder letzte Stufe giebt kein Anrecht zum Genuss des 
Tischgeldes. Auf die Bitte Norderdithmarschens um Befreiung 
von der Zahlung zum Convikt event* dass die aus dieser Land- 
schaft Stammenden frei sein von der Vorlegung eines.Dürftigkeits- 
Zeugnisses, wenn nicht mehr als zwölf Norderdithmarscher im 
Genuss befindlich, erfolgte am 17. Mai 1823 ein abschlägiger 
Bescheid (Statut. II S. 249). Durch das Patent vom 6. Septbr. 
1825 (Systemat. Samml. IV S. 547) ward bestimmt, dass „der 
Genuss des Convikts mit Ausnahme der aus den dazu contribui- 
renden Landschaften gebürtigen Studenten, nur Denjenigen zu- 
erkannt werden soU, die im Conviktexamen wenigstens den 
Charakter würdig erhalten haben.'' Diese Ausnahme ward am 
22. Januar 1828 aufgehoben und der zweite Charakter oder das 



122 

Prädikat „würdig" für Alle erforderlich. Nach dem Regulativ 
für das philologische Stipendium vom 10. April 1810 (Systemat* 
Samml. IV S. 77 u. 78) hat Derjenige, welcher dieses Stipendii 
würdig erklärt ist, ohne Freitisch-Examen, wenn er dessen bedarf, 
die Wohlthat des Freitisches. Von der am 6. September 1825 
wiederholten Vorschrift, dass, wer bei Aeltem oder Angehörigen 
seinen Tisch hat, zum Convikt nicht zuzulassen, kann nach Patent 
vom 18. Januar 1828 (Systemat. Samml. IV S. 548) der Curator 
der Universität Dispensation ertheilen, wenn die Verhältnisse des 
Studirenden der Axt sind, dass sie dieser Unterstützung bedürfen. 
Diejenigen, welche von einer auswärtigen Universität nach Kiel 
zurückkehren, haben keinen Anspruch auf das Convikt, selbst 
nicht, wenn es ihnen früher verliehen war und die zwei Jahre 
des Grenusses nicht abgelaufen sind ; die Copenhagener Universität 
soll jedoch nicht als auswärtige angesehen werden nach Bestimmung 
von 1830 (Statut. II 279). Diese Bestimmung über den Aus- 
schluss vom Convikt wegen des Besuchs einer andern Universität 
ward durch Schreiben des Königl. Ministerii vom 6. Novbr. 1858 
(Gesetz- und Ministerialblatt 1858 Nr. 155 S. 309) aufgehoben. 
Den Conviktoristen wurde, wenn sie verreisten, ein Abzug 
des Tischgeldes gemacht, und zwar für einen Monat 4 Rthlr., 
für 15 Tage 2 Rthlr., für 7 Tage 45 /?, für 6 Tage 38 Va^ für 
2 Tage 15 ß^ für einen Tag 6Va p. Durch diese Abzüge, zu 
deren Behuf die Conviktoristen die Tage der Abwesenheit von 
Kiel gewissenhaft anzugeben hatten, war die Rechnungsführung 
des Quästors und die Revision der Rechnung erschwert. Auf 
Antrag des akademischen Consistorio ward durch Königl. Rescript 
vom 15. August 1837 (Chronolog. Samml. 1837 Nr. 116 S. 171) 
das alte Convikt und das 1790 angeordnete Tischgeld wesentlich 
geändert. Der Quästor zahlt quartaliter an jeden Percipienten, 
dem das Beneficium bewilligt ist, 10 Rthlr. Cour, oder 12 Thlr. 
Pr. ohne allen Abzug. Jeder Beneficiat hat sich innerhalb der 
ersten acht Tage nach dem gesetzlichen Anfang der Vorlesungen 
in jedem Semester bei dem Quästor zu melden. Wer dies ver- 
säumt, hat für das Semester keinen Anspruch, wenn nicht das 
zu späte Eintreffen durch Krankheit oder auf andere Weise ge- 
nügend entschuldigt wird, in welchem Fall der Curator die auf 
den noch übrigen Theil des Semesters von der Ankunft in Kiel 



123 

an fallende Summe bewilligen kann. Der Speisewirth kann auf 
das Oonviktgeld derjenigen Beneficiaten, welche ihn für den 
Mittagstisch nicht bezahlt haben, Arrest empetriren. Für die 
Einschreibung eines neu eintretenden Beneficiaten erhält der 
Quästor 1 Rthlr. Cour, aus der Freitischkasse, ohne dass der 
Studirende einen Abzug erleidet ; ausserdem bezieht der Quästor 
nach Königl. Resolution von 1854 (Gesetz- und Ministerialblatt 
für Holstein S. 592) für die Administration des Conviktorii 
16 ßbthlr. oder 10 ßthlr. Cour., also 12 Thlr. Pr. Im Jahre 
1858 ward das Stipendium von 10 Rthlr. Cour, auf 12V!i Rthlr. 
erhöht, und dem Curator gestattet, solchen Beneficiaten, die dessen 
besonders bedürftig und würdig sind, für das laufende Rechnungs- 
jahr event. das laufende Semester die Summe auf26Rbthlr. oder 
46 _^ 14 ^ Cour, zu erhöhen. Als gewöhnliche Zeit der Dauer 
des Stipendii wurden 1858 drei Jahre festgesetzt. Durch Aller- 
höchste Resolution vom 26. April 1863 ward das Stipendium für 
neu Eintretende wieder auf 10 Rthlr. Cour, gesetzt. (Gesetz- 
und Ministerialblatt 1863 St. 11 Nr. 37.) 

Nach der Rechnung der Conviktkasse bezieht dieselbe jetzt 
(1869) jährlich: 

aus Norderdithmarschen 500 Rthlr. Cour.') — ß 

„ dem Amte Apenrade 38 „ „ 36 „ 

„ der Landschaft Eiderstedt . . 600 „ „ — „ 

„ der Insel Föhr 27 „ „ 36 „ 

„ Pelworm 60 „ „ — „ 

„ der Insel Sylt seit 1868... 16 „ „ 12 „ 

(früher 26 Rthlr.) 
^ dem Amt Tondem Geest. .230 „ „ — „ 
w » » 95 Marsch. 163 „ „ 22 „ ^ 

1636 Rthlr. Cour. 10 ^ 
an Zinsen und Miethe 1518 „ „ — „ 

3154 Rthlr. Cour. 10 ß 
Es gehen ab an Abgaben circa 20 „ „ — „ 

3134 Rthlr. 10 ß Cour. 



■) 5 Rthlr. Cour, sind gleich 6 TWr. Pr, 



124 

In dem Budget des Herzogthums Holstein vom I.April 1866—67 
sind S. 152 8756 ^ 12 V« /?, gleich 3502 Thln 21 Gr. 4'A Pf., 
in den oben S. 97 erwähnten Anlagen sind S. 80 3502 Thlr. 22 Gr. 
6 Pf. angegeben. Die Zinsen sind seit Anfang 1869 erhöht, die 
Miethe seit Ostern 1867. Die Verfügung des Königs vom 
9. November 1739 ') bestimmt, dass von der Summe, welche die 
Schleswigschen Commünen zum Convikt contribuiren, so viel an 
das Altonaer Gymnasium gegeben werden solle, dass zehn Frei- 
tische in Altona errichtet werden könnten. Diese Verfügung 
wird nicht zur Ausführung gekommen sein. ') 

In den Provinzialberichten 1813 8.65 — 75 gab der Kieler 
Professor Möller eine üebersicht der von 1801 bis 1812. für den 
Genuss des Convikts von der philosophischen Fakultät Exami- 
nirten. In demselben Journal antwortete Möller S. 717— 739 auf 
ein Schreiben des Altonaer Direktors Struve, welches gegen einige 
Aeusserungen der üebersicht gerichtet war. Die Gesammtzahl 
der Geprüften war 158, nämlich: 76 Theologen, 6 Philologen, 
50 Juristen, 22 Mediciner und 4 Mathematiker. Von den 158 
waren 28 wiederholt geprüft. Nur 51 waren auf Holsteinischen, 
13 auf auswärtigen Schulen gewesen, 22 hatten nur Privatunter- 
richt gehabt, also waren 72 von Schleswigschen Schulen. Zehn 
der Geprüften waren ganz abgewiesen, 105 erhielten den dritten 
Charakter. Seit dieser Zeit hat sich der Schulunterricht der 
Schleswig-Holsteinischen Schulen sehr gebessert, solche traurige 
Resultate kommen jetzt beim Conviktexamen nicht mehr vor. 
Früher besuchten, namentlich im Schleswigschen, Manche erst 
vom sechszehnten, die Söhne von Landpredigem etwa vom 
zwölften Jahce an die gelehrte Schule. Professor Möller empfiehlt 
die Einrichtung, dass alle diejenigen Sshüler, welche zur üniver- 
sität abgehen wollen, sich vorher einem Examen der Reife zu 
unterwerfen haben. Solche Prüftmgen, sagt er, müssen nicht bis 
zur Ankunft auf der Universität verschoben, sondern an einem 



') Schmid, Versuch einer historischen Beschreibung der Stadt Altona, Altona 
1747, S. 244. Frandsen giebt in der Säcularfeier des Christianuras in Altona, 
Altona 1839, S. 36, an, dass jährlich 1500^ an das Christianum gezahlt werden. 
Nach freundlicher Mittheilung des Direktors Lucht sind nur einmal 1500 ^ yon 
Schleswigschen Commünen an das Altonaer Gymnasium gezahlt worden. 



125 

Ort ausserhalb der Universität von einer dazu ernannten Commission 
angestellt werden; Schumacher (Provinzialberichte 1813 S. 331) 
stimmt ihm bei. Was Müller 1813 vorschlug, ist, freilich nicht 
so, wie er wünschte, durch Rescript vom 19. Octbr. 1867, welches 
das Preussische Reglement vom 4. Juni 1834 einführte, vorge- 
schrieben worden. Nach diesem Rescript sollen regelmässig nur 
die mit dem Zeugniss der Reife von der Schule Entlassenen als 
Studirende der Theologie, Jurisprudenz undCameralwissenschaften, 
der Medicin und Chirurgie, und ^Philologie auf inländischen Uni- 
versitäten angenommen und inscribirt werden. Oeffentliche Bene- 
ficien für Studirende sollen nur an Solche conferirt werden, welche 
das Zeugniss der Reife erlangt haben. Privat- oder Familien- 
Stiftungen dagegen können, nach dem 1867 eingeführten Regle- 
ment vom 4. Juni 1834, hierdurch nicht beschränkt werden. 
(Verordnungsblatt für Schleswig -Holstein 1867 S. 1368—1372.) 

Man kann wohl nicht daran zweifeln, dass das Tischgeld 
des Oonvikts ein öffentliches Beneficium ist. Die Gegenstände 
und Anforderungen des Conviktexamens werden zusammentreffen 
mit denen der Abgangsprüfungen auf den gelehrten Schulen. 
Man kann fragen, ob die Prüfung der philosophischen Fakultät 
noch nothwendig oder doch zweckmässig erscheint. Bis jetzt ist 
die Aufhebung der Conviktprüfung nicht erfolgt. Zur Controle 
der Schulprüfungen sollte das 1775 angeordnete Examen der 
philosophischen Fakultät, welches halbjährlich abgehalten wird, 
ursprünglich nicht dienen. Wäre dies der Zweck, so müssten 
alle neu eintretenden Studirenden, nicht bloss die das Convikt 
suchenden unbemittelten geprüft werden. Die Resultate der 
Schulzeugnisse und der Conviktprüfung weichen freilich nicht 
selten von einander ab. Die Schulmänner Struve und Schumacher 
haben wohl nicht mit Unrecht hervorgehoben, dass zum Examen 
Glück gehöre, dass nicht ungeschickte Schüler häufig in schrift- 
lichen und mündlichen Prüfungen handgreiflich grobe Fehler 
begehen. Die Lehrer glauben ihre regelmässig mehrjährigen 
Schüler besser zu kennen, als die Fakultät sie durch eine 
Prüfung kennen lernt. 

Für den Fall, dass viele Bewerber da sind, und die Oonvikt- 
kasse nicht gestattet, alle mit dem Zeugniss der Reife von der 
Schule Entlassenen den Genuss des Convikts zu zahlen, ist aller- 



126 

dings festzustellen, wer zu bevorzugen ist. Da indessen nach, dem 
ßescript vom 23. Juli 1790 (Systemat. Sammlung IV 535) die 
Abkunft aus einer contribuirenden Landschaft und darnach die 
grössere Dürftigkeit entscheidet, und erst als drittes Moment 
der vorzüglichere Charakter genannt ist, so würde das Resultat 
des Conviktexamens wohl selten die Entscheidung zu geben haben. 
Nach Koch, die Preussischen Universitäten B. 1. S. 548 bestand 
wenigstens in Königsberg ein Freitisch, dessen Genuss nicht 
bloss von der Reife zum Universitätsstudio abhing, sondern, wenn 
ich die Worte recht verstehe, ausserdem nach § 4 von einer 
besondem Prüfting. 

Doctor Paulsen sagt in der Vorrede S. VIII zu seiner 
Schrift : ^Die Stipendien in den Herzogthümem, Schleswig 1868" : 
^Ueber die Vertheilung der Stipendien enthalten die einzelnen 
Fundationen die näheren Bestimmungen. Im Allgemeinen wird 
der Grundsatz festgehalten, dass der Stipendiat im Conviktexamen 
den Charakter würdig erlangen muss." Wäre der letztere Satz 
begründet, so läge darin wegen der vielen Stipendien, die hier- 
nach von der Conviktprüftmg abhängig sein müssten, ein Grund 
zur Beibehaltung dieses Examens. Der Charakter würdig ist 
aber erst am 3. Februar 1798 bestimmt worden (Paulsen 1. c. 
S. 129), die meisten oder doch viele Stipendien dagegen sind 
aus früherer Zeit. So viel ich weiss, ist nur bei dem Stipen- 
dium meines Freundes Kamla (Paulsen 1. c. S. 158) und bei dem 
Eaiickbein'schen Legat der zweite Conviktcbarakter als Erforder- 
niss von den Testatoren vorgeschrieben. Das bedeutendste 
Stipendium wenigstens der neueren Zeit ist wohl das Leiders- 
dort'sche vom 1. Juni 1852, jährlich 500 Rthlr. Cour, oder 600 
Thlr. Pr. auf zwei Jahre, der Genuss ist davon abhängig gemacht, 
dass ein Altonaer Gymnasiast sein Abgangs- oder Maturitäts- 
examen wohl bestanden habe. Dass der Beneficiat das Convikt- 
examen bestehe, ist vom Testator nicht bestimmt worden. Für 
das Krück'sche Stipendium ist in der Fundation vom 16. Decbr. 
1825 eine Prüfung vorgeschrieben, welche bis 1852 von einem 
Mitgliede des Obergerichts und dem Rector der Domschule in 
Schleswig abgehalten wurde. Im Jahre 1852 ward die Verwaltung 
des Stipendü dem Appellationsgericht in Flensburg übertragen. 
Durch ein Ministerialrescript vom 25. März 1868 ist die Prüfung 



127 

für dieses Stipendium aufgehoben worden und bestimmt, ,,dass an 
deren Stelle eine Prüfang der von den Bewerbern beizubringenden 
Maturitäts-Zeugnisse, unter besonderer Berücksichtigung der ihnen 
über die Kenntnisse der lateinischen und griechischen Sprache, 
so wie in den philosophischen, mathematischen und historischen 
Wissenschaften ertheilten Zeugnisse, den von dem Rector der 
Schleswiger Domschule in Gemeinschaft mit dem zur speciellen 
Verwaltung der Stiftimg kommittirten Regierungsmitglied einzu- 
reichenden Vorschlägen für die Verleihung des Stipendiums zum 
Grund gelegt wird." (Verordnungsblatt für Schleswig -Holstein 
1868 St. 51 S. 595.) 

In dem Eescript des Ministers der geistlichen, Medicinal- 
und Unterrichts - Angelegenheiten an den Oberpräsidenten vom 
9. April 1868 (Stiehl, Centralblatt 1868 S. 329) heisst es: ^Die 
Frage endlich, wegen Zulassung von Studirenden, die kein Ma- 
turitäts-Zeugniss vorlegen können, zum Genüsse des Freitisches 
und gewisser Stipendien, erledigt sich durch die Bestimmung in 
der Verfügung vom 19. Februar 1778 (Systemat. Sammlung der 
Verordnungen IV S. 595 u. folg.), wonach die Behuf des Studirens 
zu verwendenden öffentlichen Wohlthaten Solchen nicht zugetheilt 
werden sollen, die nicht vorher geprüft und zur Akademie gehörig 
vorbereitet befunden werden. Es versteht sich von selbst, dass 
die Staatsregierung befugt ist, zu bestimmen, auf welche Weise 
die gehörige Vorbereitung zu documentiren ist, und dazu eignet 
sich künftig nur das Maturitäts-Zeugniss von einem Gymnasium. 
Hinsichtlich des Oldenburgischen Stipendiums sind überdies die 
Bewerber nach dem Bescript vom 9. Januar 1816 verpflichtet, 
über ihren Fleiss und erlangte Reife zu den akademischen Studien 
Atteste vorzulegen. An der Einrichtung des Freitisch-Examens 
wird für jetzt nichts geändert. — Sollte der üebergang in die 
neue Ordnung der Dinge Veranlassung zu Dispensationsgesuchen 
in Bezug auf die Verleihung akademischer Beneficien geben, so 
ermächtige ich Sie hierdurch, darüber zu befinden.'' 

Für die Lehrer der philosophischen Fakultät ist es aller- 
dings von Interesse, wenigstens einen Theil der neu eintretenden 
Studirenden kennen zu lernen und sie werden auch gewiss femer 
Zeit und Mühe daran wenden, um die halbjährlichen Prüfungen 
abzuhalten. Für die Kopenhagener Universität genügt das Schul- 



128 

zeugniss nicht, die Universität bat eine Prüfung abzuhalten. 
Sollte die Conviktprüfiing wegfallen, so müssten filr diejenigen 
Stipendien, welche, wie das Kamla'sche und Knickbein'sche, vom 
Bestehen dieser Prüfung abhängen, modificirt werden. In Palck's 
Staatsbürg. Magazin, B. 9, Schleswig 1829, wird S. 381 u. folg. 
in einer Abhandlung über den Andrang junger Leute zum Studiren 
S. 402 die Härte hervorgehoben, welche darin liege, dass die 
Söhne der Bürger, Beamten und Gutsbesitzer von der Militär- 
pflicht befreit und ohne Prüfung immatriculirt werden könnten, 
dagegen die Landmilitärpflichtigen sich einer Prüfung zu imter- 
werfen haben, um wenigstens vorläufig übergangen zu werden. 
Durch die Anordnung der allgemeinen Militärpflicht ist eine der 
beiden Härten, die der Verfasser rügt, Militärpflicht und Prüfung, 
weggefallen. Der Verfasser räth, die Prüfung, welche die Con- 
viktoristen zu bestehen haben, auf alle Diejenigen auszudehnen, 
welche kein Maturitäts - Zeugniss von der Schule mitbringen. 
Die Zahl der in Kiel Studirenden war nach den Angaben auf 
S. 385 im Winter 18^8/i9 222, im Winter 18*%0 330. Nach 
Twesten's Angabe in den Kieler Beiträgen B. 1 Schleswig 1820 
S. 324 betrug die Zahl der in Kiel Studirenden im Winter 18 * Vi i 
111. Seit 1801 zeigte sich eine Abnahme der Studirenden, die 
Zahl der Medianer nahm jedoch seit 1800 auffallend zu, 1802 
im Sommer studirten in Kiel 9 Mediciner, 1817 39. Im Sommer 
1819 betrug die Gesammtzahl 230, unter denen 68 Theologen, 
103 Juristen, 52 Mediciner. Nach den Verzeichnissen der Stu- 
direnden hatte Kiel im Sommer 1854 144 Studirende, unter denen 
58 Juristen und 46 Mediciner; 1869 im Sommer 156 Hörer, von 
denen 5 nicht immatrikulirt waren, unter den 156 waren 20 Juristen 
und 60 Mediciner. Vergl. Chronik der Universität 1857 S. 24, 
1859 S. 75. 

b) das philologische Stipendium und die Prüfung 
der Candidaten des höheren Lehramts. 

Ueber dasselbe hat Professor G. Ourtius in der Chronik 
1855 S. 37—41 Nachricht gegeben, indem er über das philologische 
Seminar berichtete. Das Rescript vom 29. October 1777, durch 
welches dieses Stipendium gestiftet wurde, ist leider weder in der 



129 

chronologischen noch systematischen Sammlung abgedruckt, son- 
dern in dem Jahrgang der Verordnungen von 1777 auf den früher 
gedruckten Jahrgang von 1789, auf die Rescripte vom 20. u. 21.März 
1789 (ChronoL Samml. 1789 S. 14 — 17) verwiesen. Diese Rescripte, 
an den Kieler Eorchenrath Greyser in Kiel gerichtet, sagen, dass 
der König aus seiner ChatuUkasse jährlich 200 Bthlr« in zwei 
Terminen werde zahlen lassen, damit dieselben „unter vier ein- 
gebome studiosos, die Du nach Deiner gewissenhaften Auswahl 
zu Sehullehrem tüchtig erachtest und vier oder wenigstens drei 
Jahre*) dort studiren, dergestalt vertheilt werden sollen, dass 
jeder derselben jährlich fünfzig ßthlr* Cour, geniesse''. Des 
Erbprinzen Friedrich Königliche Hoheit vermehrte dieses Stipen- 
dium „für vier eingebome studiosos, die auf dortiger Universität 
sich den Schulwissenschaften widmen,'' mit hundert Rthlr. Die 
Stipendiaten „sollen in den ersten zwei oder anderthalb Jahren 
sich eigentlich der philologischen und historischen und in den 
beiden oder anderthalb letzten Jahren der philosophischen und 
theologischen Studien befleissigen.'' „Gredachte Studiosi sollen 
dieses Stipendium in der letzten Hälfte ihres vier-, oder dreijäh- 
rigen Aufenthalts zu Kiel nicht eher gemessen, als bis sie von 
den professoribus linguarum und historiae in Deiner Gegenwart 
examinirt und ihnen — einZeugniss ihres Fleisses und Fortgangs 
in den Studien ertheilt worden. Nach völlig geendigtem Cursus 
auf dortiger Universität sind die Stipendiaten von den professoribus 
theologiae und philosophiae , deren Vorlesungen sie beigewohnt 
haben, auf gleiche Weise zu examiniren — .^ Die von dem Erb- 
prinzen bewilligten ein Hundert Bthlr* jährlich sollten zu Prämien 
tmter diejenigen Stipendiaten vertheilt werden, welche die beste 
Probe von ihrem Fortgang in den Studien ablegen — . Die Be- 
willigung der 100 Bthlr. von dem Erbprinzen wird später sistirt 
sein. Nach einem dritten Bescript vom 21. März 1789 waren 
damals von den ausgesetzten Geldern der 200 Bthlr. und 100 Kthlr« 



*} Darch ein Rescript yom 27. Januar 1778 (Systemat Samml. IV S. 568) 
war bestimmt worden, dass das zar Aalinanterung der stadiosorum philologiae ge- 
stil\ete Stipendium solchen Studirenden, welche die sonst erforderlichen Eigenschaften 
besitzen, verliehen werden möge, wenn diese sich auch nicht langer als 3 Jahre 
auf der Universität aufhalten können. 



130 

ein Capital von ftknf Hundert und einigen Zwanzig Bthlr. S.-H* 
Cour, erübrigt* Die Zinsen yon 500 Bthlr. sollte Kircbenraä 
Greyser dem einen oder andern der dortigen Philologen, die das 
Stipendium gemessen, znr Yerbessenmg desselben nadi seinem 
gewissenhaften Befinden heilten. 

Wichtige Aenderungen erhielt das philologisdie Stipenditiin 
dnrch das Begtdatiy vom 10. April 1810 (Systemat. SammL XV 
S. 577— Ö82> Das Stipendium von 200 Bthlr. jährlidi fiir arme 
eingebome Stadirende auf der Universität Kiel, die sich den 
Sdinlwissenschaften widmen tmd zu dem Ende drei oder vier 
Jahre in Kiel studiren wollen, ward unter die Direction des 
akademischen Consistorii gestellt, also war ein firüher vorge- 
schriebener Bericht und die Entscheidui^ derK^mzlei nidit naehr 
erforderlich. Das Stipendium soll das erste Mal nur auf zwei 
Jahre ertheilt werden, sind weniger als vier Stipendiaten, so 
kann dies Stipendium bis auf 100 Bthlr. erhöht werden. Um 
zum Genuss zugelassen zu werden, muss der Bewerber, nach 
Einlieferung einer Probeschrift an das Consistorium, sidi in den 
alten Sprachen und der Geschichte prüfen lassen. Wer würdig 
erklärt ist, erhält auch, wenn er dessen bedarf, ohne Fieitisch- 
Examen die Wohlthat des Freitisches. Nach zwei Jahren wird 
der Stipendiat abermals in den alten Sprachen, der Gres<Mt^te 
und Mathematik examinirt. Ergiebt sich, dass der Stipendiat 
gute Fortschritte gemacht, so wird ihm das Stipendium noch auf 
ein oder zwei Jahre verliehen. Die Prükfungen hält eine Oommission, 
bestehend aus einem Professor Ordinarius der Phäologie tmd der 
Geschichte* An dem zweiten Examen nimmt ein Professor Ordi- 
narius der Mathematik TheiL Nach Beendigung der Studien auf 
der Utiiversität findet eine Schlussprüfung statt üb^ die Kennt- 
nisse in der Philologie, Philosophie, der philosophisdien und 
bOrgerUchen Ges*(^chte und Mai&ematik, der An£angsgründe der 
hebräischen Sprache, der Exegese^) und Dogmatik^)w An dieser 
Schlussprüfung nehmen ausser den Mitgliedern der zweiten Prüfung 



1) In dem sonst sorgfaltigen Bericht in der Chronik 1856 S. SS isl die 
Exegese ausgelassen. 

") Nach Bescript vom 8. Jali 1830 sott aach in der Pädagogik geprüft 
werden (Systemat. Samml. IV S. 582.) 



131 

noch Tbeil : ein Professor der Theologie, ein oder zwei Professoren 
der Philosophie, welche vom Oonsistorium dazu deputirt werden. 
Zu der Schlussprüfiing können auch Studirende zugelassen werden, 
welche sich dem Schulunterricht gewidmet habep, obgleich sie an 
dem Genuss des Stipendiums keinen Theil genommen. Der 
Professor der Philologie hat ein Protokoll über das Institut zu 
halten imd dasselbe dem Consistorio beim Bectoratswechsel vor- 
zuzeigen, ein ausführlicher Bericht über das Institut ist jährlich 
an die Schleswig - Holsteinische Kanzelei einzusenden* Nach 
ßescript vom 8. Juli 1820 soll neben der Würdigkeit auch auf 
die Bedürftigkeit gesehen werden, und bei gleicher Würdigkeit 
dem Bedürftigem der Vorzug eingeräumt werden. Es können 
auch ausserordentliche Mitglieder des philologischen Seminars 
aufgenommen werden, welche durch bewiesenen Fleiss und Eifer 
das Recht erwerben, unter übrigens gleichen Umständen und 
Ansprüchen, im Fall der Yacanz eines Stipendü, in der Ertheilung 
desselben Anderen vorgezogen zu werden. Die Bestimmung des 
BegulativB vom 10. April 1810, dass die Zinsen des erübrigten 
Capitals von SOOBtiilr. dem Stipendiaten bezahlt werden sollten, 
der sich im zweiten Examen vorzüglich auszeichnet, ward durch 
Ministerialschreiben vom 16. Septbr. 18ö7 (Gesetz- u. Ministerial- 
blatt für Holstein und Lauenburg 1857 S. 270) aufgehoben und 
verfügt, dass aus den Zinseneinnahmen zwei ordentliche Stipendien- 
Portionen von jährlich 80 Rbthlr. (60 Thlr» Pr.) vergeben werden, 
wie die vier schon bestehenden Stipendien. 

Hiemach bestehen also sechs Stipendien für eingebome 
Studiosi, die sich auf der Kieler Universität den Schulwissen- 
sehaften widmen. Nach Ouratelschreiben vom 4. Februar 1869 
ist „die Proceptions&higkeit der Bewerber um das philologische 
Stipendium bei der hiesigen Universität an den Besitz des 
Preussischen Indigenats gebunden.^ Es ist also nicht mehr auf 
Eingebome der Herzogthümer Schleswig - Holsteins beschränkt. 

Die Schleswig-Holsteinische Regierung auf Gottorf brachte 
durch eine Bekanntmachung vom L Febmar 1844 die 3§ H und 
12 des Regulativs vom 12. April 1810, die Schlussprüfung be- 
treffend, in Erinnerung. „Wer sich in der Schlussprüfung aus- 
zeichnet, kommt bei Besetzung der Schullehrerstellen vorzüglich 
in Betradit,^ heisst es in § 12. Das Normativ des Königlichen 

9* 



132 

Ministerii für die Herzogthümer Holstein und Lauenborg yom 
10. August 1857 (Gesetz, und Ministerialblatt 1857 Stück 27 
S. 245—251) schrieb ein Examen für die Schulamts-Candidaten 
vor, durch welches §§ 11. 12 des Regulativs von 1810 geändert 
wurden. Die Prüfung soll einmal im Jahr von einer Commission 
von Universitätslehrern abgehalten werden, und zwar von vier bis 
ftlnf ordentlichen Mitgliedern aus der philosophischen und einem 
ordentlichen Mitgliede aus der theologischen Fakultät. Nach Be- 
dürfidss können für bestimmte einzelne Prüfungsfächer auch ausser- 
ordentliche Mitglieder zugeordnet werden. Auf Bericht des Curators 
werden dieCommissionsmitglieder durch die vorgesetzten Ministerien 
fbr einen Turnus von je 3 Jahren bestellt, indem einem ordentlichen 
Mitglied als Dirigenten die Leitung zugewiesen wird. Zum Examen 
werden, wenn nicht eine Dispensation erwirkt ist, nur Diejenigen 
zugelassen, welche von einer Grelehrtenschule des Inlandes als 
reif zur Universität entlassen oder das Conviktexamen bestanden 
und während eines akademischen triennü sich dem Studium der 
fiir das höhere Schul&ch vorbildenden Wissenschaften gewidmet, 
so wie wenigstens zwei Jahre als immatriculirte Studenten an der 
Universität Kiel zugebracht haben. Die Fächer, in denen zu 
prüfen ist, sind genau angegeben. Der Candidat hat in der 
Gelehrtenschule der Stadt Kiel einige Probelectionen zu geben. 
Für das Examenszeugniss sind 20 Bbthlr* zu entrichten. Dieses 
Normativ von 1857 ist aufgehoben worden durch die Verordnung, 
betreffend die Prüfung der Candidaten des hohem Schulamts in 
den neu erworbenen Landestheilen vom 13. März 1867 (G-esetz- 
Sammlung für die Preussischen Staaten 1867 S. 395, Stiehl, 
Centralblatt 1867 S. 218, und Verordnungsblatt für Schleswig- 
Holstein 1867 S. 578 Nr. 208). Die Prüfung ist nach den in den 
älteren Provinzen deshalb bestehenden Grundsätzen zu regeln und 
fernerhin in Uebereinstimmung damit zu erhalten* 



c) Das Schassianum Stipendium oder praemium* 

Nähere Nachricht über das von dem Holländer Samuel 
Schass, dem Zögling des gebomen Kendsburgers Marquard Gude, 
1675 gestiftete Stipendium habe ich in dem Archiv für Staats- 



133 

und Kirchengeschichte der Herzogthümer B. 5 S. 564 — 580*) 
gegeben und auch die von^^meinem CoUegen Nitzsch mir gegebenen 
Nachrichten über die den Bewerbern um dieses Stipendium in 
einer Eeihe von Jahren gestellten Aufgaben mitgetheilt. Eine 
kürzere Nachricht gab ich in meinem Beitrag zur Geschichte 
der Kieler Universität Kiel 1859 S. 34—35. Die von S. Schass 
zu einem Stipendium optimarum literarum für studiosi humaniorum 
literarum in Kiel legirten 100,000 fl. wurden durch einen Prozess 
gegen die Brüder des Stifters etwas verringert. Durch das 
Kielmannseggische Legat wurde der Fond des Schassischen 
etwas vergrössert. Durch das Rescript vom 13. November 1804, 
welches als Anhang zu der chronologischen Sammlung der Ver- 
ordnungen des Jahres 1840 Seite 379 — 382 gedruckt wurde, 
ward bestimmt, dass jährlich 300 Rthlr. Courant zu drei 
Stipendien von 120, 100 und 80 Rthlr, vergeben werden. Noth- 
wendige Bedingung ist, dass die Percipienten sich während des 
Genusses auf der Universität Kiel aufhalten. Die Bewerber haben 
eine Abhandlung über eins der von der Examinationscommission 
bekannt zu machenden Themata einzureichen und eine mündliche 
Prüfung zu bestehen. Ausser dem ordentlichen Lehrer der Be- 
redsamkeit soll die Prüfungsbehörde aus einem Mitglied jeder 
der vier Fakultäten bestehen, welches von dem Könige auf Vor- 
schlag des Curators ernannt wird. Die Commission entscheidet 
allein über die Würdigkeit, das akademische Consistorium hat 
nach Vergleichung der persönlichen Bücksichten und Bedürfnisse 
die Verleihung. Der Genuss kann ein, zwei, höchstens drei Jahre 
dauern. ^Die Bewilligung eines Stipendii für das erste Jahr soll 
zwar den Anspruch und ein Vorrecht zur Fortdauer desselben 
für das nächste Jahr geben, aber sie setzt nothwendig eine zweck- 



') Bei dieser Nachricht habe ich die handschriftlichen Data des Professors 
Kleuker über dieses Stipendium, welche er 1802 für den Cnrator Reventlow ge- 
schrieben, und Twesten's Nachricht über dieses Stipendium in den Kieler Beiträgen 
B. 1 S. 331 u. folg. benutzt Die Handschrift des Professors Kerstans, Historia 
et rationes stipendii schassiani, welches Kleuker benutzte, ist nicht wieder aufge- 
funden. Ueber Klenker's Data und Nitzsch's Nachrichten vergL Verzeichniss der 
Handschriften B. 1 S. 283. Nachrichten über das Stipendium giebt das handschriftliche 
Ststatenbach I 486, 95, II 229« 307. und Professor Heinrich in der Zeitung für 
Literatur und Kunst in den dänischen Staaten B. l Intellig. Nr. 3. 



134 

massige Anwendung der genossenen Wohlthat und gemadite 
Fortschritte in den Wissenschaften, deren Studium dadurch be- 
fördert werden sollen, voraus. Es müssen also Diejenigen, welche 
sich dazu Ho&ung machen wollen, sich den alljährlich zu wieder« 
holenden imd fortschreitenden Prüfungen unterwerfen und darin 
jedesmal würdig befunden werden. Insonderheit ist die Fortsetzung 
des Stipendii für das dritte Jahr nur dem vorzüglichsten Verdienste 
und der gegründeten Hoffiiimg künftiger Auszeichnung zuzustehen.^ 

Das Eescript von 1804 will die frühere Främienaustheüung 
in Stipendienverleihung ändern, hat aber doch theils den Charakter 
der Främien behalten. In der Bekanntmachung des akademischen 
Consistorii vom 1. Deobr. 1804 in den akadem. Gresetzen ist hervor- 
gehoben, dass das Schassische Stipendium nicht bloss den Huma- 
nisten von Frofession, sondern auch den Studirenden der Theologie, 
Jurisprudenz und Medicin verliehen werden kann und darnach die 
Aufgaben der Abhandlimgen und die Früfimgen, welche dem Zweck 
der Stiftung nach humanistisch sein sollen, einzurichten sind. Jeder 
der Examinatoren erhält aus der Kasse des Stipendiums 4Itthlr. 
Cour, jährlich für seine Bemühung. Die Namen Derer, welchen 
das Stipendium bewilligt ist, sollen in den Schleswig-HolsteinijSchen 
Anzeigen oder sonst in einem öffentlichen Blatt bekannt gemacht 
werden. ') In dem Amtsblatt filr die Herzogthümer 1850 St. 70 
S. 523—525 erschien von der Statthalterschaft ein Eegulativ, 
betreffend die Verleihung der akademischen Beneficien der Schassi- 
sehen Stiftung, deren Einkünfte damals jährlich 1200 ^ Cour., 
also 480 Thlr. Fr. betrugen. Die Freissummen sollen nicht 
unter 240 ^ imd nicht über 360 ^ Cour, betragen. 

Nach dem Budget für Holstein vom 1. April 1865—66 S. 104 
hat das Schassianum an Zinsen vom eigenen Vermögen 

2020 ^ 13 yff, 
an Landhäuer nebst Miethe filr einen Kirchenstuhl 545 ^ 7 ^ 



Jährliche Einnahme 2566 ^ 4 /?. 



^ Twesten theate in den Kieler Beitragen B. 1 S. 884 die im Jahr 1819 
gestellten Aufgaben und die gewonnenen Preise mit, Niemann berichtete in der Ton 
ihm 1826 — 1881 herausgegebenen Chronik über das Schassianum, in der seit 1854 
erscheinenden Chronik der Universität ist regelmässig Nachricht über dieses Stipenditun 
gegeben worden, in der Chronik von 1868 S. 44. 



135 

Nach dem Budget des Herzogthums Holstein vom 1 . April 1866 - 67 
S. 152 hat das Schassianum jährliche Einnahme 2707 ^ S fi,^ 
Nach den Anlagen zum Staatshaushalts-Btat für 1868 Nr. 6 S. 80 
hat das Stipendium Schassianum vom Grundeigenthum 211 Thlr. 
2 Sgr. & Pf., Zinsen 917 Thlr. 13 Sgr. und sonstige Einnahmen 
7 Thlr. 6 Sgr., nach Abaug der Verwaltwigskosten und Abgaben 
1087 Thlr. 8 Sgr. 11 Pf. 



d) Das Bichardische Stipendium.^) 

Etatsrath Carl Friedrich Richardi gab 1785 2000 Rthlr. 
Cour, an die Amtskasse zu Reinbeck gegen die Königliche Ver- 
sicherung, dass ihm auf seine Lebenszeit aus den redesten Ein- 
flüssen dieses Amts jährlich fünf Prozent von diesem Capital, 
also 100 Rthlr. Holst, gr. Oour., ausgezahlt, nach seinem Ableben 
bis zu ewigen Tagen mit gleichmässiger Auszahlung dieser 100 
Rthlr. zum Behuf eines Stipendii für die Kielische Universität 
fortgefahren werde. Diese Zinsen von 100 Rthlr. sollen an zwei 
unbemittelte auf der Universität zu Kiel studirende Personen, 
jede mit 50 Rthlr., als ein Stipendium gereicht werden. Jeder 
Stipendiat soll dieses Beneficium nur zwei Jahre, wenn er in 
Kiel zwei Jahre studirt, gemessen. Ob ein hülfsbcdürftiger 
Studiosus Theologie, Jura, Medicin oder bloss philosophische 
Wissenschaften studirt, ist fllr die Verleihung des Stipendii gleich. 
Der Stifter des Stipendii sagt § 4 : „Dass unter solchen Stipen- 
diaten die eingebomen Hamburger, wenn sie in Kiel zwei Jahre 
studiren und über ihren auf Schulen bewiesenen Fleiss, Application 
und geführten guten Lebenswandel das Zeugniss ihrer Lehrer 
sowohl als auch wegen ihrer bedürftigen Umstände sonstige be- 
glaubigte Atteste beigebracht haben werden, den Vorzug vor 
andern Competenten haben, nach den Hamburgern die eingebomen 
Baeler, und wenn keiner dieser beiden Stadtkinder auf der Unv 
yersität sich befinden möchten, die anderen Landeskinder, ihren 
Verdiensten nach, folgen soUen,*' Jeder Stipendiat soll vor seinem 



^) Sjatemat SammL der Verordnangen IV S^» 570—572, ChronoL Samml. 
1831 S. 21, Interpretation vom 23. März 1831, Statut Vol. IS. 820. 837.118. 284. 



136 

Abgang von der Universität eine öffentliche Oration oder Dispu- 
tation ohne grosse Kosten und Aufwand halten. Die Couienrufig 
des stipendii hat das consistorium academicum. Expectanzen auf 
ein Jahr voraus sollen nicht ertheilt, zu ewigen Tagen soll keine 
willktthrliche Abänderung in dieser Fundation statt haben noch 
gemacht werden, sondern es dabei sein unabänderliches Verbleiben 
behalten. 

Der König bestätigte am 6. Januar 1786 Eichardi's Fun- 
dation. Durch Kanzleischreiben vom 22. März 1831 ward erklärt, 
dass die in § 4 der Fundation enthaltenen Ausdrücke ^eingebome 
Hamburger und Kieler" nach dem nicht zweifelhaften Wortsinn 
zu verstehen, mithin bei Verleihung des Richardischen Stipendiums 
auf die blosse Greburt zu sehen. 

e) Das Herzoglich Oldenburgische Stipendium.') 

Der Herzog von Oldenburg schenkte 1789 der Kieler 
Universität ein Capital von 2500 Rthlr. Schlesw.-Holst* Cour., 
dessen Zinsen die Landräthin von Grusmann bis zu ihrem Tode 
(gegen Ende des Jahres 1814) gemessen sollte. Nach dem Rescript 
vom 12. Novbr. 1814 (Chronol. Samml. 1814 S. 177) sollen die 
Zinsen des genannten Capitals, der Absicht des Stifters gemäss, 
an zwei in Eael Studirende auf drei nach einander folgende Jahre 
verliehen werden, mit vorzüglicher Berücksichtigung der Eutiner 
und Oldenburger Landeskinder, wenn solche auf der Akademie 
zu Kiel vorhanden sind. 

Durch das Bescript vom 9. Januar 1816 (Chronol. Samml. 
der Verordnungen 1816 Nr. 3 S. 2 — 4) sind die von dem aka- 
demischen Consistorio bei Verleihung des Herzoglich Olden- 
burgischen Stipendii zu beobachtenden Grundsätze näher ange- 
geben. Die Bewerber, Theologen, Juristen, Mediciner, Philosophen, 
müssen bereits auf der Kieler Universität immatriculirt sein und 
Vorlesungen besuchen. Dem lateinischen Memorial zur Bewerbung 
hat der sich Bewerbende glaubhafte Zeugnisse seiner Schul- und 
akademischen Lehrer über seine bisher bewiesene gute AufiPilhrung, 



1) Statat. Vol. II S. 213—216. 283—284. 



137 

über seinen Fleiss und erlangte Beife zu akademischen Studien, 
ausserdem aber beglaubte Atteste, dass er Unterstützung bedürfe, 
beizulegen. Vorkommenden Umständen nach kann der akademische 
Senat noch eine besondere Prüfung durch die philosophische Fa- 
kultät verordnen. Bei gleicher Würdigkeit entscheidet die gi;össere 
Bedürftigkeit. ^^Bie Oldenburger und Eutiner Landeskinder^, 
heisst es in § 3, «»gehen bei Ertheilung dieser Stipendien allen 
andern vor, wenn sie zur Zeit der Vertheilimg derselben auf der 
Kieler Universität wirklich studiren und mit befiriedigenden Zeug- 
nissen ihrer Bedürftigkeit und ihres Pleisses versehen sind. 
Uebrigens dürfen eigentliche Anwartschaften weder an Abwesende 
noch an Gregenwärtige im Voraus ertheilt werden. 

Die beiden Stipendien, jedes jährlich 50 Rthlr. 8.-H. Cour., 
können auf 3 Jahre vergeben werden, vorausgesetzt, dass die 
Percipienten die drei Jahre auf der Kieler Universität wirklich 
studiren. Indess sind die, welche selbige auf kürzere Zeit zu 
erhalten wünschen, von der Theilnahme davon, während der Zeit, 
wo sie in Kiel studiren, nicht auszuschliessen. Die Aus- 
zahlung des Stipendii geschieht in zwei halbjährigen Terminen, 
Umschlag und Johannis, jedesmal mit 25 Rthlr. Cour. Die zweite 
halbjahrige Auszahlung erfolgt nur dann, wenn das Wohlverhalten 
und der fortgesetzte zweckmässige Fleiss des Percipienten von 
den Lehrern desselben dem akademischen Senat und dem Ad- 
ministrator (dem Quästor) bezeugt worden sind. 

Jeder Percipient ist verpflichtet, im letzten Jahre seiner 
dreijährigen Genusszeit, zum Beweise, dass er die genossene 
Wohlthat gewissenhaft angewandt habe, über ein selbstgewähltes 
Thema eine lateinische Abhandlung auszuarbeiten und solche dem 
akademischen Senat zur Beurtheilung zu übergeben. Erst nach- 
dem er diese Abhandlung eingeliefert und dieselbe hinlänglich 
befunden worden, erfolgt die Auszahlung der letzten Jahreshälfte 
des Stipendiums." 

Das Kanzleischreiben vom 22. März 1831 erklärt die 
Ausdrücke in § 3 des Normativs : „Oldenburger und Eutiner 
Landeskinder" dahin, dass auf das Unterthanenverhältniss und 
zugleich auf die Geburt des Competenten zu sehen ist. 



138 

f) Das Kamla^sche Stipendium.') 

Der Literat Hans Christian Friedrich Kamla, ein gebomer 
Kieler, und seine Ehefrau Margarethe Christiane Elisabeth geb. 
Haltennann, haben ihrem 1855 am 29. März errichteten Testament 
eine Stiftungsurkunde über ein der Kieler Universität vermachtes 
Kapital von sechs Tausend vier Hundert Rbthlr. angelegt. Die 
Zinsen desselben sollen an die würdigsten und der Unterstützung 
bedürfenden in Kiel Studirenden vertheilt werden. Das Elapital 
soll vom Vollzieher des Testaments nach dem Tode des letzt- 
lebenden der beiden Eheleute dem consistorio academico über- 
liefert und auf folgende Weise verwandt werden. (Kamla starb 
1857, seine Ehefrau am 2. Mai 1860.) 

„Durch den § 3, 1. uijseres am 29. März 1855 errichteten 
und vom hiesigen hochlöblichen Magistrat solennisirten Testamentes 
haben wir, unterzeichnete Eheleute resp. cum cur,, als ich F. Kamla 
(Hans Christian Friedrich Kamla), gebürtig in Kiel, und ich 
M. Kamla (Margaretha Christina Elisabeth Kamla) gebome 
Haltermann, ein Legat für die Kieler Universität errichtet, um 
ein Stipendium für auf obengenannter Universität Studirende 
zu stiften. 

Das dazu bestimmte Capital von Sechs Tausend Vier 
Hundert Thalern Reichsmünze soll vom Vollzieher unseres 
Testamentes, nach dem Tode des Letztlebenden von uns Beiden, 
dem Consistorio academico überliefert werden und soll auf folgende 
Weise verwandt werden: 

§ a. 
Aus der obigen Summe werde ein Stipendium gebildet 
zur Unterstützung würdiger und hülfsbedürftiger, hier in Kiel 
Studirender, ohne Unterschied, für welche Fakultät sie sich be- 
stimmt haben. 

Das Capital selber darf nicht angegriffen, sondern die 
jährlichen Zinsen desselben dürfen nur verbraucht werden. 



I » I I I I r 



') Die Fandation ist einzeln and in den 1868 and 1869 gedrackten leges 
gedrackt, auch in Paalsen Stipendien S. 158. 



139 



§ c. 

Wer Stipendiat werden wül, mnss sich zum Oonvikt-Examen 
stellen dürfen und stellen, und in demselben wenigstens den 
zweiten Charakter erhalten. Ob derselbe im Herzogthum Lauen- 
burg, Holstein oder Schleswig geboren sei, ist ganz gleich, eben- 
falls, wenn er ausserhalb der Herzogthümer geboren ist, aber 
seine Eltern in demselben wohnen, hat er gleiches Becht, sich 
um das Stipendium zu bewerben, wenn er in Kiel studirt. 

Wer Stipendiat werden will, muss sich mit einem selbst 
ver£Etssten Gesuche in lateinischer Sprache an den jedesmaligen 
Kektor der Christiana Albertina wenden. 

§d. 

Das Stipendium gilt nur für ein Jahr. Wenn aber vor dem 
Ablaufe dieses Jahres ein neues Gesuch, begleitet von einer 
kleinen, nicht über drei Bogen starken, wissenschaftlichen in 
lateinischer Sprache geschriebenen Abhandlung, an den Rektor 
eingesandt wird und der frühere Stipendiat sich wiederum zum 
Beweise, dass er keine Bückschritte gemacht habe, dem Convikt- 
Examen unterzieht, so bleibt dem Stipendiaten ebenfalls die 
Einnahme des zweiten Jahres, 

§e. 

Die Summe des erlangten Stipendiums wird halbjährlich 
an den Betreffenden ausgezahlt, damit er nicht, den Betrag für 
das zweite Semester in Besitz habend, ausserhalb Kiels die Ein- 
nahme verwende oder verschwende. 

Sollte der Betheiligte im zweiten Semester hier nicht 
studiren, so fällt seine Portion an die Kasse der Kieler Univer- 
sitätsbibliothek. Ebenfalls wenn die moralische Aufführung des 
Stipendiaten ihm eine akademische Büge zuziehen sollte, so fkllt 
das, worauf er sonst Anspruch aus diesem Legat haben könnte, 
an die SibUothekskasse. 

Das Stipendium wird an vier Studirende vertheilt; — 
wenn aber mehr als vier gleichberechtigte Ansuchende vorhanden 
sind, so haben die künftigen Farticipienten sich darin so zu theilen : 
dass die den ersten Charakter im Convikt erhaltenden, sondern 



140 

auch vorzugsweise die in meiner Vaterstadt Kiel gebomen, immer 
pro persona jeder V4 der fälligen Zinsen erhalten, der Rest der 
jährlichen Zinsen aber unter die übrigen Mitbewerber, die im 
Conviktexamen würdig befunden sind (siehe § c), gleichmässig 
vertheüt wird. 

§g. 
Das Consistorium academicum erhält die Oberaufsicht und 

Verwaltung des zu diesem Zwecke ausgesetzten und zu einem 

Stipendium bestimmten Legates, welches den Namen „Kamla^'s 

Stipendium'' erhalten möge und als solches abgesondert verwaltet 

werden soll»" 

Indem das Consistorium diese Stiftung zur allgemeinen 

Kunde bringt, verordnet es zugleich zur Ausführung der wohl- 

thätigen Absicht der Stifter, was folgt: 

§1. 

Die Auszahlung des Stipendiums erfolgt zur Hälfte um 
Johannis, zur Hälfte um W^eihnachten. 

§2. 

Die Bewerber um eine Portion des Stipendiums haben sich 
im Beginn des Sommersemesters mit einem Ansuchen in lateinischer 
Sprache an den Rektor innerhalb einer von diesem am schwarzen 
Brett zu veröffentlichenden Frist zu wenden. Dem Gesuch ist 
das Zeugniss über das bestandene Conviktexamen beizufügen. 

. § 3. 

Wer sich um den Portgenuss des Stipendiums im zweiten 
Jahr bewerben will, hat vor Ablauf des Wintersemesters ein neues 
Gesuch, begleitet von einer kleinen, nicht über 3 Bogen starken 
wissenschaftlichen in lateinischer Sprache geschriebenen Abhand- 
lung an den Rektor einzusenden und sich dem im Anfang des 
Sommersemesters stattfindenden Conviktexamen wiederum zu 
unterziehen. 

Beschlossen im akademischen Consistorium 

den 19. Februar 1862. 

J. W, Pianok, d. Z. Rektor. 

C. Meyersahm. 



141 



g) Das Knickbein^sche Legat. 

Das Eegulativ für dieses Legat ist in den akademischen 
Gesetzen 1869 S. 27—28 abgedruckt. Es lautet: 

2 1. 
Der Pastor emeritus Johann Hinrich Knickbein zu Steinbiirg 
hat durch Testament, datirt Steinburg den 29. Januar 1860, im 

2 2 bestimmt, wie folgt: 

^Der Universität zu Kiel vermache ich die Summe von 
8000 Thlr. R.-M. [= 6000 Thlr. Pr. Cour.], wozu ich folgende 
Capitalien bestimme: 

a) ein Capital protokoUirt auf dem Gehöft Brammer bei 
Neumünster .2400 Thlr. [= 1800 Thlr. P. C], 

b) ein dito bei der StadtKiel 2000 „ [= 1500 „ „ „ ], 

c) ein dito bei Frahm in 

Schleswig 2000 „ [=1500 „ „ „], 

d) ein dito bei der Univer- 
sität Kiel 1600 „ [=1200 „ „ ^], 

8000 Thlr. [.-= 6000 Thlr. P. C] 

• 

Die jährlichen Zinsen dieser Summe fallen zur Hälfte an 

3 Studirende der Theologie auf der Universität Kiel, welche der 
Unterstützung bedürftig und würdig sind und im Conviktexamen 
den zweiten Charakter bekommen haben, als Stipendium, jedoch 
gehen die Hülfsbedürftigen aus den Familien meiner Lehrer und 
einiger anderen Leute, namentlich der Professoren der Theologie 
Geyser, Hensler und Müller, sowie des Kaufinanns Lorentzen^ 
Holstenstrasse in Kiel, welchen Personen ich während meiner 
Studienjahre von 1794 — 1799 vieles verdanke, vor. 

Die Hälfte der Zinsen f^Ut an hülfsbedürftige Mitglieder 
meiner Familie, sie mögen näher oder entfernter verwandt sein.*^ 

8 2. 

Die Verwaltung des Legats ist bei der akademischen 
Quästur, welche für möglichst sichere und vortheilhafte Belegung 
desselben Serge trägt. 



142 



i 3. 

Etwaige in Folge Mangels qualificirter Bewerber sich 
ergebende Ueberschüsse des Zinsenertrags werden nach dem 
Ermessen des akademischen Consistoriums entweder zum Capital 
geschlagen oder nach Maasgabe der Stiftung unter die Bewerber 
der späteren Jahre vertheilt. 

J4. 

Die Quotenyertheilung unter den 3 Studirenden, welche 
das Legat gemessen sollen, steht bei dem Ermessen des aka- 
demischen Consistoriums. Ebenso bezüglich der hülfsbedilrftigen 
Familie des Testators. 



ib. 

Die etwaigen Ueberschüsse (2 3) kommen nur derjenigen 
Hälfte des Capitals zu Gute, bei welcher sie erspart worden sind. 

2 6. 

Die Verleihung des Legats fiir Studirende der Theologie 
erfolgt jährlich zu An&ng des Sommersemesters auf Vorschlag 
der theologischen Fakultät, nachdem im Umschlage vorher die 
Aufforderung zur Bewerbung bis zum officiellen Schlusstage des 
Wintersemesters am schwarzen Brett erlassen worden ist. Die 
Auszahlung findet zur Hälfte um Johannis und zur anderen Hälfte 
um Weihnachten statt, jedoch fällt die letztere Zahlung bei den- 
jenigen Stipendiaten weg, welche im Wintersemester nicht auf 
der hiesigen Universität studiren. 

Das Legat für hülfsbedürftige Verwandte des Testators 
wird gleichfalls zu Anfang des Sommersemesters, iiachdem vorher 
mittelst Bekanntmachung in geeigneten öffentlichen Blättern zur 
Bewerbung aufgefordert worden, veiiiehen und ton Johannis an 
Beikommende ausbezahlt. 

8 7. 

Die Studirenden der Theologie auf der Universität Kiel, 
welche sich um das Legat bewerben wollen, haben ihren an das 
akademische Consistorium zu richtenden Bewerbungen ein Dürftig- 
keitszeugniss , die FleisszQugnisse , den Beleg des im Convikt- 



143 

examen mindestens erlangten zweiten Charakters^ sowie betreffen- 
den Falls den Nachweis ihrer Abkunft aus den in § 1 aufgeführten 
bevorzugten Familien beizulegen. 

2 8. 
Die Mitglieder der Familie des Testators, welche sich um 
das Legat bewerben wollen, haben ihrem Gesuche bei dem aka- 
demischen Consistorium ausser einem Dürftigkeitszeugnisse die 
Beglaubigung ihrer Verwandtschaft mit dem Testator anzufügen. 
Kiel, im akademischen Consistorium, den 6. Juni 1865. 

Dr. Behn, d. Z» B.ektor. 

C. Meyersahm. 

h) Die Callisensche Prämie. 

Der Generalsuperiniendeni C. Callisen stiftete am 1& Januar. 
1853 und 28. April 1859 eine Prämie theüs fllr eine theologisch- 
praktisch -wissenschaftliche Arbeit, theils fllr dbe Predigt Der 
Fond der Stiftung beträgt 750 ^ oder 300 Thlr. Pr., die theo- 
logische Fakultät in Kiel hat die Verleihung der Prämie von 
30 ^ oder 12 Thlr. Pr., welche jährlich am 20. Februar, dem 
Geburtstage des Stifters, ei4olgen soll. Dieser hat sich und seinen 
Nachkomme in direkter Linie die Rückforderung des Fonds für 
den Fall vorbehalten, wenn das Capital anderweitig als zu dem 
angegebenen Zweck verwandt oder sonst den gemachten Bedin- 
gungen nicht nachgekommen werden sollte. (Vergl. Paulsen, 
Stipendien S. 157. 158.) 

i) Das Tilemann Müllersehe Stipendiunu. 

Es ist gestiftet von der Wittwe Tilemann Müllers, der ge- 
bomen Christiane von Qualen, am 22. October 1829. Der Fond 
beträgt 1000 »thlr. Cour, oder 1200 Thlr. Pr. Die Zinsen der 
ersten beiden Jahre sollen nidit verliehen, sondern zur Bildung 
eines Extrafonds verwandt werden, um nöthigen&lls die Druck- 
kosten der Predigt eines Stipendiaten davon abzuhalten. Die 
S(Vhne des Klosterpredigers Friderici in Preetz und des Doctor 
Hensler in Cappeln haben ohne Rücksicht auf das Studienfach 



144 

ein Anrecht auf das Stipendium von 40 fiflilr. Cour, oder 48 Thlr. Pr. 
Sollte ein junger Theolog aus Franken, dem Grebnrtslande T. Möllers, 
in Kiel stadiren, so ist derselbe bei Yerleihong des Stipendii 
Yorzoglidiznberacksiditigen. Sonst sollen die Zinsen des Fonds 
zur Unterstützung unbemittelter Stndirender ans den Herzog- 
thümem Sdileswig und Holstein verwandt werden, die nach bei- 
gebrachten Beweisen dürftig, rücksichflich ihres sittlichen Lebens 
würdig sind und durch ein Abhandlung über theologische und 
philosophische Gegenstände ihre guten Anlagen und Fortschritte 
in den Wissensdiaften bekundet haben. Die Entscheidung über 
die Würdigkeit und Bedürftigkeit hat die Kieler theologische 
Fakult&t. Das Stipendium kann nur Einem auf zwei Jahre ver- 
liehen werden, in dem zweiten und dritten akademischen Stadien- 
jahr des Bewerbers, mag er sich in dieser Zeit in Kiel oder ein 
Jahr auf einer auswärtigen Universität aufhalten. Die Verleihung 
eifolgt am 22. Oetober, dem Greburtstage des Stifters, die Aus- 
zahlung in halbjährigen Baten, jedesmal mit 20 Bthlr« Cour. 
(Panlsen, Stipendien S. 150-152.) 

k) Die Ansgarius Prämie. 

Diese Prämie wird freilich weder vom akademischen Con- 
sistorio noch von einer Fakultät, sondern von dem Direkb»' des 
homiletischen Seminars verliehen, ich will sie jedoch hier kujz 
erwähnen. Sie ward 1826 bei der Jubelfeier der Einführung des 
Christenthums in Veranlassung des Professors Fr. C. Köster, 
damaligen Direktors des homiletischen Seminars, gestifi;et. Die 
Begierung bewilligte für 1826 zwei Preise von 40 und 30 Species 
oder 50 und 37^ Bthlr. Cour. (Köster, Grescfaichte des Studiums 
der praktischen Theologie auf der Universität zu Kiel, . Altena 
1825 S: 58, und Niemann's Chronik 1826 S. 17, 18|| S.9, 1830 
S. 6, 1831 S. 6). Auf Köster^s Anregung ward eüie jährliche 
Prämie von Schleswiger Predigervereinen gestiftet» Die Beiträge 
fielen später weg, aber aus den gewonnenen üeberschOssen der 
Einnahmen des Seminars ward die homiletische Prämie von 16 
Bbihlr. oder 10 Btiilr. Cour, nach Ministerialschreiben vom 21. Juli 
1854 gesichert. Die Bewerbung besteht in der Einlieferung einer 
Predigt (vgL Chronik der Kieler Universität 1854 S. 22, 1859 S. 79). 



Tabellarische Uebersichten 



der 



ivliiiieiiscliafllicheii liehrer 



der 



Kieler Universität. 



10 



146 



Theologie. 

Peter Masäu«, 
theoL prot ord., 
aacb Prokanzler 

1665—1675. 



Christ. Kortholt, 
theol. prot ord., 
auch Prokanzler 

1665—1694 



Paul Sperling, 

1665-1679. . 



Mattb . Wasinuth, 
1665 ling. hebr. 
et or. prüf, ord., 
tb.extr., 1675 auch 
theol. ord. (1679 
1. hcbr. et or. an 
Opitz übertragen) 



Christoph Franck, 
1665 log. et me- 
taph. prof. ord., 
1675 theol. prof. 
ord. — 1704. 



Jorispradeoz. 

Erich Maoritios, 
pand. profess. ord. 
1665--I671,dann 
Assessor d. Reichs- 
kammergerichts. 



Samuel Rachel, 
juris nat. et gent. 
prof. ord. 1665 bis 
1680, dann Staller 
in Eiderstedt. 



Sim. Heinrich 
Sanneniann , prof. 
ord. inst. 1665 bis 
68 entlassen. 



Heinr. Michaelis, 
prof. ord. cod. 1666 
bi8l668, ward Syn- 
dikus in Lübeck. 



Jüh. Schwenck, 
prof. ord. novell. 
1666 — 69 ging ab. 



Medicto. 

Casp. March« 
prof. ord. 1665 bis 
1673 in Beriin 
Archiator "f 1677. 



Joh. Dan. Major, 
prof. ord. 1665 bis 
1693 nach Schwe- 
den t 1694. 



Joh. Nie. Pech- 
lin, prof. ord. 1673 
bis 1682, Leibarzt, 
von 1685-1690 
wieder im index, 
tl706 inSchweden. 



Wilhelm Huld. 
Waldschmidt, prof. 
ord. 1691-1731, 
seit 1697 auch 
ordin. phys. ex- 
perim. 



Bemh. Matth. 
Franck, ausserord. 
Professor 1694 bis 
1701. 



Kiool. Muritios 
(Moritz), monL 
prof. extr. 1666 bis 

1668 



NicoL Martini, 
polit. oder philos. 
civilis prof. ord. 

1665—1704, ihm 

folgte Amthor (S. 
die Juristen). 



Christ. Franck, 
metaphys. et log. 
prof. extr. 1665, 
1666 ord. -1675. 
(S. die Theologen.) 



Georg E. Held- 
berg, moral. pro£ 
extr. 1672, ord. 
1673, auch log. 
ord. 1675—88. 



Sim. Heinrich 
Musäus, juris nat 
et gent. prof. ord. 
1689—92. (Siehe 
die Juristen.) 



U1 



9 

Mathematik 
und Physik. 

Saiii.Reyher, 

1665—1714 

inathem. prof. 
(S. Juristen.) 



C. Gramm, 
phys. et gr. 
ling. prof. ord. 

1665-1673. 



Johann L. 
Hannemann, 
phys.prof.ord. 

1675-1712 

emeritus et 
honor.- 1 724. 



Wilh. H. 
Waldschmidt, 
med. et phys. 
experim. prof. 
ord. 1697 his 
1731. (S. die 
Mediciner.) 



Geschichte, 

Beredsamkeit, 

Homiletik. 

Mich. Watson. 
hist sacrae et prof. 

ord. 1665 1 1665, 



Ad. Tribbecho- 
vius, moral. prof. 
extr. 1665, seit 
1666 auch histor. 
s. et prof. extr., 

1669-1673 ord. 

ging nach Gotha. 



Dan. G. Morhof, 
eloq. et poes. prof. 
1665, seit 1673 
nachTribbechovius 
Weggang auch hist. 
prof. bis 1691. 



Joachim Justus 
Breithaupt, homil. 
prof. extr. 1684 bis 
1685. 



Hebräische u. 
andere Orient. 

Sprachen. 
(S. Theolog.) 

MattWas- 
muth, 1. hebr. 
et cet. orien- 
tal. prof. ord. 

1665-1679. 



Joh. Ge. Was- 
muth, homil. prof. 
extr. 1687 — 88. 



Heinr.Opitz, 
bis 1689. (S. 
Theologen.) 



Dan.HaBen- 
müUer, 1. gr. 
et ling. Orient, 
prof. 1683 — 

1691. 



Heinr. Muh- 
lius, 16®V»« 
hebr. et cet. 
ling. or., ho- 
mil. et poes. 
prof« (S. die 
Theologen.) 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 

Caeso 
Gramm, gr« 
ling. et phy- 
sioU prof« 

1665-1673 

(S. Phys«) 



Theodor 
DassoY, ling. 
or. prof. 1699 
bis 1709. (S. 
Theologen.) 



Heinrich 
Opitz, 1« gr. 
prof. 1675 

bis 1683« rs« 

Theologen.) 



Dan. Hasen- 
müller, 1. gr. 
prof. 1683, 
1688 homil« 
ot'ient. et gr. 

U — 1691« 



Heinr. Muh- 
lius, 1691 bis 
1699. (Siehe 
Theologen.) 



I^euere 
Sprachen; 

Nie. Carl 
Curtius, Dr« 
jur. et med., 
Lehrer d. oc- 
cident. Spra- 
chen 1665 bis 
1668 ent- 
lassen. 



Ducroy, 
Lehrer der 
französischen 
Sprache 1668 



JeanFried- 
berger, Leh- 
rer der fran- 
zösischen 
Sprache 1675 
entlassen« 



Franc, le 
Houx, Lehrer 
der französ« 
Sprache 1701 



Gio« Bapt. 
di Vergerio, 
Lehrer der 
italienischen 
Sprachel702 



10^ 



148 



Theologie» 

Heinrich Opitz, 
1675 gr. 1. prof. 
ord., 1677 auch 1. 
hebr. etling.ori«nt. 
1689 theol. prof. 
ord. — 1712. 



Heinrich Muhlius, 
168J gr., hebr., 
or*l,, homil.etpoes, 
prof» ord., 1695 
auch theoL prof. 
ord,, 1698 auch 
Prediger* (Seit 

1699 nicht mehr in 
der phiios. Fakult.) 

1700 auch Super- 
intendent — 1734. 



Joh» Friedr. Mayer, 
1687 prof. honor., 
dann ordinär., meist 
absens, da er Pre- 
diger in Hamburg 
bei der Jakobi- 
kirche war ; auf 
Befehl 1699 Dekan 
und im index Scho- 
lar, als theol. prof. 
ord. — 1703. Pro- 
fessor in Greifswald 

— 1712. 



Jurisprudenz. 

Magn. Wedder- 
kopff (auch Wed- 
derkopp), prof.ord. 
cod. 1669—1680 
Rath des Herzogs. 



Nicol. Martini, 
1665 polit. prof. in 
der philosoph. Fa- 
kultät, seit 1671 
auch institutt., 
1672 novell. prof. 
— 1713. Die Pro- 
fessur der polit. 
1704 an Amthor. 



Mich. Joh. Phil. 
Rosmann, institutt. 
prof.extr. 1672 bis 

1680. 



Medicin. 

GOnth.Christoph 
Schelhammer, prof. 

ord. 1695—1716. 



Carl Friedr.Luther, 
ausserordentl.Prof. 
1702-1705 nach 
Stettin in Schwed. 
Dienste^ 1726 ord. 
Prof. der Botanik 
und Medicin in Kiel 
und als prof. phiios. 
nat. auch in der 
philosoph. Fakultät 
t 1744, fehlt im 
Index 17|| und im 
Sommersem. 1743, 
wo Lischwitz als 
primär, steht. 



Christoph Martin 
Burchardi, ausser- 
ordentl, Professor 
1708-1716, dann 
in Rostock 1 1742. 



Philosophie. 

Joh. Claussen, 
methaphys.profess. 
ordin. 1676, 1689 
auch logic. prof. 
— 1699 Herzogl. 
Rath. Schenkte 
seine Bibliothek 
der Universität. 



Georg Pasch, 
moral. prof. ord. 

1689, seit 1702 

auch artis ration. 
et phiios. primae 
profess. — 1707. 
(S. die Theologen.) 



Christ. Heinrich 
Amthor, philos.civ. 
prof. ordentl., juris 
extr. 1704-1712 
ordentl. j uris, 1714 
Präsident in Rends- 
burg. (Siehe die 
Juristen). 



149 



Mathematik und 
Physik. 

Frieder. Koes, 
mathemat. prof. 
1712vocirt,trat 
1721 ein ~ 
1766. 



Fricdr. Gentzke, 
phys. et polit. 

prof. 1721-25. 

(Siehe die Philo- 
sophen«) 



Joh, Christoph 
Hennings, phys. 
et methaphys. 
profess. ordentl. 
und Bibliothekar 
1738-63 ent- 
lassen. 



Geschichte, 

Beredsamkeit, 

Homiletik. 

Daniel Hasen- 
müller , homil. 
prof. 1688. (S. 
griech. u. latein. 
Sprache.) 



Heinr.Muhlius, 
16 IJ gr. et Ori- 
ent« ling,, homil. 
et poes.prof.ord. 
und 1695 auch 
theol. prof. ord. 
(S. Theologen.) 



Joh. Burch. May 
(Majus), eloq. et 
bist. prof. 1693 
bis 1725 enierit. 
et honor. Die 
Professur 'der 
Eloquenz erhielt 
S. Kortholt. 



Hebräische u. 
andere orient. 

Sprachen. 
(S. Theolog.) 

Paul Frie- 
drich Opitz, 
1. gr. et orien- 
tal. prof, ord. 

1721-1725 

auch theol. 
ord.— 1747. 



Just. Fried r. 
Zachariä,ling. 
or. prof. extr. 

1735—1743 

auch anti- 
quitt. sacr. 
ord. — 1748 
auch theolog. 
ord. - 1770. 



Joh. Ernst 
Faber, philos. 
et ling.orient. 
Professor ord. 

1769-1772 

ging nach 
Jena. 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 

Paul Friedr. 
Opitz, 1. gr. et 
oriental.prof. 

1721 - 1747. 

(S. Theolog.) 



Joh. Beruh. 
KoehKT,phil. 
ethistor.prof. 

ext. 1766-69 

n. Göttingen, 
Königsberg, 
las auch über 
griech. u. lat. 
Classiker. 



Carl Friedr. 
Gramer, der 
griech u. mor- 
genl. Liter, 
prof. extrord. 
1775, ord. 

1780, 1794 

entlassen. 



Neuere 
Sprachen. 

Carl Heinr. 
d'Arbemon,d. 
französischen 
Sprache prof. 
ord. 1710 bis 

1725. 



Jean Franc. 
Millet,Lehrer 
der französ. 
Sprache, -J* 

1746. 



Gargan, Leh- 
rer der franz 
Sprache 1747 
bis 1758 ent- 
lassen. 



150 



Theologe. 

Tb.Das80Y, theo!« 
prof. ord«, als ling. 
Orient* prof. auch 
in der pMIos. Fa- 
kultät und Prediger 

1699-1709 Kgl. 

Superintendent — 

1721. 



Jurisprudenz* 

Samuel Reyher, 
1665 roatlu prof. 
ord., 1675 auch 
juris extr., 1683 
juris et mathem* 
ord. — 1714. 



G. Pasch, 1689 
philos, mor«, 1702 
auch metaphys« et 
log* philos. prof. 
ord., 1706 auch 
theol« prof. " extr. 
(S. Kortholt 1706 
ph. mor. prof«) "J" 

1707. 



Beruh« Schulz, 
prof« ord« 1674 bis 

1687. 



Medicin« 

Ernst Wilhelm 
Prangen, 1713 
Leibarzt des Lü- 
becker Bischofs, 
ausserordentUProf. 

1716—17. 



Georg Franck, 
med« prof. extr«, 

1726 — 1736 in 

bischöfl. Eutinisch. 
Dienste. 



Philosophie« 

Matth«. Liobetanz, 
Privatdocent und 
Assessor d«. philos. 
Fakultät 1704-6 
Prediger i. Haselau. 



Johann Gerhardt 
Menschen, Privat- 
docent und facult« 
philos« ass« 1704, 
ging nach Osna- 
brück« 



151 



Mathematik 
und Physik. 

Jons M* Liung- 
berg, philos. et 
mathemat« prof« 
ord. 1770-80 
nach Copenhag« 
in das Gommerz- 
colleg. t 1812. 



Joh. Fr, Acker- 
mann, med« prof« 
extr.1760, med« 
et phys. prof. 
ord.1763-1804. 
(S«d.Mediciner.) 



Geschichte, 

Beredsamkeit, 

Homiletik. 

M. Moeller, 
antiquitt* prof. 
extr. 1694, 1696 
ord., auch hist. 
eccles. 1724 
emerit« et honor. 



Seb. Kortholt, 
poes. prof. extr. 
1701, ord. 1702 
1705 auch Bibli- 
othekar, 1 706 
auch moral. prof. 
— 1725. Die 
Bibliothek sollte 
1725 an Hane 
übergehen ; — 
Kortholt war von 
1725 an poes. et 
eloq« prof., nicht 
mehr moral., — 

1760. 



Hebräische u« 
andere Orient. 

Sprachen. 
(S. Theolog.) 

Carl Friedr. 
Gramer, der 
griechisch, u. 
morgenl. Lite- 
ratur ausser^ 
ordentl. Prof. 

1775-1780 

ord. Prof. — 
1794 entlass. 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 

Dan. Gotth. 
Moldenhawer 
philos. prof. 
extr. 1777 u. 
Adjunkt der 
theolog. Fak., 
1778 philos. 
et theol. prof. 
extr., 1779 
theol. ord. — 
1784 Biblio- 
thekar in Ko- 
penhag. Mol- 
denhaverkün- 
digte in Kiel 
auchphilolog. 
Vorles. an. 



F. Skow, 
Privatdocent, 
n^ philol. 
Vorles., dann 
Prediger in 
Odensee. 



Neuere 
Sprachen. 

Hermann 
Raim. Rossul, 
gall. 1. prof. 
extr. 1761 
bis 1767. 



Dan* Hees- 
lingh , ling. 
QixV. et ital. 
profess. extr. 

1767-69. 



152 



Theologie. 

Albert zum Felde, 
theol. prof» o. d« and 
log. et metaphys. 
prof. ord. in der 
philosopfa. Fakultät 
1709—1720. Seit 
1712 auch Pre- 
diger. 



Wolfg. Chri«toph 
Franck , Prediger 
iindProf.ord.1712 
bis 1716, Prediger 
in Kiel schon 1694. 



Martin Frise, vom 
Könige 1719 zum 
Prof. tbeol. ord. 
ernannt, yom Her- 
zog bestätigt 1721 
bis 1750. 



Paul Friedr. Opitz, 
1. gr. et Orient, prof. 
ord. in der philos. 

Fak. 1721, 1725 

auch tbeol. ord« 

— 1747. 



Jorispradeoz. 

Sim.Heinr.Musäus, 
1682 prof.extr. des 
Natur- und Völker- 
rechts, 1688 juris 
prof. extr* et ass., 
1689 des Natur- 
und Völkerrechts 
prof. ord., 1692 
institutt. prof. ord, 

— 1711. 

El. Aug. Stryk, 
juris prof. extr. 

1688, ord. 1693 

bis 1697 nach Han- 
nover "J* 1733. 



Johann Joachim 

Schöpffer, codicis 

prof. ord. 1712 bis 

1714 ging fort -j- 

1719. 



Chr. H. Amthor, 
1704 philos. civil, 
prof. ord. in der 
philos. Fakultät, 
jur. extr,, 1712 
jur. patrii prof. ord. 
~1714inKönigl. 
Dienste f 1721. 



Medicin. 

G. 6. Richter, 
Privatdocent und 
Assessor der Fa- 
kultät 1722—28 
nach Eutin, 1735 
nach Cröttingen. 



Joh. Christoph 
Lischwitz , med. 

prof.1732-1743. 



Michael Gottlieb 
Kannegiesser, prof. 
extr. 1736, ord. 

1742-92. 



Ernst G^tthardt 
Struve, prof. extr. 

1737, 1738 ord. 

— 1742 nach Pe- 
tersburg. 



Philosophie. 

Sebast. Kortholt, 
moral. prof. Itf06 
bis 1725. (Siehe 
die Professoren der 
Beredsamkeit.) 



Andreas Ludwig 
Königsmann, phil. 
prof. extr, 1708 
bis 1713 nach Os- 
nabrack u. Kopen- 
hagen. 



Fr.Gentzke, philos. 
prof. e^tr. 1708, 
polit. et phys. prof. 

ord. 1721—1725, 

dann philos. prim. 
et art. ration. — 
1739, philos. rat., 
raor. et civil, prot 

- 1757. 



Alb. zum Felde, 
log. metaph. et 
theol. prof. 1709 
bis 1721. (Siehe 
die Theologen.) 



153 



Mathematik 
und Physik* 

Wilh.E.Chri- 
stiani, juris nat., 
polit. et eloq. 
prof. Kündigte 
1768—70 auch 
niatheniat, Vor- 
lesungen an. (S* 
die Historiker«) 



Johann Ohrist« 
K erstens erbot 
sich zu Vorles« 
über Chemie und 
Naturgeschichte 
(S.d.Mediciner.) 



Joh« Christ. 
Fabricius , der 
Oeconomie, Ca- 
meral wissensch. 
und Naturgesch* 
Professor 1775 
bis 1808, 



Joh« Nic.Tetens, 
philos« et math« 
prof« ord, 1777 
bis 1789 nach 
Copenhagen in 
dasFinanzcoUeg. 



Geschichte, 

Beredsamkeit, 

Homiletik* 

PhiU Friedr. 
Hane , histor« 
eccles« et prof. 

orda725,1753 

auch hist. patr* 
prof.; theol* extr» 

1730,orda759 

bis 1769, emerit« 
— 1774 (S. die 
Theologen«) 

Ad« Heinrich 
Lackmann, hist. 
prof, extr« 1 733 
und 1740 auch 
hist« patriae ord« 

— 1753. 



J.M.Kacuffelin, 
1733 d. deutsch. 
Bered8amk«prof« 
ord«, 1735 jur« 
univ. et philos« 
pract. eloq« et 
poes. Teuton. 
prof. und Biblio- 
thekar — 1738 
entlassen u. ver- 
wiesen« 



Joh. Michael 
Schwaniz , als 
eloq. prof« extr«, 
dem Seb« Kort- 
holt adjungirt 
1759_64 ent- 
lassen« 



Hebräische u« 
andere Orient« 

Sprachen« 
(S« Theolog«) 



Griechische 

u« lateinische 

Sprache. 

Joh. Wilh. 
Fuhrmann, th. 
profess« extr. 
1778, ord. 

1779-1780. 

Künd. auch 
philolog. Vor- 
lesungen an. 



Joh. Georg 
Wiggers, phi- 
los. prof. extr. 

1782 - 1787, 

philol« Vorl«, 
nach Peters- 
burg. 

Christ« Gott- 
hilf Hensler, 
Privatdoc. u. 
Adjunkt der 
philos« Fak 

1784-1789 
1792 



auss« 



1 



ord« Prof. der 
Theo]., 1809 
auf Wunsch 
entl. Auch 
philo!. VorL 
(S« Theolog.) 



Neuere 
Sprachen. 

Jean Bart« 
Touchain, L« 
d. franz« Spr« 

1770-81. 



Etienne Fu- 
mars, 1« gall. 
profess. extr« 

1779—83« 



G. Percin, 
1« gall« lector 
1781-90« 



H. de Fine 
Olivarius, 
prof. extr. 1« d« 

1783 - 1825. 

(S. Juristen.) 



154 



Theologie. 

Gast. Christoph 
Hosmann, 1729 
Prediger in Kiel, 
1730 auch theoU 
prof» extr., 1748 
prof« ord« , daza 
1749 Generalsu- 
perintend»— 1766. 



Jurispradenz« 

Franz Ernst Vogt, 
juris prof, ord. 
1712-1724 ent- 
lassen, 1730 zu- 
rückgerufen — 

1736. 



PhiU Friedr. Hane, 
histor« eccl« et civ« 
prof« ord« in der 
Philosoph« Fakultät 
1725, 1730 auch 
theol« extr«, 1759 
ord. — 1769 emer« 

t 1774« 



Pet« Friedr. Arpe, 
jur« publici etpatrii 
prof« 1721—1724 
entlassen« 



Joach« Oporin, 
theol« et homilet. 
prof« extr« 1734 
bis 1735 nach 
Göttingen« 



Ingw« Gottl« Ing- 
wersen, theol« prof. 
extr« 1737-^41. 



Johan\i Heinrich 
Heubel, juris prof. 

ord« 1722-1723 

entlassen, '\' circa 

1746. 



Steph. Christoph 
Harpprecht von 

Harpprechtstein, 
jur. prof« ord. 1721 
bis 1728 auf An- 
suchen entlassen. 

t 1735. 



Medicin« 

Peter Petersen, 
Physikus, für ana- 
tomische 1 Demon- 
strationen ange- 
stellt 1744« 



Friedr« Christian 
Struve, prof. extr. 

1748. ord« 1751 
bis 1780. 



Philosophie. 

J« Lor« Mosheim, 
Privatdocent und 
Assessor d. philos. 
Fakultät 1718 bis 
1723 nach Helm- 
städt. 



Joh«T«Poletyka, 
med« prof. extr« et 
fac« med. adjunctiis 

1754-55. 



Johann Friedrich 
Ackermann, med« 
prof« extr« 1760, 
1763 med« prof« 
ord« und prof« phys. 
theor. et experim. 
in der philos. Fak. 
- 1804« 



Joh. Christ« Hen- 
nings, phys« et me- 
taphys« prof. ord. 
1738-1763 ent- 
lassen« 



Seb«Jac.Qui8torp, 
philos. extr« prof« 
1743-1747 nach 
Rostock. 



Casp« Fr« Lange. 
Privatdocent 1752 
— 53 nach Lübeck. 



155 



Mathematik, 

Physik und 

Naturgeschichte 

Friedr» Valen- 
tiner, Frivatdoc. 
1 783, ausserord» 
Prof* d^Mathem. 

1787, ord. 1797 
bis 1813, 



Joh. Heinrich 
Meyer, Privat- 
docent 1791— 
1797 mathem. 
und philos. Vor- 
lesungen. 



J.G.F.Schrader, 
Frivatdoc.1790, 
Professor extr. 
1792-98, Ma- 
them. u. Physik. 



J,J.P,Molden- 
hawer, auss.Pro- 
fessor 1792— 
1827, las über 
griech. Classik., 
Obstzucht und 
Botanik. 



Geschichte, 
Beredsamkeit, 
Cameral Wissen- 
schaft. 

Johann Bemh. 
Koehler, philos« 
et histor, prof, 
extr. 1766 — 69 
nach Göttingen, 
(S. die Lehrer 
der griechischen 
und lateinischen 
Sprache,) 



Wilh, E, Chri- 
stiani, 1761 juris 
nat.etpolit,prof. 
extr., 1763 ord, 
u. Bibliothekar, 
1766 auch eloq, 
et poes., 1770 
auch histor, prof. 

- 1793. 



Joach. Pieter, 
Privatdoc.1766 
— 72, las über 
Geschichte. 



J,Chr,Fabri- 
cius, Cameralw. 
(S.Naturgesch.) 



Hebräische u, 
andere Orient. 

Sprachen. 
(S, Theolog.) 



Griechische 

u, lateinische 

Sprache, 

A,W. Gramer, 
juris prof., las 
auch über lat. 
Glassiker. (S. 
Juristen.) ' 



B. Kordes, 
Privatdocent 
1789, auss. 
Prof, 1792, 
1793 auch 
Bibliothekar 
-l823.Philol. 
Vorlesungen. 



T. Baden, 
auss.Prof. der 
Eloq. U.Philo- 
logie 1794- 
1802,entlass. 

1804, 



J.J,P,Mol- 
denhawer las 
auch über gr. 
Glassiker. (S. 
Naturgesch,) 



Neuere 
Sprachen. 

J.JacHeinr. 
Schnauer, 1. 
gall. lector 

1788, 1790 

1, angl. lector 

- 1824. 



Manenty, 
1. gall. lector 

1790-97, 



Nik, Ben, 
Lange, Diak« 
in Kiel u. Pri- 
vatdoc. 1790 
—91 lehrte 
die dänische 
Sprache, 



J,CUA.Mar- 
quetfling.gall. 
lector 1798- 
1800. 



156 



Theologie. 

Jufltus Friedrich 
Zachariä^ ling- or. 
prof* exir* 1735, 
1743 auch anti- 
quitt, sacr. ord. in 
der philos« Fakult. 
und 1748 auch 
theol. ord.— 1770. 

Georg Joachim 
Mürk, theol* ord. 

1758-1774^ 



Joh.N icoL Milow. 
(S. d .Philosophen.) 



Wilh.Chri8t.Ju8t. 
Chryaander, theol. 
prof. ord. 1768 bis 

1788. 



Andreas Weber, 
philos.ord., theol. 
extr. 1769—81. 



Jurisprudenz. 

Joh.Zachar.Hart- 
matin, juris Rom. 
etpatrii prof. 1725 
bis 1 740 in haniiOY. 
Dienste, f 1742, 



Friedrich Gottl. 
Struve, juris prof. 

ord. 1726—52. 



Am. Christ. Dorn, 
juris Germ, et Rom. 

prof. 1737-64. 



Gottfr. Heinrich 
Elend (Eilends- 
heim), Privatdoc, 
1734, juris prof. 
extr. 1738-45 in 
Staatsdienst« 

Joh« Carl Heinr. 
Dreyer, juris Germ, 
et prax. prof. 1745 
bis 1753 Syndicus 
Lübecks. 



Medicin. 

Johann Christ. 
Kersteus aus Mos- 
kau berufen, prof. 

ord. 1770-1801. 



Christ« Johann 
Berger, prof. ord. 
1775-1779 aufimoral 
seinen Wunsch 
emerittirt f 1789. 
Seine Bibliothek an 
die Universität ver- 
macht. 



Georg . Heinrich 
Weber, med. prof. 
extr. und Prosector 
1777, med. et bot. 
prof. ord. 1781 — 

1828. 

Joh. Georg Reyher, 
Privatdocent und 
Adjnnct der med. 

Fakult. 1782-98 

ausscrord. Profess. 
der Med. — 1807, 



Philosophie. 

J.B.Mielck^ Pri- 
vatdocent 1758 — 
1767, Diaconus in 
Neustadt. 



Joh. H. Tönnien 

(Tönnies), log. et 

. prof. 1759 

— 1761 entlassen. 

t 1784. 



J. Nie* Milow, 
philos. prof. extr. 
1765-68 las über 
das alte und neue 
Testam. n. orientaL 
Sprachen* 

Andreas Weber, 
philos. prof« ord. et 
theol. extr. 1769 
—1781. (S. die 
Theologen.) 



Chr. C. L. Hirsch- 
feld, Secretar des 
Curatel collegii, 
philos* et elegant, 
liter. prof. extr. 

1720-1773, ord. 
—1792. 



157 



Mathematik, 

Physik und 

N atuTgeschicbte 

J.W* Christiani, 
Privatdocent u. 
Adj. der philos. 
Fakult. 1793 - 
1801 hielt ma- 
tbem« u« Statist. 
Vorlesungen. 



N*Th. Reimer, 
Adj* der philos. 
Fakultät, 1801 
auss. Professor, 
1802 ord. Prof., 

1810-32. 



Geschichte, 

Beredsamkeit, 

Cameralwissen- 

schaft. 

Const« Herrn* 
Hegewisch, hist. 
prof^ extr. 1 780, 

orda782-1812. 



V. A. Heinz«, 
Privatdoc.1782, 
prof« extr. 1 783, 

ordj 787-1 801. 



Aug. Ohr* H. 
Nieraann, Pri- 
vatdocent 1784, 
auss.Prof. 1 787^ 

ord. 1794-1832. 



Hebräische u. 
andere Orient« 

Sprache* 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 



Neuere 
Sprachen. 

Em* Br* de 
Suint Simon^ 
U gall. lector 

1800—25. 



158 



Theologie. 

Joh«Andr.Cramer, 
theolog. prof. ord. 

1774-178a 



Gotth* Traugott 
Zachariä, theolog« 
prof» ord. 1775 bis 

1777. 



Joh» Casp. Velt- 
husen, theol. prof« 
ord, 1775—1778 
nach Helmstädt. 



Joh*Herm,Meyer, 
1771 Prediger in 
Kiel, 1776 theoL 
prof. extr» — 1 795. 

Samael Gottfried 
Geyser. theoL prof. 

ord. 1777-1808. 



Jurisprudenz. 

Joh.Wilh.Gaden- 
dain (Gaden), juris 

prof. 1753—1756 

in Untersuchung 
1764 freigesprocb. 

— 1771. 

Carl Friedrich 
Winkler, j ur. Germ, 
et prax. prof. 1753 
bis 1784. Nach- 
folger Dreyer's. 



Johann Diedrich 
Meilmann, 1771 
Privatdocent, 1 773 
juris prof. ord. — 
1801. 

Johann Phil, von 
Carracb, jur. prof. 
prim.1768— 1769 
entlassen. 

Joh.Heinr.Fricke, 
jur. prof. ord. 1770 
bis 73 nach Halle. 



Medicin. 

(Siehe die vorige 
Tabelle.) 



Philosophie* 

J. Pieter, Privat- 
docent 1766—72 
in Berlin Schnl- 
rector. 



Ad.Fr.Balemami, 
philos. prof* extr. 
u. Hofprediger mit 
Erlaubniss zu theol. 
Vorles. 1773-74 
Pastor in Reinfeld. 

M. Ehlers, philos. 
prof. ord. 1778 — 
1800. 



G.Wiggers, philos. 
prof. extr. 1783 — 
1787 nach Peters- 
burg. 



159 



Mathematik, 

Physik und 

Naturgeschichte 



Geschichte, 

Beredsamkeit, 

Cameralwissen- 

schaft. 



Hebräische u. 
andere Orient. 

Sprachen. 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 



Neuere 
Sprachen« 



(Siehe die vorige Tabelle«) 



160 



Theologie. 



Jarispnidenz* 



Medicm. 



PhikiM^hie. 



Dan, 6. Molden- G* BrökeL, juris' PhiLGabr.Hensler, (s. M. Ehieis muf 
ha wer, pbilos. prof.l prof.ord. 1772-88, ord. Prof. 1789 — jder Ton Tabelle.) 



extr«, tbeoL adj. 
1777 IbeoL extr. 

1778, ord. 1780 

— 84 nach Kopen- 
hagen, M.lasaach 
Aber orientalische 
Sprachen« 

J. W, Fuhrmann, 
theoU prof, extr. 

1778, ord. 1779 
—1780. 



Christ. Gottb. 
licnsler , Privat- 
docent u« Adjunct 
der pbilos. Fakult. 
1784, auss. Prof. 
der Theol. 1789, 

ord, 1992-1809 

auf seinen Wunsch 
entlassen. 



Ad. F. Trendelen- 
burg , ord. Prof. 

1775— 18Ö3. 



J. Chr. Majer, 
ord. 1776—1777 
nach Tübingen. 

Job.D.H.Musäus. 
jur.prof.extr. 1 77o 
-77 nach Giessen. 



Fr. Christoph 
Jensen, Privatdoe* 
1779, auss, Prof. 

1781, ord. 1785- 

1802 in d. Kanzlei. 

H. de Fine Oli- 
varius, des dänisch. 
Rechts u. der däo. 
Sprache ausserord. 
Prof. 1781— 1825 
auf seinen Wunsch 
entlassen. 



1805. 



Hieron. Friedr. 
Philipp Hensler, 
Privatdocent 1791 
Arzt des Herzogs 
Yon Augustenbnrg 

1792. 



Fried. Ad.Heinze, 
Privatdocent I79l 
—1797, Arzt, Be- 
sitzer von Niendorf, 



161 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte. 

(s, N^Th.Reimer 
auf der vorigen 
Tabelle.) 



Geschichte 

und 

Cameralwissen- 

schaft» 

(s* D. Ih Hege- 
wisch u. A. Nie- 
mann auf d* vor. 
Tabelle.) 



Hebräische u. 
andere Orient. 

Sprachen. 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u. lateinische 

Classiker. 

J.A.Nasser, 
Privatdocent 
1789, auss. 
Prof. 1789- 
1828, 1. auch 
über deutsche 
Literatur und 
Kunst* 



T. Baden, 
s. vor. Tab. 



Neuere 

Sprachen u. 

Literatur. 



11 



162 



Theologie. 

J«C. K« Eckermann, 
ord. Prof. 1782— 
1837. 



J. G. Schmidt, 
Privatdocent 1787 
— 1789, theoU und 
philol. Vorlesung. 
Prediger in Hagen« 

H.Müller, auss. 
Profess« derTheol. 
1789—1805, ord. 
Profess. derPhilos. 
-1814. 



J. O. Thiess, 
philos. et theol. Dr. 
Privatdocent 1792, 
ausaerord. Prof. der 
Philos. 1795-1800 
entlassen. 



Jo. Fr. Kleuker, 
prof. ord. 1799— 

1827. 



Jorispradenz. 

Ad.Dietr. Weber, 
ausserord. Prof. u. 
Syndic. 1784, ord. 
Prot 1786-91, 
nach Rostock. 

L. A. G. Schrader, 
ord. Prof. 1790— 
1815. 



Andr. Wilhelm 
Gramer, Privatdoc. 
1785, ausserord. 
Prof. 1786, ord. 

1792-1833, 1826 

Ober-Bibliothekar. 



Medicin. 

J. L. Fischer, 
ord. Prof. 1794- 
1832. Emeritirt 

t 1833. 



Ghr. Fr. Hargens, 
Privatdoc. 1794— 

1829. • 



S.J.G. Behrens, 
Privatdoc. 1792— 
94. Amtsschreiber. 



Anton Fr. J. 
Thibaut , Privat- 
doc. 1796, ausser- 
ord. Prof. 1798, 
ord. 1800-1802. 
Nach Jena« 



C. H- Pfaff, 
ausserord. Prof. der 
Medicin 1798— 
1801, ord.Prof. der 
phüos.Fak., 1802 
der medic. — 1852. 
Pf. hielt auch Vor- 
les. über Physik u. 
Chemie. 

Joachim Dietr. 
Brandis, ord.Prof. 
1803-1809. Leib- 
arzt. Friedrichs- 
hospital. 



Philosophie* 

C. L. Reinfaold, 
ord. Prof. 1794 — 

1823. 



D. Fr. Bielfeld, 
Privatdoc. 1797— 

1835. 



W. Mackensen, 
Privatdoc. 1796— 

1798. 



Christ. Rud. W. 
Wiedemann, ord. 
Prof.1805— 1840. 
Vorsteher der Heb- 
ammenanstalt, hielt 
auch naturhistor. 
Vorlesungen. 



C. F. Callisen, 
Privatdoc 1800— 
1803. Prediger. 



J. M. Schultz, 
hielt auch Vorles. 
über d. Geschichte 
der Philosophie. — 
S. Classiker. 



163 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte. 

G« Eimbke, 
Privatdoc. 1794 
—97. Physik, 
Chemie* 



G. Coopmans, 
ausserord. Prof. 
d. Chemie 1794 
— 99, hielt auch 
medic. Vorles. 

(s. C. H. Pfaff.) 



H. Steffens, 
Privatdoc. 1797 
— 1801 , nach 
Halle. Yorles* 
über Zoologie u. 
Geologie. 



Friedr Weber, 
Privatdocent der 
pbilos« Fakultät 
1804, auss.Prof. 
1805-11, auss. 
Prof. d. Medicin 
1812—15, ord. 

1815-23. 



Geschichte 

und 

Cameralwissen- 

schaft. 

Bis 1812 Prof. 
D«H.Hegewisch« 

A. Chr. H* Nie- 
mann bis 1832. 



Hebräische u« 
andere orien^. 

Sprachen* 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u« lateinische 

Sprache. 

J.J.M.Valett, 
Privatdocent 

1794-1799 

Rector in Ot- 
temdorf. 

J.H.C.Eggers 
Privatdocent 

1802 - 1809. 

Rector in Hu- 
sum. 

J. M- Schultz, 
auss« Profess. 

1802- 1846, 

emeritirt. 



C» Fr. Hein- 
rich, ordentl. 
Prof. 1804— 
l818n3onn. 
Director des 
philoL Semin« 
in KieL 

J. V. Francke, 
Privatdocent 

1815-1819 

Lehrer in 

Flensburg, 
Dorpat» 



Neuere 

Sprachen u* 

Literatur* 



J. Baggesen, 
aus8*Prof» der 
dän. Sprache 
und Literatur 

1811-1814 

nach Kopen- 
hagen. 



ir 



164 



Tfaeologfe. 

G. F. Jäger, 
PriTatdoc. d.philo8. 
Fak., exeget. Vorl. 
fiber das A. u. N. 

Test. 1807-1808. 

G. T. St^er, 
PriTatdoc. d.philo8. 
Fak., exeget« Vorl. 
über das A. tu N. 
Test. 1808 Haus- 
lehrer. 

G. Sam. Francke, 
ordeniLProf. 1810 
—1840. 



Joh. Christoph 
Schreiter, ordentl. 
Prof. 1814—18. 
Director d. homilet. 
Seminars. 

Aug. Twesten, 
ansserord. Prof. d. 
Theo], und Fhilos. 
1814-1819 ord. 
Prof. der Theolog. 
1835 nach Berlin. 
Tw. leitete auch 

181 8 u. 1825-27 

das philoL Seminar 
in Kiel. 



Jarisprudenz« 



Mediciii« 



P.J.A.Feuerbach, A. J« J. Geyser, 
ord. Prof. 1802,IPrivatdoc. 1806 - 



1804 n. Landshut. 



W.Pätz, ansser- 
ord. Prof. 1802- 
1804 nach Heidel- 
berg. 



J. Fr. Reitemeier, 
ord. Prof. 1805— 
1807, 1811 ent- 
lassen. 

Albr. Schweppe, 
auss. Prof. 1805, 
ord. 1815-1818. 
Nach Göttingen. 

J. C. Dümmler, 
Privatdoc. 1808— 
1811. 

J. Chr. Hasse, 
Privatdoc u. Syn- 
dicus 1811 — 13, 
nach Königsberg. 

Nicolaus Falck, 
auss. Prof. 1814, 
ord. 1815—50, 



1807. 



J.C.Ryge, Pri- 
vatdoc. Ih06, dann 
Arzt in Cappeln. 
18 13 Schauspieler. 



Fr. H. H^ewisch, 
ansserord. Profess. 
1810-1865. Arzt 
am Friedrichshosp. 



Phüosopliie. 

Joh. Erich von 
Berger, ord. Prof. 
der Astron. 1814, 
der Philos. 1826 

-1853. 



165 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte* 



Geschichte 

und 

Cameralwissen- 

schaft. 



Hebräische u. 
andere Orient. 

Sprachen, 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 



(Siehe die vorige Tabelle») 



W.Wachs- 
muth ^ ord* 
Prof. 1819— 
25 n« Leipzig. 



R. Brodersen, 
Privatdocent 

1819-1821, 

Rector in 
Rendsburg» 



Neuere 

Sprachen u. 

Literatur. 



166 



Theologie. 



Fr. B. Köster, 
ord. Prof. 1822— 
1838. Directordes 
homilet«u«katechet. 
Seminars» Nach 
Stade» 



K» R. W» Klose, 
Privatdoc» 1832— 
1842. Histor» u. 
exegetische Vorles« 
Nach Hamburg* 



Jurisprudenz. 

C. Th» Wclcker, 
ord. Prof. 18 1 5— 
1816, nachHeidel- 
berg. 

C. H. Reinhold, 
Privatdoc. u. Syn- 
dicus 1815—16. 

M.Tön8en, ord. 
Prof. 1816 -1851 
pensionirt. 

H. R* Brinkmann, 
auss* Prof. 18 19, 
ord. 1823—1835, 
in's Oberappellat*- 
Gericht* 

H. Ratjen, Pri- 
yatdocent 1821, 
ausserord. Profess» 
1830, ord. Prof. 
der philos. Fak. 

1833. 

G.Chr» Burchardi« 
ord» Prof» 1823 - 
1844 in's Ober- 
Appellat. - Gericht» 



P.D.Chr.Paulsen, 
auss» Prof» 1826, 
ord. Prof» 1842- 
1848, ins Appellat.- 
Gericht in Flens- 
burg. 



Medicin. 



C» H» Maes, Pri- 
vatdoc. 18 13 — 14» 
Ar:^t i.Neumünster» 



H» C» Petersen, 
Privatdoc» 1823- 
26» Nach Eckern- 
förde» 



Philosophie. 



E» Reinhold, Pri- 
vatdoc. 1822-24 
Nach Jena. 



167 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte» 



D.M. H» Mohr, 

Adjunct 1805, 
au88»Frof« 1807 
-1808, Zool. 
Botanik, 



Geschichte 

und 

Cameralwissen- 

schaft. 



F* Chr. Dahl- 
mann,beauftragt 
rjit Vorles. über 
Geschieh. 1812, 
auss.Prof« 1813 
— 1829 nach 
Göttingen, 1837 
entlassen, 1842 
Bonn, 

J.G. Droysen, 
ord. Prof. 1840 
— 52 nach Jena, 



Hebräische u« 
andere Orient. 

Sprachen. 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 



Neuere 

Sprachen u. 

Literatur. 



J.Olshausen, 
auss. 1823, 
ord. Profess, 

1830-1852 

entlass. 1853 
Königsberg, 
1858 Berlin. 



Joh.Classen, 
Privatdocent 

1831—1832 

Berlin. 



L. Preller, 
Privatdocent 

1833-1838 

nach Dorpat. 



F.C.Götzsche 
Lector d. dän. 
Sprachel814 
—1822. 






168 



Theologie. 

Chr,N.Th.Thoiii- 
sen, Privatdocent 
1833, aass« Prof. 

1841, ord. 1844- 



J« Asmnssen, 
Privatdoc, 1834 — 
1839, Director des 
Schuilehrer-Semin* 
in Segeberg. 



H. A. Mau, Pri- 
vatdoc« 1834, auss« 
Prof. 1836, ord. 

1839-50. 



Th. Schreiter, 
Privatdoc. 1834 — 
37, Lehrer der Gel. 
Schule in Rends- 
burg. 



Jorispradenz. 

F. Kiemlf, Pri- 
yatdoc. 1 83 1 , aoss. 
Prof. 1834, ord. 
1839—42, nach 
Rostock. 

A.W.S.Francke, 
Privatdoc. 1831 — 
1833, in d. Ober- 
Appel lat.-Gericht • 



Th.Fr.A.Peter8en, 
Privatdocent 1831 . 
AdTokat. 



Job. Christiansen, 
Privatdocent 1834, 
anss. Prof. 1843^ 

ord. 1844--54. 



Emil Herrmann, 
auss. Prof. 1836, 

ord. 1842-1847, 

nach Göttingen. 



Medicin. 

G.Ad.Micbaeli8, 
Privatdocent 1 824, 
aus-. Prof. 1839 — 

1848. 



Chr.G.Deckmann, 
auss. Prof. d. Chir. 
u. Anatomie 1829, 
ord. Prof. u. Direct. 
des Friedr.-Hospit. 

1833-1837. 



Chr. H.K. Mahr, 
Privatdocent 1832 
-36, Arzt in Olden- 
burg. 



Philoeophie. 



A. L. A. Meyn, 
ord. Prof. u. Direct. 
des klin. Instituts 

1833—1851. Das 

Director. an Prof. 
Frerichs. M. ward 
1852 entlassen. 



Fr. Kindt, Pri- 
vatdoc. 1833 — 36. 

W, H. Valentiner, 
Privatdocent 1835 

-56. 



A.H.Ritter, ord. 
Prof. 1833-1837 
nach Göttingen. 



H. Mor. Chalybäus, 
ord. Prof. 1839 — 
52entlassen, 1854 
wieder angestellt, 

t 1862. 



169 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte« 



E.Ferd.Nolte, 
auss.Prof, u^Dir» 
d. botan«Garten8 

1826 -. 



C. H. Tielle, 
Privatdoc. 1840 
-—45, hieltVorl. 
über Cbemie und 
Physik. 



J* F, Sürsen, 
Privatdoc. 1841 
-45» Mineraloge, 
krystallograph.. 
pharmakol. Vor- 
lesungen« 



Geschichte 
und 
Cameral Wissen- 
schaft, 

A.L^J «Michel 
sen, auss« Prof« 
1829, ord.Prof« 
1837-42, nach 
Jena« 

G. Haussen, 
Privatdoc« 1833 
-34 nach Kopen- 
hagen in die Zoll- 
kammer, ord« 

Prof« 1837-42, 

nach Leipzig« 

F« A« Wilda, 
Priratdoc. 1840 
— 45. Cameral- 
wissenschaft. 



Kn« J.Clement, 
Privatdoc« 1841 
-1847. 



G«Waitz, ord. 

Prof. 1842-48, 

nach Göttingen. 



Hebräische u« 
andere Orient« 

Sprachen« 
(S« Theolog«) 

C. Tb« Jo- 
hannsen, Pri- 
vatdoc« 1831 
— 32, nach 
Kopenhagen« 



Griechische 

u* lateinische 

Sprache« 

J.F«M.Ben- 
dixen, Privat- 
doc« 1833 — 
35, Lehrerin 
Flensburg« 

Nissen, Pri- 
vatdoc« 1835 

—36« 



v.d.Smissen, 
Privatdocent 

1836-37. 



Ed« Osen- 
brüggen, 35 
Doctor d. Phi- 
losophie, 41 
d. Jurisprud. 
Privatdoc. u. 
Bibliotheks- 
gehülfe— 43. 
Nach Dorpat« 

Otto Jahn,. 
Privatdocent 

1840-1842 

nach Greifs- 
walde« 



Neuere 

Sprachen u« 

Literatur« 



Dr« J« L« 
Heiberg, Lec- 
tor der dÄn« 
Sprache und 
Liter« 1822- 
26 n« Kopen- 
hagen. 

Chr. Flor, 

Doct« u« Prof« 

der dän« Spr« 

- und Literatur 

1826-45. 



H« V« Buch- 
wald, Lector 
d. franz. Spr« 

1829-1848 

nach Kopen- 
hagen. 



170 



Theologie. 

K. P. M. Lflde- 
nuum, Privatdocent 
1835, aoM. Prof*a. 
Director d. homilet. 
Semin. 1839, 1841 
ord* Prof« ^ 



GL Harms, Archi- 
diac», 1835 theol. 
Vorlea» 



A* U F. Pelt, 
ord.Prof. 1835— 
52 entlassen* Pre- 
diger in Kemnitz« 

Th«Alb,Liebtin, 
ord. Prof. 1844— 
51* Nach Leipzig. 



Jorispradenz* 

A. Christ» Jbh« 
Schmid, PnTatdoe. 
1839—1848, ord. 

Prof* 1853-55, 

ins Ober-Appellat*- 
Gericht. 

Ed. Osenbrfkggen, 
Privatdocent 1842, 
nach Dorpat. 



C. Christiansen, 
Privatdocent 1842, 
Mss. Prof* 184a 



R* Ihering, ord. 
Prof. 1849-52, 
nach Giessen. 



A.W.Wolff, Pri- 
vatdocent 1843. 
Advokat* 



L. Stein, Privat- 
docent 1843, auss. 
Prof* 1846 der phi- 
losophischen Fak. 
1852 nach Wien* 



Medicin* 

W. F. G. Behn, 
Privatdocent 1835, 
anss* Proü 1837, 
1848 ord. Pfo^ der 
Anatomie n.Zo<^og. 
-1867. Pensionirt. 

G.Ph*E.Kirohner, 
Privatdocent 1837 
— 53 anss*Prof. für 
PharmakoL 

G. B* Gflnther, 
ord. Prof* der Chir* 
n.I>ir* d*Friedrichs- 
Hospitals 1837— 
41* Nach Leipzig* 



B*R* C.Langen- 
beck, ord« Prof. der 
Chir. n. Direct* des 
Friedr. - Hospitals 
1841-49. 



Ferdin* Weber, 
Privatdocent u.Pro- 
sector 1842, auss. 
Prof. 1851—60* 

Th* Valentiner, 
Privatdocent 1845 
— 1855* Arzt in 
Pyrmont* 



Philoeophie. 

Fr. Harms, Pri- 
vatdoc* 1842, aase. 
Prof* 1848, ord. 
1858—1867 nach 
Berlin* 



Gust. Thaulow, 
Privatdocent 1845, 
anss. ProL 1846, 
ord. 1854—. 



171 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte. 



Geschichte 

und 

Cameralwissen- 

Schaft. 

J. Chr« Ravit. 
ord. Prof. 1842 
«-52 entlassen» 



Hebr&ische n. 
andere Orient« 

Sprache. 
(S. Theolog.) 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 

Ed. Vollbehr, 
Privatdocent 

1843-1847 

Lehrer i. Plön, 
Glückstadt. 



Neuere 

Sprachen n. 

Literatur. 

L. Wienbarg, 
Privatdocent 

1833-34. 



S. Lubbren, 
Lect. d. engl* 
Sprachel833 
-64 emeritirt. 

J. C. Hauch, 
ord. Prof. der 
d&n. Sprache 
u.Liter. 1846 
— 1848 nach 
Kopenhagen* 

K.V*Müllen- 
hoff, Privat- 
doc. 1843— 
46 auss. Prof* 
der deutschen 
Sprache und 
Literat., ord* 
Prof. 1854— 
58, n. Berlin. 

J. A. Schwob- 
DoUe, Lector 
der französ* 
Sprache 1849 
— 56 , nach 
Gotha. 



172 



Theologie» 

H. O* Fr, Fock, 
Privatdoc. 1844- 
1848. 



Jurispradenz« 

C. O. V. Madai, 
ord. Prof. J845- 
48, nach Freiburg. 



T. C» A. Brink- 
mann, Frivatdoc. 
1848. Advokat. 



A. Th« Sörensen, 
Frivatdoc. 1847 — 
53, hielt Vorles* 
über theologische 
Gegenstände und 
orientaL Sprachen« 



K*G.J, Wieseler, 
ord. Prof« 1851— 
63, nach Greifs- 
wald« 



G. A. Fricke, 
ord« Prof« 1851— 
65, nach Leipzig. 



E. Friedlieb, 
Privatdoc. 1848, 
auss. Prof. 1864 — 

1866. 



J« W« Planck, 
ord. Prof« 1850— 
67, nach München« 



C. F. Samwer, 
auss. Prof. 1850 — 
52, nach Gotha. 



Medicin« 

P« Jessen, Arzt 
des Irrenhauses in 
Schleswig, n. Kiel 
1845, liest über 
psychische Krank- 
heiten. 

Gust.Ross, Fri- 
vatdoc« 1846— 47 
Arzt in Altona« 



Philosophie. 

K. Steffensen, 
Privatdocent 1852 
— 54, nach Basel. 



J« Thygesen, 
Privatdoc. 1846 — 
49, Arzt in Rends- 
burg. 



C« Neuner, ord« 
Prof. 1854- 



A« A« L, Stro- 
meyer, ord. Prof. 
der Chirurgie, Dir. 
des Friedrichshosp. 
1849—54, nach 
Hannover. 

K« C« Th. Litz- 
mann, ord. Prof. 
und Vorsteher der 
Hebammen - Anst« 

1849- 

W« Griesinger, 
ord« Prof. 1849, 
nach Egypten, 



Wilh. Dilthey, 
ord« Prof. 1868- 



173 



Mathematik, 


Geschichte 


Hebräische u. 






Physik, Chemie 


und 


andere Orient. 


Griechische 


Neuere 


und Naturge- 


Cameralwissen- 


Sprachen. 


u. lateinische 


Sprachen u« 


schichte. 


schaft. 


(S. Theolog.) 


Sprache. 


Literatur. 


A.Fr.K.Himly, 


K.W.Nitzsch, 






R. de Lilien- 


ord. Prof. der 


Privatdoc.1844, 






cron , auss. 


Chemie 1846— 


auss.Prof. 1848, 
ord. 1858—62, 
n. Königsberg. 






Prof. 1850— 
1852, nach 
Meiningen* 


L.Meyn, Pri- 


H.W. Ahlmann, 






Chr. Aug. 


vatdoc. 1846 — 


Privatdoc. 1847 






Fr. Molbech, 


48,hielt mineral. 


—48, SecretAr 






auss.Prof. der 


u.geolog.Vorles. 


der provis. Re- 
gierung. 






dän. Sprache 
und Literatur 
1853, ord. 
Prof. 1858 
1864. Nach 
Kopenhugen. 


A. N. Herr- 


G, Zimmer- 




K. Fr. Cl. 


KU Groth, 


mannsen, Privat- 


mann, ord. Prof. 




Prien, Privat- 


Privatdocent 


doc. u. Gehülfe 


der Polizei- und 


■ 


docent 1848 


1858, Prof. 


am zool.Museum 


Staats wissensch. 




-51, Lehrer i. 


1866- 


1848-54. 


1853—54 nach 
Hannover. 




Meldorf, dann 
in Lübeck. 


• 


G. Karsten, 


Wilh. Seelig, 


Christ. Fr. 


K. Lorenzen, 


A. F. A. 


Prof. der Pbysik 


ord. Prof. der 


August Dill- 


Privatdocent 


Manier, Lecr 


und Mineralogie 


Nationalök. etc. 


mann, auss. 


1851—53. 


tor d. französ. 


1848- 


1854- 


Prof. 1854, 
ord. 1859-64, 
n. Giessen. 




Spr,1859.62. 
nachEngland, 


Bromeis, Pri- 


G.H.Handel- 


Th.Nöldeke, 


Ed.Alberti, 


J. Sterroz, 


vatdoc. 1851 — 


mann,-Privatdoc. 


auss. Profess. 


Privatdocent 


9 

Lectord.fran- 


52. Vorlesungen 


1854, Professor 


1864, ord. 


1857- 


ZÖ8. Sprache 


über Chemie.. 


1868 


1868 




1864^ 


» 








K.G. J.Wein- 


Th. H. J. P. 


Wilh. Jung- 




Chr.P,Jes8en, 


hold, ordentl. 


Büttel, Privat- 


hans, ord. Prof. 




Privatdocent 


Professor der 


doc. 1854 58, 


der Geschichte 




1860 - 64, 


deutsch. Spr. 


Lehrer in Rends- 


1862, t 1865. 




nach Haders- 


und Literatur 


burg* 






leben. : 


1861— 



174 



Theologie. 



Jurisprudenz. 

Th. K. Schütze, 
Privatdoc. 1854, 
und 1867— 



K, Ph. B. Weiss, 
ord^ Prof* 1863— 



R* Ad« Lipsius, 
ord» Prof. 1865— 



A.Vöge, Privat- 
docent 1856 — 



R. J. Burchardi, 
Privatdoc. 1856— 
64, Secret&r des 
Ob« - Appellations- 
Gerichts. 

W. Seestern-Pauly, 
Privatdoc. 1859— 
62, Advokat. 



G. Dietzel, ord. 
Prof. 1862-64. 



A. Hänel, ord. 
Prof. 1863- 



G. K. A. Bech- 
mann, ord. Prof. 
1864, 1870 nach 
Erlangen. 



Medicin. 

F.Esmarch, Pri- 
vatdoc. 1850, ord. 
Prof. der Chirurgie, 
Director der Klinik 

1857— 

Fr.Th.Frerichs, 
ord. Prof. Director 
der Klinik 1851- 
52, nach Breslau. 

K.H.Ch.Bartel8, 
Pri vatdocent 1 85 1 , 
ord. Prof. u. Dir. d. 
Klinik 1859— 

J.H.H.Schwartz, 
Privatdoc. 1852— 
59, nach Marburg, 
Em. Fr. Götz, 
ord* Prof. Dir. der 
Klinik 1853-58. 

A.G.J.v.Thaden, 
Privatdoc. 1853— 
60 Arzt in Altena. 

W.Jessen, Pri- 
vatdocent 1853 — 
P. L. Panum, 
au8S.Prof.d.Physio- 
logie 1853, ord. 
Prof. 1857—64, 
nach Kopenhagen. 

F. M. Claudius, 
Privatdoc. u. Pro- 
sector 1855—59, 
nach Marburg. 

R. Dohm, Pri- 
vatdoc. 1859—62, 
nach Marburg. 

K. H. Seeger, 
Privatdoc. 1859— 

W.Hensen, Pri- 
vatdoc«1859, auss. 
Prof. 1864, ord. 
Prot 1868— 



Philosophie. 



175 



Mathematik, 
Physik, Chemie 
und Naturge- 
schichte. 

K. Möbius, 
Prof* d* Zoologie 

1868— 



O* JacohseiK 
Privatdoc. 1868 



Geschichte 

und 
Naturwissen- 
schaft. 

Alfr* Freiherr 
von Gutschmid, 
auss.Frof. 1863, 
ord* 1867— 



Hebräische u. 
andere Orient. 

Sprachen* 
(S. Theolog.) 



J. C. C. Voss, 
Privatd.l868~ 



R. V. Fischer- 
Benzon, Privat- 
doc* 1865 und 
nach einer Reise 
1869 dann Leh- 
rer in Meldorf. 

T.H.Behrens, 
Privatdoc. 1869 



Ferd. Zirkel, 
ord. Prof. der 
Mineral. 1869 



H.v.Treitschke, 
ord. Prof. 1866, 
1867 n. Heidel- 
berg. 



Rud.Usinger, 
ordentl. Profess. 

1868— 



Griechische 

u. lateinische 

Sprache. 

Ad.Th.Fr. 
Michaelis, 
Privatdocent 

1861 — 62, 

nach Greifis- 
wald. 

C.Volquard- 
sen, Privatd. 

1862 — 63, 

Lehrer am 
Gymnasium i. 
Schleswig« 

J. K. O. 
Ribbeck, ord. 
Prof. 1862— 



Neuere 

Sprachen u* 

Literatur. 

F. A .Heise, 
Lectord.engl. 
Spr. 1864- 



Th. Möbius, 
ord. Prof. der 
nord. Spr. u. 
Liter* u.Lect. 
der d&n. Spr. 

1865- 



176 



Theologie« 

A* Klostermann, 
ord. Prof. 1868— 



Jurisprudenz. 

R^W^Dove, ord. 
Prof. 1866—68, 
nach Göttingen. 

K. Wieding, ord. 
Prof. 1867— 



R. John, ord. 
Prof. 1868, nach 
Göttingen. 

H. F. C. P. Hin- 
schius, ord. Prof» 

1868- 



Medicin« 

A. Ritter, Pri- 
vatdoc. 1860 — 

Wilh. Müller, 
auss.Prof. d. pathol. 
Anatomie 1861 — 
63, nach Jena. 

J. Bockendahl, 
Pri vatdocent 1 86 1 , 
auss. Prof. 1866 — 

C.Völckers, Pri- 
vatdoc.1862, auss. 
Prof. 1866— 

Th.H.Jürgensen, 
Privatdocent 1863, 
auss. Prof. 1869— 

A.Colberg, auss. 
Prof. der patholog. 
Anatom. 1864, ord. 
Prof. 1865, starb 
1868. 

K.Kupffer, Pri- 
vatdoc. 1866, ord. 
Prof. der Anatomie 

1867- 

J. Cohnheim, 
ord. Prof. d. pathol, 
Anatomie 1 868 — 

L, H. Fr. Wenck, 
Privatdocent 1867 
-69, Arzt inAltona. 

G.Edlefsen, Pri- 
vatdocent 1869 — 

J.C.Dähnhardt, 
Privatdoc. 1869 — 

L. Zerssen, Pri- 
vatdocent 1869 — 



Philosophie. 

(Siehe die vorige 
Tabelle.) 



Register. 



8«it« 

Abgangszeugnisse 27. 87. 

J. Fr. Äckennann XX. 27. 28.7L 

Adjuncten 80. 

Ed. Alberti 54. 

Otristian Albrecht VI. 3. 

Alterthümer 110. 11 K 

Altena Convikt 124. 

AUonaer Selectaner 74. 

Anatemie 107. 112. 

K. Gr. Andresen 99. 

Ansgarius-Prämie 144. 

Antrittsreden 80, 

Apotheker 66. 

Approbation zur Praxis 77. 

Armenlast 19« 

P. Fr.A.rpe 24. 

Augenklinik 106. 

Auslmder Promotion ... 72. 73. 
Austausch . . - YTTT. 26. 

Badeanstalt 39. 40. 

T. Baden XXV. 32. 

J. Jnu Baggesen 83. 

P. W.y. Baue 54. 

Ballmeister 16. 

K.H.0hr3artels 1859 XXV. 52. 
H. Fr. V. Bassewitz. . .VII. 23. 

J. 0. Basse^tz 24. 

M. Baumgarten 42. 



Seite. 

Baumschule 31. 

G. K. A. Bechmann. ..... .52. 

W. Fr. G. Behn 42. 107. 

T. H. Behrens 54. 

Chr. J. Berger XIX. 27. 

Er. V. Berger XXIH. 36. 

A. P. V. Bemstorf ..... 28. 43. 
BibUothek XXV. XXVI. 

91-105. 

— Dispensationen. . .21. 95. 

— bei^ Habilitationen . . .83. 

— Neglectengeld 85. 

— bei Promotionen .76. 92. 

Bibliothekare : 

S. Rachel, 

D. G. Morhof, 

Chr. Franck, 

Seb. Kortholt, 

Chr. Alb. Opitz, 

J. M. Kaeunelin, 

J. H. Hennings, 

"W. E. Christiani, 

B. Kordes, 

A. W. Cramer, 

H. Katjen. 
Biblioläiekscommission 98. 102. 
BienniumVin.XXXI. 20.21.95. 

Chr. Fr. A. Blohm 102 

J. Bockendahl 54 

12 



178 



Seite. 

Bordesholm 3» 22. 

J. D. Brandis XX. 33. 66. 105. 

Brandschatzimg 17. 

G.Brandt 54. 

H. E. Brinkmann 37. 

G. Brökel XI. 

Buchbinder 184. 

Buchdrucker 16. 92. 

Buchhändler 93. 

Bundesversammlung 29. 

Gr, Ohr. Burchardi 40. 44. 

Burschenschaft 40. 

C. F. CaUisen 32. 

H. CaUisen 104. 

Catharinall TIH. 25. 

H. M. Chalybäus ......40. 47. 

Christian VII XIH. 

Christian VH! XXn. 

44. 46. 108. 

J. W. Christiani .32. 

W. E. Christiani.. Vn. XIH. 

29. 54. 70. 79. 

Joh. Christiansen 42. 47. 

J. Classen XXIV. 42. 

M. Claudius 35. 

Cocarde lilla- weiss 26. 

J. Cohnheim 52. 

A. Colberg : 52. 

Colloquium der auswärts 

Promovirten 80^ 

Communalauflagen 20. 

Consistorium, engeres ..11. 27. 

— plenum 32. 

Conventionen mit anderen 

Universitäten 61. 

Convikt .4. 26. 115. 

Conviktexamen 1775 26. 

— 1707 der General- 
superint X. 116. 

— 1 775 die philosoph» 
Fakultät... 26. 118. 127. 

— während der Studien 

IX. 89. 

Conviktgebäude .49. 

Andr. Gramer 21, 



Seite. 

A.W.Cramer. .XVin. 32. 98. 

a Fr. Cramer 28» 

J. A. Cramer. . XIV. 26. 27. 55. 

V. Cronstem 104. 

Creditedict 13. 31. 

Curatellcollegium 25* 

Curatoren : 

H. Fr. V. Bassewitz 23. 

Geh. R. E . J. V. Westphalen 25 
Graf D. Reventlow. . .26, 86, 
Graf Fr. Reventlow ... 36. 86. 
Graf Chr. zu Rantzau. . . .36. 
Graf von BrockdorjBF. .40. 86, 

J, F. Jensen 40. 

Professor Olshausen 46» 

Kammerh. Kauffmann 48. 86. 
Graf A. v. Reventlow. . . .48. 

Professor Planck 50 

Baron v. Scheel-Plessen. .50. 

G. Curtius XXV. 47. 70. 

Custoden der Bibliothek: 
Doct. Vöge und Alberti . . 97. 

J. C. Dähnhardt 54. 

Chr. Dahlmann XXIV. 

36. 41. 52. 81. 

Chr. G. Deckmann 41. 

Dekane ;64. 69. 

— Consens f iir Docenten 81. 

Deposition 59. 

G. Dietzel 52 

Chr. Fr. A. Dillmann . .47. 50. 

W. Düthey 53. 

Disciplinargewalt 12. 

Dispensation vom Miaturi-# 

täts-Zeugniss. 78. 

Disputation ...'....... .31. 88. 

Dissertationen medicin. 

Deutsche 75. 

A. Chr. Dom 25. 55. 

J. A. Domer ^.,. . .XV. 42. 

Dos academica 26. 

P. W. Dove 53. 

J. C. H. Dreyer. . .XU. 25. 90. 
Dumoüriez ^XIV, 



179 



Seite. 

J. Chr. R. Eckemiann XV- 42. 

G-. Edlefsen 54. 

M. Ehlers XX. 69. 

Ehrengericht XIV. 32. 

Ehrenpromotion 72. 

Eid der Mediciner 71. 75. 

Einkommensteuer 19. 20. 

Einweihung 6. 

G. H. Elend XXXIV. 

Entlassungen ... 22. 28. 30. 47. 

W. A. Emesti 25. 

J. F. A. Esmarch 52. 

J. E. Faber .,.,26. 

C. Pabricius geb. Ambrosius 

XXV. 96. 
.1. C. Fabricius. . . .27. 30. 107. 

Fakultäten 64. 

N. Falck XXni. 37. 43. 

Fechtmeister 16. 54. 

Albert zum Felde IX. XI. 

A. Peuerbach 32. 33. 

J. L. Fischer XIX. 41. 

Fiskus, kleiner 58. 

, Flensburger Sammlung. . . .111. 

Chr. Flor. 110. 

P. W. Forchhammer .... XXV. 

41. 110. 

Porstlehr- Anstalt 104. 

Christ. Franck 65. 67. 

A. W. S. Francke 42. 

Gr. 8. Francke XV. 42. 

J. V. Francke 42. 

Frequenz der Universität 

xxyn.-xxxi. 

J. H. Fricke, Jurist 26. 

G. Fricke, Theolog 53. 

E. S. H. FriedUeb 52. 

Cari Friedrich VI. 

Friedrich IV., Herzog . 23. 88. 

Friedrich VI xfll. XXII. 

43. 44. 101. 105. 
Friedrich Vn. . . XXII. XXIII. 

XXV. 

Cari Friedrich 25. 

Friedrichs-Hospital 19. 105. 



Seite. 

M. Prise 24. 

N. Funk..... 34. 35. 

Garten, botanischer. . . .49, 109. 

J. W. Gave 104. 

Gebühren der Promotion 72. 76. 

Gehalt des Rektors 57. 

Fr. Gentzke.. 24. 

Gerichtsbarkeit 10. 

Gewerbeordnung 77. 

S. G. Geyser...XIV. 27. 129. 

W. Girtanner 52. 

Görtz vn. 

von Gössel 105. 

E. Fr. Götz 47. 

H. C. Götzsche, Lector .... 84. 

Caeso Gramm IX. 5. 67. 

W. Griesinger .46. 

Kl. Groth 54. 110. 

Grundsteuer 18. 

M. Gude XIII. 132. 

G. W. Günther 41. 

Gutsbesitzer 105. 108. 

H. A. von Gutschmid 53. 

Habilitation 1869 81. 83. 

Albert Hänel 53. 

Halbprocentsteuer 16. 

G. H. Handelmann 54. 110. 

Ph. Fr. HaneVII. XXXIII. 24. 

F. Hansen 104. 

G. Haussen 42. 

Kl. Harms 43. 

St. Christ. Harpprecht von 

Harpprechtstein.XII. 24. 55. 

J. C. Hasse 37. 

J. V. Hatten 22. 

J. C. Hauch 46. 

Hausfreiheit 14 — 16. 

Hazardspiel 39. 

Hebammen- Anstalt 106. 

D. Hegewisch .... XIII. XXI. 

28. 36. 

Fr. Hegewisch 41. 

HeilanstaltenXXV. 105.106.1 11. 
C. Fr. Heinrich.. XX. XXV. 

33. 35. 

12» 



180 



Seite. 

V. A» Heinze XXI* 

A. Heise 54. 

J. Hennings Syndikus XXXII. 

5. 7. 
J, Chr. Hennings, Biblio- 

tiidutr 70. 

V* Hensen 53. 

O.G.Hensler XV. 32. 

Ph. Gr. Hensler XIX 29. 

P. D. Hermes 34. 

Em. Hemnann 42. 

H. E. Heseler 104 

J. Tk Heseler 104. 

A* Fr. K. Himly 108. 

P. Hinsohius '.53. 

Chr. 0. L. Hirschfeld 25. 

H0gh-Guldberg 35. 

Hortus medicus 109. 110. 

Hospital 41. 

Holsteiner, Neu- 45. 

Honorare fllr Yoiiesungen . . 59. 

O. Jacobson 54. 

O. Jahn 42. 

F. 0. Jensen XVIII. 32. 

J. F. Jensen 40. 

P. Jessen 54. 

P. H. Jessen 100. 

P. W. Jessen 54. 

Immatrikulation ... 60. 61. 71. 

— ohne Zeugniss 63. 

ImmatrikuL-Oommiss. nicht 62. 

Immunitäten 13. 

Indices XXXIH. 

Indigenat 31. 

Inscriptionsgeld gleich .... .58. 
Institut, paSiologisches 111. 

— physiologisches 107. 112. 

R. E. John 52. 

Jubüäum XXIV. 25. 

W. Junghans 52. 

H. Chr. Fr. Kamla 97. 138. 

Kanzler J. A. Cramer ... 55. 

G. Karsten 47. 108. 

J. 0- Kerstens 32. 



Seite. 

Kiel, Pflugaahl. . «. 5. 

J. A. Edelmann VI, 8. 21. 

J. Fr. Kierulf • . • . 41. 

A. Ph. E. Kirchner 42. 

J. F. Kleuker..-....XV- 27. 

0. P.W. Klose.. 99. 

IQosterkirche . . ^ 88. 

A. Klostermann 63. 

J. H. Knickbein 141. 

A. H. M. Kochen 79. 

J. B. Koehler VH. 

Fr. Koös.... 24. 

F. B. Koester 41. 144. 

B. Kordes, Bibliothekar 32. 

Chr. Kortholt, Prokauzler 8. 65, 

Seb. Kortholt..... 24. 

Kosten der Promotion 72. 

Ejrankenhaus 66* 105. 

Kriegssteuer 53. 

Kunstverein 109. 

C. Kupffer .53. 109. 

Laboratorium 107, 109. 

Leichenhaus 106, 

K. C. Th. Litzmann 47. 

J. M. Liungberg 26. 

Fr. Loos 54. 

K. P. M. Lüdemann 42. 

Ad. Fr. Lüders 41. 99. 

C. Fr. Luther 24. 

J. D.Major XH. 65. 109. 

J. B. Malus, s. May. 

C. Maroh 9. 65. 

G. J. Mark XXXIV. 

N. Martini 9. 67. 

Matrikel 58. 60. 

H. A. Mau 42. 

Er. Mauritius 8. 65. 

Nicol. Mauritius 67. 

J. B. May, Prof. der Eloquenz 6& 

J. Fr. Mayer IX. 68. 

Mediciner, Studien 21. 86, 

J. D. Mellmann 32. 

A. L. A. Meyn 47. 

L. Meyn 108. 



181 



Seit«. 

G. A. Michaelis 4L 

H* Michaelis 65* 

A. L. J. Michelsen 41. 

Militärpflichtige 60* 

Mineratien 107. 

K. Möbius 53. 109. 

Th. Möbius 53. 

Chr. K. Fr. Molbech 53. 

D. G. Moldenhawer 27. 

J. J. P. Moldenhawer . .31. 32. 

J. MoUer XXXTTI. 

Monatszettel 84. 

D. a. Mor>of IX. Xni. 8. 9. 67. 

J. L. Mosheim • . • . XI. 

K. W. Müllenhoff 48. 100. 110. 

G. MüUer 52. 

H. MüUer 34 35. 

Münzsammlung 110. 

H. MuhUus. Ö:. 17. 23. 55. 57. 
P. Musäus, erster Prorector 

8. 9. 55. 
Museum der Alterthümer. .110. 

Napoleon, Prinz 104. 

J. A. Nasser XXI. 32. 

Neddermeyer 105. 

Christ. Negri 104. 

K, G. Neuner 47. 

A. Niemann XXI. 26. 51. 

G. W. Nitzsch XXV. 47. 

K. W. Nitzsch 46. 47. 

Th. Nöldeke 53. 

E. F. Nolte 41. 

Nostrifikation 79. 

J. C. a Oelrichs VIIL 

0. F. A. Ohlsen 104. 

Oldenburg, Grossherzog 

104. 105. 136. 
H. de Frne Oliyariua.. .32. 83. 

J. Olshausen 4. 47. 99. 

P. Fr. Opitz 24. 

Ostfriesische Gelder. . ..27. 28. 

P. L. Panum 53. 107. 

Ad. Pansch 54. 



Seite. 

K* Paulsen 41. 

P. Paulsen .113. 

Nie. Pechlin 65. 

Pedellen 16. 85. 

A. L. F. Pelt 42. 47. 

C. H. Pfaff XIX. 32. 108. 109. 

J. J. W. Planck 46. 47. 

Pockenhaus 106, 

Practica .88. 

Privatdocenten 42. 54. 81. 86. 87. 
Professoren sollen nicht 

advociren 85. 

— nicht auswärts 

practiciren 85. 

Professoren der Eloquenz XXV. 

Programme XXXIII. 

Promotion 9. 46. 56 - 58. 70—78. 

— Kosten 72. 

— Zeugniss der Reife 

nöthig 62» 75. 

— Zustimmung des 

Landesherm 72. 

— ohne höhere Zu- 

stimmung 1867 -.74. 
Prüfang 63. 70. 

Quästor-Instruction 27. 

Quinquennium 70. 

S. Rachel. . .XXXn. 6. 8. 65. 

Rang der Professoren 32. 

Christian Rantzau 36. 

Meta Rantzau 3. 

Rantzau-Oppendorf 105. 

EL Ratjen 41. 

Recht, Deutsches 25. 

— Römisches 25. 

Rechtgläubigkeit 65. 79. 

Rector, der Herzog, der 

König .... 8. 26. 56. 

Rector, Professor .58. 

Rectorgehalt 57. 

Regierung, provisorische . . .46. 
Reglement 1701 und 1707 

IX. X. XVI. 8. 23. 67. 68. 88. 
N. Th. Reimer XXI. 32. 



182 



Seite. 

J» ßeinboth 8. 

C. L. Reinhold XX. 

X Fr. Reitemeier.. XVHL 14. 
Reitkunst 54. 

B. Reventlow 26. 27. 

Fr. Reventlow XVHI. 32. 

J. G. Reyher 32. 

S. Reyher 67. 

O. Ribbeck XXV. 52. 

C. F. Richardi 135. 

A. Ritter 54. 

Gr. H. Ritter 41. 

Ritterschaft 105. 

Rostock 4. 

V. Rosen 104. 

P.Roth 53. 102. 

Sammlung, pharmakol 111. 

Samwer 47. 

S. H. Sannemann ö5. 

SanitätscoUegium 66. 

H..F. Scherk.... ..... ..47. 

R. Ph. Schilling in Riga 

XXIV 97 
Schlossbrand 1838. . . . 100. lOL 

A. Th. J. Sehmid 43. 

G. Fr. Er. Schönbom, 

BibUothek 98. 

J. J. Schöpflfer 57. 

C. M. G. Schrader.... XVIII. 
L. A. G. Schrader XVIH. 32. 37. 

J. Chr. Schreiter 37. 

Schübeier 106. 107. 112. 

Th. R. Schütze 54. 

B. Schultz 55. 

J. M. Schultz 32. 

Schullehrerseminar XV. 34. 60. 

J. M. Schwanitz 70. 

J. Schwenck . . 65. 

A. Schweppe XVIII. 37. 

K. Seeger 54. 

W. Seelig 47. 

Seminare : 

homiletisches 27. 89. 111. 

katechetisches 90. 

pädagogisches 90. 

philologisches . . .37. 90. 112. 



Seite. 

Siegel 7. 

P. Sperling 9. 65. 

Sportelfreiheit 12. 

Sprachen, alte 31. 

- dänische 32. 

SpruchcoUegium 90. 

Staatsprüfung 75. 76. 

Statthalterschaft 46. 

Statuten 64. 

H. Steffens 29. 32. 

Steindorff 104. 

Stempelpapierfreiheit ...... 1 2. 

J. Sterroz 54. 

Stiftung der Universität 

XXXII. 1. 
Stipendien ... ...... 112. 146. 

Stipendium : 

Callisen's 143. 

Convikt llfx 

Kamla's 1 38. 

Knickbein's 141 . 

Oldenburgisches 136. 

philologisches 27. 

Qualen s 57. 

Richardi's 135. 

Schassisches 132. 

Tilemann-MüUer's 143. 

A. A. L, Stromeyer 46. 47. 

Studienplan 87. 

Studirende auf Preussis eben 

Universitäten 21. 

Studirende in Kiel . . XXVI. 34. 

Tanzmeister .16. 

Tentamen phys. 75. 78. 

J. N. Tetens XXI. 27. 

G. F. Thaulow 46. 48. 

A. Fr. J. Thibaut XVIII. 32. 81. 
J. 0. Thiess. . .XV. XVII. 30. 

N. Th. H. Thomson 42. 

Tilemann-Müller 143. 

J. H. Tönnies 70. 

M. Tönsen XXin. 37. 

Torquatus 6. 

H. v.^ Treitschke 53. 

Ad.Fr.Trendelenburg XVTI. 27. 



183 



Seite. 

A. Twesten XXIV- 37. 42. 90. 
Ad. Tribbechovius 67. 

Universität unter dem Lau- 

desherm 11. 

Universitäts-Bibliothek. .27. 28. 

91—105. 

— Custoden 97. 

— Einnahme . . . 21. 76. 83. 

85. 92. 94. 95. 

— eiQ Exemplar von 
den Druckern und 
Schriftstellern ... 93. 94. 

— desgl. von den Ver- 
legern 92. 

— Greschenke . . . 95. 97. 98. 
Universitätsgebäude 1768. . .26. 

— beabsichtigt 49. 

Urlaub 50. 

E.'Usinger 52. 

F. Valentiner 32. 81. 

Varendorflf 27. 

Veranlassungsentwurf 22. 

Verbindungen 61. 

Verleger 93. 

Verzeichnisse der Vorles. ... 86. 
Visitation der Universität 
1668, 1672, 1707 ...21-24. 

Ad. Vöffe 54. 101. 

C. Völcters . 54. 

Fr. E.Vogt X. Xn. 24. 

Ed. Volbehr 100. 

H. Volbehr 100. 

Vorlesungen 84. 

— Pnvat- 84. 

— Publ ..84. 86. 

— zeitig zu absolviren. .86. 



Seite. 

J. C. Ch. Voss 54. 

E. W. G. Wachsmuth XXV. 37. 
W. H. Waldschmidt. . . .24. 65. 
0. V. Wamstedt , ... 104. 

F. V. Wamstedt HO. 

Wartburgfeier 37. 

M. Wasmuth 9. 65. 67. 

M. Watson 67. 

A. Weber 26. 

A. D, Weber XVH. 

Fr. Weber....; XIX. 41. 

G. H. Weber 32. 65. 105. 

Wedderkopp 23. 

K Gr. J. Weinhold 48. 

K. PL B. Weiss 53. 

C. Th. Welcker 37. 

E. J. von Westphalen. . . .XU. 

A. D. E. Weyer 47. 

Ohr.R.W.Wiedemann 41. 108. 

K J. Fr. W. Wieding 53. 

K. G. J. Wieseler 53. 

F. A. Wilda 99. 

W. Ed. Wüda 48. 

Friedrich Wühelm I Vin. 

Wühelm 1 98. 

N. C. Fr. Wittrock 98. 

G. Chr. Wol^ Biblioth.. .27. 95. 

Zeichnenkunst 54. 

Zeugniss der Reife 62. 63. 74 75. 
— ersetzt durch Con- 

viktzeugniss 77. 

Zimmermann 47. 

Zipser 107. 

F. Zirkel 53. 

ZoUfreiheit 19. 



— "i-s-^j^^^e-f'— . 



Verbesserungen und Zusätze. 

S. 9 Z. 1 V. u.: D. O. Morhof statt J. G. Morhof. — S. 24 Z. 16. r. o.: 
noetras statt nortras. — S. 27 Z. 1 1 t. o : Trendelenbuig statt Trandeleobarg. — 
S. 32 Z, 1 1 V. o. : L. A. G. Schradct statt L. A. W. S<;hrader. — S. 47 Z. 8 v,o.: 
a W. Nitzsch statt G. G, Nitzsch. — S. 47 Z. 8 v. u. : G. W. Nitzsch statt 
G. G. Nitzsch. -— S. 56 Z. 9 ▼. o.: V. statt 3. — S. 59 Z. 18 v. o. : curato 
statt carato. — S. 69 : Der Dekanatswechsel findet jetzt in der medieinischen und 
philosophischen Fakultät am 24. Juni statt <, in den beiden andern FakuMten am 
1. Januar; die Function aller vier Dekane dauert ein Jahr. •<— S. 88 Z. 11 t« n. : 
orution statt ovation. — S. 97: Die Bibliothekskasse hat leidef den Zinsgenuss des 
Fabricinsschen Fideioommisses, also jährlich 240 Thlr. verloren. Hoffentlich wird 
durch die Gnade Seiner Majestät Entschädigung gewährt werden. — S. 105 Z. 7 ▼. o. : 
XVI. statt XV. — 8. 112 Z. 13 v. u. : XVJI. statt XVI. — S. 118—120: 
halbjährliche Zeugnisse der Conviktoristen , Reden derselben an Festtagen oder im 
Semester werden schon lange nicht verlangt. Das testimonium idoneitatis ward 
nicht als Bedingung zur Prüfung der philosophischen Fakultät gefordert, wenn es 
auch regelmässig vorgelegt wurde. — S. 1 22 Z. 1 2 v. n. : Consistorii statt Consistorio. 

Der Universitätsbuchbinder hat eine kleine der Universität gehörende Wo^.irang 
in der Nähe des alten Universitätsgebäudes nicht weit von der Wohming für ^nen 
der beiden Pedellen. Der Bachbinder hat diese entlegene Wohnung vcrmiethet. 
Das Consistorium räumte 1824 (Stat. II 252) dem Bibliopegen gegen eine billige 
Taxe ein ausschliessliches Recht ein auf das Binden der akademischen Dissertationen, 
so weit die Exemplare für die Universität bestimmt sind. 



brück von C. F. Mohr In Kiel. 



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